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KZ Auschwitz

In Auschwitz fand im Zuge der sogenannten „Endlösung der Judenfrage“ (später auch Holocaust oder Shoah genannt) ein systematischer und fabrikmäßiger Mord an …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Auschwitz als Konzentrations- und Vernichtungslager
  2. 2. Die drei Hauptlager und die Zwangsarbeit
  3. 3. Massenmord, Häftlinge und Opferzahlen
  4. 4. Räumung, Befreiung und Fluchten
  5. 5. Nachkriegszeit, Strafverfolgung und Erinnerung

Auschwitz als Konzentrations- und Vernichtungslager

Das KZ Auschwitz war von 1940 bis 1945 der größte deutsche Lagerkomplex der NS-Zeit. Es hatte eine Doppelfunktion: Es war Konzentrationslager zur Inhaftierung, Ausbeutung und Ermordung von Gefangenen und zugleich Vernichtungslager für den systematischen, industrialisierten Massenmord. Der Komplex bestand aus Auschwitz I (Stammlager), Auschwitz II (Vernichtungslager Birkenau), Auschwitz III (Monowitz) und 47 weiteren Außenlagern. Er lag am Westrand der polnischen Stadt Oświęcim, die im Deutschen Reich Auschwitz genannt wurde, im 1939 annektierten Teil Polens und wurde von der SS betrieben.

Etwa 90 % der nach Auschwitz deportierten Menschen waren Juden. Sie kamen vor allem aus Belgien, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Italien, Jugoslawien, Luxemburg, den Niederlanden, Österreich, Polen, Rumänien, der Sowjetunion, der Tschechoslowakei und Ungarn. Auch Sinti und Roma sowie andere vom NS-Regime verfolgte Gruppen wurden inhaftiert und ermordet. Die Zahl der Todesopfer wird auf 1,1 bis 1,5 Millionen geschätzt; eine genaue Zahl konnte nicht ermittelt werden.

Die Lage war für die SS verkehrstechnisch günstig. Bahnstrecken verbanden Auschwitz unter anderem mit Warschau, Breslau, Berlin, Prag, Budapest, Wien, Bratislava und Krakau. Das etwa 40 km² große „Interessengebiet KL Auschwitz“ lag zwischen den Flüssen Sola und Weichsel und erschwerte Einblicke und Fluchten. 1941 wurde es zum Sperrgebiet erklärt; 1943 entstand der eigenständige „Amtsbezirk Auschwitz“, dessen Amtskommissar zugleich der Lagerkommandant war.

Die drei Hauptlager und die Zwangsarbeit

Auschwitz I entstand in einer ehemaligen polnischen Kaserne. Heinrich Himmler ordnete den Bau am 27. April 1940 an; am 20. Mai 1940 trafen die ersten Häftlinge ein. Das Stammlager wurde später Verwaltungszentrum des gesamten Komplexes. Der Block 11 diente als lagerinternes Gefängnis mit Stehbunker. Häftlinge wurden dort unter anderem durch Hunger bestraft; an der „Schwarzen Wand“ erschoss die SS Tausende von Gefangenen.

Auschwitz II, das Vernichtungslager Birkenau, wurde ab Oktober 1941 im vollständig abgerissenen Dorf Brzezinka errichtet. Himmler hatte zunächst ein Arbeitslager für 100.000, später für 200.000 Häftlinge angeordnet. Das Gelände umfasste 1,7 Quadratkilometer. Rechts vom Eingang lagen Holzbaracken für Frauen und Kinder unter 14 Jahren, links Ziegelbaracken für Männer. Es gab besondere Bereiche wie das „Familienlager Theresienstadt“ und das „Zigeunerlager Auschwitz“. Im März 1942 wurde das „Rote Haus“ erstmals für Vergasungen genutzt; das umgerüstete „Weiße Haus“ diente ab Mitte 1942 als Gaskammer. Ab dem ersten Halbjahr 1943 gingen vier Krematorien mit großen Gaskammern in Betrieb.

In Auschwitz III beziehungsweise Monowitz mussten Häftlinge unter lebensunwürdigen Bedingungen Zwangsarbeit für die I.G. Farben AG leisten. Das Lager wurde auf Initiative und Kosten des Unternehmens bei den Buna-Werken errichtet und am 28. Oktober 1942 in Betrieb genommen. Gefangene, die ihre Arbeitsfähigkeit verloren, wurden selektiert und nach Birkenau deportiert. Diese Form der Ausbeutung wird als „Vernichtung durch Arbeit“ bezeichnet. Auch in den 47 Außenlagern, in Bergwerken, Industriebetrieben und Landwirtschaft, starben viele Häftlinge an den Arbeits- und Lebensbedingungen.

Massenmord, Häftlinge und Opferzahlen

Der industrialisierte Massenmord erfolgte in Gaskammern, Krematorien und Verbrennungsgruben. SS-Männer schütteten Zyklon B in die Gaskammern. Ein gezwungenes Häftlingskommando, das Sonderkommando, musste anschließend die Leichen aus den Gaskammern schaffen und in Krematorien oder Verbrennungsgruben verbrennen.

Zwischen 1940 und Januar 1945 waren etwas mehr als 400.000 Häftlinge in den drei Hauptlagern und ihren Nebenlagern registriert. Etwa zwei Drittel waren Männer und ein Drittel Frauen. Die registrierte Zahl erfasst jedoch nicht die meisten Menschen, die nach ihrer Ankunft ohne Registrierung unmittelbar von der Rampe in die Gaskammern geschickt wurden. Unter den Deportierten oder in Auschwitz geborenen Kindern waren etwa 232.000; nur wenige überlebten. Die SS raubte den Ermordeten Wertgegenstände und schickte das Raubgold nach Berlin.

Im KZ Auschwitz wurden auch Menschenversuche durchgeführt. Eduard Wirths, Bruno Weber und Victor Capesius erforschten die Wirkung von Mescalin und mögliche Anwendungen bei Verhören. Im sogenannten „Zigeunerlager“ war außerdem Josef Mengele an Menschenexperimenten beteiligt.

Räumung, Befreiung und Fluchten

Im August 1944 befanden sich noch 140.000 Häftlinge im Lagerkomplex. Vor der Räumung waren es 31.000 in Auschwitz und 36.000 in fast 30 Außenlagern. Zwischen dem 17. und 23. Januar 1945 trieb die SS etwa 56.000 Häftlinge größtenteils auf Todesmärschen nach Westen. Eine Kolonne musste 55 Kilometer nach Gleiwitz, eine andere 65 Kilometer nach Loslau marschieren; weitere 15.000 Häftlinge gingen etwa 250 Kilometer nach Groß-Rosen. Von den Zielorten wurden viele in offenen Güterwagen in andere Konzentrationslager gebracht.

Am 27. Januar 1945 befreite die 322. Infanteriedivision der I. Ukrainischen Front die noch in Auschwitz verbliebenen, nicht marschfähigen Häftlinge. Etwa 7.000 Überlebende wurden angetroffen, doch viele starben trotz medizinischer Hilfe noch in den folgenden Tagen. Für Monowitz nennen die Angaben 600 bis 850 Todesfälle nach der Befreiung.

In erhaltenen Unterlagen konnten 667 Fluchten nachgewiesen werden, darunter 16 von Frauen. Mindestens 270 Geflohene wurden wieder gefasst oder schon beim Fluchtversuch gestellt. Zwischen etwa 100 und höchstens 397 der nachweislich Geflohenen überstanden Flucht und anschließendes Leben im Untergrund oder bei Partisanen. Fluchtversuche wurden unter anderem mit Hungerhaft, Erschießungen, der Ermordung Wiederergriffener oder der Bestrafung von Mithäftlingen und Angehörigen geahndet. Am 6. Juli 1940 floh Tadeusz Wiejowski als Erster. Am 20. Juni 1942 entkamen Kazimierz Piechowski, Stanisław Gustaw Jaster, Józef Lempart und Eugeniusz Bendera in SS-Uniformen und mit Waffen in einem gestohlenen Fahrzeug. Fluchtreports wie der Vrba-Wetzler-Bericht und der Pilecki-Bericht informierten die Außenwelt und wurden später in Prozessen verwendet.

Nachkriegszeit, Strafverfolgung und Erinnerung

Der Lagerbetrieb wurde von fast 10.000 SS-Angehörigen getragen, vor allem von Wachmannschaften der SS-Totenkopfverbände. Nach der Befreiung versorgten sowjetisches und polnisches Sanitätspersonal, polnische Bürger und Überlebende mehr als 4.500 befreite Häftlinge aus über 20 Ländern. Viele litten an Hungerdurchfall, Traumafolgen und schwerer Entkräftung. Über 300 Menschen waren noch im Juni 1945 zu schwach, das Lager zu verlassen. Von April 1945 bis Frühjahr 1946 nutzte die sowjetische Militärverwaltung Teile des Geländes als Internierungslager für rund 12.000 deutsche Kriegsgefangene und Zivilisten; etwa 150 starben.

Nach der Befreiung wurden Maschinen, bewegliche Gegenstände und Dokumente in die Sowjetunion gebracht. 46 Sterbebücher wurden 1992 an das Staatliche Museum in Polen zurückgegeben. Polnische Behörden und Anwohner entfernten nach 1946 Lagergut; allein 1946 wurden etwa 200 Holzbaracken in Birkenau abgerissen.

Die Verbrechen wurden unter anderem im Nürnberger Prozess, im Höß-Prozess 1947, im Krakauer Auschwitzprozess, im I.G.-Farben-Prozess 1947/48, in den Frankfurter Auschwitzprozessen ab 1965 und im Lüneburger Auschwitzprozess 2015 verhandelt.

Heute befinden sich auf dem Gelände von Auschwitz I und II das Staatliche Museum Auschwitz-Birkenau, Forschungs- und Gedenkeinrichtungen sowie Mahnmale. Der 27. Januar ist in Deutschland seit 1996 und international seit 2005 ein Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Auschwitz wurde zum Symbol und Synonym für die nationalsozialistischen Gewaltverbrechen, besonders für den systematischen Mord an den europäischen Juden. Das Museumsgelände trägt seit dem 27. Juni 2007 die UNESCO-Bezeichnung „Auschwitz-Birkenau – deutsches nationalsozialistisches Konzentrations- und Vernichtungslager“; die Einschreibung als UNESCO-Welterbe erfolgte 1979. Der Artikel verweist außerdem auf Dokumentarfilme, wissenschaftliche Studien, Zeitzeugenberichte und die „Violine von Auschwitz“, ein Instrument eines Orchestermusikers, das als eine von 30 weiteren Geigen das Lager überstand.

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