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Heeresgruppe Nord

Heeresgruppe Nord war die Bezeichnung für drei verschiedene Heeresgruppenkommandos des Heeres der Wehrmacht während des Zweiten Weltkrieges.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Überblick und erste Aufstellung
  2. 2. Angriff im Baltikum und Blockade Leningrads
  3. 3. Abwehrkämpfe, Rückzug und Kurland
  4. 4. Dritte Aufstellung und Auflösung
  5. 5. Führung und unterstellte Verbände

Überblick und erste Aufstellung

Die Heeresgruppe Nord war die Bezeichnung für drei verschiedene Heeresgruppenkommandos des Heeres der Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg. Eine Heeresgruppe war ein Oberkommando, dem wechselnde Armeen und Spezialtruppen unterstanden.

Die erste Heeresgruppe Nord entstand am 2. September 1939 durch Umbildung aus dem Armeeoberkommando 2. Unter Generalfeldmarschall Fedor von Bock bestand sie aus der 3. Armee unter Küchler und der 4. Armee unter Kluge und nahm am Überfall auf Polen teil. Die 4. Armee sollte aus Pommern in den Polnischen Korridor vorstoßen und die polnische Pommern-Armee bekämpfen. Die 3. Armee sollte von Ostpreußen nach Süden gegen die polnische Modlin-Armee angreifen, die Festung Mława erobern und den Angriff in Richtung Warschau fortsetzen.

Nach dem Ende der Kampfhandlungen in Polen wurde die Heeresgruppe in den Westen verlegt und am 10. Oktober 1939 in Heeresgruppe B umbenannt.

Angriff im Baltikum und Blockade Leningrads

Am 21. Juni 1941 wurde die Heeresgruppe Nord durch Umbenennung des Stabes der Heeresgruppe C in Ostpreußen erneut aufgestellt. Zu Beginn des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion, des Unternehmens Barbarossa, am 22. Juni 1941 führte Generalfeldmarschall Wilhelm Ritter von Leeb die 18. Armee am linken Flügel, die Panzergruppe 4 im Zentrum und die 16. Armee am rechten Flügel. Ihr standen 26 Infanterie-, drei Panzer- und drei motorisierte Divisionen zur Verfügung. Gegner waren vor allem die sowjetische 8. und 11. Armee der Nordwestfront; die 27. Armee bildete die Reserve.

Das erste Ziel war, mit den Panzerverbänden die Düna zwischen Jakobstadt und Dünaburg zu erreichen. Bei Tauroggen–Schaulen kam es ab 23. Juni zu schweren Panzerkämpfen. Das XXXXI. Armeekorps (mot.) unter Georg-Hans Reinhardt wurde dort mehrere Tage aufgehalten, während das LVI. Armeekorps (mot.) unter Erich von Manstein auf Jakobstadt vorrückte. Das XXVI. Armeekorps eroberte am 28. Juni Libau und bis 1. Juli Riga. Die sowjetische 8. Armee verteidigte die Küste, während sich die 11. und 27. Armee über die Düna zurückziehen mussten.

Mitte Juli erreichte die Panzergruppe 4 den Peipussee und drängte die sowjetische 8. Armee bei Narva zurück. Die Offensive hatte ihre ersten Ziele zwar erreicht, den Gegner aber nicht entscheidend zerschlagen. Wegen der Ausdehnung des Operationsraums, der eigenen begrenzten Kräfte und des verstärkten sowjetischen Widerstands sollten weitere Operationen nur noch in Etappen erfolgen. Zwischen den Heeresgruppen Nord und Mitte entstand bei Welikije Luki eine Lücke.

Der erste Angriff auf Leningrad begann am 10. August 1941, bevor die Infanteriekorps der 18. Armee nachgerückt waren, und scheiterte. Ende August nahm die 18. Armee Tallinn ein; im September folgte sie den Panzerverbänden zur Blockade Leningrads. Da die finnische Armee unter Marschall Mannerheim an der alten Grenze an der karelischen Landenge stehen blieb, unterblieb der von Hitler erwartete Angriff von Norden. Die sowjetische Verteidigung, ab September 1941 von Armeegeneral G. K. Schukow organisiert, hielt stand. Hitler beabsichtigte die Aushungerung der Stadt, doch Leningrad widerstand der Belagerung bis Anfang 1944.

Ende November 1941 sollte das XXXIX. Armeekorps (mot.) unter Rudolf Schmidt mit einem Vorstoß auf Tichwin die letzte offene Verbindung Leningrads nach Osten über den Ladogasee abschneiden. Drei sowjetische Armeen der Wolchow-Front, die 8., 42. und 55. Armee, stoppten den deutschen Angriff.

Abwehrkämpfe, Rückzug und Kurland

Im Frühjahr 1942 erhielt die Heeresgruppe Verstärkungen, darunter vier Infanteriedivisionen aus der OKH-Reserve, die 20. ID. mot., Verbände aus Frankreich, die 5. Gebirgsdivision und eine niederländische motorisierte SS-Brigade. Geplante Offensiven fanden jedoch wegen sowjetischer Angriffe nicht statt. Im Januar 1942 begann die sowjetische 2. Stoßarmee unter Generalleutnant A. A. Wlassow mit der Ljubaner Operation einen Versuch, die Blockade zu überwinden. Die Offensive endete im April nach hohen Verlusten. Im Juli zerschlug die 18. Armee die in die deutschen Linien eingebrochenen sowjetischen Einheiten in einer Kesselschlacht; sowjetische Reserven konnten die Ausfälle jedoch ersetzen und verstärken.

Die nach der Eroberung der Krim verlegte 11. Armee half im Frühherbst 1942, sowjetische Gegenoffensiven am Wolchow und bei Luga abzufangen. Auch die sowjetische Operation Polarstern sowie die Zweite und Dritte Ladoga-Schlacht 1943 veränderten die Frontlage nicht grundlegend. Die deutschen Verluste konnten jedoch nicht mehr ausreichend ersetzt werden.

Im Januar 1944 musste die 18. Armee während der Leningrad-Nowgoroder Operation die Belagerung Leningrads endgültig aufgeben und nach Narwa zurückweichen. Nach dem Zusammenbruch der Heeresgruppe Mitte in der sowjetischen Operation Bagration Ende Juni 1944 war der Südflügel der Heeresgruppe Nord bei Polozk ungeschützt. Die 16. Armee zog sich entlang der Düna nach Riga zurück. Im September und Oktober 1944 erfolgte im Unternehmen Aster und über Riga der Rückzug der 16. und 18. Armee nach Kurland. Dort wurden sie von der sowjetischen 1., 2. und 3. Baltischen Front abgeschnitten und hielten ihre Stellungen im Kessel von Kurland bis zum Kriegsende im Mai 1945. Am 25. Januar 1945 wurde diese Heeresgruppe Nord in Heeresgruppe Kurland umbenannt.

Dritte Aufstellung und Auflösung

Am 27. Januar 1945 wurde die bisherige Heeresgruppe Mitte in Ostpreußen in Heeresgruppe Nord umbenannt. Den Oberbefehl erhielt Generaloberst Lothar Rendulic. Zu dieser dritten Formation gehörten zunächst die 3. Panzerarmee sowie die 2. und 4. Armee.

Ende Januar spalteten die Stoßkeile der 2. Weißrussischen Front unter Marschall K. K. Rokossowski die Heeresgruppe erneut. Der Rest der 4. Armee unter General der Infanterie Friedrich-Wilhelm Müller wich auf Königsberg zurück und wurde im Heiligenbeiler Kessel im März aufgerieben. Die 2. Armee unter General der Panzertruppe Dietrich von Saucken zog sich nach Danzig und auf die Halbinsel Hela zurück. Dort hielt sich das Armeeoberkommando Ostpreußen mit seinen Truppen bis Mai 1945.

Am 2. April 1945 wurde die Heeresgruppe Nord, seit 13. März unter Generaloberst Walter Weiß, endgültig aufgelöst. Ihr Stab bildete anschließend das Armeeoberkommando 12 im Raum Magdeburg–Potsdam. Der Stab der 3. Panzerarmee wurde für neue Formationen an der Oder bei Stettin genutzt und der Heeresgruppe Weichsel als nördlicher Flügel unterstellt.

Führung und unterstellte Verbände

Oberbefehlshaber waren: Fedor von Bock ab 27. August 1939, Wilhelm Ritter von Leeb ab 21. Juni 1941, Georg von Küchler ab 17. Januar 1942, Walter Model ab 31. Januar 1944, Georg Lindemann ab 31. März 1944, Johannes Frießner ab 4. Juli 1944, Ferdinand Schörner ab 23. Juli 1944, Lothar Rendulic ab 27. Januar 1945 und Walter Weiß ab 12. März 1945.

1939 unterstanden der Heeresgruppe die 3. und 4. Armee. In der zweiten Aufstellung waren im Juni 1941 die 16. Armee, 18. Armee und Panzergruppe 4 unterstellt; ab Oktober 1941 die 16. und 18. Armee. Im September 1942 kam die 11. Armee hinzu. Im März 1944 bestanden die Großverbände aus Armeeabteilung Narwa, 16. und 18. Armee; im September 1944 aus 16. Armee, Armeeabteilung Grasser und 18. Armee. Im Februar 1945 gehörten zur dritten Aufstellung Armeeabteilung Samland und 4. Armee.

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