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Schmelztiegel
... mischen. Neben „Melting Pots“ sind aber immer auch so genannte „Salad Bowls“ vorzufinden, in denen nicht alle Kulturen verschmolzen werden, sondern …
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Grundbedeutung und sozialwissenschaftliches Konzept
Ein Schmelztiegel ist wörtlich ein Tiegel, in dem meist Metalle gemischt und geschmolzen werden. Als Metapher bezeichnet „Melting Pot“ in Soziologie und Politikwissenschaft die Assimilation und Integration von Einwanderern in die Kultur eines Landes. Verschiedene Kulturen und Wertvorstellungen sollen sich zu einer gemeinsamen, integrierten nationalen Kultur verbinden.
Nach diesem Ansatz kann eine homogene nationale Kultur entstehen, die trotz der kurzen gemeinsamen Wurzeln einen starken Gemeinsinn besitzt. Der Begriff wurde erstmals von Jean de Crèvecoeur in seinem 1782 erschienenen Essay Letters from an American Farmer verwendet. Allgemein verbreitet wurde er vor allem durch Israel Zangwills Theaterstück The Melting Pot, das 1908 in Washington, D.C. uraufgeführt wurde.
Dem Schmelztiegel steht das „Salad-Bowl“-Modell gegenüber. Dabei werden die verschiedenen Kulturen nicht vollständig verschmolzen, sondern Einwanderergruppen bewahren jeweils eigene, klar abgegrenzte Kulturen. Dies kann politisch beabsichtigt sein, wie beim kanadischen „multikulturellen Mosaik“, oder aus einer unvollständigen Umsetzung einer Schmelztiegelpolitik entstehen.
Der Schmelztiegel-Ansatz ist problematisch, weil Einwanderer einem erheblichen sozialen Anpassungsdruck ausgesetzt sein können, wenn sie ihre Ursprungskultur weiter pflegen und diese deutlich von der dominierenden Kultur abweicht. Außerdem stößt der Ansatz an Grenzen, wenn Gruppen sich nicht an die vorherrschende Kultur angleichen wollen.
Der Schmelztiegel als Gegenstand der mittelalterlichen Metallurgie
Im Mittelalter war der Schmelztiegel ein besonders wichtiger Handwerksgegenstand der Metallurgie. Er diente zum Metallguss, zur Gehaltsprüfung von Metallen und in der Alchemie. Tiegel waren Massenware und wurden unter anderem in Münzwerkstätten und Goldschmieden eingesetzt. Häufig stellten Handwerker ihre Tiegel selbst her.
Bis ins 12. Jahrhundert bestanden Schmelztiegel weitgehend aus Ton und Erden. Nach der Jahrtausendwende erkannte man die besondere Eignung hochhitzebeständiger Minerale. Diese wurden dem Ton beigemischt, um besonders widerstandsfähige Tiegel herzustellen. Hochwertige Exemplare wurden beispielsweise in der Umgebung von Passau gefunden; sie waren mit hessischen Tonen gebaut worden.
USA und Kanada: unterschiedliche Integrationsmodelle
Die Vereinigten Staaten gelten als typisches Beispiel für eine Schmelztiegel-Integrationsstrategie. Der Prozess begann mit den ersten Kolonien europäischer Staaten und dem Aufeinandertreffen von Europäern und nordamerikanischen Ureinwohnern. Durch die Einwanderung aus vielen Teilen der Welt kamen unterschiedliche Religionen und Traditionen zusammen.
Afrikaner wurden als Sklaven nach Amerika gebracht. Ihre Traditionen und Religionen wurden von ihren Herren unterdrückt und konnten nur vereinzelt im Geheimen fortbestehen. Aus dem Süden kamen hispanophone Gruppen aus Kuba und Puerto Rico sowie viele Mexikaner, die zuvor bereits in den späteren Staaten von Kalifornien bis Texas gelebt hatten. Durch die Ausweitung der Handelsbeziehungen kamen später auch Einflüsse aus Ozeanien und besonders aus dem späteren Bundesstaat Hawaii hinzu.
Chinesische Arbeiter wurden von großen Eisenbahnunternehmen angeworben, die eine erste Eisenbahnstrecke durch die Rocky Mountains bauen wollten. Wegen sehr niedriger Löhne sowie harter Arbeits- und Lebensbedingungen konnten sie ihre Kultur jedoch nur in geringem Maße ausleben. Auch Iren, die vor Hunger aus ihrem Land flohen, sowie Italiener, Deutsche, Franzosen, Briten, Skandinavier, Spanier und Portugiesen prägten die religiösen und sozialen Strukturen der USA.
W. E. B. Du Bois bezweifelte in der Auseinandersetzung mit Booker T. Washington früh, dass die Melting-Pot-Metapher die Stellung der Afroamerikaner angemessen beschreibe. Seine Vorstellungen ähnelten eher dem Salatschüssel-Modell: Gruppen behalten wichtige Merkmale und Verhaltensweisen bei und übernehmen nur einige Züge benachbarter Gruppen.
Kanada verfolgt mit dem „multikulturellen Mosaik“ ein anderes, nicht auf vollständige Assimilation ausgerichtetes Modell. Es berücksichtigt die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe der Bevölkerung und sieht die gezielte Förderung kultureller Praktiken und Sprachen vor.
Historische Beispiele und politischer Mythos
Auch in Deutschland werden Gesellschaften und Regionen als Schmelztiegel beschrieben. Köln gilt wegen seiner guten verkehrstechnischen Erreichbarkeit als Beispiel für einen Schmelztiegel über Jahrtausende. Berlin wuchs in der Gründerzeit stark und bestand in seiner Geschichte zeitweise zu großen Teilen aus französischen, böhmischen und österreichischen, meist protestantisch-hugenottischen Einwanderern.
Preußen wird ebenfalls als mehrsprachiger und religiös vielfältiger Schmelztiegel verstanden. Formale Toleranz und wirtschaftlicher Fortschritt verbanden Katholiken in Schlesien, Lutheraner in den Altprovinzen und Reformierte als herrschende Hohenzollern. Hinzu kamen die Sprachen Deutsch, Polnisch, Französisch und Sorbisch sowie Bevölkerungsgruppen mit slawischen, germanischen und schweizerischen Vorfahren, darunter in Neuchâtel. Carl Zuckmayer bezeichnete die Rheinlande als „Völkermühle Europas“.
In den USA konnte wegen der unterschiedlichen Herkunft und des Fehlens einer gemeinsamen Vergangenheit der Zuwanderer kein überzeugender gemeinsamer Gründungsmythos entstehen. Das Versprechen „E pluribus unum“ – Einheit aus der Vielheit – konnte deshalb vor allem durch die Vorstellung einer gemeinsamen Zukunft identitätsstiftend wirken, nicht durch gemeinsame nationale Traditionen.
Der von Robert Putnam kritisierte Melting-Pot-Mythos stellte diese Einheit aus Verschiedenheit in den Mittelpunkt, bildete aber die tatsächliche Realität der Immigration nicht ab. Daher wurde er zunehmend durch das Modell der multikulturellen Gesellschaft verdrängt. Am ehesten entspricht noch der „New Sunbelt“ dem Melting-Pot-Modell: gemeint sind Bundesstaaten im Südosten und Südwesten wie Nevada, nicht jedoch Kalifornien oder Florida, deren Zuwanderung stark selektiv ist.