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Geschichte Russlands

Die Geschichte Russlands umfasst die Vorgeschichte, Entstehung und Entwicklung des russischen Staates. „Tausend Jahre Russland“ (1862), Monument vor der …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Vorgeschichte und Kiewer Rus
  2. 2. Mongolenherrschaft und Aufstieg Moskaus
  3. 3. Zarentum, Expansion und Reformen Peters I.
  4. 4. Kaiserreich: Großmacht, Reformen und Industrialisierung
  5. 5. Revolution, Sowjetunion und Zweiter Weltkrieg
  6. 6. Russische Föderation und Krieg gegen die Ukraine

Vorgeschichte und Kiewer Rus

Die Geschichte Russlands umfasst die Vorgeschichte, die Entstehung und die Entwicklung des russischen Staates. Das Gebiet ist durch riesige Ebenen, offene West-Ost-Verbindungen und klimatische Extreme geprägt. Fast die Hälfte der Böden ist ständig gefroren oder taut nur an wenigen Tagen im Jahr. Die offenen Grenzen erleichterten Wanderungen, Handel und Eroberungen, machten die Bevölkerung aber auch häufig anfällig für äußere Einfälle.

Menschen sind auf dem Gebiet des heutigen Russland seit etwa 100.000 Jahren nachgewiesen; ab 35.000 v. Chr. verdichtete sich die Besiedlung. Jäger und Sammler jagten unter anderem Mammute. Seit dem 6. Jahrtausend v. Chr. entstanden bäuerliche Kulturen, seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. wurden Pferde gezüchtet. In den Steppen folgten Skythen, Sarmaten und andere Reiternomaden. Griechen gründeten seit dem 7. Jahrhundert v. Chr. Städte am Schwarzen Meer. Neben Ostslawen lebten finno-ugrische und baltische Völker sowie turksprachige Gruppen in der Region.

Die Kiewer Rus entstand im 9. Jahrhundert aus der Verbindung skandinavischer Waräger mit ostslawischen Bevölkerungen. Rjurik herrschte ab 862 in Nowgorod; sein Nachfolger Igor eroberte 882 Kiew. Das Reich lag am Handelsweg von den Warägern zu den Griechen und entwickelte sich zu einem multiethnischen Großstaat. Unter Wladimir I. wurde 988/989 das byzantinische Christentum Staatsreligion. Unter Jaroslaw dem Weisen (1019–1054) erreichte die Rus eine Blütezeit: Verwaltung, Handel, Kirchen, Klöster, Schreibschulen und die Gesetzessammlung Russkaja Prawda wurden gefördert.

Die Kiewer Rus war kein Nationalstaat und gehört zur gemeinsamen Vorgeschichte der heutigen Russen, Ukrainer und Belarussen. Nach dem Tod des letzten Großfürsten von Kiew zerfiel sie 1132 in autonome Fürstentümer. Das Senioratsprinzip bestimmte die Thronfolge: Nicht der älteste Sohn, sondern der jeweils ranghöchste Bruder rückte nach. Erbfolgekämpfe, die politische Selbstständigkeit der Teilfürstentümer und Angriffe der Polowzer schwächten das Reich. 1240 fiel Kiew im Mongolensturm.

Mongolenherrschaft und Aufstieg Moskaus

Die Mongoleninvasion begann mit der Schlacht an der Kalka 1223 und wurde 1237–1240 zur dauerhaften Eroberung der Rus. Die Mongolen unter Bātŭ zerstörten unter anderem Rjasan, Wladimir und Susdal; am 6. Dezember 1240 fiel Kiew. Die südlichen Siedlungsräume wurden unsicher, sodass sich bäuerliche Ansiedlungen in Richtung der nördlichen Taiga verlagerten.

Die Fürstentümer unterstanden der Goldenen Horde, deren Khan in Sarai an der unteren Wolga residierte. Sie behielten eine gewisse innere Autonomie, mussten aber Tribut zahlen und Hilfstruppen stellen. Der Khan verlieh den Großfürstentitel durch eine Gnadenurkunde, den Jarlyk, und überwachte die Fürsten durch Baskaken. Die orthodoxe Kirche blieb weitgehend unangetastet und wurde dadurch zu einem stabilisierenden Faktor. Im Norden wehrte Alexander Newski 1240 die Schweden an der Newa und 1242 den Deutschen Orden auf dem Peipussee ab. Im Westen eroberte Litauen große Teile der Rus, darunter Kiew und fast das gesamte mittlere Dnepr-Becken.

Im Machtkampf um die Großfürstenwürde setzte sich Moskau gegen Twer durch. Iwan Kalita erhielt 1328 den Großfürstentitel und wurde zuverlässiger Steuereintreiber der Horde. Der Metropolit verlegte 1325/28 seinen Sitz nach Moskau. Moskau gewann dadurch politische, kirchliche und wirtschaftliche Bedeutung. Dienstfürsten und Adlige wechselten in Moskauer Dienste; zugleich ersetzte die Moskauer Dynastie schrittweise das Senioratsprinzip durch die Primogenitur.

Die Moskauer Großfürsten vereinigten die Teilfürstentümer. Dmitri Donskoi siegte 1380 auf dem Kulikowo Pole, doch Khan Toktamisch eroberte Moskau 1382 erneut. Iwan III. gliederte 1471 Jaroslawl, 1474 Rostow, 1478 Nowgorod und 1484/85 Twer ein. 1480 endete mit dem Stehen an der Ugra die mongolische Oberherrschaft. Im Kampf gegen Litauen gewann Moskau weitere Gebiete, darunter 1514 Smolensk; 1510 wurde Pskow und 1521 Rjasan angeschlossen. Damit entstand ein zentralisierter Moskauer Einheitsstaat mit stark ausgeprägter Selbstherrschaft, Bürokratie und einem 1497 kodifizierten Gesetzbuch, dem Sudebnik.

Zarentum, Expansion und Reformen Peters I.

1547 wurde Iwan IV. als erster russischer Herrscher zum Zaren gekrönt. Der Zarentitel symbolisierte die vollständige Loslösung von der tatarischen Oberherrschaft. Iwan IV. stärkte Verwaltung, Dienstadel und Heer, erließ 1550 einen neuen Sudebnik und gewährte Städtern und freien Bauern begrenzte Rechte in der örtlichen Selbstverwaltung. Seit 1565 führte die Opritschnina, ein gesonderter Herrschaftsbereich mit eigener Verwaltung und eigenem Heer, zu Terror, Enteignungen und der Zerschlagung des alten Bojarentums. Die Bauern wurden stärker an die Scholle gebunden.

1552 eroberte Iwan IV. Kasan, 1556 fiel Astrachan. Damit kontrollierte Russland den größten Teil des Wolgabeckens und sicherte den Wolgahandelsweg. Kosaken unter Jermak eroberten ab 1582 das Khanat Sibir; mit Tjumen (1586), Tobolsk (1587) und der endgültigen Eroberung Westsibiriens 1598 wurde der Weg zur russischen Besiedlung Sibiriens geöffnet. Im Livländischen Krieg 1558–1583 scheiterte dagegen der Versuch, Zugang zur Ostsee zu gewinnen.

Nach dem Erlöschen der Rurikiden-Dynastie 1598 folgte die Smuta, eine Zeit politischer Unruhen, Hungersnöte und ausländischer Interventionen. 1610 besetzten polnische Truppen Moskau, wurden aber 1612 durch einen Volksaufstand vertrieben. 1613 wählten die Landstände den 16-jährigen Michael Romanow zum Zaren. Die Romanow-Dynastie regierte bis 1917.

Peter I. modernisierte Staat, Heer, Wirtschaft und Bildung nach westeuropäischen Vorbildern. 1711 gründete er den Senat, 1717 die ersten Kollegien, 1708 und 1719 teilte er das Reich in Gouvernements. Sankt Petersburg wurde ab 1703 als „Fenster zum Westen“ erbaut und 1712 Hauptstadt. Die Kirche wurde 1721 dem Staat untergeordnet; 1718 wurde die Kopfsteuer eingeführt, 1722 eine Rangtabelle für zivile und militärische Dienstgrade. Der Aufbau von Manufakturen, einer modernen Armee und Marine sowie die Förderung von Schulen und Wissenschaft stärkten den Staat, verschärften aber zugleich Steuerlast, Leibeigenschaft und soziale Spannungen.

Im Großen Nordischen Krieg besiegte Peter die Schweden 1709 bei Poltawa. Im Frieden von Nystad 1721 erhielt Russland Livland und Estland und wurde zur führenden Ostseemacht. Peter nahm den Kaisertitel an; aus dem Zarentum wurde das Russische Kaiserreich.

Kaiserreich: Großmacht, Reformen und Industrialisierung

Im 18. Jahrhundert festigte Russland seinen Großmachtstatus. Nach Peter I. folgten Katharina I., Peter II., Anna Iwanowna, Elisabeth Petrowna und Peter III. Katharina II. regierte ab 1762. Sie stärkte Adel und Beamtentum, förderte Handel, Städtebau und Landwirtschaft und ließ die Leibeigenschaft auf die Ukraine ausdehnen. In den Kriegen gegen das Osmanische Reich gewann Russland große Gebiete in Südrussland und der Südukraine. Das „Griechische Projekt“ eines orthodoxen Reiches bis Konstantinopel wurde jedoch nicht verwirklicht. Russland beteiligte sich außerdem an den Teilungen Polens. Der Pugatschow-Aufstand von 1773/74 wurde blutig niedergeschlagen.

Alexander I. kämpfte in den Napoleonischen Kriegen. Napoleons Russlandfeldzug begann 1812 mit 477.000 Soldaten; die russischen Truppen zählten etwa 200.000 Mann. Durch Rückzug, Kleinkrieg und die Zerstörung von Versorgungseinrichtungen wurde Napoleon geschwächt. Nach dem Brand Moskaus ab dem 15. September und dem verlustreichen Rückzug scheiterte der Feldzug. 1815 prägte Alexander auf dem Wiener Kongress die Neuordnung Europas; Russland erhielt Kongresspolen und wurde zur dominierenden Kontinentalmacht.

Die Autokratie und die Leibeigenschaft blieben jedoch bestehen. Der Dekabristenaufstand von 1825 wurde niedergeschlagen. Nikolaus I. regierte repressiv, förderte Russifizierung und intervenierte gegen Aufstände in Polen und Ungarn. Im Krimkrieg 1853–1856 unterlag Russland einer Koalition aus Großbritannien, Frankreich, dem Osmanischen Reich und Sardinien. Die Niederlage zeigte die militärische und wirtschaftliche Rückständigkeit und beendete Russlands führende Stellung in Europa.

Alexander II. leitete die „Großen Reformen“ ein. Das Manifest vom 2. März 1861 hob die Leibeigenschaft auf, doch die Bauern erhielten zu kleine Landanteile und mussten Entschädigungen 49 Jahre lang zurückzahlen. Die Justizreform von 1864 führte Rechtsgleichheit, unabhängige Richter und die Trennung von Justiz und Verwaltung ein. Verwaltungs- und Militärreformen folgten. Staatlicher Schutz, Importzölle, Banken und ausländisches Kapital förderten die Industrialisierung. Das Eisenbahnnetz wuchs von 960 Kilometern 1857 auf 21.800 Kilometer 1880. Um 1900 trug die Landwirtschaft 53 Prozent, die Industrie 21 Prozent zum Nationaleinkommen bei.

Russland expandierte im Kaukasus und zwischen 1852 und 1888 in Zentralasien. Die Transsibirische Eisenbahn wurde 1891–1901 gebaut. Die Niederlage im Russisch-Japanischen Krieg 1904–1905 verstärkte die innenpolitische Krise. Nach der Revolution von 1905 entstanden Duma und 1906 eine Verfassung, doch der Zar behielt weitreichende Macht. Im Ersten Weltkrieg erlitt Russland schwere Niederlagen; 1917 stürzte die Februarrevolution die Monarchie.

Revolution, Sowjetunion und Zweiter Weltkrieg

Nach der Februarrevolution entstand eine Doppelherrschaft aus Provisorischer Regierung und Petrograder Sowjet. Die Bolschewiki unter Lenin ergriffen in der Oktoberrevolution die Macht und lösten die Verfassunggebende Versammlung nach einem Sitzungstag auf. Polen, Finnland und die baltischen Staaten wurden unabhängig; auch andere Gebiete lösten sich zeitweise von Russland.

Der Russische Bürgerkrieg dauerte fünf Jahre. Nach dem Vertrag von Brest-Litowsk im März 1918 wurde die Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik gegründet. Die Rote Armee unter Trotzki kämpfte gegen Weiße Armeen und ausländische Interventionstruppen. 1922 gründeten die RSFSR, Belarus, die Ukraine und Georgien die Sowjetunion; 1924 wurde die erste sowjetische Verfassung verabschiedet.

Russland war als RSFSR die größte und politisch, wirtschaftlich sowie sozial dominierende Sowjetrepublik. Unter Stalin wurden nationale Eigenständigkeit gewaltsam unterdrückt, Völker deportiert und Millionen Menschen in Lagern oder Gefängnissen getötet; die genaue Opferzahl ist unbekannt. Besiedlung und wirtschaftliche Erschließung Sibiriens erfolgten häufig durch Zwangsarbeit politischer und militärischer Gefangener.

Der Zweite Weltkrieg begann für die Sowjetunion am 22. Juni 1941 mit dem deutschen Überfall. Der westlichste Teil Russlands war ein Hauptkriegsschauplatz. Deutsche Eroberer verübten Massenmorde, Verschleppungen, Versklavung und Ausbeutung. Die Schlachten von Stalingrad und Kursk leiteten die Wende ein. Der Krieg endete mit der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht am 8./9. Mai 1945. In der Sowjetunion starben zwischen 24 und 40 Millionen Menschen; in Russland wird der 9. Mai als Tag des Sieges begangen.

Seit den 1980er Jahren verschärfte sich die Wirtschaftskrise. Michail Gorbatschow leitete ab 1985 Perestroika und Glasnost ein, konnte den politischen Zerfall aber nicht aufhalten. Nach einem gescheiterten Putsch im August 1991 erklärten die Sowjetrepubliken ihre Unabhängigkeit. Am 8. Dezember 1991 beschlossen Russland, die Ukraine und Belarus die Auflösung der Sowjetunion.

Russische Föderation und Krieg gegen die Ukraine

Nach 1991 gründete Russland mit Belarus und der Ukraine die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten. Die wirtschaftliche Transformation war von einem tiefen Einbruch, Inflation, sozialer Polarisierung und der Entstehung einer kleinen Gruppe von Oligarchen geprägt. 1992 erhielten die Föderationssubjekte durch den Föderationsvertrag weitreichende Vollmachten. Die Verfassungskrise von 1993 endete mit einer neuen Verfassung, die dem Präsidenten eine besonders starke Stellung gab. Die 1990er Jahre waren außerdem durch die wirtschaftliche „Schocktherapie“, den Rubelsturz 1994, den Ersten Tschetschenienkrieg und die Finanzkrise von 1998 geprägt.

Boris Jelzin trat Ende 1999 zurück; Wladimir Putin wurde am 26. März 2000 als Präsident bestätigt. Die Zentralmacht in Moskau wurde wieder gestärkt. Die im Artikel als zunächst „defekte Demokratie“ bezeichnete Ordnung entwickelte sich zu einer „gelenkten Demokratie“. Proteste, regionale Autonomiebestrebungen und oppositionelle Bewegungen wurden zunehmend eingeschränkt. Außenpolitisch gewann Russland unter Putin wieder Gewicht, entfernte sich aber zunehmend vom Westen. 2008 führte der Konflikt mit Georgien zum Kaukasuskrieg.

2013/14 begann eine wirtschaftliche Stagnation. Am 20. Februar 2014 setzte Russland in der Ukraine einen nur halb verdeckten Militäreinsatz in Gang und annektierte die Krim; die völkerrechtliche Legitimität dieser Schritte ist außerhalb Russlands, aber auch in Russland selbst, umstritten. 2014 begann außerdem ein von Russland angestoßener Hybridkrieg in der östlichen Ukraine. Am 24. Februar 2022 begann der großangelegte russische Überfall auf die Ukraine. Die russische Annexion von Gebieten in der Süd- und Ostukraine wurde von 143 Staaten verurteilt. Laut einer im Artikel genannten Umfrage stimmten rund 58 Prozent der Befragten dem Krieg klar oder mäßig zu, 23 Prozent lehnten ihn klar ab.

In Russland kam es wiederholt zu Protesten, unter anderem gegen Rentenreformen, den Ausschluss von Kandidaten bei Wahlen, die Festnahme Alexei Nawalnys und die politische Führung. Am 23. Juni 2023 begann der Aufstand der Gruppe Wagner. Sie besetzte am 24. Juni militärische Einrichtungen in Rostow am Don und rückte bis etwa 200 Kilometer vor Moskau vor, stoppte dann aber. Am 23. August 2023 starben beim Absturz des Privatflugzeugs von Jewgeni Prigoschin alle zehn Menschen an Bord.

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