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Russische Revolution 1905

Sie stellt die Vorgeschichte zur Februarrevolution 1917 und der sich daran anschließenden Oktoberrevolution dar.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Gegenstand und Bedeutung
  2. 2. Ursachen der Revolution
  3. 3. Verlauf und zentrale Ereignisse
  4. 4. Ergebnisse und Nachwirkungen
  5. 5. Filmische Darstellung

Gegenstand und Bedeutung

Die Russische Revolution von 1905 bezeichnet eine Reihe revolutionärer Unruhen im Russischen Kaiserreich, die von 1905 bis 1907 andauerten. Hauptauslöser waren die sozialen und politischen Spannungen im Zarenreich, die Niederlage Russlands im Russisch-Japanischen Krieg und der Petersburger Blutsonntag vom 9. Januar jul. / 22. Januar 1905 greg. Die Revolution richtete sich gegen die zaristische Autokratie, also die unumschränkte Herrschaft des Zaren. Beteiligt waren unter anderem Arbeiter, Bauern, liberale Bürgerliche und Adlige, Sozialrevolutionäre sowie die sozialistische Arbeiterbewegung.

Die Regierung machte zwar Zugeständnisse, nahm diese aber später weitgehend zurück. Deshalb gilt die Revolution als größtenteils gescheitert. Sie wurde zu einer wichtigen Vorgeschichte der Februarrevolution 1917 und der anschließenden Oktoberrevolution.

Ursachen der Revolution

Das Russische Kaiserreich war durch eine konservative und repressive Autokratie, Großgrundbesitz, frühere Leibeigenschaft, soziale Ungleichheit und eine stark ausgeprägte Korruption in Verwaltung und Gerichtsbarkeit geprägt. Im agrarisch geprägten Land lebten viele Menschen unter schwierigen Bedingungen. Bereits im 19. Jahrhundert hatten sich Bewegungen gegen die zaristische Herrschaft gebildet, darunter der 1825 gescheiterte Aufstand der Dekabristen.

Nach der Niederlage im Krimkrieg und dem Ende des Systems der Heiligen Allianz verlor Russland seine führende Stellung in Europa. Seine wirtschaftliche, technologische und soziale Rückständigkeit wurde deutlich. Zar Alexander II. leitete Reformen ein, insbesondere die Abschaffung der Leibeigenschaft, stieß damit aber auf den Widerstand der Aristokratie. Die Industrialisierung verschärfte die Probleme: Die Sozialgesetzgebung schützte die Arbeiter kaum; unter anderem gab es einen 11,5-Stunden-Tag und ein Gewerkschaftsverbot. Dadurch wuchs die Unzufriedenheit in den Städten und unter den gebildeten Schichten.

Zur sogenannten Intelligenzia gehörten liberale oder linksgerichtete Professoren, Studenten und Akademiker, meist aus Adel und Wirtschaftsbürgertum. In Moskau, Sankt Petersburg und anderen Städten entstanden kritische, revolutionäre oder terroristische Gruppen, darunter Sozialrevolutionäre, Anarchisten und spätere Kommunisten. Zar Alexander III. ließ solche Kreise brutal verfolgen. Unter Nikolaus II., der seit 1894 regierte und an den autokratischen Grundsätzen festhielt, nahmen Unterdrückung und Polizeiüberwachung weiter zu. Auch Reformen von 1904 führten weder zu sozialem Ausgleich noch zu einem Verfassungsstaat.

Die Regierung verschärfte den Konflikt mit Japan, um von den innenpolitischen Problemen abzulenken. Japan griff im Februar 1904 den russischen Stützpunkt Port Arthur an. Russland erlitt schwere Niederlagen, unter anderem bei Mukden im März 1905. Die Seeschlacht bei Tsushima Anfang Mai 1905 führte zum fast vollständigen Verlust der russischen Flotte. Die Niederlage bedeutete einen Prestige- und Autoritätsverlust. Eine Rezession, steigende Arbeitslosigkeit in den Industriezentren, ausbleibende Staatsaufträge und Schwierigkeiten in der Landwirtschaft verschärften die Lage. Der Blutsonntag löste schließlich landesweite Unruhen aus. In den Ostseeprovinzen richtete sich der Zorn auch gegen den deutschbaltischen Adel; Hunderte Schlösser wurden niedergebrannt.

Verlauf und zentrale Ereignisse

Da die Regierung für den Krieg mit Japan öffentliche Unterstützung benötigte, erlaubte sie im November 1904 einen Kongress in Sankt Petersburg. Die dort erhobenen Reformforderungen blieben jedoch unbeachtet. Gleichzeitig verschlechterte sich die Versorgung der Arbeiter. Zunächst streikten Frauen in Petersburger Betrieben, später schlossen sich Männer an, als bekannt wurde, dass Brot absichtlich gehortet und nur in kleinen Mengen ausgegeben wurde.

Der Priester Georgi Apollonowitsch Gapon rief zu Demonstrationen auf. Am 9. Januar jul. / 22. Januar 1905 greg. zogen etwa 150.000 unbewaffnete Arbeiter friedlich zum Winterpalast. Sie forderten Menschenrechte, Wahlrecht, ein gesetzgebendes Parlament, wirtschaftliche Erleichterungen und den Achtstundentag. Die Armee schoss die Menge vor dem Palast unprovoziert zusammen. Mindestens 130 Menschen starben, etwa 1000 wurden verletzt. Der Petersburger Blutsonntag führte zu Empörung, einer stärkeren Solidarisierung der Arbeiter und einer Radikalisierung der Bevölkerung.

Am 4. Februar jul. / 17. Februar 1905 greg. wurde Großfürst Sergei Alexandrowitsch Romanow, der Onkel des Zaren und Generalgouverneur von Moskau, ermordet. Danach kam es zu Eingaben und Protesten aus vielen Bevölkerungsschichten. Studenten protestierten, Bauern verweigerten Pacht- und Steuerzahlungen oder besetzten Land von Gutsherren, und Arbeiter streikten. Auch in der Flotte kam es zu Meutereien. Bekannt wurde die Meuterei auf dem Linienschiff Potemkin am 14. Juni jul. / 27. Juni 1905 greg. Nach dem Einlaufen des Schiffes in Odessa, wo ein Generalstreik stattfand, schlugen zaristische Truppen die Unruhen blutig nieder. Außerdem kam es unter anderem am 22. und 23. Oktober 1905 in Riga zu antijüdischen Pogromen.

Die liberal-demokratische Bewegung, die sich auf die 1864 eingeführten Semstwo, also Selbstverwaltungsorgane, und auf städtische Abgeordnete stützte, verlangte ein Parlament mit Gesetzgebungsbefugnissen. Der Entwurf des Innenministers Aleksander Grigorjewitsch Bulygin sah dagegen nur eine beratende Duma als zweite Kammer neben dem Reichsrat vor. Eine Semstwo-Konferenz lehnte diesen Entwurf im September 1905 als „reaktionäre Missgeburt“ ab.

Nach dem für Russland schmählichen Frieden von Portsmouth, der den Krieg mit Japan beendete, und wegen der geringen Reformbereitschaft des Zaren eskalierte die Lage erneut. Ein Eisenbahnerstreik im Oktober 1905 unterbrach den Fernverkehr im gesamten Reich. Der Generalstreik von Petersburg erfasste bis Mitte Oktober das ganze Land. Am 13. Oktober jul. / 26. Oktober 1905 greg. entstand auf Initiative der Buchdrucker der erste Sowjet, in dem Leo Trotzki eine führende Rolle spielte. Ein Vorläufer hatte sich bereits im Mai 1905 in Iwanowo gebildet, als 70.000 Textilarbeiter streikten. Lenin kehrte aus dem Exil zurück und rief zum revolutionären Widerstand gegen die liberale Bourgeoisie auf.

Die Regierung verlor zeitweise die Kontrolle über Versammlungsverbote und Pressezensur. Im Oktobermanifest vom 17. Oktober jul. / 30. Oktober 1905 greg., das Sergei Juljewitsch Witte entwarf, versprach Nikolaus II. bürgerliche Freiheitsrechte und eine gesetzgebende Versammlung gewählter Volksvertreter. Eine Landreform zugunsten der Bauern wurde jedoch nicht bewilligt. Weitere Bauernaufstände folgten und wurden in den nächsten Monaten blutig niedergeschlagen.

Ergebnisse und Nachwirkungen

Das Oktobermanifest war vor allem ein taktischer Rückzug. Die Auflösung der ersten Duma im Sommer 1906 und die erfolglose Aufforderung einiger Abgeordneter im Wiborger Manifest zu Steuer- und Kriegsdienstverweigerung zeigten den geringen Rückhalt der liberalen Elite beim einfachen Volk. Das Manifest spaltete außerdem die oppositionellen Gruppen. Viele Menschen warteten nun auf Reformen durch die Reichsduma, während das Militär die alte Ordnung wiederherstellte.

Mit der Auflösung der zweiten Staatsduma und einem neuen Wahlrecht im Juni 1907 sicherte Nikolaus II. die Vorherrschaft konservativer Kräfte im Parlament. Dadurch wurden die konstitutionellen Zugeständnisse weitgehend entkräftet. Die Duma sollte zwar den Eindruck einer konstitutionellen Regierung vermitteln, tatsächlich blieb der Zar autokratischer Herrscher. In wichtigen Bereichen, etwa beim Militär- und beim Hofetat, hatte die Duma kein Entscheidungsrecht. Außerdem besaß der Zar ein Vetorecht gegen ihre Entscheidungen und Abstimmungen.

In den Randgebieten des Reiches stärkte die Revolution den Wunsch nach nationaler Selbstbestimmung. Im damals zu Russland gehörenden Königreich Polen kam es 1905 zu Streiks und Unruhen, bei denen sozialistische und nationale Forderungen verbunden wurden. Die Niederlage der Revolution schwächte dort die sozialistische Arbeiterbewegung und stärkte nationalistische sowie konservative Kräfte.

Filmische Darstellung

Sergei Eisensteins Stummfilm Panzerkreuzer Potemkin aus dem Jahr 1925 ist an die Ereignisse der Revolution von 1905 angelehnt. Im Mittelpunkt steht insbesondere die Meuterei auf dem Linienschiff Potemkin.

Lernvideos zu Russische Revolution 1905

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