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Saladin
Unter dem Namen „Sultan Saladin“ wurde er zu einem Mythos der muslimischen Welt und vorbildhaften islamischen Herrscher. Er eroberte im Jahr 1187 Jerusalem. Als …
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Wer Saladin war
Saladin, mit vollem Namen Salah ad-Din Yusuf ibn Ayyub ad-Dawini und dem Herrschertitel al-Malik an-Nasir („der siegreiche Herrscher“), wurde 1137/1138 in Tikrit geboren und starb am 3. oder 4. März 1193 in Damaskus. Er war ab 1171 erster Sultan von Ägypten und ab 1174 Sultan von Syrien. Als kurdischstämmiger Herrscher gründete er die Dynastie der Ayyubiden.
Bedeutend wurde Saladin vor allem als erfolgreicher Gegner der Kreuzfahrer. 1187 besiegte er das Heer des Königreichs Jerusalem in der Schlacht bei Hattin und eroberte am 2. Oktober 1187 Jerusalem zurück, das 88 Jahre unter christlicher Herrschaft gestanden hatte. In der muslimischen Welt wurde er später zum Idealbild eines islamischen Herrschers. Die moderne Geschichtsschreibung betont zugleich, dass er seine Rolle als Verteidiger des Islam auch nutzte, um seine machtpolitischen Ziele zu legitimieren.
Aufstieg und Herrschaft
Saladin stammte aus einer kurdischen Familie. Sein Vater Nadschmuddin Ayyub war Gouverneur der Seldschuken in Tikrit und diente später im Umfeld Zengis und Nur ad-Dins. Saladin wuchs in Baalbek und Damaskus auf. 1152 wurde er mit vierzehn Jahren von Nur ad-Din in Aleppo in den Militärdienst aufgenommen und erhielt ein eigenes Lehen. Später übernahm er zeitweise die Leitung einer städtischen Polizeitruppe in Damaskus, kehrte aber wieder in den Militärdienst zurück.
Ab 1163 begleitete Saladin seinen Onkel Schirkuh auf Feldzügen nach Ägypten. Dabei führte er erstmals eigenständig ein Kommando und konnte die Festungsstadt Bilbais drei Monate halten. 1169 wurde Schirkuh Wesir in Ägypten, starb aber kurz darauf. Saladin erhielt im März 1169 den Oberbefehl über Ägypten, zunächst als Wesir des letzten Fatimidenkalifen al-ʿĀdid. Nach dessen Tod 1171 herrschte Saladin allein als Sultan von Ägypten.
In Ägypten stellte Saladin die sunnitische Orthodoxie wieder her. Er gründete theologisch-juristische Hochschulen, ersetzte den obersten Richter durch einen sunnitischen Rechtsgelehrten und richtete Handel und Steuern nach sunnitisch-islamischem Recht aus. Auch persönlich änderte er seinen Lebensstil, gab Weintrinken und andere Vergnügungen auf und lebte einfacher. Die Zitadelle und Stadtmauer Kairos ließ er ausbauen.
Nach dem Tod Nur ad-Dins 1174 übernahm Saladin auch die Herrschaft über Syrien, zunächst mit Ausnahme Aleppos. Zwischen 1174 und 1176 führte er mehrere erfolgreiche Feldzüge gegen muslimische Nachbarn: Er nahm unter anderem Hama, Homs, Baalbek, Buzāʾa und Aʿzāz ein und besiegte die Zangiden. 1176 heiratete er Ismataddīn Khātūn, die Witwe Nur ad-Dins, wodurch er seine Nachfolge zusätzlich legitimierte. Damaskus wurde sein bevorzugter Aufenthaltsort, während Ägypten vor allem als reiche finanzielle Grundlage seiner Kriege diente.
Krieg gegen die Kreuzfahrer
Ein erster großer Angriff Saladins auf das christliche Königreich Jerusalem scheiterte 1177 in der Schlacht von Montgisard. Danach baute er seine Macht weiter aus: 1183 gewann er Aleppo, 1186 auch Mossul. Damit konnte er das Königreich Jerusalem erneut angreifen. Sein wichtigstes propagandistisches Ziel war die Rückeroberung Jerusalems und die Wiederherstellung eines islamischen Großreiches unter seiner Führung.
Am 4. Juli 1187 errang Saladin in der Schlacht bei Hattin einen entscheidenden Sieg über die Kreuzfahrer unter Guido von Lusignan. Dabei eroberte er auch das von den Christen mitgeführte Heilige Kreuz, was für die Zeitgenossen große symbolische Bedeutung hatte. Der arabische Geschichtsschreiber Ibn-al-Aṯīr stellte Saladins Kampf als Dschihad, also als „Heiligen Krieg“, gegen die Kreuzfahrer dar.
Am 2. Oktober 1187 eroberte Saladin Jerusalem. Viele christliche Kirchen wurden in Moscheen umgewandelt, christliche Inschriften entfernt. Die Kirche St. Anna wurde zu einer schafiitischen Madrasa, also einer islamischen Hochschule, und das Haus des Patriarchen zu einem Sufi-Kloster. Die Grabeskirche blieb jedoch unangetastet. In der al-Aqsa-Moschee ließ Saladin den von Nur ad-Din vorgesehenen Minbar, eine Kanzel, aufstellen.
Bis 1189 eroberte Saladin große Teile der Kreuzfahrerstaaten Jerusalem, Tripolis und Antiochia. Der Dritte Kreuzzug verhinderte jedoch deren vollständige Vernichtung. 1191 verlor Saladin die wichtige Hafenstadt Akkon und erlitt Niederlagen gegen Richard Löwenherz bei Arsūf und 1192 bei Jaffa. 1192 schloss er mit Richard einen Waffenstillstand für drei Jahre und acht Monate. Der Vertrag garantierte christlichen Pilgern den Zugang nach Jerusalem; außerdem durften zwei lateinische Priester in der Grabeskirche dienen.
Tod, Familie und Nachfolge
Saladin kehrte im November 1192 nach Damaskus zurück. Während seiner Krankheit im Februar 1193 übernahm sein Sohn al-Afdal immer mehr Verwaltungsaufgaben. Saladin starb am 3. oder 4. März 1193 im Alter von 55 Jahren in Damaskus. Seine endgültige Ruhestätte erhielt er im Dezember 1195 in einem eigens errichteten Mausoleum nahe der Umayyaden-Moschee in Damaskus.
Nach Saladins Willen erhielten seine drei ältesten Söhne Damaskus, Kairo und Aleppo; sein Bruder al-Adil bekam den Rest des Reiches. Das Reich drohte aber bald zu zerfallen, weil 17 Söhne, 35 Neffen, der Ehemann seiner Tochter und einige Brüder um das Erbe stritten. Um 1200 konnte al-Adil die alleinige Herrschaft erringen und bis 1218 sichern. Das ayyubidische Reich bestand danach nur noch etwa drei Jahrzehnte.
Saladin war mit Ismataddīn Khātūn verheiratet, hatte mit ihr aber keine gemeinsamen Kinder. Seine 24 Kinder stammten von Konkubinen; sechs starben sehr jung. Der Chronist Abu l-Fida berichtet, Saladin habe bei seinem Tod 17 Söhne und eine Tochter hinterlassen. Saladin legte großen Wert auf die religiöse und militärische Erziehung seiner Söhne. In Anweisungen von Oktober 1192 betonte er, sie sollten Gott fürchten, Blutvergießen vermeiden, lieber verhandeln und überzeugen, sich um das Wohl der Untertanen kümmern und die militärische wie zivile Elite gut behandeln.
Legende und Bewertung
Das Bild Saladins wurde stark von Legenden geprägt. Christen und Muslime rühmten besonders seine Großzügigkeit und Freigebigkeit. Der Historiker Baha ad-Din schrieb, Saladin habe bei seinem Tod nur noch 47 Silber-Drachmen und ein einziges Goldstück besessen. Diese Großzügigkeit entsprach offenbar seinem Charakter und seiner Erziehung, wurde aber auch politisch eingesetzt.
In Europa galt Saladin lange als „ritterlicher Gegner“ und als „Urbild des edlen Heiden“. Dieses Bild war idealisiert. Nach der Schlacht bei Hattin ließ er überlebende Ordensritter hinrichten und andere Gefangene in die Sklaverei verkaufen. Nach der Kapitulation Jerusalems wurden viele Einwohner gegen Kopfgeld freigelassen; etwa 15.000 nicht Freigekaufte gerieten in Gefangenschaft. Zugleich berichten Quellen von Gesten gegenüber Richard Löwenherz, etwa der Zusendung eines Arztes, von Früchten oder Pferden. Richard und Saladin begegneten sich jedoch nicht persönlich.
Zur Legende gehörte auch Saladins religiöse Toleranz. Zeitgenössische Quellen beschreiben ihn als frommen Muslim, der die im Koran begründete Toleranz gegenüber Juden und Christen beachtete und Zwangskonversionen ablehnte. Orientalische Christen und Juden warb er zur Neubesiedlung Jerusalems an. Gegenüber Schiiten setzte er eher auf sunnitische Bildung als auf Verfolgung. Zugleich war diese Toleranz auch ein politisches Mittel, denn Saladin suchte Waffenstillstände mit Kreuzfahrern, wenn er gegen muslimische Nachbarn Krieg führen wollte.
In Europa blieb Saladin im Gedächtnis, während er im Orient zunächst eher in Vergessenheit geriet. Erst im 19. Jahrhundert wurde er dort durch die positive europäische Bewertung wieder stärker wahrgenommen, besonders nach dem Besuch Kaiser Wilhelms II. an Saladins Grab 1898. Seitdem wurde Saladin im Nahen Osten häufig politisch instrumentalisiert: osmanische, panislamische, panarabische, syrische, irakische und andere Akteure stellten sich in seine Nachfolge. Dabei ist seine Bewertung nicht einheitlich, unter anderem weil Schiiten ihn wegen der Verdrängung der schiitischen Fatimiden kritisch sehen, während die moderne kurdische Literatur ihn zum Nationalhelden machte.