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Aberdeen
Traditionelle Grafschaft, Aberdeenshire ; Einwohner, 224.190 (Stand: Juni 2022) ; Fläche, 186 km² (71,82 mi²) ; Bevölkerungsdichte: 1205 Einw. je km².
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Lage und Bedeutung
Aberdeen (schottisch-gälisch Obar Dheathain, amtlich City of Aberdeen) ist eine Stadt im Nordosten Schottlands im Vereinigten Königreich. Sie liegt an den Mündungen der Flüsse Dee und Don bei 57° 9′ N, 2° 6′ W. Die Council Area Aberdeen umfasst 186 km² und hatte im Juni 2022 224.190 Einwohner; damit ist Aberdeen die drittgrößte Stadt Schottlands. Die Einwohner heißen Aberdonians.
Die Stadt gehört traditionell zu Aberdeenshire. Ihr Name verweist auf die Lage zwischen Dee und Don; das keltische Präfix Aber- bezeichnet den Zusammenfluss von Flüssen. Das Stadtbild prägt silbergrauer Granit aus früheren Steinbrüchen. Wegen des im Sonnenlicht glitzernden Glimmeranteils wird Aberdeen auch Silver City genannt. Als Flower City wurde sie wiederholt beim Wettbewerb Britain in Bloom ausgezeichnet.
Aberdeen ist seit dem 12. Jahrhundert bedeutend. Nach der Erschließung der ersten Nordsee-Ölfelder seit Anfang der 1970er Jahre wurde die Hafenstadt zum Hauptversorgungszentrum für Offshore-Plattformen und gilt als Ölhauptstadt Europas. Zwei Universitäten prägen die Stadt; Studierende machen etwa zehn Prozent der Bevölkerung aus.
Entwicklung zur Hafen- und Universitätsstadt
Das Gebiet ist mindestens seit 8000 Jahren besiedelt. Für das frühe 3. Jahrtausend v. Chr. gibt es Hinweise auf Becher-Kulturen, darunter Steinkreise in Aberdeenshire. Ab 400 v. Chr. setzte keltische Migration aus dem südlichen Schottland ein. Im Jahr 84 n. Chr. führte der römische Statthalter Agricola rund 40.000 Soldaten nach Kaledonien und schlug bei Mons Graupius nahe Bennachie die vereinigten Armeen der Pikten.
Das genaue Gründungsdatum Aberdeens ist unbekannt. Überliefert ist eine von St. Machar 580 n. Chr. errichtete keltische Kapelle. Zunächst bestanden Old Aberdeen am Don und New Aberdeen als Fischerei- und Handelszentrum am Denburn und Dee. Malcolm III. baute die Siedlungen zur Stadt aus; Alexander I. machte Aberdeen im 11. Jahrhundert zu seiner Hauptresidenz. Wilhelm der Löwe verlieh den Bürgern 1179 die Rechte einer freien Hanse. Nach der Rückeroberung von der englischen Herrschaft 1308 erhielt die Stadt von Robert the Bruce eine Magna Charta, landwirtschaftliche Flächen, den Wald von Stocket als Jagdrevier und das Wappen mit dem Motto Bon Accord.
1336 wurde Aberdeen auf Befehl Eduards III. niedergebrannt und anschließend als Neues Aberdeen ausgebaut. In den Kriegen der drei Königreiche wurde die Stadt von 1644 bis 1647 von beiden Seiten geplündert; ein Pestausbruch tötete 1647 ein Viertel der Bevölkerung. Im 18. Jahrhundert entstanden ein neues Rathaus und soziale Einrichtungen, Verkehrsachsen wurden ausgebaut und 1770 die Stadttore entfernt.
Industrialisierung brachten Textil- und Papierfabriken, Schiffbau und wachsende Fischereiflotten. 1860 entstand die Universität durch Zusammenschluss des 1494 gegründeten King’s College und des 1593 gegründeten Marischal College. 1891 wurden Old Aberdeen, New Aberdeen, Woodside und Torry zu einem geschlossenen Stadtgebiet vereinigt. Im Zweiten Weltkrieg gab es 24 deutsche Luftangriffe. 1969 wurde mit Montrose Field das erste britische Ölfeld vor der schottischen Ostküste erschlossen; 2003 waren mehr als 120 Öl- und Gasfelder in Betrieb. Die Einwohnerzahl verdoppelte sich durch neue Siedlungen rund um die Stadt.
Verwaltung, Bildung und Stadtleben
Aberdeen ist historische Hauptstadt von Aberdeenshire. Es war seit 1899 neben Glasgow, Dundee und Edinburgh eines der vier Counties of cities Schottlands, wurde 1975 ein District der Region Grampian und 1996 zur einstufig verwalteten Council Area City of Aberdeen. Außerdem ist es eine Lieutenancy Area Schottlands.
Der Aberdeen City Council hat 45 Ratsvertreter und wird vom Lord Provost geleitet; dieses Amt hat seit 2017 Barney Crockett inne. Nach den Kommunalwahlen 2022 entfielen 19 Sitze auf die Scottish National Party, 11 auf Labour, 7 auf die Conservative Party, 4 auf die Liberal Democrats und 4 auf Unabhängige. Für das britische Unterhaus ist das Gebiet auf Aberdeen North, Aberdeen South und einen kleinen Teil von Gordon verteilt. Im schottischen Parlament gehören dazu Aberdeen Central, Aberdeen Donside sowie ein Teil von Aberdeen South and North Kincardine.
Die University of Aberdeen wurde 1495 gegründet; sie ist die drittälteste Universität Schottlands und die fünftälteste im Vereinigten Königreich. Daneben gibt es die Robert Gordon University sowie Schulen für Chemie und Ackerbau, eine Kunstschule, theologische Schulen und zwei Gymnasien.
Kulturelle Angebote konzentrieren sich unter anderem auf Union Street und das studentisch geprägte Old Aberdeen. His Majesty’s Theatre zeigt Gastspiele aus Ballett, Oper, Musicals und Theater; das Royal Scottish National Orchestra gastiert in der Music Hall. Das NuArt Festival präsentiert seit 2017 Straßenkunst. Im Sport ist der FC Aberdeen in der Scottish Premiership vertreten.
Bauwerke, Museen und Grünanlagen
Zu den wichtigen Orten zählen Castle Street mit dem Market Cross als Zeichen des mittelalterlichen Marktrechts und Old Aberdeen mit kopfsteingepflasterter Altstadt. Die King’s College Chapel wurde 1505 fertiggestellt und ist das einzige erhaltene Gebäude der ursprünglichen Universitätsgründung von 1495. St Machar’s Cathedral entstand an der Stelle einer älteren keltischen Kirche; der 1440 geweihte Granitbau besitzt zwei Westtürme und eine 1520 beauftragte Eichendecke mit Wappen europäischer Könige.
Die mittelalterliche Don-Brücke Brig o’Balgownie wurde 1320 auf Befehl Robert the Bruces errichtet und war bis ins 19. Jahrhundert der einzige nördliche Zugang zur Stadt. Die siebenbogige Brig o’Dee wurde 1520 bis 1527 gebaut und 1842 verbreitert. Marischal College hat einen 72 m hohen Mitchell Tower; der Bau begann 1837. Es gilt nach dem Escorial bei Madrid als zweitgrößtes Granitgebäude der Welt. Provost Skene’s House von 1545 ist das älteste Wohnhaus Aberdeens. Die Tolbooth gehört zu den ältesten und am besten erhaltenen Gefängnissen Schottlands.
Das Maritime Museum behandelt Hafen, Seefahrt, Fischerei und Ölindustrie. Sein zentraler Ausstellungsgegenstand ist ein maßstabs- und detailgetreues Modell der Murchison-Ölbohrplattform. Die Aberdeen Art Gallery wurde 1884 gegründet. Der Duthie Park besitzt einen der größten Wintergärten Europas sowie Rosenanlagen und einen Garten für Blinde. Weitere wichtige Grünanlagen sind Victoria Park, Westburn Park, Hazlehead Park, Seaton Park und Union Terrace Gardens.
Verkehr und Wirtschaft
Aberdeen ist ein wichtiger Nordseehafen und Verkehrsmittelpunkt im äußersten Norden Großbritanniens. Der Hafen ist der größte im Norden Schottlands; vom Jamieson’s Quay fahren NorthLink Ferries zu den Orkney- und Shetland-Inseln. Victoria und Upper Dock bieten auch großen Überseeschiffen genügend Tiefgang. Der Flughafen Aberdeen (ABZ) liegt in Dyce im Norden der Stadt und verbindet Aberdeen mit nationalen sowie internationalen Zielen. Der Heliport dient vor allem der Ölindustrie und Rettungsdiensten und gehört zu den meistbesuchten Heliports der Welt.
Der Bahnhof liegt an den Strecken Edinburgh–Aberdeen und Aberdeen–Inverness. Über Edinburgh bestehen direkte Verbindungen etwa nach Glasgow und London; auch der Nachtzug Caledonian Sleeper hält hier. Wichtige Straßen sind die A90 als Nord-Süd-Achse, die A96 nach Elgin und Inverness, die A93 Richtung Royal Deeside und Cairngorm, die A944, A92 und A947. Stadtbusse betreibt vor allem First Aberdeen, weitere Linien fahren unter anderem als Stagecoach Bluebird.
Traditionelle Wirtschaftszweige waren Fischfang, Textilindustrie, Schiffbau und Papierindustrie, die später zurückgingen; die Textilproduktion endete 2004 mit der Schließung von Richards. Grauer Granit wurde im Rubislaw-Steinbruch über mehr als 300 Jahre gewonnen, unter anderem für die Houses of Parliament und die Waterloo Bridge in London; der Abbau endete 1971. Bedeutende Nordsee-Ölvorkommen machten Aberdeen gegen Ende des 20. Jahrhunderts zum europäischen Zentrum der Erdölindustrie. Als Einkaufsstadt besitzt Aberdeen unter anderem Union Street, St Nicholas & Bon Accord, The Mall Aberdeen und das 2009 eröffnete UnionSquare.
Klima, Umwelt und internationale Beziehungen
Das Klima ist kühl: Die mittlere Tageshöchsttemperatur beträgt im Jahresmittel 11,1 °C, die mittlere Tagesminimumtemperatur 4,6 °C. Der wärmste Monat ist Juli mit 17,6 °C als mittlerem Tagesmaximum und 9,9 °C als mittlerem Tagesminimum; im Januar liegen die Werte bei 5,1 °C und 0,0 °C. Der Jahresniederschlag beträgt 797 mm bei 134 Regentagen. Die meisten Niederschläge fallen im Oktober mit 87 mm. Im Mittel gibt es 3,7 Sonnenstunden pro Tag, die mittlere Luftfeuchtigkeit beträgt 82,2 %.
Zur Verringerung des häuslichen Energieverbrauchs ließ die Stadt Thermalbilder aller Gebäude erstellen. Ziel war, den Energieverbrauch bis 2007 gegenüber 1997 um 31 % zu senken und Wärmeverluste durch schlechte Dämmung sichtbar zu machen. Der Strand war wegen radioaktiver Kontamination durch Abfälle aus der Ölindustrie im Sommer 2005 gesperrt. In einer Rangliste zur Lebensqualität stand Aberdeen 2023 auf Rang 49 von 241 Städten weltweit.
Partnerstädte sind Regensburg (seit 1955), Clermont-Ferrand (seit 1983), Bulawayo (seit 1986) und Stavanger (seit 1990). Die Partnerschaft mit Homel in Belarus, die seit 1990 bestand, beendete Aberdeen im März 2022.