Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

John Steinbeck

Verfilmungen · 1939: Of Mice and Men (dt. · 1940: The Grapes of Wrath (dt. · 1947: La Perla (dt. · 1949: The Red Pony (dt.: Gabilan, mein bester Freund) – Regie: …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Lebensweg
  2. 2. Stil, soziale Fragen und Ökologie
  3. 3. Wichtige Romane und Erzählungen
  4. 4. Späte Reiseberichte, Auszeichnungen und Verfilmungen

Bedeutung und Lebensweg

John Ernst Steinbeck III. (* 27. Februar 1902 in Salinas, Kalifornien; † 20. Dezember 1968 in New York City) war ein US-amerikanischer Schriftsteller, Journalist, Kriegsberichterstatter und Drehbuchautor. Er zählt zu den meistgelesenen Autoren des 20. Jahrhunderts. Sein Werk umfasst Romane, Kurzgeschichten, Novellen, Reportagen, Essays und Drehbücher. 1940 erhielt er für Früchte des Zorns den Pulitzer-Preis, 1962 den Nobelpreis für Literatur. Die Nobelpreisbegründung würdigte seine „einmalige realistische und phantasievolle Erzählkunst, gekennzeichnet durch mitfühlenden Humor und sozialen Scharfsinn“.

Steinbeck wuchs mit zwei Schwestern in Salinas auf, einer Gegend rund 150 Kilometer südlich von San Francisco. Die Region um Salinas und Monterey, später „Steinbeck Country“ genannt, wurde zum Schauplatz der meisten seiner Werke. Von 1919 bis 1924 studierte er an der Stanford University unter anderem englische und klassische Literatur, Geschichte und Journalismus, verließ die Universität aber ohne Abschluss. Prägender als das Studium waren für ihn Gelegenheitsarbeiten auf Farmen, Baustellen und in Fabriken: Dort lernte er die Lebenswelt von Arbeitern, kleinen Farmern und Ausgegrenzten kennen.

Nach zunächst wenig beachteten Büchern gelang ihm 1935 mit Tortilla Flat der erste Erfolg. In den 1930er Jahren recherchierte er für die San Francisco News über verarmte Wanderarbeiter aus der Dust Bowl. Diese Erfahrungen führten zu Von Mäusen und Menschen (1937) und Früchte des Zorns (1939). Während des Zweiten Weltkriegs schrieb er das Propagandastück Der Mond ging unter und arbeitete von Juni bis Oktober 1943 als Kriegsberichterstatter für die New York Herald Tribune. Seine Reportagen über die Landung der Alliierten in Italien schildern Soldaten vor allem als Menschen, die unter ständiger Gefahr zu überleben versuchen.

Nach dem Krieg entstanden unter anderem Die Straße der Ölsardinen (1945), Wonniger Donnerstag (1954) und Jenseits von Eden (1952). In den 1960er Jahren schrieb Steinbeck kritisch über die USA, unterstützte aber Präsident Lyndon B. Johnson und befürwortete den Vietnamkrieg. 1967 reiste er selbst nach Vietnam und konnte danach wegen seiner Krankheit nicht mehr schreiben. Er starb mit 66 Jahren an Herzversagen; seine Asche wurde in Salinas beigesetzt.

Stil, soziale Fragen und Ökologie

Steinbeck schrieb naturalistisch und realistisch. Naturalismus bedeutet hier, dass Menschen stark durch ihre soziale Lage, ihre Umwelt und ihre körperlich-biologischen Bedingungen geprägt erscheinen. Sein Realismus zeigt sich in genauen Darstellungen von Armut, Arbeit, Migration und gesellschaftlicher Ungleichheit. Zugleich verwendet er gelegentlich phantastische Elemente. Im Mittelpunkt stehen häufig Menschen am Rand der Gesellschaft, etwa Wanderarbeiter, Landarbeiter, kleine Farmer, Arbeitsmigranten oder Herumtreiber. Er schildert sie einfühlsam aus ihrer eigenen Perspektive und mit Sympathie.

Vor allem frühe Werke wenden sich gegen Ausbeutung und soziale Ungerechtigkeit. Stürmische Ernte behandelt einen Streik armer Landarbeiter für höhere Löhne. Früchte des Zorns zeigt die Not von Familien, die nach Dürre, Missernten und dem Verlust ihrer Farm Arbeit in Kalifornien suchen. Konservative Kreise bezeichneten Steinbeck deshalb in den 1930er und 1940er Jahren als „Radikalen“, obwohl er kein dogmatischer Linker war. Er unterstützte den New Deal von Präsident Franklin D. Roosevelt. Früchte des Zorns und Von Mäusen und Menschen wurden in den USA wegen Stil und Wortwahl aus öffentlichen Bibliotheken entfernt und gehören laut der American Library Association zu den in Nordamerika am häufigsten verbotenen Klassikern.

Ein weiterer zentraler Gedanke ist die Ökologie, also die Lehre von den Beziehungen zwischen Lebewesen und ihrer Umwelt. Ein Kurs in Meeresbiologie 1923 und besonders die Freundschaft mit dem Meeresbiologen Ed Ricketts prägten Steinbeck. In Das Logbuch des Lebens entwickelt er die Vorstellung einer organischen Einheit allen Lebens. Der Mensch ist für ihn nicht Herr der Natur, sondern Teil eines ökologischen Ganzen neben Tieren, Pflanzen und Mineralien. Diese Sicht prägt auch Die Reise mit Charley, etwa in den Naturbeschreibungen der Sequoia-Wälder und der Mojave-Wüste. Steinbeck warnt dort, der Mensch könne durch seinen Kampf ums Überleben sich selbst und anderes Leben auslöschen.

Wichtige Romane und Erzählungen

Früchte des Zorns (The Grapes of Wrath, 1939) gilt als Steinbecks bedeutendster Roman und als sozialkritisches Schlüsselwerk. Die Familie Joad verliert in Oklahoma ihre Farm und fährt mit ihrem Besitz nach Kalifornien, um als Erntehelfer zu arbeiten. Dort begegnet sie Ausbeutung, Fremdenfeindlichkeit und fehlender Solidarität. Aus Farmern werden Bettler, doch die Familie versucht, ihre menschliche Würde zu bewahren. Der Bestseller verkaufte sich im ersten Jahr 430.000 Mal, war in Kalifornien zeitweise verboten und wurde 1940 von John Ford mit Henry Fonda verfilmt. Wegen seiner realistischen Darstellung der Wanderarbeiter gilt der Roman zugleich als literarisches Werk und wichtige historische Quelle.

Von Mäusen und Menschen (Of Mice and Men, 1937) ist eine Novelle, also eine kürzere erzählende Prosagattung. Sie handelt von den Wanderarbeitern George und Lennie. Lennie ist körperlich sehr stark, geistig zurückgeblieben und gutmütig; George schützt ihn. Ihr Traum von einem eigenen, besseren Leben scheitert tragisch an der Wirklichkeit und am Unverständnis anderer Menschen. Das Werk wurde noch 1937 für den Broadway bearbeitet und mehrfach verfilmt, zuletzt 1992 mit Gary Sinise und John Malkovich.

Jenseits von Eden (East of Eden, 1952), Steinbecks beliebtester Roman, ist eine Familiensaga vom Amerikanischen Bürgerkrieg bis zum Ersten Weltkrieg. Im Mittelpunkt steht Adam Trask, dessen Frau Cathy ihn verlässt und der seine Söhne Caleb und Aron allein erzieht. Die gegensätzlichen Brüder erinnern an Kain und Abel aus dem Alten Testament. Die zentrale Aussage lautet jedoch, dass kein Schicksal vorbestimmt ist: Jeder Mensch kann frei zwischen moralischem und unmoralischem, gutem und bösem Handeln wählen. Auf einer zweiten Erzählebene verarbeitet Steinbeck die Geschichte der Familie Hamilton, seiner mütterlichen Vorfahren. Elia Kazans Film von 1955 mit James Dean als Caleb behandelt nur die zweite Hälfte des Romans.

Die Straße der Ölsardinen (Cannery Row, 1945) ist ein heiteres Werk über die Cannery Row von Monterey und die komischen Versuche einer Gruppe von Außenseitern, ihrem Freund Doc eine Party zu geben. Doc ist dem Meeresbiologen Ed Ricketts nachgebildet. Die Fortsetzung Wonniger Donnerstag (Sweet Thursday, 1954) spielt nach dem Zweiten Weltkrieg, als die Fischkonservenindustrie wegen Überfischung und sinkender Fangquoten zurückgeht. Mack und seine Freunde wollen Doc mit Suzy zusammenbringen.

Späte Reiseberichte, Auszeichnungen und Verfilmungen

Die Reise mit Charley: Auf der Suche nach Amerika (Travels with Charley: In Search of America, 1962) nimmt innerhalb von Steinbecks Werk eine Sonderstellung ein: Es ist Reisebericht und Reflexion über Amerika zugleich. Nach einem ernsteren Schlaganfall 1959 ließ Steinbeck einen Kleinlaster zum Wohnmobil umbauen und fuhr Ende September 1960 mit seinem zehn Jahre alten Pudel Charley knapp drei Monate durch die USA. Die Route führte von Long Island über Maine entlang der kanadischen Grenze bis Seattle, dann an der Pazifikküste nach Salinas und Monterey und durch den Süden zurück nach New York. Begegnungen mit Menschen, Landschaftsbeschreibungen sowie Überlegungen zu Geschichte, Literatur und Politik ergeben ein facettenreiches, zunehmend sorgenvoll betrachtetes Bild der USA zu Beginn der 1960er Jahre.

Zu seinen weiteren journalistischen und essayistischen Arbeiten gehören die Reportagen The Harvest Gypsies (1936), die Grundlage für Früchte des Zorns waren, A Russian Journal (1948) mit Robert Capa, Das Logbuch des Lebens (1951), An den Pforten der Hölle (1958) sowie Amerika und die Amerikaner (1966). Als Drehbuchautor schrieb er unter anderem für Das Rettungsboot (Lifeboat, 1943), Mexikanische Romanze (The Pearl, 1947), Gabilan, mein bester Freund (The Red Pony, 1949) und Viva Zapata! (1952). Für Das Rettungsboot, A Medal for Benny und Viva Zapata! wurde er insgesamt dreimal für den Oscar nominiert.

Viele Werke wurden verfilmt. Besonders bekannt sind Früchte des Zorns (1940, Regie: John Ford), Jenseits von Eden (1955, Regie: Elia Kazan), Die Straße der Ölsardinen (1981) und Von Mäusen und Menschen (1992, Regie: Gary Sinise). 1954 erhielt Steinbeck die Freiheitsmedaille des US-Präsidenten. 1962 wurde er als sechster US-Amerikaner mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet.

Lernvideos zu John Steinbeck

Weiterlesen

Kalifornien Der 1848 einsetzende Goldrausch in Kalifornien führte zu sozialen sowie demografischen Veränderungen, einschließlich der Entvölkerung der indigenen Stämme, und … 1968 Das Jahr 1968 ist in vielen Ländern der Höhepunkt der linksgerichteten Studenten- und Bürgerrechtsbewegungen der 1960er-Jahre, die daher auch als … New York City Bevölkerungsdichte: 11.153 Einwohner je km². Höhe: 10 m. Gliederung: 5 Stadtbezirke · Postleitzahlen: 10001–10282 (Manhattan) 11201–11262 (Brooklyn) 11001–11697 … Vereinigte Staaten Vereinigte Staaten ; Amtssprache · Englisch ; Hauptstadt · Washington, D.C. ; Staats- und Regierungsform · föderale präsidentielle konstitutionelle Republik. Roman Der Roman ist eine literarische Gattung, und zwar die Langform der schriftlichen Erzählung. Das Wort Roman ist ein Lehnwort aus dem Französischen [1] und … Kurzgeschichte Die Kurzgeschichte ist eine moderne literarische Form oder Gattung der Prosa, deren Hauptmerkmal in ihrer Kürze liegt. Dies wird oft durch eine starke … Novelle Eine Novelle (lateinisch novus ‚neu', italienisch novella ‚Neuigkeit') ist eine kürzere Erzählung in Prosaform. Als Gattung lässt sie sich nur schwer … Zweiter Weltkrieg Als Zweiter Weltkrieg (1. September 1939 – 2. September 1945) wird der zweite global geführte Krieg sämtlicher Großmächte im 20. Jahrhundert bezeichnet. Christlicher Zionismus Als Christlichen Zionismus beschreibt man die vor allem im evangelikalen Christentum verbreitete Ansicht, dass Christen den Staat Israel aus theologischen … Massachusetts Massachusetts (offiziell Commonwealth of Massachusetts) ist ein Bundesstaat im Nordosten der Vereinigten Staaten von Amerika und Teil der Region Neuengland. Florida Mit über 23 Millionen Einwohnern ist er der drittbevölkerungsreichste Bundesstaat der Vereinigten Staaten hinter Kalifornien und Texas, rangiert in Bezug auf … Nordirland Nordirland (englisch, irisch) ist ein Landesteil des Vereinigten Königreichs Großbritannien und Nordirland. Es besteht aus sechs der neun Grafschaften der …