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Sam Harris

Er ist besonders bekannt für seine These, dass Fragen der Ethik mit naturwissenschaftlichen Methoden untersucht werden könnten und sollten. Neben Richard …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Profil und Leben
  2. 2. Philosophische Grundposition
  3. 3. Kritik an Christentum und Islam
  4. 4. Gemäßigte Religion und Ethik
  5. 5. Spiritualität und Superintelligenz
  6. 6. Kritik, Werke und weiteres

Profil und Leben

Sam Harris, vollständig Samuel Benjamin Harris, wurde am 9. April 1967 in Los Angeles geboren. Er ist US-amerikanischer Philosoph, Neurowissenschaftler, Schriftsteller und Debattenredner. Bekannt wurde er besonders durch die These, dass ethische Fragen mit naturwissenschaftlichen Methoden untersucht werden könnten und sollten. Neben Richard Dawkins, Daniel Dennett und Christopher Hitchens gilt er als einer der bekanntesten Vertreter des Neuen Atheismus.

Harris studierte Philosophie an der Stanford University und promovierte in Neurowissenschaft. Dabei untersuchte er unter anderem die neuronalen Grundlagen von Überzeugungen mithilfe funktioneller Magnetresonanztomographie. Sein 2004 erschienenes Buch The End of Faith (deutsch: Das Ende des Glaubens) wurde durch die Terroranschläge vom 11. September 2001 angeregt; 2005 erhielt er dafür den PEN-Award. 2006 veröffentlichte er Letter to a Christian Nation (deutsch: Brief an ein christliches Land) als Antwort auf Kritiker seines ersten Buches.

Harris schrieb außerdem für Newsweek, The Los Angeles Times, The Times in London und The Boston Globe. Öffentlich bekannt wurde er auch als Anhänger von Meditation und Achtsamkeit. 2018 veröffentlichte er die Meditations-App Waking Up. Seine Mutter ist die Drehbuchautorin und Fernsehproduzentin Susan Harris.

Philosophische Grundposition

Harris betrachtet Religionen allgemein und den Islam im Besonderen als große Gefahr für die gegenwärtige Gesellschaft. Zugleich hält er Ethik und Spiritualität für wichtige Bereiche des menschlichen Lebens. Sie sollen seiner Auffassung nach jedoch rational und vernünftig untersucht werden, ohne sich auf unfundierten, blinden Glauben zu stützen.

Seine Kritik richtet sich besonders gegen monotheistische Religionen und gegen die Annahme, religiöse Überzeugungen müssten allein aus Gründen des Respekts vor Kritik geschützt werden. Harris meint, persönliche Überzeugungen dürften nicht höher bewertet werden als objektive Fakten und Beweise. In Physik oder Geschichte werde ebenfalls nicht verlangt, jede Ansicht zu „respektieren“; widersprechende Hypothesen würden anhand von Belegen geprüft. Nach demselben Maßstab solle man mit der „Hypothese Gott“ umgehen.

Den Einwand, Religion und Wissenschaft seien grundsätzlich getrennte Bereiche, weist Harris zurück. Religiöse Aussagen bezögen sich auch auf die physikalische Welt und könnten deshalb wissenschaftlich untersucht werden. Er fordert außerdem, über Religion und ihre Folgen offen zu sprechen. Nach seiner Auffassung verhindert eine Rücksichtnahme auf religiöse Empfindlichkeiten eine ehrliche Auseinandersetzung mit Problemen wie fundamentalistisch motiviertem islamischem Terrorismus.

Kritik an Christentum und Islam

Ein Schwerpunkt von Harris’ Religionskritik liegt auf dem Christentum und dem Islam. Für die Vereinigten Staaten kritisiert er insbesondere politische Entscheidungen, die religiöse Vorstellungen aufwerten. Als Beispiel nennt der Artikel die damalige Forderung von Präsident George W. Bush, Intelligent Design zusätzlich zur Evolutionstheorie in Schulen zu unterrichten. Harris beanstandet außerdem, dass Menschen mit apokalyptischen Endzeitvorstellungen in Parlamente und sogar in das Präsidentenamt gewählt würden. Zur Veranschaulichung schlug er vor, in einer Rede Bushs das Wort „Gott“ durch „Zeus“ oder „Apollo“ zu ersetzen.

Harris sieht im gesellschaftlichen Tabu, Religion nicht kritisieren zu dürfen, eine Gefahr. Seiner Auffassung nach müsse man anerkennen, dass Religionen nicht nur Friedensbotschaften, sondern auch Hass und Intoleranz verbreiten könnten. Sonst könne der Kampf gegen fundamentalistisch motivierten Terrorismus nicht erfolgreich sein. Die Doktrin von Dschihad und Märtyrertum sei seiner Ansicht nach nicht lediglich eine Randerscheinung des extremen Islamismus. Als Beispiel führt er die Kontroverse um die 2006 in der dänischen Zeitung Jyllands-Posten veröffentlichten Karikaturen an. Harris fordert Muslime weltweit auf, ihren Glauben kritisch zu prüfen und Extremisten in den eigenen Reihen zu erkennen und zu bekämpfen.

Gemäßigte Religion und Ethik

Harris erkennt an, dass eine gemäßigtere Religionsausübung gegenüber religiösem Extremismus zunächst ein positiver Schritt sein könnte. Er kritisiert jedoch auch gemäßigte Gläubige. Wenn sie jeden Angriff auf Religion mit dem Hinweis auf Respekt und Toleranz zurückwiesen, schützten sie nach seiner Auffassung indirekt Fundamentalisten und erschwerten eine wirksame Kritik religiöser Überzeugungen.

Er hält es für absurd, gegenüber jeder Form des Glaubens Respekt und Toleranz zu verlangen, auch wenn sie unhaltbar erscheine oder einen absoluten Wahrheitsanspruch erhebe. Nach Harris’ Argumentation seien Fundamentalisten bei der Auslegung religiöser Texte sogar konsequenter als gemäßigte Theologen, weil sie die Texte wörtlich nähmen. Eine Auslegung, bei der manche Passagen wörtlich und andere nach Belieben bildlich verstanden würden, sei inkonsistent. Harris folgert daraus jedoch nicht, dass der Fundamentalismus richtig sei, sondern dass Religion insgesamt verworfen werden sollte.

Harris fordert außerdem, dass sich ein rationaler, säkularer Humanismus stärker mit Moral und Ethik beschäftigt. Die Vorstellung, Moral sei von Religion abhängig, bezeichnet er als nicht belegten Mythos. Als Beispiel nennt er die überwiegend säkularen skandinavischen Länder, die besonders großzügig bei der Entwicklungshilfe seien. Religiöse Vorstellungen könnten nach seiner Auffassung sogar moralisch schädlich wirken, wenn sie menschliches Leid vergrößerten. Genannt werden das Verbot von Kondomen durch die katholische Kirche, das zumindest teilweise zur globalen AIDS-Epidemie beigetragen habe, sowie der Widerstand amerikanischer Christen gegen Stammzellforschung.

In The Moral Landscape entwickelt Harris ausführlich die These, moralisches Verhalten könne allein durch wissenschaftliches Vorgehen erklärt werden. Gegenüber den Ideen des effektiven Altruismus äußerte er sich positiv. Im Gespräch mit William MacAskill stimmte er den Argumenten von Peter Singer zu, dass wohlhabende Menschen verpflichtet seien, zur Verringerung von Armut beizutragen. Danach begann Harris, für jeden seiner Podcasts Geld an effektive, evidenzbasierte Organisationen zu spenden.

Spiritualität und Superintelligenz

Harris möchte auch Spiritualität nicht ausschließlich den Religionen überlassen. Er plädiert dafür, die Praktiken, nicht aber die metaphysischen Glaubenssysteme, der „östlichen Religionen“ zu untersuchen. Erlebte Phänomene sollen ohne übersinnlichen Unterbau wissenschaftlich betrachtet und zur persönlichen Selbstverwirklichung im Sinne eines spirituellen Naturalismus genutzt werden. Besonders positiv bewertet Harris den Buddhismus und dessen Erforschung des Bewusstseins. Meditation sei mit Wissenschaft vereinbar und könne Gegenstand eines rationalen wissenschaftlichen Diskurses sein.

Zur Superintelligenz vertritt Harris die Ansicht, dass die Menschheit begründete Angst vor übermenschlich intelligenten Maschinen haben sollte. Solche Maschinen könnten Menschen ähnlich behandeln, wie Menschen Ameisen behandeln, wenn diese einem wichtigen Ziel im Weg stehen. Das Risiko bestehe unabhängig davon, ob die Maschinen ein Bewusstsein besitzen.

Seine Einschätzung beruht auf drei Annahmen, die er jeweils für extrem plausibel hält. Erstens sei Intelligenz eine Form der Informationsverarbeitung in physikalischen Systemen. Da bereits Maschinen begrenzte und teilweise übermenschliche Leistungen erbrächten und das menschliche Gehirn allgemeine Intelligenz hervorbringe, werde man bei fortgesetztem technischen Fortschritt irgendwann allgemeine Intelligenz in Maschinen schaffen. Allgemeine Intelligenz bedeutet dabei die Fähigkeit, flexibel über mehrere Bereiche hinweg zu denken. Dafür sei kein exponentieller Fortschritt nötig; jeder ausreichende Fortschritt könne letztlich zum Ziel führen.

Zweitens werde die Menschheit ihre intelligenten Maschinen weiter verbessern, weil Intelligenz eine besonders wertvolle Ressource sei. Dadurch wolle man unter anderem Krankheiten wie Alzheimer und Krebs bekämpfen, Wirtschaftssysteme verstehen und die Klimawissenschaft verbessern. Drittens stünden Menschen wahrscheinlich nicht am Gipfel der Intelligenz und nicht einmal in dessen Nähe. Gerade diese Annahme mache die Lage prekär und menschliche Einschätzungen der Risiken unzuverlässig.

Aus diesen drei Annahmen folgert Harris, eine der menschlichen Intelligenz weit überlegene Superintelligenz sei unausweichlich. Die Menschheit müsse deshalb frühzeitig sicherstellen, dass die von ihr geschaffene „Art von Gott“ mit ihr zusammenleben könne.

Kritik, Werke und weiteres

Christen und Angehörige anderer Glaubensrichtungen kritisieren Harris dafür, Extremisten und moderate Gläubige gleichermaßen zu behandeln. Matthew Simpson wandte ein, Harris könne seine Moralvorstellungen ohne die Grundlage einer göttlichen Herkunft nicht überzeugend gegen die Moral von Fundamentalisten verteidigen. Harris antwortete auf solche Einwände unter anderem in Letter to a Christian Nation.

Auch Atheisten und Humanisten kritisierten ihn, besonders wegen seiner Positionen zur östlichen Spiritualität. Sie warfen ihm vor, in diesem Bereich selbst pseudowissenschaftlich vorzugehen und eigene hinduistisch-buddhistische Erfahrungen zu stark hervorzuheben. John Gorenfeld und Robert Todd Carroll kritisierten außerdem Harris’ Ansichten zum Paranormalen, insbesondere zur Reinkarnation, sowie seine Haltung zur Folter. Anlass war unter anderem eine Passage aus The End of Faith, in der Harris Folter und moderne Kriegsführung in Beziehung setzte. Harris erklärte später auf seiner Website, seine Kritiker hätten grundlegende Positionen missverstanden oder aus dem Zusammenhang gerissen.

Zu seinen wichtigsten Büchern gehören The End of Faith: Religion, Terror, and the Future of Reason (2004), Letter to a Christian Nation (2006), The Moral Landscape: How science can determine human values (2010), Lying: Gibt es gute Lügen? (2012), Free Will (2012), Waking Up: A Guide to Spirituality Without Religion (2014) und Islam and the Future of Tolerance: A Dialogue (2015, zusammen mit Maajid Nawaz). Für die Dokumentarfilme The God Who Wasn’t There (2005) und The Unbelievers (2013) wurde Harris interviewt.

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