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Terroranschläge am 11. September 2001
Mit insgesamt 2996 Toten und mehr als 6000 Verletzten war das Ereignis der bisher schwerste Terroranschlag der Geschichte. Hauptfolge war der langjährige …
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Kern und Ablauf
Die Terroranschläge am 11. September 2001 waren vier koordinierte Flugzeugentführungen mit anschließenden Selbstmordattentaten in den Vereinigten Staaten. Sie wurden vom islamistischen Terrornetzwerk al-Qaida unter Führung von Osama bin Laden geplant und von 19 Mitgliedern verübt. Ziele waren symbolträchtige zivile und militärische Orte: die Zwillingstürme des World Trade Centers in New York, das Pentagon bei Washington, D.C., und vermutlich ein politisches Ziel in Washington. Mit 2996 Toten und mehr als 6000 akut Verletzten gelten die Anschläge als der bisher schwerste Terroranschlag der Geschichte.
Am Morgen des 11. September 2001 stiegen die Täter in vier Linienflüge. Jede Gruppe entführte kurz nach dem Start ein Flugzeug und tötete die Piloten. Um 8:46 Uhr schlug American-Airlines-Flug 11 in den Nordturm des World Trade Centers ein, um 9:03 Uhr United-Airlines-Flug 175 in den Südturm. Um 9:37 Uhr flog American-Airlines-Flug 77 in das Pentagon. United-Airlines-Flug 93 stürzte um 10:03 Uhr bei Shanksville in Pennsylvania ab, nachdem Passagiere versucht hatten, die Entführer zu überwältigen.
Die Einschläge und das Kerosin lösten schwere Brände aus. Der Südturm stürzte um 9:59 Uhr ein, der Nordturm um 10:28 Uhr. Die getroffene Pentagonfassade stürzte um 10:10 Uhr ein. Das World Trade Center 7, das durch Trümmer beschädigt worden war und brannte, stürzte um 17:20 Uhr ebenfalls ein.
Opfer, Rettung und Schäden
Die Anschläge töteten Menschen aus 92 Staaten. 372 Opfer waren keine US-Bürger, darunter elf Deutsche und zwei Schweizer. In den Flugzeugen starben 265 Menschen, an den Anschlagsorten 2731. Im World Trade Center kamen insgesamt 2763 Menschen ums Leben, am Pentagon 189 und bei Shanksville 44. Viele Opfer arbeiteten in Büros oberhalb oder nahe der Einschlagstellen. Etwa 200 Menschen stürzten sich nach Schätzungen aus den Türmen, weil sie von Fluchtwegen abgeschnitten waren.
Mehr als 15.000 von 17.400 Personen, also 87 Prozent, konnten die WTC-Türme rechtzeitig verlassen. Die Rettung wurde jedoch durch ausgefallene Aufzüge, versperrte Dachzugänge, Rauch, Feuer, Trümmer und Kommunikationsprobleme zwischen Feuerwehr, Polizei und Hafenbehörde erschwert. 438 bis 478 von rund 1000 Ersthelfern starben bei den WTC-Einstürzen, darunter 343 Feuerwehrleute.
Die Folgen reichten über den Anschlagstag hinaus. Bis Ende 2006 waren 1603 Opfer durch die World Trade Center Recovery Operation identifiziert, bis August 2025 insgesamt 1653 der New Yorker Opfer. 37.305 von rund 65.000 Aufräumarbeitern und Ersthelfern erlitten später posttraumatische Belastungsstörungen, Atemwegserkrankungen oder Krebs durch toxische Schadstoffe am Ground Zero. Bis September 2025 starben nochmals um die 400 Rettungskräfte an solchen Folgen.
Die Gebäudeschäden waren enorm. Nach Untersuchungen des National Institute of Standards and Technology zerstörten die Flugzeugaufpralle tragende Pfeiler und lösten Brandschutzbeschichtungen. Trümmer zerstörten oder beschädigten weitere WTC-Gebäude so stark, dass alle sieben Gebäude der World Trade Center Site abgerissen werden mussten. Außerdem wurden zwei U-Bahnstationen, eine Kirche, Antennentürme und insgesamt 25 Gebäude in Lower Manhattan beschädigt.
Täter und Planung
Nach späteren Ermittlungen entwickelte Osama bin Laden den Anschlagsplan mit Chalid Scheich Mohammed und Mohammed Atef seit 1993 und finanzierte ihn mit. Ende 1999 wurden die Flugzeugentführer ausgewählt und in die USA geschickt, um sich dort zu Piloten ausbilden zu lassen. Bin Laden wählte die WTC-Türme, weil sie die Finanzmacht der USA symbolisierten. Das Pentagon sollte das US-Militär treffen. Als viertes Ziel wurde die politische Führung der USA genannt; nach Aussagen wählte Mohammed Atta eher das Kapitol, weil es leichter anzufliegen gewesen sei.
Das FBI veröffentlichte am 27. September 2001 Fotos und Namen der 19 mutmaßlichen Täter. 15 waren Staatsbürger Saudi-Arabiens, zwei stammten aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, Mohammed Atta aus Ägypten und Ziad Jarrah aus dem Libanon. Die vier Entführerpiloten waren Mohammed Atta, Marwan al-Shehhi, Hani Handschur und Ziad Jarrah.
Mehrere zentrale Täter hatten zuvor in Hamburg gelebt. Atta, Ramzi Binalshibh, Jarrah und al-Shehhi bildeten dort ab 1998 die sogenannte Hamburger Terrorzelle und hatten Kontakte zur al-Quds-Moschee. Ende 1999 reisten sie nach Afghanistan, wo Bin Laden sie wegen ihrer technischen Kenntnisse als künftige Anschlagspiloten auswählte. Bis Anfang 2001 erwarben Atta und al-Shehhi in Florida Pilotenlizenzen; Jarrah trainierte zusätzlich in Mülheim an der Ruhr. Atta koordinierte später die Operation in den USA und soll das Datum 9/11 festgelegt haben.
Zu möglicher saudischer Unterstützung gab es widersprüchliche Bewertungen. Die 9/11-Kommission fand 2004 keine Beweise für eine Beteiligung der saudischen Regierung oder einzelner Mitglieder an der Anschlagsplanung. Spätere Aussagen, freigegebene Dokumente und Klagen hielten den Verdacht auf Kontakte und mögliche Hilfe einzelner saudischer Personen oder Stellen jedoch aufrecht.
Untersuchungen und Verantwortung
Das FBI begann am Anschlagstag unter dem Decknamen PENTTBOM mit Ermittlungen. Bis zu 7000 FBI-Agenten und Experten waren beteiligt. Eine Joint Inquiry von Senat und Repräsentantenhaus untersuchte 2002, was US-Geheimdienste vor und nach den Anschlägen wussten.
Auf Druck von Opfervereinen wurde 2002 die 9/11-Kommission eingesetzt. Sie untersuchte von Januar 2003 bis August 2004 Planung, Verlauf und Behördenreaktionen, befragte etwa 1200 Zeugen und legte im Juli 2004 ihren Abschlussbericht vor. Dieser stellte schwere systemische Fehler fest: CIA und FBI tauschten Informationen nicht ausreichend aus, eingereiste al-Qaida-Mitglieder wurden nicht überwacht, verdächtige Passagiere wurden an Flughäfen nicht kontrolliert, und die Befehlswege bei NORAD dauerten zu lange. Präsident George W. Bush hatte vor dem 11. September mehr als 40 Tageskurzberichte zu Bin Laden und al-Qaida erhalten; der Bericht vom 6. August 2001 warnte vor einem möglichen mehrfachen Anschlag in den USA mit entführten Flugzeugen und möglichen Zielen in New York.
Für Rettungseinsätze und Gebäudeeinstürze folgten weitere Untersuchungen. McKinsey empfahl 2002 bessere Kommunikationssysteme, Führungsstrukturen und Einsatzrichtlinien für die Feuerwehr. FEMA und später das NIST untersuchten die bautechnischen Ursachen der Einstürze. Das NIST veröffentlichte mehrere Berichte, darunter 2005 zu WTC 1 bis 6 und 2008 zu WTC 7. Wissenschaftliche Simulationen bestätigten, dass die Kombination aus Strukturschäden und anhaltenden Bränden die Einstürze erklären konnte.
Politische und rechtliche Folgen
Die Hauptfolge war der langjährige Antiterrorkrieg der USA und ihrer Verbündeten. Präsident George W. Bush sprach am 20. September 2001 vor dem Kongress vom Krieg gegen den Terror und erklärte, jede Nation müsse sich entscheiden: „Entweder seid ihr mit uns, oder ihr seid mit den Terroristen.“ Am 12. September 2001 verurteilte der UN-Sicherheitsrat die Anschläge mit Resolution 1368 und erlaubte den USA militärische Selbstverteidigung. Die NATO erklärte erstmals den Bündnisfall nach Artikel 5.
Am 7. Oktober 2001 begann die Operation Enduring Freedom gegen das Talibanregime in Afghanistan und al-Qaida. Das Talibanregime wurde bis Jahresende gestürzt, doch Bin Laden entkam zunächst bei Tora Bora. Am 2. Mai 2011 wurde er in Abbottabad bei der Operation Neptune Spear getötet. 2003 begannen die USA ohne UN-Mandat den Irakkrieg. Die Regierung begründete ihn unter anderem mit behaupteten Verbindungen Saddam Husseins zu al-Qaida und Massenvernichtungsmitteln; diese Begründungen waren international stark umstritten. Laut einer Studie der Brown University starben von 9/11 bis Ende 2023 durch direkte Gewalt im Antiterrorkrieg in Afghanistan, Irak, Jemen, Pakistan und Syrien geschätzt mehr als 940.000 Menschen, davon 432.000 Zivilisten; indirekte Kriegsfolgen erhöhten die geschätzte Gesamtzahl auf bis zu 4,7 Millionen.
In den USA wurde die Macht der Exekutive stark ausgeweitet. Am 14. September 2001 verhängte Bush den Ausnahmezustand. Die Authorization for the Use of Military Force vom 18. September gab ihm weitreichende Befugnisse für Antiterrormaßnahmen. Der USA Patriot Act vom 26. Oktober 2001 erlaubte erhebliche Eingriffe in Bürgerrechte, etwa Überwachung, Datenspeicherung, geheime Abhörmaßnahmen und erleichterte Inhaftierungen. 2002 entstand das Department of Homeland Security.
Zur Terrorbekämpfung gehörten auch rechtswidrige Praktiken: Geheimgefängnisse, Guantanamo, jahrelange Haft ohne Anklage, Entführungen und Foltermethoden wie Schlafentzug und Waterboarding. Barack Obama ließ 2009 das CIA-Folterprogramm beenden und geheime Haftzentren schließen, konnte Guantanamo aber nicht schließen. Im Oktober 2025 waren dort noch 15 Personen inhaftiert.
Gesellschaft, Gedenken und Einordnung
In den USA lösten die Anschläge Angst, Wut und ein Gefühl der Verwundbarkeit aus. Viele Muslime, Araber und auch Sikhs wurden beleidigt, bedroht oder angegriffen. Die US-Bürgerrechtskommission und das FBI registrierten nach 9/11 einen 20-fachen Anstieg solcher Angriffe. Präsident Bush besuchte am 17. September 2001 öffentlich eine Moschee, verurteilte Racheakte und unterschied den Islam vom Terror. Gleichzeitig wurden bis 2004 rund 5000 Migranten ohne konkrete Terrorverdachtsmomente festgenommen; keinem konnte ein Bezug zu al-Qaida nachgewiesen werden.
Wirtschaftlich waren die Folgen kurzfristig stark, aber mittel- und langfristig begrenzt. Die Anschläge lösten keine Rezession aus, dämpften aber das Wachstum. Fluggesellschaften, Tourismus und New York City waren besonders betroffen. Der New York Stock Exchange öffnete am 17. September 2001 wieder; der Dow-Jones-Index verlor zunächst 7,1 Prozent. Die Gesamtschäden wurden je nach Berechnung auf 50, 200 oder 500 Milliarden US-Dollar geschätzt; bei Einschluss der Sicherheitsausgaben bis 2011 auf mehr als eine Billion US-Dollar.
Das Gedenken begann sofort mit Suchpostern, spontanen Erinnerungsorten, Spendenaktionen und Hilfen für Opferfamilien. Wichtige Gedenkstätten sind das National September 11 Memorial and Museum, das Pentagon-Denkmal und das Flight 93 National Memorial. Das New Yorker Memorial wurde am 11. September 2011 eröffnet. Seine Wasserbassins an den Grundflächen der früheren WTC-Türme heißen Reflecting Absence; in ihre Wände sind die Namen der Opfer eingraviert.
Die Anschläge wurden häufig als historische Zäsur bezeichnet. Andere Historiker und Politikwissenschaftler betonten eher, 9/11 habe bestehende Entwicklungen beschleunigt, etwa US-Machtpolitik, Sicherheitsstaat und globale Konflikte, statt völlig neue Trends auszulösen. Verschwörungstheorien behaupteten später, die US-Regierung habe die Anschläge zugelassen oder selbst ausgeführt; diesen Thesen widersprachen FEMA, NIST und unabhängige Wissenschaftler. In Kunst, Literatur, Theater, Film, Musik und Satire wurde 9/11 vielfach verarbeitet, oft als Trauma, Bruch oder Anlass für Debatten über Krieg, Erinnerung und nationale Identität.