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Schlacht um Moskau
Unternehmen Barbarossa – Der Krieg im Osten (2010); Katastrophen die Geschichte machten. Folge 6: Die Entscheidungsschlacht von Moskau. Kanada 2013. Weblinks.
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Überblick und Bedeutung
Die Schlacht um Moskau war eine Schlacht an der deutsch-sowjetischen Front im Zweiten Weltkrieg. Sie dauerte vom 2. Oktober 1941 bis zum 31. Januar 1942; Ziel der deutschen Operation war die Einnahme der sowjetischen Hauptstadt. Sie endete mit einem sowjetischen Sieg: Der deutsche Vorstoß wurde gestoppt.
Die deutsche Offensive begann mit der Doppelschlacht bei Wjasma und Brjansk. Herbstlicher Schlamm und sowjetischer Widerstand brachten sie bis zum 30. Oktober zum Stillstand. Nach einer zweiten Angriffsphase scheiterte der deutsche Angriff endgültig, als die Rote Armee am 5. Dezember 1941 eine großangelegte Gegenoffensive begann. In der Moskauer Angriffsoperation vom 5. Dezember 1941 bis 7. Januar 1942 rückte sie auf einer etwa 1000 km breiten Front bis zu 250 km nach Westen vor.
Die Niederlage war besonders bedeutsam, weil die Wehrmacht erstmals seit 1939 eine schwere Niederlage erlitt. Damit wurde der Mythos ihrer Unbesiegbarkeit zerstört.
Ausgangslage, Ziele und Probleme
Seit dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 waren die deutschen Heeresgruppen weit vorgedrungen. Nach der Kesselschlacht bei Smolensk war eine erste sowjetische Verteidigungsstellung vor Moskau durchbrochen. Hitler verhinderte jedoch einen unmittelbaren Vorstoß auf die Hauptstadt: Am 28. Juli ließ er die Panzergruppe 3 nach Norden und die Panzergruppe 2 mit der 2. Armee nach Süden abdrehen. Für ihn hatten Leningrad, die wirtschaftlich wichtigen Gebiete der Ukraine und die Krim zunächst Vorrang.
Die deutsche Generalität wollte dagegen Moskau sofort einnehmen. Die Stadt war Verkehrs- und Nachrichtenzentrale, politischer Mittelpunkt und wichtiges Industriegebiet. Hitler entschied am 6. September 1941 mit der Führerweisung Nr. 35 schließlich, die Vorbereitungen für einen Angriff auf Moskau bis Ende September abzuschließen. Die Heeresgruppe Mitte fasste ihre Verbände unter dem Decknamen Unternehmen Taifun zusammen.
Der Plan sah zunächst vor, die sowjetischen Kräfte westlich von Moskau bei Wjasma zu umfassen und zu vernichten. Danach sollte der Vormarsch in Richtung Moskau erfolgen. Generalstabschef Franz Halder und Generalfeldmarschall Fedor von Bock erweiterten dies praktisch um einen direkten Angriff auf Moskau.
Die deutschen Streitkräfte waren jedoch bereits stark geschwächt. Am 4. September 1941 waren 30 % der Panzer vollständig ausgefallen, weitere 23 % befanden sich in Instandsetzung. Die Hälfte der beteiligten Panzerdivisionen besaß durchschnittlich nur rund 34 % ihres Sollbestands an Panzern. Der Fehlbestand an Kraftfahrzeugen wurde zu Beginn der Offensive auf mehr als 22 % geschätzt. Treibstoff, Munition und Nachschub waren knapp; die beim sowjetischen Rückzug zerstörte Infrastruktur und die Umspurung der Eisenbahn von russischer Breitspur auf europäische Regelspur erschwerten die Versorgung zusätzlich. Für Winterkleidung war nicht ausreichend vorgesorgt worden.
Verteidigung Moskaus und Kräfteverhältnis
Moskau wurde schon ab Ende Juli 1941 auf einen Krieg vorbereitet. Die Stadt verdunkelte sich nachts, Schaufenster wurden verbarrikadiert und wichtige Gebäude sowie Straßen wurden zur Tarnung verändert. Die U-Bahn-Stationen dienten als große Luftschutzräume. Flak, Scheinwerfer und Fesselballons sollten Luftangriffe abwehren. Die Moskauer Luftverteidigung war laut Artikel stärker ausgebaut als die von Berlin und London gemeinsam.
Die Moskauer Verteidigungszone unterstand Generalleutnant Pawel Artemjew. Sie organisierte Befestigungsarbeiten, Arbeiterbataillone und wesentliche Funktionen wie Industrieproduktion, Verkehr, Nachrichtenverbindungen und Lebensmittelversorgung. Rund 500.000 Moskauer, überwiegend Frauen, errichteten Befestigungen vor der Stadt.
Die Rote Armee baute etwa 100 km vor Moskau die fast 300 km lange Moschaisk-Verteidigungslinie von Kalinin über Wolokolamsk, Borodino und Moschaisk bis südlich von Kaluga aus. Sie bestand aus drei Hauptlinien mit Fallgruben, Panzergräben, Minengürteln, elektrisch gesteuerten Flammenwerfern und Panzerabwehrkanonen-Stellungen. Im Moskauer Raum lagen außerdem große Reserven der Stawka, des sowjetischen Oberkommandos.
Für den deutschen Angriff verfügte die Heeresgruppe Mitte über 14 Panzerdivisionen, 9 motorisierte Infanteriedivisionen und 56 Infanteriedivisionen; Unterstützung kam von Luftflotte 2 und Teilen der Luftflotte 4. Die deutschen motorisierten Einheiten waren durch lange Fahrleistungen auf schlechten Straßen und anhaltende Kämpfe stark verschlissen. Vom 22. Juni bis 26. September 1941 hatte die Wehrmacht bereits 534.086 Tote, Verwundete und Vermisste verloren, rund 15 % ihrer Anfangsstärke.
Die sowjetische Seite konnte zudem Truppen aus dem Fernen Osten verlegen. Richard Sorge hatte aus Japan gemeldet, dass Japan keinen Angriff auf die Sowjetunion von Mandschukuo aus plante. Am 1. Oktober standen 213 sowjetische Schützendivisionen an der Front und 123 in Reserve, darunter 25 in Sibirien.
Deutsche Offensive bis vor Moskau
Die Panzergruppe 2 unter Heinz Guderian griff bereits am 29. September 1941 aus dem Raum Gluchow an. Am 2. Oktober um 05:30 Uhr begann der Hauptangriff der Heeresgruppe Mitte, etwa 350 km vor Moskau. Von Norden nach Süden griffen 9. Armee, Panzergruppe 3, Panzergruppe 4, 4. Armee, Panzergruppe 2 und 2. Armee an. Panzergruppe 3 und Panzergruppe 4 sollten Moskau nördlich und südlich umfassen.
Am 3. Oktober fiel Orjol überraschend, am 6. Oktober Brjansk. Am 7. Oktober wurde ein weiterer Kessel bei Wjasma geschlossen; dort waren die sowjetische 16., 19., 20., 24. und 32. Armee eingeschlossen. Das OKW meldete nach der Räumung der Kessel am 14. beziehungsweise 17. Oktober die Vernichtung von 80 Divisionen, 663.000 Gefangene sowie 1242 erbeutete oder zerstörte Panzer und 5412 Geschütze.
Die Erfolge beseitigten die sowjetische Verteidigung aber nicht. Georgi Schukow erhielt am 12. Oktober den Oberbefehl über die reorganisierte Westfront. Der Schlamm der Rasputiza, also der herbstlichen Schlammperiode, lähmte die deutsche Bewegung und Versorgung: Der tägliche Nachschub sank von 900 Tonnen auf rund 20 Tonnen. Erst Frost machte die Wege wieder besser befahrbar, doch Munition und Treibstoff mussten erst herangebracht werden.
In Moskau kam es vom 16. bis 18. Oktober zu Massenpanik; fast zwei Millionen Menschen waren zu diesem Zeitpunkt bereits evakuiert. Am 19. Oktober wurde das Standrecht verhängt. Stalin und die Stawka blieben jedoch in Moskau. An wichtigen Abschnitten verlangsamten sowjetische Truppen, Milizen und neu eintreffende Einheiten den deutschen Vormarsch.
Mitte November begann die zweite deutsche Angriffsphase. Klin fiel am 25. November, Istra am 26. November. Am 30. November kamen deutsche Truppen bei Krasnaja Poljana und Putschki bis auf 18 km an Moskau heran. Ein Erkundungstrupp drang am 2. Dezember bis Chimki vor, 23,7 km vom Kreml entfernt. Die Behauptung, deutsche Soldaten hätten die Türme des Kremls unmittelbar sehen können, wird im Artikel wegen der Entfernung, der dichten Bebauung und der Tarnung als nicht zutreffend eingeschätzt. Temperaturen unter −35 °C, fehlende Winterkleidung, Erschöpfung, knapper Treibstoff und sowjetischer Widerstand stoppten den Angriff.
Sowjetische Gegenoffensive und Folgen
Marschall Schaposchnikow legte Stalin am 25. November 1941 den Plan für eine Gegenoffensive vor. Die sowjetische Führung konzentrierte unter anderem die 1. Stoßarmee bei Dmitrow, die 10. Armee bei Rjasan und die 20. Armee an der Front. Aus der strategischen Reserve stellte sie etwa 1.060.000 Mann, fast 700 Panzer, starke Artillerie und fast 1.400 Flugzeuge bereit.
Am 5. Dezember begann die Gegenoffensive der Kalininer Front unter Iwan Konew und der Westfront unter Schukow. Die deutsche Aufklärung hatte zuvor fälschlich angenommen, die sowjetischen Truppen seien ohne bedeutende Verstärkungen nicht zu einem Großangriff fähig. Tatsächlich standen 106 sowjetische Großverbände in Divisionsstärke, darunter 21 frische Elitedivisionen aus Sibirien, 68 meist abgekämpften deutschen Divisionen gegenüber. Das Kräfteverhältnis betrug 1,5:1 zugunsten der Roten Armee; in der Luft standen 1370 sowjetischen Flugzeugen etwa 550 deutsche Maschinen gegenüber.
Die sowjetischen Angriffe zwangen die 2. Panzerarmee, ihren Angriff auf Tula abzubrechen. Die deutsche Führung stellte am 6. Dezember den Angriff auf Moskau ein. Hitlers Haltebefehle erschwerten jedoch den Rückzug. Am 16. Dezember lehnte Hitler weitere größere Ausweichbewegungen ab; am 18. Dezember verlangte er fanatischen Widerstand in den Stellungen. Kalinin wurde am 16. Dezember befreit, Istra, Rusa und Wolokolamsk am 25. Dezember, Kaluga am 30. Dezember und Moschaisk am 7. Januar. Hitler entließ am 19. Dezember Walther von Brauchitsch und übernahm selbst den Oberbefehl über das Heer. Erst am 15. Januar 1942 befahl er den Rückzug auf die sogenannte Winterstellung. Diese war laut Artikel keine militärisch ausgebaute Stellung, sondern vor allem eine an Nachschubwegen und Versorgungspunkten orientierte Linie.
In der deutschen Angriffsoperation vom 30. September bis 5. Dezember wurde die Rote Armee auf einer 700 bis 1110 km breiten Front 250 bis 300 km nach Osten zurückgedrängt und verlor etwa 656.000 Mann, darunter 514.000 Tote. Die Wehrmacht verlor im gesamten Zeitraum schätzungsweise 500.000 Tote oder Verwundete, mindestens 100.000 Ausfälle durch Erfrierungen, 1300 Panzer, 2500 Geschütze und über 15.000 Kraftfahrzeuge.
Das Scheitern von Unternehmen Taifun bedeutete nach dem Artikel auch den völligen Fehlschlag von Unternehmen Barbarossa und der deutschen Blitzkriegstrategie in der Sowjetunion. Die Heeresgruppe Mitte wurde zwar nicht vernichtet, doch die Schlacht um Moskau war für Deutschland verloren. Militärisch und wirtschaftlich war der Krieg für das Deutsche Reich laut Artikel bereits Ende 1941 nicht mehr zu gewinnen.