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Schlacht um Kiew (1941)
Die Schlacht um Kiew war eine Schlacht im Deutsch-Sowjetischen Krieg während des Zweiten Weltkriegs zwischen der Sowjetunion und dem Deutschen Reich.
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Überblick und Bedeutung
Die Schlacht um Kiew war eine große Kesselschlacht zwischen dem Deutschen Reich und der Sowjetunion im Deutsch-Sowjetischen Krieg. Sie dauerte vom 23. August bis zum 26. September 1941 und endete mit einem deutschen Sieg. Bei einer Kesselschlacht werden gegnerische Truppen von mehreren Seiten eingeschlossen und von ihren rückwärtigen Verbindungen abgeschnitten. Kiew wurde am 19. September besetzt; die Kämpfe gegen die eingeschlossenen sowjetischen Verbände dauerten jedoch bis zum 26. September.
Auf deutscher Seite führten Gerd von Rundstedt und Walter von Reichenau, auf sowjetischer Seite Michail Kirponos und Semjon Budjonny. Rund 500.000 deutsche Soldaten standen 752.000 bis 760.000 sowjetischen Soldaten gegenüber; einschließlich Reserven und rückwärtiger Dienste waren es auf sowjetischer Seite etwa 850.000. Die deutschen Verluste werden mit 100.000 Gefallenen und Verwundeten angegeben. Die Rote Armee verlor 700.544 Soldaten, darunter 616.304 Getötete, Vermisste oder Gefangene. Vollständig geschlagen wurden 43 Divisionen aus fünf sowjetischen Feldarmeen, nämlich der 5., 37., 26., 21. und 38. Armee; auch die 40. Armee erlitt schwere Verluste.
Der Sieg öffnete der Wehrmacht den Weg in die Ostukraine, zum Asowschen Meer und in den Donbass. Zugleich verzögerte die vorherige Verlagerung deutscher Panzerkräfte nach Süden den Angriff auf Moskau. Auf die Einnahme Kiews folgte eine deutsche Besatzung, in deren Verlauf schwere Kriegsverbrechen begangen wurden.
Vorgeschichte und erster Angriff
Nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion hatte die Panzergruppe 1 in der Panzerschlacht bei Dubno-Luzk-Riwne vom 23. bis 29. Juni 1941 einen großen Teil der mechanisierten Kräfte der sowjetischen Südwestfront ausgeschaltet. Anfang Juli rückte die deutsche 6. Armee in Richtung Korosten, Schitomir und Kiew vor, während die 17. Armee weiter südlich die sowjetische 26. Armee zurückdrängte. Dadurch drohte auch der sowjetischen 12. Armee am Dnjestr die Abschneidung.
Die sowjetische Führung, die Stawka, ließ starke Gegenangriffe ausführen. Ab dem 11. Juli griff die 5. Armee bei Korosten mit mehreren Schützen- und mechanisierten Korps an; später stieß die 6. Armee in Richtung Berditschew vor. Nach vier Tagen mussten die Angriffe trotz eines örtlichen Vormarsches von 16 Kilometern abgebrochen werden. Im 9., 19. und 22. mechanisierten Korps waren zusammen nur noch 95 Panzer einsatzbereit.
Zum Schutz Kiews wurde am 23. Juli das Oberkommando der 37. Armee neu aufgestellt. Der Befestigte Raum von Kiew bildete am rechten Dnjepr-Ufer die wichtigste sowjetische Verteidigungsstellung. Am 4. August um 6:00 Uhr begann das deutsche XXIX. Armeekorps nach einstündiger Artillerievorbereitung seinen ersten Angriff auf den äußeren Festungsring. Mehrere deutsche Infanteriedivisionen erzielten zunächst Geländegewinne. Die sowjetische Verteidigung wurde durch Schützendivisionen, Luftlandebrigaden sowie die am 4. August aus der Pinsker Militärflottille gebildete Kiewer Flussflottille unterstützt.
Am 8. August erhielt Generalmajor Andrei Wlassow den Auftrag, Kiew unter allen Umständen zu verteidigen. Eine sowjetische Gegenoffensive ab dem 10. August gewann unter anderem Jurowka, Schuljany und Tarasowka zurück. Bis zum 16. August war die Front wieder stabilisiert; der erste deutsche Angriff auf Kiew war gescheitert. Nördlich der Stadt entstand jedoch Ende August bei Okuninowo ein deutscher Brückenkopf über den Dnjepr, der für die weitere Operation wichtig wurde.
Planung und sowjetische Verteidigung
Hitler änderte am 21. August entgegen der ursprünglichen Planung des Generalstabes das Operationsziel. Der Vorstoß der Heeresgruppe Mitte auf Moskau wurde vorläufig zurückgestellt, damit die Heeresgruppe Süd zunächst die Ukraine und besonders das Industriegebiet im Donezbecken erobern konnte. Die Panzergruppe 2 unter Generaloberst Heinz Guderian sollte deshalb nach Süden abdrehen. Guderian hatte zunächst wegen der Wege- und Treibstofflage sowie des Auffrischungsbedarfs seiner Truppen Einwände erhoben, schlug nach einem Gespräch mit Hitler aber selbst den Einsatz seiner gesamten Panzergruppe vor.
Der deutsche Plan sah eine weiträumige Umfassung vor. Die 2. Armee und die Panzergruppe 2 sollten von Norden nach Süden vorstoßen und den sowjetischen Armeen vor Kiew den Rückzug abschneiden. Im Süden sollten die 17. Armee und die Panzergruppe 1 den Dnjepr überschreiten, nach Norden angreifen und sich mit Guderians Verbänden vereinigen. Als Ausgangspunkt des südlichen Vorstoßes diente besonders der Brückenkopf bei Krementschug.
Die sowjetische Südwestfront unter Generaloberst Michail Kirponos hatte ihr Hauptquartier in Browary, 12 Kilometer nordöstlich von Kiew. Marschall Semjon Budjonny war als stellvertretender Oberbefehlshaber eingesetzt. Ende August verteidigten sechs Armeen den Raum zwischen Dnjepr und Desna: Die 37. Armee schützte Kiew und den befestigten Raum, die angeschlagene 5. Armee stand nördlich davon, die 21. und 40. Armee sicherten den Nordabschnitt, während die 26. und 38. Armee das östliche Dnjepr-Ufer im Süden verteidigten.
Die Front war sehr ausgedehnt. Beispielsweise verfügte die 37. Armee über 108.750 Mann und 1116 Geschütze, die 5. Armee über 95.780 Mann und 619 Geschütze. Die 21. Armee hatte 79.570 Mann, 499 Geschütze, 8 Panzer und 15 gepanzerte Fahrzeuge; die 40. Armee 31.950 Mann, 248 Kanonen, 55 Panzer verschiedener Gewichtsklassen und 69 gepanzerte Fahrzeuge. Die 38. Armee verteidigte mit 77.070 Mann und 503 Geschützen eine rund 180 Kilometer breite Front. Mehrere sowjetische Stellungen waren an beiden Flanken bedroht, während die Führung noch Gegenangriffe plante und die Gefahr des deutschen Brückenkopfes bei Krementschug zunächst unterschätzte.
Einkesselung und Ausbruchskämpfe
Im Norden begann die Panzergruppe 2 am 25. August ihre Offensive. Ihr Vormarsch wurde zunächst durch sowjetische Gegenangriffe und Schwierigkeiten der deutschen 2. Armee verzögert. Danach stießen die deutschen Panzerverbände über Desna, Sudost und Sejm nach Süden vor. Am 10. September nahm die 3. Panzer-Division unter Generalleutnant Walter Model Bachmatsch; zugleich brach die Linie der sowjetischen 21. Armee zusammen. Das XXIV. Armeekorps (motorisiert) erreichte Romny. Weil die Panzergruppe 1 im Süden auf nahezu unpassierbaren Schlammwegen nur langsam vorankam, musste Models Division weiter bis Lochwiza vorstoßen.
Im Süden befahl die Heeresgruppe Süd am 4. September den Angriff der 17. Armee aus dem Brückenkopf von Krementschug in Richtung Mirgorod und Lubny. Ab dem 12. September führten das XXXXVIII. und das XIV. Armeekorps (motorisiert) den Vorstoß der Panzergruppe 1 nach Norden. Am 15. September trafen die Panzertruppen der Generale Model und Hans-Valentin Hube aufeinander. Damit war der zunächst noch dünne Einschließungsring um die Hauptkräfte der sowjetischen Südwestfront geschlossen.
Die sowjetische Führung reagierte zu spät. Budjonny und Kirponos hatten mehrfach verlangt, Kiew räumen und die bedrohten Armeen ausbrechen zu dürfen. Stalin befahl jedoch, die Stellungen zu halten. Erst am 17. September wurde der Rückzug genehmigt. Die deutsche 6. Armee begann am 16. September ihren zweiten Angriff auf Kiew; Kirponos gab den Räumungsbefehl erst am Abend des folgenden Tages weiter.
Sowjetische Gegenangriffe sollten von Osten einen Korridor für die eingeschlossenen Truppen öffnen. Nach der Übernahme des Oberbefehls durch Marschall Semjon Timoschenko am 16. September wurde der Plan geändert: Eine kavallerie-mechanisierte Gruppe sollte Romny zurückerobern. Die bis zum 23. September fortgesetzten Angriffe scheiterten. Am 20. September geriet Kirponos’ Hauptquartier beim Ausbruchsversuch in ein Gefecht. Kirponos und sein Generalstabschef Wassili Tupikow wurden tödlich verwundet. General Howhannes Baghramjan und ein Teil des Stabes entkamen. Der Befehlshaber der 5. Armee, Michail Potapow, geriet in Gefangenschaft; Teile des Hauptquartiers der 21. Armee brachen nach Osten durch.
Die Kesselschlacht endete am 26. September. Nach Angaben der Heeresgruppe Süd gerieten etwa 665.000 sowjetische Soldaten in Gefangenschaft; außerdem seien 884 Panzer, 418 Panzerabwehrkanonen und 3018 Geschütze erbeutet worden. Andere Angaben nennen für die gesamte Kiewer Verteidigungsoperation vom 7. Juli bis 26. September 700.544 sowjetische Verluste, darunter 616.304 Tote, Vermisste und Gefangene.
Besetzung und Folgen
Deutsche Truppen nahmen Kiew am 19. September ein. Die sowjetische Seite hatte zuvor umfangreiches Material abtransportiert, Bahnverbindungen unterbrochen und Gebäude mit fernzündbaren Sprengladungen des Typs F-10 versehen. Am 24. September explodierte neben dem Hauptpostgebäude ein Sprengsatz in einem Beute- und Munitionslager. Ein Großbrand erfasste Teile der Stadt und konnte erst am 29. September gelöscht werden. Wegen der Verluste ordnete Hitler an, befestigte Großstädte künftig zu umgehen, zu belagern und mit Artillerie sowie Luftangriffen zu bekämpfen. Abgesehen von der Leningrader Blockade wurde dieses Verfahren jedoch nicht konsequent angewendet.
Unmittelbar nach der Schlacht begannen schwere deutsche Besatzungsverbrechen. Am 29. und 30. September 1941 ermordeten Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des Sicherheitsdienstes im Zusammenwirken mit regulären Heereseinheiten beim Massaker von Babyn Jar mehr als 33.000 Juden aus dem Großraum Kiew.
Der deutsche Sieg und die sehr hohen sowjetischen Verluste eröffneten den Zugang zur Ostukraine, zum Asowschen Meer und zum Donbass. Das Oberkommando der Wehrmacht hoffte, noch vor dem Winter die Krim zu besetzen und bis in den Kaukasus vorzustoßen. Zugleich überschätzte die deutsche Führung wegen der sowjetischen Verluste ihre Erfolgsaussichten gegen Moskau. Hitler befahl trotz der fortgeschrittenen Jahreszeit den direkten Vormarsch auf die sowjetische Hauptstadt.
Aus ausgebrochenen und neu zugeführten Verbänden stellte die Rote Armee eine neue 21., 40. und 38. Armee auf, die bei Mirgorod und Poltawa sowie an Psjol und Sula eine neue Front bildeten. Kiew blieb 778 Tage unter deutscher Besatzung und wurde am 6. November 1943 in der Zweiten Schlacht um Kiew von der Roten Armee zurückerobert.