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Schaizar
Im Mittelalter war es eine Stadt und Festung, die von der Banu-Munqidh-Dynastie beherrscht wurde und eine wichtige Rolle in der christlichen und islamischen …
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Schaizar im Überblick
Schaizar (arabisch شيزر, DMG Šaizar; auch Shaizar oder Shayzar) ist heute ein Dorf in Syrien nahe Mhardeh. Im Mittelalter war Schaizar eine Stadt mit einer bedeutenden Festung. Sie wurde von der Dynastie der Banu Munqidh beherrscht und spielte während der Kreuzzüge eine wichtige Rolle in der christlichen und islamischen Politik.
Die Siedlung liegt am Fluss Orontes nördlich von Hama. Die Zitadelle entstand in ihren ersten nachgewiesenen Befestigungsformen in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts. Sie ist eine Mischung aus Kamm- und Gipfelburg, liegt auf etwa 220 m Höhe und ist heute eine Ruine. Ihre Lage wird mit 35° 16′ 1,8″ N, 36° 34′ 0,3″ O angegeben. Der schmale Bergrücken ist fast 470 m lang, aber kaum 50 m breit.
Frühe Geschichte
Schaizar ist eine alte Stadt. Sie wird in den Amarna-Briefen als Senzar oder Sezar erwähnt. Aus der Zeit der neo-hethitischen Staaten stammt die hieroglyphen-luwische Grabinschrift der Kupapiyas, der Frau des Königs Taitas. Die Griechen nannten die Stadt Sidzara. Unter der Seleukiden-Dynastie wurde sie in Larissa umbenannt; im Römischen Reich erhielt sie wieder ihren alten Namen, im Byzantinischen Reich hieß sie Sezer. Die Kreuzfahrer latinisierten den Namen zu Caesarea.
638 fiel Schaizar an die Araber. Danach wechselte die Stadt mehrfach zwischen arabischer und byzantinischer Herrschaft. Der byzantinische Herrscher Nikephoros II. nahm sie 969 ein, Basileios II. 999. Anschließend bildete Schaizar die südliche Grenze des Byzantinischen Reiches und wurde von einem Bischof geleitet. 1081 kaufte 'Ali ibn Munqidh die Stadt dem Bischof ab. Damit gelangte Schaizar an die Banu Munqidh. Mehrere byzantinische Belagerungen blieben erfolglos.
Schaizar unter den Munqidhiten
Die Munqidithen kontrollierten ein Gebiet östlich von Schaizar, das sich über das Alawitengebirge bis zur Mittelmeerküste erstreckte, von Latakia im Norden bis Tortosa im Süden. Während des Ersten Kreuzzugs unterstützte der Emir von Schaizar die Kreuzfahrer: Er stellte ihnen Führer zur Verfügung und erlaubte ihnen, Pferde, Nahrung und andere Vorräte zu kaufen. Danach grenzte das Emirat an das Fürstentum Antiochia und die Grafschaft Tripolis und wurde von dort aus überfallen.
1106 schlugen die Brüder Sultan und Murschid den Grafen Wilhelm-Jordan von Tripolis zurück. 1108 und 1110 mussten sie Tankred von Tiberias bestechen, damit er das Land verließ. Tankred errichtete jedoch auf dem nahegelegenen Tell ibn Ma'schar eine Burg, von der aus er Schaizar überwachen konnte. 1113 versuchten die Assassinen, während der Abwesenheit des Emirs die Zitadelle einzunehmen, wurden aber von der Bevölkerung zurückgeschlagen. 1119 nahm Schaizar an einem Feldzug gegen Antiochia teil.
Balduin II. von Jerusalem wurde 1123 von den Ortoqiden gefangen genommen und bis zu seiner Freilassung im nächsten Jahr in Schaizar festgehalten. Als Teil seines Lösegelds musste er seine Tochter Ioveta als Geisel übergeben; sie blieb bis 1125 in Schaizar. Weil der Ort als friedlich galt, durfte Balduin seine Tochter besuchen. 1125 trat Schaizar dem Herrschaftsgebiet Aq Sunqur al-Bursuqis bei. Als Zengi 1127 dessen Nachfolge antrat und Aleppo beanspruchte, erkannte Schaizar seine Oberhoheit an.
1137 belagerte der byzantinische Kaiser Johannes II. Schaizar. Er wollte seine Autorität über Antiochia durchsetzen und Raimund von Antiochia ein Fürstentum aus Schaizar, Aleppo, Homs und Hama geben, falls Antiochia an Byzanz zurückkehrte. Raimund und Joscelin II. von Edessa unterstützten den Kaiser nicht. Zengi rückte mit einem Entsatzheer an und schnitt das byzantinische Heer vom Nachschub ab. Der Emir von Schaizar bot Johannes II. schließlich reiche Geschenke an, erkannte ihn formell als Lehnsherrn an und versprach jährlichen Tribut. Der Kaiser zog ab; anschließend zog auch Zengi ab. Schaizar bewahrte danach als eines der wenigen Kleinemirate Syriens seine faktische Unabhängigkeit von den Zengiden.
Das Emirat endete 1157 durch ein schweres Erdbeben, das die Zitadelle zerstörte und fast die gesamte Emirsfamilie tötete. Die einzigen Überlebenden waren die Frau des Emirs und sein Neffe Usama ibn Munqidh, der sich auf einer diplomatischen Reise in Damaskus befand. Die Assassinen übernahmen die Ruinen, wurden 1158 von den Kreuzfahrern besiegt; deren Streit untereinander führte jedoch zum Abbruch der Belagerung. Nur ad-Din übernahm Schaizar, baute die Stadt wieder auf und gliederte sie in seine Herrschaft ein. Ein weiteres Erdbeben zerstörte Schaizar 1170. Saladin übernahm die Überreste 1174 und ließ die Stadt erneut aufbauen. 1241 wurde sie von den Choresmiern geplündert und zerstört. Der Mamelukensultan Baibars nahm sie 1260 ein und baute sie weiter auf.
Emire von Schaizar
Die Herrscherliste des Emirats nennt folgende Emire und Amtszeiten:
- 1081: Sultan ibn 'Ali ibn al-Muqallad al-Kinani
- 1081–1082: 'Izz ad-Dawla Sadid al-Mulk ibn Munqidh
- 1082–1098: 'Izz ad-Dawla abu-l-Murhaf Nasr ibn Munqidh
- 1098–1137: Madschd ad-Din abu Salamah Murschid ibn 'Izz ad-Dawla ibn Munqidh
- 1098–1154: 'Izz ad-Din abu-l-'Asakir Sultan ibn 'Izz ad-Dawla ibn Munqidh
- 1154–1157: Tadsch ad-Dawla Nasr ad-Din Muhammad ibn Abi l-Asakir ibn Munqidh
Stadtbild und Leben während der Kreuzzüge
Wilhelm von Tyrus beschrieb Schaizar während der Belagerung von 1157 als Stadt am Orontes, dem Fluss, der auch durch Antiochia fließt. Er unterschied zwischen einer Unterstadt in der Ebene und einem oberen Teil auf den Anhöhen mit der Zitadelle. Diese sei großflächig, aber schmal und durch natürliche Hindernisse sowie Befestigungen geschützt. Der Fluss sichere eine Seite, die Stadt die andere. Wilhelm bezeichnete sie deshalb als gänzlich uneinnehmbar. Zugleich widersprach er der damals verbreiteten Gleichsetzung mit dem berühmten Caesarea in Kappadokien: Schaizar liege in Koilesyrien, mehrere Provinzen von Kappadokien entfernt, und gehöre zum Patriarchat von Antiochia.
Über die Einwohner schrieb Wilhelm, sie hätten wenig Wissen über Waffen und sich fast ausschließlich dem Handel gewidmet. Viele Einwohner waren Christen. Wilhelm nahm an, dass sie unter muslimischer Herrschaft litten; die Darstellung der Munqidhiten deutet jedoch auf religiöse Toleranz und ein friedliches Zusammenleben von Muslimen und orthodoxen Christen hin. Usama ibn Munqidh schilderte im Kitab al-I'tibar das Leben im islamischen Schaizar des 12. Jahrhunderts. Die Munqidhiten erscheinen dort als Förderer der Literatur, die Jagd und andere Sportarten betrieben, aber auch mit christlichen und islamischen Nachbarn Krieg führten und anschließend wieder friedlich mit ihnen zusammenlebten.
Die Zitadelle und die heutige Situation
Die Zitadelle gilt trotz ihrer mittelalterlichen Zerstörungen als außergewöhnlich gut erhaltene archäologische Stätte. Die Ruinen blieben über Jahrhunderte weitgehend unangetastet. Deshalb begann 2002 ein italienisches Archäologenteam der Universität Venedig mit Ausgrabungen, die nach dem Artikelstand Oktober 2010 noch andauerten. Schaizar wurde als geeigneter Ort ausgewählt, um die Entwicklung nahöstlicher Festungsanlagen und Siedlungen zu erforschen.
Die ersten nachgewiesenen Befestigungen auf dem Bergrücken stammen aus der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts und damit aus der byzantinischen Zeit. Größere Bauvorhaben erfolgten ab 1081 unter den Munqidhiten. Nach dem Erdbeben von 1157 wurde die Burg im Bauprogramm Nur ad-Dins instand gesetzt. Die letzten Restaurierungsarbeiten fanden vermutlich 1261 unter dem Mameluken Baibars I. statt.
Die Zitadelle verläuft nahezu geradlinig von Nordnordost nach Südsüdwest. Westlich liegt am Fuß des Berges die eigentliche Stadt, östlich fällt das Gelände steil zum Orontes ab. Der Eingang befindet sich am Nordende und gehört zu den besterhaltenen Teilen. Über dem Eingangstor steht der Turm CF8, der früh restauriert wurde. Die Anlage ist von größeren Trümmern geräumt und begehbar. In der Mitte steht ein weitgehend erhaltener Turmrest; der größte Teil der übrigen Anlage ist stark zerstört. Die Ausgrabungen konzentrierten sich besonders auf den palasähnlichen Gebäudekomplex CA1 am Südende sowie den dritten Teil noch gut erhaltener Gebäude.
Unterhalb der Zitadellenruine liegt heute weiterhin ein Dorf mit einer Moschee. Über die Fernstraße von Suqailabiyya nach Hama ist es mit den in Syrien üblichen Minibussen an die Außenwelt angebunden.