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Sabbatianer
Der Begriff Sabbatianer (auch Sabbatisten oder Sabbatarier) bezeichnet verschiedene christliche Glaubens- und Sondergemeinschaften, die den Sabbat …
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Begriff und gemeinsame Kennzeichnung
Sabbatianer, auch Sabbatisten oder Sabbatarier genannt, sind verschiedene christliche Glaubens- und Sondergemeinschaften, die den Sabbat einhielten oder einhalten. Der Sabbat ist der biblische Ruhetag von Freitagabend bis Samstagabend; im Artikel steht vor allem seine religiöse Bedeutung als verbindliches Gebot im Mittelpunkt. Die einzelnen Gruppen unterscheiden sich jedoch stark in Lehre, Herkunft und Verhältnis zum Judentum.
Für manche Gemeinschaften ist die Sabbatobservanz, also die bewusste Einhaltung des Sabbats, mit einer Endzeiterwartung verbunden. Andere übernehmen zusätzlich jüdische Feste, Speisegebote oder weitere Teile der Tora. Wieder andere verstehen die Sabbateinhaltung vor allem als Rückkehr zu einer aus ihrer Sicht biblischen Ordnung.
Frühe sabbathaltende Bewegungen
Um 1528 gründete Oswald Glait, ein Schüler des Täuferführers Hans Hut, in Mähren und Schlesien die Gruppe der Mährischen Sabbater. Sie hielten den Sabbat als Zeichen für die Verheißung des „Weltensabbats“, also des letzten erwarteten Äons. Glait begründete mit Heb 4 LUT und Ex 31,16 f. LUT, dass das Sabbatgebot dauerhaft gültig sei: Erst nach Jesu Wiederkunft gelangten die Gläubigen zur Ruhe Gottes. Durch die Sabbateinhaltung werde man „versiegelt“ und für das Endgericht bewahrt. Die Gruppe wollte ihre zukünftige Erwählung dadurch vorwegnehmen und ständig erneuern. Nach 1532 übernahm der Täufer Andreas Fischer die Führung. Bis 1573 bestanden mehrere Untergruppen in Mähren. Martin Luther wandte sich 1538 in der Schrift Wider die Sabbather gegen die Lehre Glaits und führte sie auf jüdische Propaganda zurück; diese Behauptung ist jedoch nicht nachweisbar.
Eine judenchristliche Gruppe um den ehemaligen Unitarier Andreas Eössi entstand 1588 in Siebenbürgen. Sie verlangte von Christen die Einhaltung des Sabbats, der jüdischen Feste und der Speisegebote, nicht aber die Beschneidung. Nach Eössis Auffassung hatte Christus die Tora nicht aufgehoben, sondern die Heiden zu ihr geführt. Bis zu Christi Wiederkunft sollten deshalb die in der Tora genannten Bedingungen für die Erfüllung der prophetischen Verheißungen gelten. Eössis Schüler Simon Péchi führte die Lehre ab 1621 fort und verbreitete sie auch im höheren Adel. Fürst Gabriel Bethlen erlaubte der Gruppe die Mission.
1638 trennten sich die dortigen Unitarier von den Sabbathariern. Viele Sabbatharier wurden anschließend verurteilt oder konvertierten zum Schein zu den Reformierten. Verfolgte Gemeinschaften bestanden teilweise bis ins 19. Jahrhundert und wurden auch „Seelenjuden“ genannt. Ein Zentrum war Székelykeresztúr. Der letzte Rest von etwa 30 Familien trat 1868 vollständig zum Judentum über. Eine letzte Gemeinde befand sich in Bözödújfalu, dessen Ort unter dem kommunistischen Ceaușescu-Regime einem Stausee weichen musste. Die letzten überlebenden Nachfolger der Siebenbürger Sabbatharier wurden im Holocaust ermordet.
Weitere historische Gemeinschaften
Um 1640 traten in Russland die Subbotniki oder Sabbatniki auf. Sie übernahmen Einflüsse des jüdischen Humanismus und der Kabbala. Sie bestritten Jesu Gottsein und Auferstehung, lehnten die Verehrung von Ikonen ab, feierten Pessach und befolgten zunächst ohne Beschneidung die Toragebote. Sie erwarteten wie die Juden den Messias, wenn alle Menschen die Tora vollständig hielten. Ab 1760 schlossen sich einige Subbotniki den Molokanen an, die die russisch-orthodoxe Kirche ablehnten; dabei hielten sie weiterhin den Sabbat.
In Nordamerika entstand im 18. Jahrhundert die Gruppe der Siebentägner-Tunker. Sie hatte sich unter Johann Conrad Beissel von der täuferisch-pietistischen Bewegung der Tunker, auch Schwarzenau Brethren genannt, getrennt. 1732 gründeten die Siebentägner-Tunker das Ephrata Cloister. Reste der Gruppe schlossen sich im 19. Jahrhundert den Siebenten-Tags-Baptisten an.
Die Creglinger oder Tennhardianer waren eine kleine Gruppe von Anhängern der Schriften Johann Tennhardts (1661–1720). Sie war ungefähr im geografischen Dreieck Creglingen, Dinkelsbühl und Crailsheim verbreitet und trat um 1843–1844 als kirchlich-separatistische, stark schwärmerische und scharf oppositionelle Bewegung gegen die evangelische Amtskirche auf. Sie erwartete die Parusie, also die Wiederkunft Christi, in ihrer eigenen Zeit. Nach zeitgenössischer Kritik hielten sie den Samstag statt des Sonntags, verwarfen Schweinefleisch und übernahmen weitere als „Judaisieren“ bezeichnete Bräuche. Die wenigen verbliebenen Anhänger, unter anderem aus Roßbürg, schlossen sich Ende des 19. Jahrhunderts den Siebenten-Tags-Adventisten an.
Gemeinden im 19. Jahrhundert und Messiasbewegungen
Frühe freikirchlich-baptistische Gemeindegründungen unter Friedrich Herring und Johann Heinrich Lindermann führten ab 1852 im Rheinland und im Bergischen Land im Verlauf ihrer theologischen Entwicklung in den 1850er Jahren den Sabbat, also den Sonnabend, als biblischen Ruhetag ein. Ab 1875 wechselten wesentliche Teile der Mitglieder schrittweise zu den Siebenten-Tags-Adventisten.
Julius Stangnowski (1824–1892), ein ostpreußischer Tischler und ursprünglicher Baptist, gründete 1863 die Apostolisch-Christliche Gemeinde. Spätestens ab 1873 konzentrierte sie sich auf die Einhaltung des biblischen Sabbats. Ihr Verbreitungsgebiet reichte von Ostpreußen bis ins Ruhrgebiet. Nach Stangnowskis Tod schlossen sich wesentliche Teile den Siebenten-Tags-Adventisten an. Apostolisch-Christliche Gemeinden waren in der Bundesrepublik Deutschland bis in die 1970er Jahre nachweisbar.
Als Sabbatianer oder Dönme werden außerdem die Anhänger des selbsternannten Messias Schabbtai Zvi bezeichnet. In der Türkei sind tatsächliche oder vermeintliche Mitglieder dieser Gruppe häufig Gegenstand von Verschwörungstheorien. Auch die Anhänger der Joanna Southcott führen den Namen Sabbatianer.
Heutige sabbathaltende Gruppen
Zu den heutigen Gruppen, die den Sabbat aus einer Endzeiterwartung heraus halten, gehören die um 1650 in England entstandenen Siebenten-Tags-Baptisten und die 1863 gegründeten Siebenten-Tags-Adventisten. Beide sind evangelische Freikirchen. Außerdem nennt der Artikel die Gemeinschaft der Freien Bibelforscher.
Auch jüdisch-messianische Gemeinden halten den Sabbat. Zu ihnen gehören Juden und Nichtjuden, die an den Messias Yeshua, also Jesus, glauben und weiterhin an jüdischen Bräuchen festhalten. Daneben hält die aus Russland stammende judaisierte Religionsgruppe der Subbotniki den Sabbat ein. Ihr Name leitet sich vom russischen Wort subbota (суббота) ab, das wörtlich „Samstag“ bedeutet.