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Kreuzzug
Die Kreuzzüge waren von der lateinischen Kirche sanktionierte, strategisch, religiös und wirtschaftlich motivierte Kriege zwischen 1095/99 und dem 13.
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Begriff, Ziel und zeitlicher Rahmen
Kreuzzüge waren von der lateinischen Kirche sanktionierte Kriege, die strategische, religiöse und wirtschaftliche Motive verbanden. Im engeren Sinn meint der Begriff die Orientkreuzzüge von 1095/99 bis ins 13. Jahrhundert: Feldzüge gegen muslimische Staaten im Nahen Osten mit dem Ziel, das Heilige Land und besonders Jerusalem zu gewinnen oder zu sichern. Nach der Eroberung Jerusalems 1099 entstanden in der Levante vier Kreuzfahrerstaaten. Mit dem Fall Akkons 1291 ging die letzte Kreuzfahrerfestung in Outremer verloren.
Ein Kreuzzug galt den katholischen Zeitgenossen zugleich als Bußgang und Kriegszug. Wer teilnahm, legte ein rechtlich verbindliches Gelübde ab, ähnlich dem einer Pilgerfahrt. Das auf der Kleidung befestigte Kreuzzeichen stand für das „Kreuz nehmen“ und den Kreuzzugseid. Zeitgenössische Quellen bezeichneten die Unternehmungen meist als expeditio, iter oder peregrinatio, also als bewaffnete Reise beziehungsweise Pilgerfahrt.
Im 13. Jahrhundert wurde der Begriff ausgeweitet. Nun konnten auch Feldzüge gegen nicht christianisierte Völker, gegen Ketzer, gegen die Ostkirche oder sogar gegen politische Gegner des Papsttums als Kreuzzüge gelten. Die ursprüngliche allgemeine Fahrt ins Heilige Land hieß passagia generalia; daraus entwickelte sich die passagia particularia, die gegen andere Ziele gerichtet sein konnte. Als bleibendes Erbe gelten die Ritterorden, ursprünglich militarisierte Mönchsorden.
Aufruf, Rechtfertigung und Beweggründe
Papst Urban II. rief am 27. November 1095 auf der Synode von Clermont zum Ersten Kreuzzug auf. Vorausgegangen waren ein Hilferuf des byzantinischen Kaisers Alexios I. Komnenos gegen die Seldschuken sowie Berichte über Übergriffe auf christliche Pilger und über frühere Repressalien gegen Christen im Heiligen Land. In der Regierungszeit des fatimidischen Kalifen al-Hakim waren Kirchen und Klöster betroffen; 1009 wurde die Grabeskirche in Jerusalem zerstört. Urban forderte die Vertreibung der dort ansässigen Muslime und die Inbesitznahme der heiligen Stätten.
Die kirchliche Grundlage war die Lehre vom gerechten Krieg, lateinisch bellum iustum, wie Augustinus von Hippo sie vertreten hatte. Ein gottgefälliger Krieg sollte von einer rechtmäßigen Autorität wie dem Papst verkündet werden, einen gerechten Grund besitzen, etwa die ungerechte Behandlung Gläubiger, und in guter Absicht geführt werden. Frühere päpstlich unterstützte Unternehmungen, etwa gegen Barbastro 1063 und auf Sizilien ab 1059, gelten als Vorläufer.
Für viele Teilnehmer waren religiöse Motive zentral: Sie glaubten, Gottes Willen zu erfüllen und durch den Ablass die Erlassung aller Sünden zu erhalten. Zugleich spielten weltliche Interessen mit. Adlige, besonders nicht erbberechtigte jüngere Söhne, hofften auf Land und Herrschaft. Für Teile der Landbevölkerung bot der Zug eine Flucht aus schwierigen Lebensverhältnissen; der Papst stellte Teilnehmern ein Ende der Leibeigenschaft in Aussicht. Auch Frauen, Kleriker, Alte und Arme zogen im Tross mit. Verbrecher und Gesetzlose konnten sich durch das Gelübde der Strafverfolgung entziehen und hofften auf einen Neuanfang oder Beute.
Die italienischen Seerepubliken Genua, Pisa und Venedig profitierten vom Orienthandel. Das Papsttum erwartete eine Stärkung seiner Stellung und möglicherweise Einfluss auf die Ostkirche. Ab dem Vierten Kreuzzug traten wirtschaftliche Interessen besonders deutlich hervor. Die Finanzierung in den Bistümern erfolgte durch den Kreuzzugszehnten; dafür wurden Amtsbücher wie der Liber decimationis geführt. Robert Bartlett ordnet die Kreuzzüge außerdem in das Bevölkerungswachstum des 11. Jahrhunderts und die europäische Expansion in Randräume ein.
Orientkreuzzüge und Kreuzfahrerstaaten
Der Erste Kreuzzug begann 1096 und endete 1099 mit der Eroberung Jerusalems. Auslöser der byzantinischen Hilfsbitte war auch die Niederlage von Manzikert 1071, die den Beginn der türkischen Landnahme in Anatolien markierte. Die Kreuzfahrer erreichten Ende 1096 Konstantinopel. Alexios I. unterstützte sie zunächst, obwohl Byzanz eher Söldner erwartet hatte und den Kreuzfahrern misstraute. Nach einem Treueeid zogen sie 1097 weiter, eroberten Nikaia für Byzanz und nahmen nach schweren Kämpfen Antiochia ein. Bei der Einnahme Jerusalems im Juli 1099 kam es zu Massakern an verbliebenen Bewohnern unabhängig von ihrer Religion. Frühere Opferzahlen wurden laut Artikel auf muslimischer wie christlicher Seite stark übertrieben; Thomas Asbridge ging 2010, ebenso Benjamin Kedar 2004, von etwas über 3.000 Opfern aus.
Die Staaten der Kreuzfahrer waren wegen ihrer geringen katholisch-christlichen Bevölkerung und des europäischen Nachschubs militärisch verwundbar. Dennoch lebten Christen und Muslime dort meist friedlich zusammen: Muslimen blieb weitgehend freie Religionsausübung und eine eigene Gerichtsbarkeit, und die katholischen „Franken“ verhielten sich meist auch gegenüber anderen christlichen Konfessionen tolerant. Juden hatten in Outremer eine bessere Stellung als in Europa und wurden nach der Eroberung Jerusalems dort nicht Opfer von Pogromen.
Der Zweite Kreuzzug von 1147 bis 1149 sollte nach dem Fall Edessas entlasten, blieb aber erfolglos. Nach der Schlacht bei Hattin 1187 fiel Jerusalem wieder in muslimische Hände. Der Dritte Kreuzzug von 1189 bis 1192 gewann Teile der Küste Outremers zurück, erreichte Jerusalem jedoch nicht. Schlechte Planung, strategische Fehler und Uneinigkeit der Führung schwächten weitere Unternehmungen; die Verluste waren sehr hoch.
Der Vierte Kreuzzug sollte ursprünglich Ägypten beziehungsweise Jerusalem treffen, endete aber 1204 mit der Eroberung und Plünderung Konstantinopels. Kreuzfahrer bezahlten damit teilweise die Verschiffung durch Venedig. Der Papst verurteilte die Gräueltaten scharf, ohne praktische Folgen. Venedig schwächte dadurch einen Konkurrenten im Orienthandel; Byzanz wurde dauerhaft geschädigt und nach der Rückeroberung Konstantinopels 1261 zur Regionalmacht. Das Verhältnis orthodoxer Völker zu Westeuropa wurde für Jahrhunderte belastet.
Weitere Kreuzzüge und Ende der Bewegung
Die Fachliteratur unterscheidet gewöhnlich sieben offizielle Orientkreuzzüge, doch ist die Zählung nicht einheitlich. Weitere als Kreuzzüge bezeichnete Unternehmungen waren unter anderem der Volkskreuzzug von 1096, der Kinderkreuzzug von 1212, der Albigenserkreuzzug von 1209 bis 1229, der Wendenkreuzzug von 1147 und Feldzüge ins Baltikum. Im 14. Jahrhundert gab es über 50, vom Deutschen Orden organisierte Feldzüge gegen Prußen und Litauer, die „Preußenfahrten“ oder „Litauerreisen“ hießen.
Der Kreuzzugsgedanke wurde zunehmend als politische Waffe eingesetzt. Der Stedingerkrieg 1233 bis 1234 richtete sich gegen Bewohner Stedingens, die sich neuen Steuern widersetzten. Nachdem Erzbischof Gerhard II. sie zu Ketzern hatte erklären lassen, gewährte Papst Gregor IX. den Teilnehmern 1233 die Ablässe eines Heiliglandzugs. Der Krieg endete am 27. Mai 1234 in der Schlacht bei Altenesch mit dem Tod mehrerer Tausend Stedinger. Der Albigenserkreuzzug half dem französischen König, seine Macht in Okzitanien zu festigen; auch Feldzüge gegen die kaiserfreundlichen Ghibellinen wurden zu Kreuzzügen erklärt.
Die Hussitenkriege von 1419 bis 1434 wurden ebenfalls als Kreuzzüge geführt. Papst Martin V. rief fünfmal gegen die Anhänger Jan Hus’ auf. Die Heere Sigismunds und weiterer katholischer Herrscher wurden jedoch mehrfach von den Taboriten geschlagen. 1434 setzte sich der gemäßigte utraquistische Flügel durch und etablierte in Böhmen eine anerkannte, von der katholischen Lehre abweichende Kirche.
Die Levantekreuzzüge endeten 1291 mit Akkon. Späte Feldzüge gegen das Osmanische Reich scheiterten unter anderem 1396 bei Nikopolis und 1444 bei Warna. Ob die Verteidigung Wiens 1683 noch zur Kreuzzugstradition gehört, ist fraglich. Spätestens als Frankreich 1528 ein Bündnis mit dem Osmanischen Reich gegen die Habsburger schloss, endete der europäisch einigende Anspruch der katholischen Kreuzzugsidee. Auch nach dem Mittelalter wurden einzelne militärische Aktionen noch als Kreuzzüge bezeichnet, etwa die Kreuzzugsliga bei Lepanto und päpstliche Versuche im 17. Jahrhundert.
Dschihad, Kritik und Forschungsfragen
Dschihad bedeutet sinngemäß „Einsatz für den Islam“. Er konnte sowohl die militärische Verteidigung des Islams als auch, je nach Auslegung, seine offensive Verbreitung oder die Ausdehnung muslimischer Herrschaft meinen, ohne zwingend die Zwangsbekehrung Nichtmuslimen zu verlangen. Weil Dschihad und Kreuzzug Formen des Heiligen Krieges sind, wurde lange ein Einfluss der islamischen Dschihad-Theologie auf den Kreuzzugsgedanken vermutet. Der Artikel hält jedoch fest, dass die Beeinflussung eher umgekehrt verlief: Im 11. Jahrhundert war die Dschihad-Lehre in der Levante schwach ausgeprägt; die Kreuzzüge belebten sie wieder.
Abu l-Ḥasan as-Sulamī veröffentlichte 1105 in Damaskus das Kitāb al-Ǧihād und rief Muslime zu einem „Gegen-Kreuzzug“ beziehungsweise „Gegen-Dschihad“ auf. Zengi eroberte 1144 Edessa, während Nur ad-Din und besonders Saladin Dschihad-Propaganda nutzten. Saladin verwendete sie ab 1183 auch zur Sicherung seiner Herrschaft und besiegte die Kreuzfahrer 1187 bei Hattin.
Schon nach dem Scheitern des Zweiten Kreuzzugs kritisierten Theologen bewaffnete Kreuzzüge. Sie beriefen sich unter anderem auf Mt 26,52 und Offb 19,21. Um 1200 plädierten Kirchenrechtler wie Alanus Anglicus dafür, Muslime zu tolerieren. Ende des 13. Jahrhunderts mussten Päpste die Ablässe für das Anhören von Kreuzzugspredigten erhöhen, ein Hinweis auf sinkende Begeisterung. Neuere Kirchenhistoriker bewerten die Kreuzzüge kritisch: Jonathan Riley-Smith hinterfragte die Vorstellung eines heiligen Krieges zur Wiedergewinnung angeblicher christlicher Besitzrechte; Arnold Angenendt nannte sie eine schwere Hypothek der Kirche.
Strittig ist, wie weit der Begriff gefasst werden soll und wie stark die Idee im Spätmittelalter noch akzeptiert war. Hans Eberhard Mayer zählt im Wesentlichen nur die Orientkreuzzüge; die „pluralistische“ Richtung um Riley-Smith und Norman Housley fasst Begriff und Zeitraum weiter. Kritiker werfen ihr vor, Quellen zur sinkenden Anziehungskraft zu vernachlässigen. Eine Einigung besteht nicht.
Heutiger Sprachgebrauch und Erinnerung
Heute bedeutet „Kreuzzug“ im Deutschen und Englischen auch eine organisierte Kampagne für ein Ziel, etwa gegen Kinderarmut oder Krankheiten. In politischen Debatten wird das Wort oft polemisch gebraucht, um Maßnahmen der Gegenseite als überzogen darzustellen.
Historische und moderne Akteure verwendeten den Begriff wiederholt propagandistisch, etwa im Spanischen Bürgerkrieg, in der NS-Propaganda für den Krieg gegen die Sowjetunion, bei Billy Grahams Großveranstaltungen und zeitweise durch George W. Bush für den Irakkrieg. In Teilen der muslimischen Welt stehen „Kreuzzug“ und „Kreuzritter“ für ein als aggressiv verstandenes Auftreten des Westens gegenüber dem Islam.
Im islamischen Raum waren die Kreuzzüge über Jahrhunderte in der kollektiven Erinnerung kaum präsent. Um 1865 erschien mit Übersetzungen französischer Geschichtsbücher der Ausdruck al-hurub al-Salabiyya, „Kreuz-Kriege“; zuvor sprach man eher von Kriegen der Ifranji, der Franken. Thomas Asbridge sieht die Gründung Israels 1948 als Wendepunkt einer stark intensivierten Beschäftigung mit den Kreuzzügen. Arabischer Nationalismus und Islamismus nutzen diese Vergangenheit für unterschiedliche politische Ziele; in der Anleitung für die Attentäter des 11. September werden die westliche Welt als „Kreuzfahrer“, daneben Juden und mit dem Westen kooperierende arabische Regierungen, als Feinde bezeichnet.