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Richard Dawkins

... Religion und Kreationismus. Dawkins ist Skeptiker und gilt als einer der bekanntesten Vertreter des „Neuen Atheismus“ und der Brights-Bewegung. In …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Person und Bedeutung
  2. 2. Leben und akademischer Weg
  3. 3. Evolution, Gene und Meme
  4. 4. Weltanschauung und Religionskritik
  5. 5. Kritik und Gegenpositionen
  6. 6. Auszeichnungen und Veröffentlichungen

Person und Bedeutung

Clinton Richard Dawkins, FRS, FRSL, wurde am 26. März 1941 in Nairobi, Kenia, geboren. Er ist ein britischer Zoologe, theoretischer Biologe, Evolutionsbiologe und Autor populärwissenschaftlicher Literatur. Von 1995 bis 2008 war er Professor an der University of Oxford. Bekannt wurde er 1976 durch sein Buch The Selfish Gene, auf Deutsch Das egoistische Gen, in dem er Evolution besonders aus der Perspektive der Gene erklärte.

Dawkins gilt als einer der bekanntesten Vermittler der Evolutionstheorie in der Öffentlichkeit. Er schrieb mehrere Bestseller, darunter The Extended Phenotype (1982), Der blinde Uhrmacher (1986), Und es entsprang ein Fluß in Eden (1995), Gipfel des Unwahrscheinlichen (1996), Der Gotteswahn (2006) und Die Schöpfungslüge (2009). Neben seiner biologischen Arbeit ist er vor allem durch seine Religionskritik bekannt. Er ist Skeptiker und wird zu den bekanntesten Vertretern des „Neuen Atheismus“ und der Brights-Bewegung gezählt. 2013 wählte ihn eine Auswahl britischer und US-amerikanischer Juroren des Magazins Prospect zum weltweit wichtigsten Denker.

Leben und akademischer Weg

Dawkins wurde in Nairobi geboren, weil sein Vater Clinton John Dawkins dort als Angehöriger der Alliierten Streitkräfte eingesetzt war. 1949 kehrte die Familie nach England zurück. Dawkins studierte am Balliol College der University of Oxford Biologie bei dem niederländischen Ethologen Nikolaas Tinbergen. Ethologie ist die Verhaltensforschung bei Tieren. 1966 erhielt Dawkins seinen Doktorgrad in Zoologie (D.Phil.).

Von 1967 bis 1969 war er Assistenzprofessor der Zoologie an der University of California, Berkeley. Danach arbeitete er von 1970 bis 1995 als Dozent für Zoologie am New College der Universität Oxford. 1991 hielt er die renommierte Weihnachtsvorlesung der Royal Institution mit dem Titel Growing Up in the Universe.

Ab 1995 war Dawkins Charles Simonyi Professor of the Public Understanding of Science an der Oxford University. Diese Professur diente der öffentlichen Vermittlung von Wissenschaft. Charles Simonyi, der Dawkins’ wissenschaftliche Arbeit unterstützte, spendete für die Einrichtung 1,5 Mio. Pfund an die Oxford University. 2008 wurde bekanntgegeben, dass Dawkins altersbedingt von dieser Position zurücktreten wolle und die Professur neu ausgeschrieben werde.

Dawkins war mehrfach verheiratet: 1967 heiratete er die Biologin Marian Stamp, von der er sich 1984 trennte. 1984 heiratete er Eve Barham, mit der er im selben Jahr eine Tochter bekam; auch diese Ehe wurde geschieden. Von 1992 bis 2016 war er mit der Schauspielerin Lalla Ward verheiratet. Seit 1997 ist er gewähltes Mitglied der Royal Society of Literature, seit 2001 auch der Royal Society. Er lebt in Oxford.

Evolution, Gene und Meme

Im Zentrum von Dawkins’ biologischem Werk steht die Evolution durch natürliche Selektion. Natürliche Selektion bedeutet, dass vererbbare Merkmale häufiger werden können, wenn sie den Fortpflanzungserfolg erhöhen. In Das egoistische Gen beschreibt Dawkins das Gen als fundamentale Einheit der natürlichen Selektion. Der Körper wird dabei als „Überlebensmaschine“ verstanden, die von Genen genutzt wird, um ihre Weitergabe zu sichern. 2017 wurde Das egoistische Gen in einer Umfrage der Royal Society zum inspirierendsten britischen wissenschaftlichen Buch aller Zeiten gewählt.

Dawkins vertritt in der Evolutionsbiologie die These, dass Konkurrenzsituationen und Fitnessunterschiede vor allem auf genetischer Ebene entscheidend sind. Gruppenselektion, also Selektion zugunsten ganzer Gruppen, spielt bei ihm keine oder nur eine geringe Rolle. In The Extended Phenotype von 1982 erweiterte er die enge Definition des Phänotyps. Der Phänotyp ist die Gesamtheit beobachtbarer Merkmale eines Organismus; Dawkins betonte, dass die Wirkung von Genen über den Körper hinausreichen könne. Diese genzentrierte Sicht war im letzten Viertel des 20. Jahrhunderts weitgehend akzeptiert, wurde später aber durch theoretische Modelle und Beispiele relativiert, unter anderem durch Arbeiten von David Sloan Wilson und Elliott Sober.

Dawkins führte 1976 auch den Begriff Mem ein. Ein Mem ist bei ihm eine hypothetische Replikationseinheit der kulturellen Evolution, also ein kulturelles Gegenstück zum Gen. Beispiele sind „Ideen, Melodien, Gedanken, Schlagworte, Kleidermoden, die Kunst, Töpfe zu machen oder Bögen zu bauen“. Meme verbreiten sich nach Dawkins im „Mempool“, indem sie „von Gehirn zu Gehirn springen“ durch einen Prozess, den man im weiteren Sinn Imitation nennen kann. Wie Gene sollen sie Mutation und Selektion unterliegen. Dawkins betonte jedoch den spekulativen Charakter dieser Idee. Später entstand mit der Memetik eine Forschungsrichtung, die Meme als Replikationseinheiten kultureller Evolution untersucht; ein bekannter Vertreter ist Daniel Dennett.

Weltanschauung und Religionskritik

Dawkins beschreibt sich als Atheisten und Skeptiker. In einem Interview von 1994 nannte er sich einen „ziemlich militanten Atheisten“. Zugleich bezeichnet er sich auch als Agnostiker, weil er die Existenz eines Gottes nicht zu 100 Prozent ausschließt. Agnostizismus bedeutet hier eine Haltung, die letzte Gewissheit über Gottes Existenz verneint. Dawkins hält die Wahrscheinlichkeit, dass Gott existiert, jedoch für sehr gering. Positionen, nach denen Existenz und Nicht-Existenz Gottes gleich wahrscheinlich seien oder gar nicht bewertet werden könnten, lehnt er ab. Zuweilen bezeichnete er sich als „Kulturchristen“, weil er christliche Kultur im Gegensatz zum Islam als „fundamental anständig“ beschrieb.

Er ist Mitglied der britischen Skeptics Society und weiterer Organisationen, die humanistische und atheistische Weltanschauungen sowie eine stärkere Säkularisierung des britischen Staates fördern. Säkularisierung bedeutet die Trennung religiöser Institutionen von Staat und öffentlicher Politik. Dawkins gehört außerdem zu den Meinungsführern der Brights.

In seinen Büchern verteidigt er die Evolutionstheorie gegen teleologische Vorstellungen, also gegen Erklärungen, die in der Natur eine Zielgerichtetheit erkennen wollen. Besonders wendet er sich gegen Kreationismus und Intelligent Design. Kreationismus erklärt die Entstehung der Arten durch göttliche Schöpfung; Intelligent Design behauptet, komplexe biologische Strukturen seien Ergebnis eines planenden Urhebers. In Der blinde Uhrmacher und Gipfel des Unwahrscheinlichen erklärt Dawkins, dass Vielfalt und Komplexität des Lebens durch natürliche Selektion entstehen und nur den Eindruck von „Design“ erzeugen.

Später weitete Dawkins seine Kritik auf Religion allgemein aus. In dem Essay Viruses of the Mind beschreibt er Religion unter Rückgriff auf seine Mem-Theorie als „gedankliches Virus“, also als kulturelles Konstrukt, das sich aufgrund bestimmter Eigenschaften schnell verbreitet und in Köpfen festsetzt. Gemeinsam mit Autoren wie Sam Harris und Christopher Hitchens kritisiert er nicht nur den Glauben an Gott, sondern auch den „Glauben an den Glauben“: die Ansicht nicht religiöser Menschen, Religion wirke positiv auf Moral und Ethik. In Der Gotteswahn von 2006 beschreibt er theistische Religionen, besonders die drei monotheistischen Weltreligionen, als irrational und schädlich.

2006 gründete Dawkins die Richard Dawkins Foundation for Reason and Science, eine gemeinnützige Stiftung für humanistische Forschung und Bildung. 2008 und 2009 unterstützte er gemeinsam mit der British Humanist Association die Atheist Bus Campaign mit dem Satz: “There’s probably no god. Now stop worrying and enjoy your life.” 2014 erklärte er, es sei seiner Meinung nach unmoralisch, ein Kind mit Down-Syndrom auszutragen, und riet stattdessen zum Schwangerschaftsabbruch, um Leiden zu vermeiden. In der britischen Politik unterstützt er die Liberal Democrats.

Kritik und Gegenpositionen

Dawkins’ biologische Thesen wurden unter anderem von David Sloan Wilson, Stephen Jay Gould und Scott Atran kritisiert. Atran kritisiert besonders den Begriff des Mems aus Sicht moderner Kognitionstheorien. Er versucht in empirischen kognitionspsychologischen Studien zu zeigen, dass Ideen in Kommunikationsprozessen nur ausnahmsweise durch Imitation repliziert werden. Deshalb sei die Verbreitung von Ideen nicht mit der Evolution von Genen vergleichbar.

Auch Theologen und Philosophen kritisieren Dawkins’ Religionskritik. Keith Ward, Alister McGrath und John N. Gray werfen ihm vor, ernstzunehmende Theologie zu ignorieren, seine Autorität als Wissenschaftler für Religionskritik zu missbrauchen oder das Weltbild religiöser Fundamentalisten auf alle Gläubigen zu übertragen. Der Genetiker Francis Collins, Leiter des Humangenomprojekts und Vertreter einer theistischen Evolution, wirft Dawkins vor, nicht gegen Religion, sondern gegen eine Karikatur von Religion zu argumentieren.

Alister McGrath, Charles Taylor und der Physik-Nobelpreisträger Peter Higgs werfen Dawkins ausdrücklich „Fundamentalismus“ vor. Nach ihrer Ansicht seien Wissenschaft und Glaube vereinbar. Der Philosoph und Theologe Richard Schröder kritisiert, Dawkins breche bei seinen evolutionsbiologischen Thesen zur Religion mit wissenschaftlicher Methodik, weil empirische Belege fehlten. Außerdem fehle seiner Religionskritik religionswissenschaftliche Kenntnis.

Es gab auch rechtliche und öffentliche Kontroversen. 2007 nahm die Staatsanwaltschaft in Istanbul wegen des Verdachts der „Beleidigung religiöser Werte“ in Der Gotteswahn Ermittlungen gegen den türkischen Verleger auf; dieser wurde mit Verweis auf Meinungsfreiheit freigesprochen. 2008 wurde Dawkins’ Webseite in der Türkei für Internetnutzer gesperrt, nachdem der islamische Kreationist Adnan Oktar geklagt hatte. 2020 wurde Dawkins von der Historischen Gesellschaft am Trinity College in Dublin wegen seiner islamkritischen Haltung von einer Vortragsveranstaltung wieder ausgeladen. Weitere Kritik richtete sich gegen seine Bemerkung über eine angebliche „jüdische Lobby“, die die US-amerikanische Außenpolitik „monopolisiere“. Der Neurobiologe Randolf Menzel bezeichnete Dawkins als „ehrenwerten Wissenschaftler“, hielt aber die Formulierung vom „Gotteswahn“ für unzutreffend und meinte, Dawkins unterschätze evolutionär hilfreiche Aspekte der Religion.

Auszeichnungen und Veröffentlichungen

Dawkins erhielt Ehrendoktorwürden von der Universität Westminster, der University of Durham, der University of Hull, der Open University und der Vrije Universiteit Brussel. Für seine populärwissenschaftlichen Bücher erhielt er unter anderem 1987 den Royal Society of Literature Award und den Literaturpreis der Los Angeles Times, 1990 den Michael Faraday Award der Royal Society, 1994 den Nakayama-Preis, 1997 den International Cosmos Prize for Achievement in Human Science und 2001 den Kistler Prize.

Er ist Vizepräsident der British Humanist Association. Die American Humanist Association kürte ihn 1996 zum „Humanisten des Jahres“, entzog ihm diese Auszeichnung aber 2021 wieder mit der Begründung, er habe „marginalisierte Gruppen unter dem Deckmantel des wissenschaftlichen Diskurses herabgewürdigt“, darunter Transgender-Personen und Menschen mit schwarzer Hautfarbe. 2001 erhielt er den Emperor Has No Clothes Award der Freedom From Religion Foundation. Seit 2003 trägt ein Preis der Atheist Alliance International den Namen Richard Dawkins Award. 2005 wurde er im Magazin Prospect nach Noam Chomsky und Umberto Eco zum drittwichtigsten lebenden Intellektuellen weltweit gewählt, 2007 zählte ihn Time zu den 100 einflussreichsten Menschen der Welt. 2005 erhielt er den Shakespeare-Preis der Alfred-Toepfer-Stiftung, 2007 den mit 10.000 Euro dotierten Deschner-Preis der Giordano-Bruno-Stiftung. 2012 wurde die südasiatische Karpfenfisch-Gattung Dawkinsia nach ihm benannt.

Zu seinen wichtigsten Büchern gehören Das egoistische Gen (1976), Der erweiterte Phänotyp (1982), Der blinde Uhrmacher (1986), Und es entsprang ein Fluß in Eden (1995), Gipfel des Unwahrscheinlichen (1996), Der entzauberte Regenbogen (1998), Der Gotteswahn (2006), Die Schöpfungslüge (2009), Der Zauber der Wirklichkeit (2011), seine Autobiographie Die Poesie der Naturwissenschaften (2013/2015), Atheismus für Anfänger (2019), Books do Furnish a Life (2021), Flights of Fancy (2021) und Das große Buch der Evolution (2025). Außerdem veröffentlichte er Essays, wissenschaftliche Arbeiten und trat in Filmen und Dokumentationen auf, darunter The Root of All Evil? (2006), The Enemies of Reason (2007) und The Genius of Charles Darwin (2008).

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