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Schneewittchen und die sieben Zwerge (1937)

Schneewittchen und die sieben Zwerge (Originaltitel: Snow White and the Seven Dwarfs) ist der erste abendfüllende Zeichentrickfilm der Walt-Disney-Studios …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Film und Bedeutung
  2. 2. Handlung
  3. 3. Entstehung und Finanzierung
  4. 4. Zeichentechnik und Gestaltung
  5. 5. Veröffentlichung, deutsche Fassungen und Nachwirkung

Film und Bedeutung

„Schneewittchen und die sieben Zwerge“ (Originaltitel: „Snow White and the Seven Dwarfs“) ist ein US-amerikanischer Zeichentrick- und Märchenfilm der Walt-Disney-Studios aus dem Jahr 1937. Er beruht auf dem Märchen „Schneewittchen“ der Brüder Grimm und war der erste abendfüllende Zeichentrickfilm des Studios. Der englischsprachige Film ist 83 Minuten lang und in Deutschland ab 0 Jahren freigegeben. Regie führte David D. Hand, Produzent war Walt Disney; das Drehbuch schrieben Ted Sears und Richard Creedon. Die Musik stammt von Leigh Harline, Paul J. Smith und Frank Churchill, die Orchestrierung von Oliver Wallace.

Der Erfolg des Films legte den Grundstein für zahlreiche weitere Familien-Zeichentrickfilme von Disney. Das American Film Institute zählt ihn zu den 100 besten US-Filmen aller Zeiten und nennt ihn außerdem den bedeutendsten Zeichentrickfilm. Mit einem damaligen Einspielergebnis von rund acht Millionen US-Dollar war er seinerzeit der weltweit erfolgreichste Tonfilm; in den USA verzeichnete er 109 Millionen Kinobesucher.

Handlung

Schneewittchen wächst am Hof ihres Vaters und ihrer neidischen Stiefmutter als Dienstmagd auf. Weil die Königin fürchtet, Schneewittchen könne schöner sein als sie, beauftragt sie einen Jäger, das Mädchen im Wald zu töten. Der Jäger bringt die Tat jedoch nicht übers Herz und lässt Schneewittchen fliehen.

Nach einer angsterfüllten Nacht führen Waldtiere Schneewittchen zu einem kleinen Haus. Dort entdeckt sie, dass sieben Zwerge darin wohnen, die ihre Hausarbeit vernachlässigt haben. Gemeinsam mit den Tieren räumt und putzt sie. Als die Zwerge aus ihrer Edelsteinmine heimkehren, finden sie das saubere Haus, fertiges Essen und Schneewittchen in ihren Betten vor. Nach dem ersten Schrecken freunden sie sich mit ihr an. Schneewittchen darf bleiben und übernimmt dafür den Haushalt. In der Vorlage der Brüder Grimm sind die Zwerge dagegen leidlich ordentlich.

Der magische Spiegel verrät der Königin, dass Schneewittchen noch lebt. Durch Magie verwandelt sie ihr Aussehen, vergiftet einen Apfel und bringt Schneewittchen dazu, davon zu essen. Die Zwerge finden das Mädchen leblos und verfolgen die fliehende Königin ins Gebirge. Während eines Gewitters wird der Abhang, auf dem sie steht, vom Blitz getroffen und in die Tiefe gerissen.

Die Zwerge legen Schneewittchen in einen gläsernen Sarg. Ein junger Prinz findet sie und küsst sie, worauf sie wieder zum Leben erwacht. Schneewittchen verabschiedet sich von den Zwergen und zieht mit dem Prinzen in ihr neues Leben.

Entstehung und Finanzierung

Walt Disney verfolgte mit dem abendfüllenden Zeichentrickfilm sowohl künstlerische als auch wirtschaftliche Ziele. Er suchte nach einer neuen Herausforderung, wollte die Möglichkeiten des Zeichentricks erweitern und musste zugleich die Einnahmebasis seines Studios verbreitern. Kurze Cartoons liefen gewöhnlich nur im Vorprogramm und waren trotz hoher Produktionskosten wirtschaftlich begrenzt: Nach den Zahlen von 1935 kostete ein Cartoon etwa 50.000 US-Dollar, während ein Erstaufführungskino dafür nur 150 US-Dollar pro Woche zahlte. Für einen abendfüllenden Film zahlten Kinos dagegen 3.000 US-Dollar.

Erfolge mit abendfüllenden Zusammenstellungen mehrerer Disney-Kurzfilme bestärkten Disney. 1934 zeigte ein Stockholmer Kino ein vollständiges Programm aus ungefähr acht Disney-Cartoons. Während einer Europareise sah Disney 1935 in Paris ebenfalls ein Hauptprogramm aus Micky-Maus-Filmen und „Die drei kleinen Schweinchen“. Im selben Jahr kündigte er öffentlich an, künftig alle zwei Jahre einen langen Trickfilm nach weltbekannten Erzählungen, Märchen oder Sagen herstellen zu wollen.

Disney wählte „Schneewittchen“, weil er seit einer Stummfilmaufführung, die er im Alter von fünfzehn Jahren gesehen hatte, selbst eine Verfilmung plante. Außerdem eigneten sich die Zwerge besonders für den Zeichentrick, da ihre überzeugende Darstellung in einem Realfilm schwieriger gewesen wäre. Trotz Spott und Kritik aus Hollywood sowie Zweifeln in seiner Familie hielt Disney am Projekt fest, belastete sein Haus mit einer Hypothek und nahm Bankdarlehen auf.

Die ursprünglich vorgesehenen 250.000 US-Dollar und achtzehn Monate Produktionszeit wuchsen auf 1.500.000 US-Dollar und drei Jahre an. Disney nahm an jeder Storykonferenz teil und wollte technische Neuerungen möglichst umfassend einsetzen. Nachdem die 1937 fertiggestellte Multiplan-Kamera im Cartoon „The Old Mill“ erprobt worden war, wollte er zahlreiche Szenen neu drehen. Finanzielle Verantwortliche, besonders sein Bruder Roy und die Bankiers, verhinderten dies; deshalb enthält der Film nur wenige Multiplan-Szenen. Die Multiplan-Kamera erzeugt durch getrennt bewegte Bildebenen einen räumlicheren Eindruck.

Disney strich außerdem mehrere bereits geplante oder gezeichnete Szenen, darunter den Tod von Schneewittchens Mutter, das Suppeessen der Zwerge und den Bau eines Bettes. Von 25 geschriebenen Liedern wählte er acht für den fertigen Film aus.

Zeichentechnik und Gestaltung

Die Herstellung war für das damals kleine Studio außergewöhnlich aufwendig. In der Spitzenzeit arbeiteten 750 Künstler am Film: 32 Hauptzeichner, 102 Assistenzzeichner, 167 Inbetweener, 20 Layouter, 25 Hintergrundmaler, 65 Spezialeffektzeichner sowie 158 ausschließlich weibliche Tuscherinnen und Koloristinnen. Inbetweener fertigen die Zwischenbilder zwischen den von Hauptzeichnern gezeichneten Schlüsselposen an; Layouter planen unter anderem Bildaufbau, Kamerawinkel, Beleuchtung und Bewegungsabläufe.

Besondere Aufmerksamkeit galt den Farben, weil sie sich bei der Übertragung von der Zeichnung auf die Kinoleinwand stark verändern konnten. In den experimentellen Kurzfilmen der Reihe „Silly Symphonies“ erprobte das Studio dunklere und natürlichere Farbtöne. Man befürchtete, dass ein Publikum die grellen Farben damaliger Cartoons nicht 80 Minuten lang angenehm finden würde.

Aufwendig waren auch die Spezialeffekte. Im Zeichentrick gelten alle bewegten Elemente, die keine Figuren sind, als Spezialeffekte, beispielsweise Rauch, Wasser, Wolken und Staub. Kamerabewegungen, Blickwinkel, Beleuchtung und einzelne Handlungsteile wurden ausführlich zwischen Layoutern, Chefzeichnern, Storyteam und Disney abgestimmt.

Die Gestaltung orientierte sich teilweise an zeitgenössischen Filmen und bekannten Darstellern. Die Verfolgung der Hexe durch die Zwerge wurde von David Wark Griffiths Film „Intolerance“ beeinflusst. Der Prinz sollte dem jungen Douglas Fairbanks ähneln, Schneewittchen Janet Gaynor und das Pferd dem Pferd des Westernstars Tom Mix. Charles Laughtons Spiel in „The Barretts of Wimpole Street“ diente als Studie für die Wutausbrüche der Königin; Harpo Marx war eine Grundlage für den Zwerg Seppl. Anders als im Grimm-Märchen erhielten die Zwerge besonders viel Raum und jeweils einen deutlich erkennbaren Charakter.

Die Zeichner arbeiteten stark am Realismus, weil das Werk wie ein Spielfilm und nicht wie ein kurzer Cartoon wirken sollte. Für menschliche Figuren wurde erstmals in einem Disney-Film Rotoskopie eingesetzt: Dabei werden zuvor gefilmte Bewegungen von Schauspielern zeichnerisch übertragen. Dieses Verfahren nutzte das Studio unter anderem für Schneewittchen und den Prinzen. Als Bewegungsmodell für Schneewittchens Tanz diente Marge Champion, die sich nach eigenen Angaben gegen etwa 200 Bewerberinnen durchgesetzt hatte.

Veröffentlichung, deutsche Fassungen und Nachwirkung

Die Uraufführung fand am 21. Dezember 1937 im Carthay Circle Theater in Los Angeles vor eingeladenen Hollywood-Prominenten statt. In der Radio City Music Hall, damals dem größten Kino der Welt, wurde der Film als erster überhaupt über die vierte Woche hinaus verlängert. Ob er vor dem Ende des Zweiten Weltkriegs öffentlich in Österreich lief, ist unklar. In Prag wurde er mindestens vom 22. Oktober 1938 bis zum 3. Januar 1939 gezeigt. Nach dem Krieg startete er am 25. Juni 1948 in Wien und am 24. Oktober 1950 in Köln. Seine deutsche Free-TV-Premiere folgte erst am 22. April 2011 auf Sat.1.

Für die internationale Vermarktung stellte Disney schon während der Produktion unterschiedliche Hintergründe her, sodass Inschriften, Buchtexte und Zwergennamen an andere Sprachen angepasst werden konnten. Kurz vor der Uraufführung war von geplanten Synchronfassungen in 40 Sprachen die Rede, damals eine unerreichte Zahl.

Es entstanden drei deutsche Synchronisationen. Die erste wurde im Frühjahr 1938 in den Cinetone Studios in Amsterdam für die Schweiz und Österreich hergestellt. Hortense Raky sprach und sang Schneewittchen; Kurt Gerron verfasste das Dialogbuch, führte Synchronregie und sprach den Zauberspiegel. Dora Gerson sprach die Königin, Otto Wallburg den Zwerg Chef. Mehrere Beteiligte waren aus Deutschland geflohen; Gerson und Wallburg wurden später im Konzentrationslager Auschwitz ermordet. Diese Fassung kam auch bei der westdeutschen Erstaufführung 1950 zum Einsatz.

Für die Wiederaufführung von 1966 produzierte die Simoton Film GmbH in Berlin eine modernisierte, geglättete und stärker auf Kinder ausgerichtete zweite Fassung. Eberhard Cronshagen verantwortete Buch, Dialogregie und Liedtexte, Heinrich Riethmüller die musikalische Leitung. Uschi Wolff sprach und Susanne Tremper sang Schneewittchen. Die dritte Fassung entstand 1994 bei der Berliner Synchron GmbH Wenzel Lüdecke für die erste VHS-Veröffentlichung. Lutz Riedel leitete und bearbeitete sie; Manja Doering sprach und Alexandra Wilcke sang Schneewittchen. Ihre Liedtexte verbinden teilweise Fassungen von 1938 und 1966. Offiziell wird heute nur noch die Fassung von 1994 verwendet.

Der Film erhielt 1938 bei den Filmfestspielen von Venedig die Grand Biennale Great Art Trophy. 1939 folgten ein Spezial-Oscar aus einer normal großen und sieben kleinen Statuen sowie ein Preis des New York Film Critics Circle. 1989 wurde der Film in das National Film Registry aufgenommen. Spätere Veröffentlichungen erschienen unter anderem auf Super 8, VHS, DVD und Blu-ray; 2001 erhielt die DVD-Ausgabe einen Saturn Award. Eine digital restaurierte vollständige Original-Filmmusik wurde 1998 veröffentlicht, ein deutscher Filmsoundtrack 2001. Im Jahr 2025 brachte Disney eine Realverfilmung mit computeranimierten Elementen heraus.

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