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Prädikat (Grammatik)

Ein Prädikat enthält meistens ein oder mehrere Verben, jedoch bezieht sich der Begriff Verb auf eine Wortart, hingegen Prädikat auf die grammatische Funktion, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Kern und unterschiedliche Definitionen
  2. 2. Das Prädikat im deutschen Satzbau
  3. 3. Einteilige und mehrteilige Prädikate
  4. 4. Nichtverbale Bestandteile und Kopulaverben
  5. 5. Inhalt, Vergleich mit dem Englischen und verblose Prädikate

Kern und unterschiedliche Definitionen

Das Prädikat ist in der deutschen Grammatik in der Regel der zentrale Bestandteil eines Satzes. Von ihm hängen weitere Satzteile ab, zum Beispiel Subjekt, Objekt und Adverbial. Ausdrücke ohne Prädikat gelten nicht als Sätze; „Ja“ oder „Nein“ können zwar selbstständig geäußert werden, sind aber nur Satzäquivalente. Ein Satz kann in Grenzfällen allein aus einem Prädikat bestehen, etwa im Imperativ „Komm!“.

Der Begriff ist mehrdeutig. In der deutschen Grammatik bezeichnet das Prädikat eine Einheit mit einem finiten Verb, gegebenenfalls zusammen mit weiteren infiniten Verben und bestimmten Elementen anderer Wortarten. Das finite Verb trägt Merkmale wie Person, Numerus und Tempus; infinite Verben sind zum Beispiel Infinitive und Partizipien. Im Nebensatz stehen die Bestandteile des Prädikats typischerweise am Satzende: „…weil gestern niemand den Hund spazieren geführt hat“. „Hat“ ist hier die finite Form in der 3. Person Singular Präsens, „spazieren“ und „geführt“ sind infinite Formen.

Im Hauptsatz können die Prädikatsteile getrennt stehen: „Es hat gestern niemand den Hund spazieren geführt.“ Das finite Verb „hat“ steht in der linken Satzklammer, die übrigen Bestandteile am Satzende. Sie bilden grammatisch dennoch eine Einheit. Nach dieser Auffassung stehen dem Prädikat als Kernbestandteil alle abhängigen Satzglieder gegenüber.

In einer anderen, unter anderem in der englischen Grammatik und der formalen Linguistik verbreiteten Tradition bezeichnet „Prädikat“ das Verb zusammen mit allen Ergänzungen außer dem Subjekt, also häufig eine Verbalphrase. Diese Auffassung entspricht der aristotelischen Logik: Das Prädikat ist alles, was über das Subjekt ausgesagt wird. Nur in diesem Sinn kann es unmittelbar als „Satzaussage“ verstanden werden.

Das Prädikat im deutschen Satzbau

Für die heutige sprachwissenschaftliche Beschreibung der deutschen Satzstruktur ist vor allem die erste Definition maßgeblich: Das Prädikat umfasst die prädikativen Einheiten um das finite Verb. In der Schulgrammatik war früher stärker die aristotelische Auffassung verbreitet; inzwischen hat sie sich meist zur grammatischen Auffassung verschoben. Die Bezeichnung „Satzaussage“ blieb jedoch häufig erhalten.

Ob ein Prädikat zwingend ein finites Verb enthalten muss, ist umstritten. Traditionelle Grammatiken verlangen dies. Dagegen gibt es Infinitivkonstruktionen, die als eigenständige Nebensätze gelten, etwa satzwertige Infinitive oder inkohärente Infinitivkonstruktionen. Wenn solche Konstruktionen Sätze sind, müssen sie auch Prädikate enthalten. Neuere Darstellungen nehmen daher auch infinite Prädikate an; die weitere Beschreibung betrachtet jedoch nur finite Sätze.

Das Prädikat ist kein Satzglied im heute üblichen Sinn. Ein Satzglied ist normalerweise ein Satzteil, der vom Prädikat abhängt und ins Vorfeld verschoben werden kann. Das gesamte Prädikat kann aber nicht als Einheit ins Vorfeld verschoben werden, auch wenn einzelne infinite Prädikatsteile verschiebbar sind. Deshalb bezeichnen viele Autoren das Prädikat ausdrücklich nicht als Satzglied. Auch eine Frageprobe wie „Was tut …?“ ist kein zuverlässiger Satzgliedtest: Das Prädikat ist nicht separat erfragbar. Auf „Was tut Dirk?“ lautet die natürliche Antwort etwa „Er nimmt den Datenhelm“ oder „Den Datenhelm nehmen“, nicht bloß „Nimmt“ oder „Nehmen“.

Einteilige und mehrteilige Prädikate

Ein Prädikat kann aus einem Wort oder aus mehreren Wörtern bestehen. Ein einteiliges Prädikat enthält ein Vollverb, also ein Inhaltsverb. Dieses bestimmt durch seine Valenz, welche Satzglieder erforderlich sind. „Schlafen“ verlangt beispielsweise nur ein Subjekt: „Du schläfst.“ „Geben“ verlangt je nach Kontext ein Subjekt und mindestens ein, meist zwei Objekte: „Die Band gab ein Konzert“ und „Er gab ihr einen Tipp“. Auch ein Modalverb kann im Deutschen gelegentlich allein als Prädikat verwendet werden: „Ich muss nachher noch in die Stadt.“

Im deutschen Aussagesatz steht ein einzelnes finites Verb normalerweise an zweiter Stelle, genauer in der linken Satzklammer. Diese Stellung hängt jedoch nicht allein von der Funktion als Prädikat, sondern von der finiten Verbform und vom Satztyp ab.

Trennbare Verben werden trotz ihrer Zusammenschreibung nicht als einteiliges Prädikat behandelt, weil ihre Bestandteile auf zwei Positionen verteilt werden: „Ich mache die Tür zu.“ Das Verb „zumachen“ bedeutet hier „schließen“. In der zweiten Position steht daher nicht notwendigerweise das gesamte Prädikat, sondern nur der finite Teil.

Mehrteilige Prädikate können aus mehreren Verben bestehen. Neben dem Vollverb treten Hilfsverben, Modalverben oder selten ein weiteres Vollverb auf. Im Hauptsatz steht das finite Hilfs- oder Modalverb in der linken Satzklammer; die übrigen, infiniten Verbformen erscheinen normalerweise am Satzende:

  • „Ich habe es gefunden.“: Vollverb mit Perfekt-Hilfsverb „habe“.
  • „Man wird ja sehen.“: Vollverb mit Futur-Hilfsverb „wird“.
  • „Wir dürfen heute zum Glück ausschlafen.“: Vollverb mit Modalverb „dürfen“.
  • „Es wird wohl nicht genehmigt worden sein.“: Modalverb „wird“, Perfekt-Hilfsverb „sein“, Passiv-Hilfsverb „werden“ in der Form „worden“ und die Partizipform „genehmigt“ des Vollverbs „genehmigen“.
  • „Der Hund kam keuchend angerannt.“: zwei Vollverben. „Keuchend“ ist hier ein Adjektiv in adverbialer Funktion und kein Prädikatsbestandteil.

Im Nebensatz bleiben die Verben zusammen: „…dass es wohl nicht genehmigt worden sein wird.“ Die Reihenfolge der Verben am Satzende zeigt ihre Hierarchie. Das jeweils rechts außen stehende Verb muss finit sein und wird im Hauptsatz nach vorne gestellt. Bei mehreren Hilfsverben besteht daher keine beliebige Wahl, welches von ihnen die linke Satzklammer besetzt.

Infinite Prädikatsteile können zusätzlich ins Vorfeld verschoben werden: „Man wird ja wohl noch fragen dürfen“ wird etwa zu „Fragen wird man ja wohl noch __ dürfen“ oder „Fragen dürfen wird man ja wohl noch ____“. Ebenso ist möglich: „Wir werden den Opa nicht Auto fahren lassen“ → „Auto fahren werden wir den Opa nicht __ lassen“ oder „Auto fahren lassen werden wir den Opa nicht ____“.

Nichtverbale Bestandteile und Kopulaverben

Auch nichtverbale Elemente können zum Prädikat gehören. Bei trennbaren Verben sind Verbalpartikeln wie „aus“ in „ausfallen“, „hin“ in „hinfallen“ und „kopf“ in „kopfstehen“ Bestandteile eines zusammengesetzten Verbs. Resultative Adjektive können ebenfalls Teil des Prädikats sein, zum Beispiel „leer“ in „den Teller leer essen“ oder „leeressen“. Die Partikel lässt sich im Deutschen gegenüber den anderen Prädikatsteilen normalerweise nicht selbstständig verschieben; im Niederländischen ist dies möglich.

In Funktionsverbgefügen stehen Substantive oder andere Verbergänzungen im Inneren des Prädikats, werden aber teilweise trotzdem als Satzglieder bezeichnet: „…dass man Rücksicht nehmen muss“. Auch komplexe Verbindungen kommen vor, etwa „… nachdem ich für die Vormittagspredigt bereits die Hilfe eines benachbarten Geistlichen hatte in Anspruch nehmen müssen (…)“ (Eduard Mörike).

Bei Kopulaverben wie „sein“ sind verschiedene Analysen möglich. In „…obwohl ich mit dem Ergebnis zufrieden gewesen bin“ kann das Adjektiv „zufrieden“ zusammen mit der Kopula ein zusammengesetztes Prädikat bilden; die Ergänzung „mit dem Ergebnis“ steht dem Gesamtprädikat gegenüber. Sie kann auch ausgeklammert werden: „…obwohl ich zufrieden gewesen bin [mit dem Ergebnis]“ oder „[Mit dem Ergebnis] bin ich zufrieden gewesen.“

Eine andere Analyse fasst Adjektiv und Ergänzung zu einer Einheit zusammen: „… obwohl ich [mit dem Ergebnis zufrieden] gewesen bin“ und „[Mit dem Ergebnis zufrieden] bin ich nicht gewesen.“ In der Dudengrammatik von 2009 wird die Adjektivphrase „(mit …) zufrieden“ als Satzglied außerhalb des Prädikats aufgefasst.

Inhalt, Vergleich mit dem Englischen und verblose Prädikate

Die schulische Erklärung, das Prädikat gebe an, „was jemand tut“ oder „was getan wird oder geschieht“, ist keine systematische Definition. Sie beschreibt im Wesentlichen die Bedeutung des jeweiligen Verbs. Verbbedeutungen sind sehr vielfältig und beziehen sich nicht nur auf Handlungen oder Geschehen:

  • „Dirk nimmt den Datenhelm.“ bezeichnet eine Handlung.
  • „Der Ball ist rund.“ bezeichnet einen Zustand oder eine Eigenschaft.
  • „Das Auto wiegt nur 700 kg.“ gibt einen Messwert an.
  • „Es könnte gleich regnen.“ bezeichnet eine Möglichkeit.

Außerdem ergibt sich die genaue Art des Geschehens häufig erst aus dem Zusammenspiel von Verb und Ergänzungen. „Brechen“ bezeichnet je nach Zusammenhang etwas anderes in „das Brot brechen“, „einen Rekord brechen“ und „ein Versprechen brechen“. Der enge deutsche Prädikatsbegriff liefert daher nicht allein die vollständige Beschreibung eines Ereignisses.

Die unterschiedlichen Prädikatsbegriffe hängen mit dem verschiedenen Satzbau von Deutsch und Englisch zusammen. Im Deutschen können sich mehrere Verben zu einem komplexen Prädikat verbinden: „(dass) du den Hund [spazierenführen musst]“. Im Englischen verbindet sich jedes Verb oder Hilfsverb zunächst mit der direkt folgenden Ergänzung: „You [must [walk the dog]]“. Adverbien können im Englischen zwischen Verben und Hilfsverben stehen: „The new law [may possibly [have indeed [been badly [formulated]]]]“. Im Deutschen sind solche Positionen nicht möglich: „(dass) das Gesetz vielleicht wirklich schlecht [formuliert * worden * ist]“; an den mit „*“ markierten Stellen kann kein Adverb stehen. Im Englischen kann deshalb die Einheit aus Subjekt und dem gesamten Rest des Satzes als „S = NP + VP“ beschrieben werden. Im Deutschen ist diese Gegenüberstellung oft nicht möglich, weil alle Satzglieder vom zusammengesetzten Prädikat abhängen und das Subjekt sogar tief im Satz stehen kann: „…wenn gestern Kunden ein falscher Betrag genannt worden ist“.

In manchen Sprachen gibt es reguläre Sätze ohne Verb. Im Russischen muss im Präsens kein Kopulaverb wie das deutsche „sein“ erscheinen. Adjektive oder Substantive können allein prädikativ verwendet werden; das Adjektiv hat dafür eine besondere Form: „Он инженер“ (On inžener, „Er (ist) Ingenieur“) und „Инженер болен“ (Inžener bolen, „(Der) Ingenieur (ist) krank“). Davon unterscheidet sich die attributive Verbindung „больной инженер“ (boľnoj inžener, „der kranke Ingenieur“).

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