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Safed
Bedeutung erlangte Safed als ein wichtiger Ort jüdischer Gelehrsamkeit und war lange Zeit ein geistiges Zentrum der Kabbala.
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Lage, Bedeutung und Gegenwart
Safed (hebräisch Zfat, arabisch Safad) ist eine Stadt in Obergaliläa im Nordbezirk Israels. Sie liegt auf 934 m Höhe und ist damit die höchstgelegene Stadt Israels. 2022 hatte sie 37.801 Einwohner.
Zusammen mit Jerusalem, Hebron und Tiberias zählt Safed zu den vier Heiligen Städten des Judentums. Die Stadt wurde vor allem als Ort jüdischer Gelehrsamkeit und als geistiges Zentrum der Kabbala bedeutend. Die Kabbala ist eine mystische Strömung innerhalb des Judentums. Heute sind das religiöse und historische Erbe, die Höhenlage und die Künstlerkolonie wichtige Grundlagen des Tourismus.
Von der Antike bis zur osmanischen Blütezeit
Safed wird möglicherweise erstmals um 66 n. Chr. historisch greifbar: Flavius Josephus nennt unter den im Jüdischen Krieg befestigten galiläischen Bergdörfern einen Ort namens Sepph, mit dem Safed gemeint sein könnte. Im Jerusalemer Talmud erscheint Safed als einer der Berggipfel, von denen zur Zeit des Herodianischen Tempels Feuersignale übermittelt wurden.
Nach dem Ersten Kreuzzug bauten Kreuzfahrer 1102 eine Burg. Saladin belagerte sie und erhielt sie am 6. Dezember 1188 gegen freien Abzug der Besatzung. Französische Templer erneuerten die Anlage 1240. Nach einer mamlukischen Belagerung ergaben sich die Tempelritter am 23. Juli 1266 aufgrund der Zusage freien Abzugs. Sultan Baibars ließ jedoch die 1500 Mann starke Garnison enthaupten; nur ein Franke wurde verschont, damit er in Akkon von der Hinrichtung berichtete. Unter den Mamluken wurde Safed Hauptstadt Obergaliläas.
Durch den Osmanisch-Mamlukischen Krieg von 1516–1517 gelangte die gesamte Levante einschließlich Safeds an das Osmanische Reich. Unter Sultan Süleyman I. erlebte die Stadt eine weniger als hundert Jahre dauernde Blüte. Nach osmanischen Steuerregistern wird ihre Bevölkerung für 1525/1526 auf rund 5700 Menschen, für 1555/1556 auf 11.100 und für 1567/1568 auf 12.000 geschätzt. Um 1550 lebten dort annähernd 10.000 Juden. Viele waren 1492 vor der Verfolgung durch die Katholischen Könige aus Spanien geflohen und brachten Kenntnisse der Textilherstellung mit.
Im 16. Jahrhundert wurde Safed zu einem führenden Zentrum jüdischer Gelehrsamkeit und der Kabbala. Rabbiner wie Josef Karo, Moses Cordovero und Isaak Luria prägten die sogenannte Goldene Ära von Safed. 1563 entstand dort die erste hebräische Druckerei Palästinas. Im 17. Jahrhundert war die Stadt zudem eine Hochburg der messianischen Bewegung Schabbtai Zvis, des Sabbatianismus.
Im Laufe des 17. Jahrhunderts verlor Safed an Bedeutung. Die Textilproduktion litt unter ihren teuren Wollerzeugnissen und unter ausländischer, besonders französischer Konkurrenz. Zugleich schwächte sich die osmanische Zentralgewalt ab. Lokale Machthaber kämpften um Steuergebiete und beuteten diese aus, sodass Safed zu einem unbedeutenden Ort an der Peripherie des Reiches absank.
Regionalherrschaft und spätosmanische Krisen
Zwischen 1713 und 1718 begann Ẓahir al-ʿUmar al-Zaidani seinen Aufstieg zum Regionalpotentaten. Er übernahm um 1730 Tiberias und wurde dort Steuerpächter. 1738 brachte er die Festung Gadin sowie Safed und dessen Umgebung unter seine Kontrolle. Anders als viele andere Steuerpächter setzte er auf regelmäßige Einnahmen, Schutz der Landpächter und die Vermeidung wirtschaftlicher Ruinierung. Mit einer Söldnertruppe schuf er in Galiläa Schutz vor Raub, amtlicher Willkür und Ausbeutung. Eine steigende Produktion und hohe Weltmarktpreise zogen weitere Einwohner an.
Ẓahir al-ʿUmar machte Akkon zu seiner Hauptstadt und setzte Verwandte als örtliche Statthalter ein. Sein Sohn ʿAlī amtierte in Safed und ließ dort ein Serail, also einen Verwaltungs- und Regierungssitz, errichten. Während seiner Amtszeit wuchs Safeds jüdische Gemeinde, die zum Alten Jischuv gehörte, und die Stadt erlebte mehrere Jahre Sicherheit. Zwei schwere Erdbeben am 30. Oktober und 25. November 1757 ließen jedoch Gebäude einstürzen und töteten Hunderte Menschen. Das beschädigte Serail wurde anschließend wiederhergestellt.
Im September 1746 führte Ẓahir al-ʿUmar ein Monopol im Baumwollhandel zwischen einheimischen Verkäufern und vor allem französischen Käufern ein. Sein Herrschaftsgebiet wuchs über Galiläa hinaus. Es blieb jedoch politisch unsicher, weil die osmanische Regierung erfolgreiche lokale Machthaber als Gefahr betrachtete. Nach langen Konflikten, erschöpften Ressourcen und einer Meuterei unbezahlter Söldner zerfiel seine Herrschaft 1775. Ẓahir al-ʿUmar wurde auf der Flucht von einem seiner Söldner ermordet.
Ab 1777 herrschte Aḥmad ‹al-Dschazzār› Pascha als Wālī von Sidon; 1779 verlegte er seinen Sitz nach Akkon. Safed blieb Verwaltungssitz einer kleineren Gebietseinheit. 1777 wanderten 300 litauische Chassidim unter Abraham Kalisker und Menachem Mendel von Witebsk ein, wurden aber 1783 nach Tiberias vertrieben. Dschazzārs gewaltsame Herrschaft, hohe Steuern, Handelsmonopole und die Beulenpest von 1786 führten zu Abwanderung, brachliegenden Feldern und sinkenden Exporten. Auch unter späteren Machthabern belasteten Abgabenerhöhungen, Enteignungen und Monopole die Region. ʿAbdullah Pascha erhob von Juden erneut hohe Sondersteuern. Der Levantehandel verlagerte sich zunehmend nach Beirut.
Während eines Aufstands gegen die ägyptische Besatzung wurden 1834 bei einem Pogrom über 500 Juden in Safed ermordet und viele weitere verletzt. Das Erdbeben von 1837 zerstörte zahlreiche Gebäude und die Kreuzfahrer-Mamluken-Festung auf dem Burgberg; 1838 überfielen Drusen die Stadt. Danach besserte sich die Lage nur langsam. Bis Ende des 19. Jahrhunderts lebten wieder etwa 12.000 Menschen in Safed, jeweils zur Hälfte Juden und nichtjüdische Araber, überwiegend Muslime und zu einem kleineren Teil arabische Christen.
1900/1901 entstand auf dem gekürzten Nordturm des Serails ein Uhrturm zu Ehren Sultan ʿAbdülhamids II. Um 1908 gründeten junge Juden, Christen und Muslime eine örtliche Sektion des Komitees für Einheit und Fortschritt. Im Ersten Weltkrieg blieb Safed bis September 1918 von Kämpfen entfernt, litt aber unter Einberufungen, der Beschlagnahmung von Lebensmitteln und Zugtieren, Inflation, Mangel und Hunger.
Mandatszeit, Krieg von 1948 und israelische Stadt
Britische und französische Mächte teilten nach dem Ersten Weltkrieg die Levante neu auf. Safed wurde Teil des britisch verwalteten Gebiets und ab 1920/1922 des Völkerbundsmandats für Palästina. Die Stadt blieb Sitz eines Verwaltungsbezirks.
Im August 1929 kam es im Mandatsgebiet zu einer Serie antisemitischer Pogrome. In Safed ermordeten arabische Gewalttäter am 29. August 18 jüdische Palästinenser, darunter Frauen, Babys und alte Menschen, und verletzten weitere 80. Rund 200 jüdische Haushalte wurden geplündert und Häuser angezündet. Während des Großen Arabischen Aufstands von 1936 bis 1939 sank Safeds jüdische Bevölkerung auf etwa 1800 Menschen gegenüber 12.000 Arabern.
Im November 1947 schlug die UNO die Teilung des Mandatsgebiets in Staaten vor. Die arabisch-palästinensische Seite und arabische Nachbarstaaten lehnten den Plan weithin ab. Der Konflikt zwischen arabischen und jüdischen Palästinensern entwickelte sich von Dezember 1947 bis Mai 1948 zum Bürgerkrieg. Am 16. April 1948 zogen die Briten aus Safed ab. Einheiten der Arabischen Befreiungsarmee besetzten das Serail, ein Polizeifort und weitere strategische Gebäude und griffen die jüdische Altstadt 14 Stunden lang an. Die zahlenmäßig schwache Hagannah hielt stand; am 17. April traf eine Palmach-Einheit von 35 Mann unter Elʿad Peled ein und verstärkte die Verteidigung.
Während der Operation Jiftach eroberten jüdische Kräfte strategische Punkte um Safed. Dazu gehörten am 3./4. Mai die arabischen Dörfer Biriyya und ʿAin Zaitun, wo es zum Massaker von ʿAin Zaitun kam. Bis zum 9. Mai war die Stadt weitgehend umzingelt. Am folgenden Tag zogen die Arabische Befreiungsarmee und arabische Milizen über die offene Nordostseite ab; ihnen folgten arabische Zivilisten. Am 11. Mai durchsuchten Palmach-Einheiten die größtenteils verlassene Stadt. Verbliebene Araber wurden in den Libanon vertrieben oder zwangsweise nach Haifa umgesiedelt.
Mit der israelischen Unabhängigkeitserklärung vom 14. Mai 1948 wurde Safed Teil Israels. In den ersten Staatsjahren nahm Israel sehr viele jüdische Flüchtlinge und Vertriebene aus Europa und arabischen Ländern auf. Safed wurde zur Entwicklungsstadt: Neue Wohnviertel sollten Menschen aus den Maʿebbarot, provisorischen Lagern aus Zelten und Baracken, dauerhafte Wohnungen bieten.
Im Israel-Hisbollah-Konflikt von 2006 trafen insgesamt 471 aus dem Südlibanon abgefeuerte Katjuscha-Raketen Safed. Unter den getroffenen Orten waren ein Krankenhaus und eine Schokoladenfabrik.
Künstlerkolonie und Klima
Seit den frühen 1940er Jahren lebten Künstler wie Yitzhak Frenkel Frenel und Mosche Kastel in Safed. Nach dem Unabhängigkeitskrieg kamen zahlreiche weitere israelische Künstler hinzu. Sie bezogen leerstehende Häuser, eröffneten Ateliers und Galerien und gründeten die Artists Quarter Association. Zu den Gründern gehörten Irene Awret und ihr Mann Asriel. Viele Mitglieder waren mittellos und teilten ihre Ressourcen, um die Künstlerkolonie zu erhalten. Heute setzen neue Künstler diese Tradition im alten Judenviertel und im Künstlerviertel fort. In der ehemaligen Marktmoschee werden eine Dauerausstellung und Sonderschauen mit Arbeiten von Mitgliedern der Kolonie gezeigt.
Trotz der Höhenlage besitzt Safed ein Heiß-Sommer-Mittelmeerklima der Köppen-Geiger-Klasse Csa. Die Sommer sind heiß und fast regenlos, die Winter kühl und regnerisch sowie gelegentlich schneereich. Im Sommer liegen die durchschnittlichen Höchst- und Tiefsttemperaturen ungefähr bei 30 °C und 20 °C, im Winter bei 11 °C und 6 °C. Nachtfrost tritt im Winter häufig auf. Nach den Messwerten des Israelischen Wetterdienstes für die Normalperiode 2004–2022 beträgt die mittlere Jahrestemperatur 17,2 °C. Der jährliche Niederschlag erreicht 654,7 mm an durchschnittlich 68 Regentagen; im Juli fällt im Mittel kein Niederschlag, während der Januar mit 182,1 mm der niederschlagsreichste Monat ist.