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Metapher
... adverbiale Bestimmung lautet „im übertragenen Sinn(e)“. Im religionswissenschaftlichen Kontext findet auch der Begriff „Bilderrede“ Anwendung.
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Grundidee und Funktion
Eine Metapher ist ein sprachlicher Ausdruck, bei dem ein Wort oder eine Wortgruppe aus seinem eigentlichen Bedeutungszusammenhang in einen anderen übertragen wird, ohne dass ein direkter Vergleich die Beziehung zwischen Bezeichnendem und Bezeichnetem verdeutlicht. Sie gehört als uneigentliche Bezeichnung zu den rhetorischen Stilmitteln, genauer zu den Tropen.
Metaphern machen Aussagen anschaulicher, prägnanter oder sprachlich reicher. So steht „Baumkrone“ für die Spitze eines Baumes, „Wüstenschiff“ für ein Kamel und „Flaschenhals“ kann eine semantische Lücke füllen, die sonst nur umständlich zu umschreiben wäre. Grundlage ist Similarität: Zwischen ähnlichen, inhaltlich aber nicht benachbarten Phänomenen wird eine ausgewählte, konstruierte Beziehung hergestellt.
Eine Metapher kann als verkürzter bildhafter Vergleich wirken: „Herkules ist ein Löwe“ bedeutet „Herkules ist so stark wie ein Löwe“. Weil die Vergleichspartikel „wie“ fehlt, wirkt die Aussage intensiver und spricht stärker die Vorstellungskraft an; ein Vergleich ist eher rational fassbar. Im Unterschied dazu beruht die Metonymie auf Kontiguität, also einer realen Beziehung zwischen inhaltlich benachbarten Dingen, etwa in „ein Glas trinken“.
Metaphern kommen in festen Bezeichnungen wie „Bergfuß“, in Redensarten wie „aus allen Wolken fallen“, als Adjektive wie „graue Theorie“ und als Verben wie „die Bäume schlagen aus“ vor. Sie werden verwendet, wenn ein eigenes Wort fehlt („Stuhlbein“), ein anstößiger oder negativ bewerteter Ausdruck umschrieben werden soll („von uns gehen“ für „sterben“), Abstraktes anschaulich gemacht werden soll („Zahn der Zeit“) oder eine Eigenschaft hervorgehoben wird. Literarische und poetische Sprache nutzt oft besonders auffällige, einprägsame oder rätselhafte Metaphern.
Aristoteles’ Verständnis
Aristoteles entwickelte frühe Ansätze einer Metapherntheorie in Poetik und Rhetorik. In der Poetik versteht er Metapher weit als Übertragung eines Wortes in uneigentlicher Bedeutung. Sie kann „von der Gattung auf die Art, oder von der Art auf die Gattung, oder von einer Art auf eine andere oder nach den Regeln der Analogie“ erfolgen (Poetik 21, 1457b7 ff.).
Bei der Übertragung von der Gattung auf die Art heißt es zum Beispiel „Mein Schiff steht still“ statt „Mein Schiff liegt vor Anker“: Das Allgemeine ersetzt das Besondere. Umgekehrt steht bei der Übertragung von der Art auf die Gattung „zehntausend gute Dinge“ für „viele gute Dinge“. Beide Fälle können als Unterarten der Synekdoche gelten, weil sie Besonderes und Allgemeines verbinden.
Eine Übertragung von einer Art auf eine andere liegt in „Mit dem Erz die Seele abschöpfend“ statt „abschneidend“ vor: Abschöpfen und Abschneiden sind Arten des Wegnehmens. Bei der Analogie ist „Abend des Lebens“ eine Bezeichnung für das Alter. Dabei gilt die Beziehung Tag : Abend = Menschenleben : Alter, also a:b = c:d. Analogie und die Übertragung zwischen Arten beruhen auf Ähnlichkeit und entsprechen damit der engeren Bedeutung von Metapher.
In der Rhetorik hebt Aristoteles die Analogie als wichtigste Art hervor. Metaphern können etwas „vor Augen führen“, Beseeltes auf Unbeseeltes übertragen und Dinge in „Wirksamkeit“ (energeia) vergegenwärtigen. Sie überraschen und weichen von Erwartungen ab, können aber zugleich Witz, Erkenntnis und Lernen ermöglichen. Aristoteles zählt auch den Vergleich im weiteren Sinn zur Metapher: „Wie ein Löwe stürzte er auf ihn“ ist ein Gleichnis, „Ein Löwe stürzte auf ihn“ eine Metapher. Modern wird der Vergleich meist nicht mehr als Metapher eingeordnet; üblich ist aber weiterhin die Beschreibung der Metapher als impliziter Vergleich ohne „wie“ oder „als“.
Linguistische Theorien
Die historische Linguistik beschreibt Metaphern als Bedeutungswandel aufgrund von Ähnlichkeit, etwa wenn „Pferd“, ursprünglich ein Tier, auch ein Sportgerät bezeichnet. In der kognitiven Linguistik gelten Metaphern als wichtige Strukturierungen des Denkens. Konzeptuelle Metaphern verbinden einen Quellbereich mit einem Zielbereich: Bei „Das Leben ist eine Reise“ ist „Leben“ der Zielbereich und „Reise“ der Quellbereich. Dazu passen Ausdrücke wie „Beginn des Lebens“, „Lebensweg“ und „Stolpersteine“. Nach diesem Ansatz ist metaphorische Kreativität vor allem innerhalb bestehender Konzepte möglich. Harald Weinrich beschreibt Vergleichbares mit Bildfeldern aus Bildspenderbereich und Bildempfängerbereich.
Auch gewöhnliche oder tote Metaphern können solche Zuordnungen zeigen. In „Er war süß zu mir“ stammt „süß“ aus der körpernahen Domäne des Geschmacks und beschreibt die emotionale Erfahrung „lieb sein“. Das Verwenden und Verstehen solcher Metaphern ist ein Forschungsthema der Linguistik.
Die Interaktionstheorie von Black und Ivor Armstrong Richards unterscheidet Tenor und Vehikel. Das Vehikel transportiert den Sinn des Tenors und macht ihn für den Rezipienten verständlich. Die pragmatisch orientierte Linguistik untersucht dagegen die Metapher in der konkreten Kommunikationssituation von Sprecher, Äußerung und Empfänger. Eine Metapher wird demnach aus ihrem Kontext erkannt und erklärt, nicht durch feste Regeln. Sie kann nicht ohne Weiteres durch einen eigentlichen Ausdruck ersetzt werden. Ihr Gebrauch bewegt sich zwischen Kreativität und konventionellen Verwendungsweisen; die ursprüngliche Bedeutung bleibt dabei ganz oder teilweise erhalten. Die Inkongruenz zwischen Metapher und Kontext löst einen Interpretationsprozess und damit Interaktion aus.
Coenen versteht Metaphernbildung als motivierten Akt. Ein Zeichen wird nicht in seiner Kernbedeutung, der Denotation beziehungsweise dem „theoretischen Anwendungsbereich“, sondern über Konnotationen im „metaphorischen theoretischen Anwendungsbereich“ gebraucht. Verschiedene Bildfelder können durch eine gemeinsame Strukturformel, die Analogiewurzel, verbunden werden. Zum Entschlüsseln einer nicht lexikalisierten, also nicht „toten“, Metapher braucht der Empfänger daher Wissen über Kern- und Randbedeutungen eines Zeichens.
Verstehen und Arten von Metaphern
Die psychologische Metapherntheorie fragt vor allem, wie Menschen Metaphern verstehen, statt sie wörtlich zu deuten. Die ältere Annahme eines dreistufigen Ablaufs – zunächst wörtlich verstehen, dies am Kontext prüfen und erst dann metaphorisch deuten – wird durch Befunde infrage gestellt: Die wörtliche Interpretation kann offenbar übersprungen werden.
Theorien des analogen Denkens erklären das Verstehen durch erkannte Ähnlichkeiten zwischen Beziehungen in Ziel- und Quelldomäne. Andere Ansätze sehen es hauptsächlich als Kategorisierung: Quell- und Zielkonzept werden direkt und gleichzeitig eingeordnet, wobei das allgemeinere Quellkonzept das Verhältnis asymmetrisch macht. Auch Kintschs computationale Metapherntheorie gehört hierzu. Die Career-of-metaphor-Theorie von Bowdle und Gentner verbindet beide Ansätze: Neue Metaphern werden zunächst über Analogie verstanden, für eine Person konventionell gewordene Metaphern über Kategorisierung. Theorien der „conceptual mappings“ gehen von Zuordnungen zwischen Quell- und Zieldomäne aus, etwa „Traurigkein ist unten“, „Theorien sind Gebäude“ oder „Kommunikation ist Übertragung“. Diese Strukturübertragungen können räumlich („niedergeschlagen sein“), strukturell („Theoriegebäude“) oder ontologisch („etwas vermitteln“) sein. Ansätze der verkörperten Kognition erklären Metaphernverstehen durch die Aktivierung leiblicher Erfahrung und sensomotorischer Systeme im Gehirn.
Eine systematische Einteilung aller Unterarten gibt es nicht. Anthropomorphismus und Personifikation geben nichtmenschlichen Dingen menschliche Attribute oder Wesenszüge, etwa „Die Sonne lacht“ und „der Winter geht“. Tote oder verblasste Metaphern werden nicht mehr als Metaphern wahrgenommen, zum Beispiel „Tischbein“ oder „Handschuh“. Lexikalisierte Metaphern sind als Zweitbedeutung in den Wortschatz eingegangen, etwa „Schloss“ oder „Strom“. Weitere Arten sind stehende, dunkle, kühne und euphemistische Metaphern, zum Beispiel „Heimgang“ für „Sterben“.
Eine absolute Metapher kann gerade wegen ihrer Unübertragbarkeit in begriffliche Rede gewählt sein; entscheidend ist dabei der poetologische Kontext. Hans Blumenberg nennt auch etablierte Metaphern philosophischer oder wissenschaftlicher Diskurse absolute Metaphern, wenn ihre unmittelbar einleuchtende Bedeutung anders nicht oder noch nicht aussagbar ist.
Tier- und Sportmetaphern
Tiermetaphern übertragen tatsächliche oder stereotype Bedeutungszusammenhänge aus dem Tierreich auf andere, oft menschenbezogene Bereiche. Ihre Bedeutung kann sich je nach Zeit, Gesellschaft und Kulturkreis ändern. Sie dienen meist der Abwertung und Entmenschlichung, seltener der Aufwertung. Zur Konstruktion und Festschreibung von Feindbildern eingesetzte abwertende Tiermetaphern heißen Dysphemismen und zeigen die Wirkung sozialer Stereotype.
Beispiele sind „Bullenschwein“ als Dysphemismus für Polizisten, „Heuschrecken“ für Investoren und „Zecken“ oder „Parasiten“ zur Abwertung von Menschen als Ungeziefer oder Schädlinge. „Judensau“ bezeichnet eine antisemitisch motivierte Abwertung von Menschen als unrein und minderwertig. Auch Bezeichnungen wie „Rabenmutter“, „Schlange“ oder „Aasgeier“ übertragen zugeschriebene Tiermerkmale auf Menschen.
Sportmetaphern sind bildliche Ausdrücke der Umgangs- und Fachsprache, die aus dem Sportbereich stammen. Die bildbetonte Sportsprache trägt mit anschaulichen Redewendungen zur Dynamisierung und Verjüngung der Sprachgebung bei und wirkt laut Siegbert Warwitz einem Austrocknen in abstrakter Begrifflichkeit entgegen. Redensartliche Metaphern sind zum Beispiel „den Nagel auf den Kopf treffen“ für das Ansprechen des entscheidenden Gesichtspunkts, „die Kuh vom Eis kriegen“ für das Lösen eines Problems und „Nadel im Heuhaufen“ für eine fast aussichtslose, schwierige Suche.
Analyse und Einsatzfelder
Metaphernanalyse kann Habitus, implizites Wissen, soziale Repräsentationen und Diskurse sichtbar machen und vergleichen. In den Sozialwissenschaften ist die systematische Metaphernanalyse eine Methode qualitativer Forschung. Sie kann sich etwa auf linguistische Metapherntheorie oder auf Framingtheorie der Kommunikationswissenschaft stützen. Untersucht werden kollektive Denk- und Deutungsmuster, Leitbilder, Ideologien, Sinngebungsprozesse und Handlungsorientierungen sowie ihr Einfluss auf Individuen.
Dafür werden viele einzelne gleichsinnige Metaphern zu einem metaphorischen Konzept zusammengefasst. Analysiert werden alle Metaphern, nicht nur besonders auffällige, und ihre Kontexte einschließlich des kulturellen Kontexts. So soll das gesamte konzeptuelle System eines Sprechers, einer Gruppe oder eines Phänomens erhellt werden. In der frühen Soziologie dominierten Organismusmetaphern; heute stehen technische Metaphern sowie Metaphern aus Netzwerken und Systemen im Vordergrund.
In der Psychologie helfen Metaphern, Unbekanntes durch Bekanntes darzustellen, neue Sachverhalte zu beschreiben und tabuisierte oder anstößige Themen verhüllend anzusprechen. In vielen Psychotherapierichtungen werden sie bewusst eingesetzt. Die Hypnotherapie nach Milton H. Erickson nutzt sie, um bei Klienten hypnotische Trancezustände zu induzieren und einen vor- und unterbewussten Zugang zur Bearbeitung ihrer Anliegen zu ermöglichen. In der systemischen Therapie sind Metaphern eine zentrale Technik; dazu gehören neben therapeutischen Geschichten auch Redewendungen, Sprichwörter, Zitate, Bilder, Bildkarten, Symbolwürfel, Figurenaufstellungen und die Systemische Heldenreise.
Metaphorische Konzepte können professionelles Handeln beeinflussen, auch wenn sie unauffällig oder konventionell erscheinen; selbst vermeintlich tote Metaphern können in Therapien Bedeutung entwickeln. Die Metaphern-Erweiterung soll unerwünschte Folgen einer Metapher verändern, indem weniger offensichtliche Implikationen ausdrücklich gemacht werden. Als Beispiel nennt der Artikel den Vergleich von Krebs mit einem Kampf, der nahelegen kann, eine Person im Endstadium habe nicht genug gekämpft. Dedre Gentner und Jonathan Grudin fanden anhand von Ausgaben der Psychological Review seit 1894 einen Wandel: Anfangs überwogen räumliche und biologische Metaphern, heute systemische, mathematische und physikalische; nach einem Rückgang 1935–1955 nahm der Gebrauch zuletzt wieder deutlich zu.
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