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Modalpartikel
Modalpartikeln (abgekürzt MP) oder Abtönungspartikeln, Abtönungswörter, selten auch Würzwörter, sind eine zu den Partikeln gehörende Wortart.
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Begriff und Bedeutung im Deutschen
Modalpartikeln (MP) heißen auch Abtönungspartikeln oder Abtönungswörter. Sie sind eine Untergruppe der Partikeln und drücken die subjektive Einstellung eines Sprechers zum Gesagten aus, ohne selbst Teil des eigentlichen Satzinhalts zu sein. In „Das ist ja witzig“ zeigt ja etwa, dass der Sprecher den Sachverhalt gerade entdeckt, ihn aber nicht unbedingt für neu für andere hält. In „Männer sind eben so“ signalisiert eben Resignation.
Sie kommen besonders häufig in gesprochener Sprache vor. Das Deutsche ist an Modalpartikeln sehr reich; Französisch und Spanisch haben dagegen nur wenige oder keine Partikeln dieser Klasse. Deshalb sind sie beim Übersetzen und beim Deutschlernen wichtig und oft schwierig. Auch Niederländisch, Griechisch, Indonesisch und Japanisch verwenden Modalpartikeln stärker. Gelegentlich wird „Modalpartikel“ abweichend für Satzadverb oder Modalwort gebraucht; üblich ist jedoch die Unterscheidung zwischen Partikeln und Adverbien.
Erkennungsmerkmale
Modalpartikeln gehören zu den Partikeln im engeren Sinne: Sie sind unflektierbar, werden also nicht gebeugt, und sind weder Präpositionen, Adverbien noch Konjunktionen. Ihre genaue Abgrenzung ist in der Sprachwissenschaft lange diskutiert worden. Als wichtige Kriterien gelten:
- Sie verändern die Wahrheitsbedingungen einer Äußerung nicht.
- Sie können nicht negiert und nicht erfragt werden.
- Sie können nicht vor dem finiten Verb am Beginn eines Hauptsatzes stehen; sie sind nicht vorfeldfähig.
- Sie haben gleich lautende und gleich geschriebene Wörter mit anderen Funktionen, also Homonyme.
- Sie sind nicht koordinierbar, lassen sich also nicht mit und oder oder verbinden.
Die Merkmale sind überwiegend negativ: Sie sagen vor allem, was Modalpartikeln nicht können. Daher ist keine einfache, vollständig positive Definition möglich.
Satzinhalt, Stellung und Klassen
Wahrheitsbedingungen geben an, unter welchen Umständen eine Aussage wahr oder falsch ist. Die Sätze „Peter hat aber großen Hunger“ und „Peter hat großen Hunger“ haben dieselbe Kernaussage: Das Hinzufügen oder Weglassen von aber ändert nicht, ob die Aussage wahr ist. Modalpartikeln gehören deshalb nicht zur Proposition, also zum wörtlichen Satzinhalt. Sie geben vielmehr Hinweise etwa auf den Informationsstand oder die Bewertung des Sprechers und auf die Rolle der Aussage im Gespräch. Da Negationen Wahrheitswerte betreffen, können Modalpartikeln auch nicht im Wirkungsbereich einer Negation stehen.
Im Feldermodell des deutschen Satzes liegt die Modalpartikel im Mittelfeld, etwa in „Er wird ja gemerkt haben, dass mir das nicht gefällt“, „Sie braten wohl gerade Fisch in der Mensa“ oder „Peter hat aber großen Hunger gehabt“. Ein unbetontes ja oder wohl kann nicht ins Vorfeld verschoben werden. Ein betontes „WOHL“ im Vorfeld ist ein anderes Element, ein Adverb, das Widerspruch markiert. Vorangestelltes aber kann in einem Verb-Erst-Fragesatz als Konjunktion auftreten, nicht als Modalpartikel.
Zur Hauptklasse zählen aber, auch, bloß, denn, doch, eben, eigentlich, etwa, halt, ja, mal, nur, schon, vielleicht und wohl. Ihre Homonyme können sich anders verhalten: ja kann Antwortpartikel sein, und vielleicht kann als Satzadverb in „Vielleicht ist der Termin morgen“ im Vorfeld stehen. Eine periphere Klasse mit abtönender Bedeutung ist ebenfalls oft einbezogen: fein, ganz, gerade, gleich, einfach, erst, immerhin, schließlich, überhaupt und ruhig. Diese Partikeln können auch im Vorfeld stehen, ohne dass sich ihre Bedeutung ändert.
Gebrauch im Gespräch und Beschränkungen
Zur Bedeutung gehört neben der Proposition die Illokution. Illokution bedeutet den Handlungszweck einer Äußerung: Was mit einem Satz in einer bestimmten Gesprächssituation ausgedrückt werden soll. Modalpartikeln wirken auf dieser Ebene. Sie binden eine Äußerung in den Interaktionszusammenhang ein: Sie können auf gemeinsames Wissen der Gesprächspartner, Annahmen oder Erwartungen von Sprecher oder Hörer, eine vorangehende Äußerung oder den Stellenwert einer Aussage verweisen. Modelle des gemeinsamen Wissens werden dafür oft als Common Ground bezeichnet.
So kann ja anzeigen, dass der Sprecher das Gesagte als bereits bekannt oder offensichtlich voraussetzt. Halt kann bedeuten, dass über das Wissen nicht weiter diskutiert werden muss. Die mit Partikeln transportierten Hinweise können zwar umschrieben werden, sind aber nicht wahrheitsrelevant.
Ihr Gebrauch ist eingeschränkt und nicht beliebig kombinierbar. „Er ist aber auch ungeschickt“ ist möglich, „Er ist auch aber ungeschickt“ nicht. Außerdem passen einzelne Partikeln nur zu bestimmten Satzmodi. Vielleicht kann einen Ausruf verstärken: „Hat der vielleicht ein schönes Auto!“ In einer echten Frage ist „*Hat der vielleicht ein schönes Auto?“ nicht möglich.
Typische Bedeutungen einzelner Wörter
Denn drückt besonderes Interesse aus, zum Beispiel: „Was ist das denn?“ Doch kann Verwunderung über ein Informationsdefizit markieren („Ich bin doch vorhin schon einmal da gewesen“) oder einen Imperativ abschwächen („Geh doch noch einmal zurück!“).
Eben weist auf eine bereits genannte oder klar erkennbare Sache hin („Deutsch ist eben schwer“) und kann Resignation gegenüber einem unabänderlichen Sachverhalt ausdrücken („Männer sind eben so“). Das oberdeutsche halt ist gleichbedeutend mit eben, etwa in „Das ist halt so!“. Ja kann Bekanntes oder Offensichtliches andeuten („Das ist ja genau der Punkt!“), Verwunderung oder Überraschung ausdrücken („Es regnet ja!“) oder ein Zugeständnis markieren („Der Wagen ist ja schön, aber viel zu teuer!“).
Mal ist die umgangssprachliche Kurzform von einmal. In „Kannst du das mal machen?“ kann es andeuten, dass der Sprecher gerade selbst nicht dazu kommt; in „Machst du das endlich mal?“ kann es ein Versäumnis des Adressaten nahelegen. Schon negiert die Relevanz, etwa in „Was kann ich da schon ausrichten?“ Vielleicht kann rheinisch-umgangssprachlich eine Meinung bekräftigen: „Ich bin vielleicht ein Tollpatsch.“ Eh ersetzt oberdeutsch zunehmend ohnehin; in österreichischen Dialekten kann es auch zur Bekräftigung dienen. Fei, ge und gell können in Dialekten Nachdruck ausdrücken. Gar und rein verstärken und deuten Vollständigkeit an, wie in „Er wusste rein gar nichts davon.“
Für die wichtigsten Modalpartikeln ist Polyfunktionalität typisch: Dasselbe Wort kann je nach Verwendung beispielsweise auch Adverb, Konjunktion, Steigerungs- oder Gliederungspartikel sein.
Entstehung und Erforschung
Die Entstehung der Modalpartikeln begann im Mittelhochdeutschen; die geläufigsten heutigen Formen bildeten sich vor dem 17. Jahrhundert heraus. Denn und doch gab es bereits im Althochdeutschen, da und halt waren schon im Mittelhochdeutschen bekannt. Besonders produktiv war die Entwicklung vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. Auch heute entstehen neue Modalpartikeln, etwa langsam. Das mittelhochdeutsche ëht verschwand aus der Schriftsprache, ist aber in deutschen Dialekten noch weit verbreitet.
Modalpartikeln entwickelten sich unter anderem aus alten Konjunktionen wie aber und doch, aus Temporaladverbien wie denn, eben, etwa, halt, mal und schon, aus Satzadverbien wie eigentlich, gefälligst, schließlich und vielleicht, aus adverbiellen oder prädikativen Adjektiven wie einfach, fein, hübsch, langsam, zufällig, ruhig und dreist sowie aus Gradpartikeln wie nur und bloß.
Die moderne Forschung begann in den 1960er Jahren. Vor Harald Weydts Buch „Abtönungspartikeln. Die deutschen Modalwörter und ihre französischen Entsprechungen“ von 1969 wurden sie oft als inhaltslose Redefüllsel oder Flickwörter angesehen. Weydts Dissertation von 1963 trug zu einer umfangreichen linguistischen Erforschung bei.