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Rheine
Rheine ist eine große kreisangehörige Stadt in Westfalen an der Ems und mit 77.552 Einwohnern (Stand: 31. Dezember 2025) die größte Stadt im Kreis Steinfurt …
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Überblick, Lage und Naturraum
Rheine ist eine große kreisangehörige Stadt in Westfalen an der Ems. Mit 77.552 Einwohnern (31. Dezember 2025) ist sie die größte Stadt im Kreis Steinfurt und nach Münster die zweitgrößte Stadt im Münsterland. Sie gehört zu Nordrhein-Westfalen, zum Regierungsbezirk Münster und liegt 35 m ü. NHN auf 145 km². Bürgermeister ist seit 2015 der parteilose Peter Lüttmann.
Die Stadt liegt an der nördlichen Grenze der Westfälischen Tieflandbucht, grenzt im Norden an Niedersachsen und wird von Süden nach Norden von der Ems durchflossen. Münster liegt etwa 40 km südöstlich, Osnabrück 45 km östlich und Enschede 40 km westlich. Nachbargemeinden sind Salzbergen und Spelle im Norden, Hörstel im Osten, Emsdetten im Süden sowie Neuenkirchen im Westen.
Die Ems durchbricht bei Rheine die Höhenzüge Stadtberg und Thieberg an einer tektonischen Schwachstelle. Dort gab es eine seichte, felsige Furt, die wahrscheinlich schon früh als Übergang genutzt wurde. Der Waldhügel ist mit 90 m ü. NN die höchste Erhebung des Stadtgebiets. Die Emsaue mit Altarmen, Ufergehölzen, Röhrichten und Feuchtwiesen ist wichtig für den Biotopverbund. Das Klima ist vom Atlantik beeinflusst: Die mittlere Jahrestemperatur beträgt etwa 9 °C, der Jahresniederschlag 700 bis 900 mm; typisch sind kühle Sommer und milde Winter.
Siedlung, Stadtgründung und Entwicklung bis 1800
Der Raum Rheine war spätestens seit der mittleren Jungsteinzeit um 3200 v. Chr. besiedelt. Funde belegen weitere Besiedlungen von 600 bis 500 v. Chr. Zwei frühe Fernwege kreuzten sich hier: der Hellweg vor dem Sandforde und die Friesische Straße zwischen Emden und Münster. Seit dem 5. Jahrhundert siedelten östlich der Ems sächsische Stämme; die fränkische Kolonisation des linken Emsufers begann gegen Ende des 8. und zu Beginn des 9. Jahrhunderts.
Im Zuge der Sachsenkriege ließ Karl der Große zur Sicherung der Emsfurt vermutlich das befestigte Königsgut Villa Reni anlegen. Es gilt als Keimzelle Rheines; eine Villa war damals ein mittelalterlicher Gutshof mit einer Wirtschaftsstruktur ähnlich einem kleinen Dorf. Neben dem Hof entstand eine dem heiligen Dionysius geweihte Kirche. Der Gutshof wurde am 7. Juni 838 in einer Schenkungsurkunde Kaiser Ludwigs des Frommen erstmals erwähnt: Reni samt Kirche, Hörigen und Zinspflichtigen wurde dem Benediktinerinnenstift Herford übertragen. Der Name Rheine geht auf Reni beziehungsweise Rene zurück.
Im 11. Jahrhundert nahm die Bevölkerung zu; 1126 und 1156 erscheint Rheine als pagus Rene, also als Bezirk mit festen dörflichen Strukturen. Am 15. August 1327 verlieh Bischof Ludwig II. von Hessen dem befestigten Ort Stadtrechte und übertrug der Stadt die Hälfte der Gerichtseinnahmen für die weitere Befestigung. Dies geschah entgegen den alten Besitzansprüchen der Abtei Herford. Der Bischof erwarb 1345 und 1351 auch die beiden Hälften des Gogerichts und festigte damit seine Herrschaft. Rheine blieb bis zur Auflösung des Hochstifts Münster 1802 bischöfliche Stiftsstadt.
Nach der Stadtgründung entstanden Rat, Bürgermeister und Gilden; die Schneidergilde ist 1366 belegt. Eine hölzerne Emsbrücke, erstmals 1362 erwähnt, lenkte Handel durch die Stadt und brachte Zolleinnahmen. Um 1400 begann der Bau der spätgotischen Stadtkirche St. Dionysius; er dauerte etwa 120 Jahre und war spätestens 1520 mit dem Turm vollendet. Das Kloster Bentlage wurde 1437 dem Kreuzherrenorden zur Gründung überlassen und 1803 säkularisiert.
Kriege belasteten die Stadt wiederholt. Nach der Münsterischen Stiftsfehde überfielen Truppen aus Steinfurt Rheine 1457, hielten es bis Mai 1458 besetzt und erpressten 2.000 Gulden Lösegeld. Im Achtzigjährigen Krieg besetzten spanische Truppen die Stadt 1598 bis Ostern 1599. Ein zwölfjähriger Waffenstillstand zwischen Spanien und den Niederlanden begann 1609, doch 1618 folgte der Dreißigjährige Krieg.
Reformation, Dreißigjähriger Krieg und neuere Geschichte
Rheine blieb zunächst katholisch, doch im späten 16. Jahrhundert gewann der Protestantismus in Bürgerschaft und Führungsschicht an Einfluss. Die Gegenreformation setzte sich erst 1623 militärisch durch. Weil Rheine die Einquartierung katholischer Truppen verweigert hatte, belagerte Graf von Anholt die Stadt ab dem 20. Februar 1623. Nach 145 Kanonenkugeln ergab sie sich am selben Tag. Es wurden 600 statt der geforderten 200 Soldaten einquartiert; die Kosten betrugen wöchentlich 400 Taler. Pest und Ruhr verschärften die Not.
Der Fürstbischof setzte danach einen rein katholischen Rat ein, entzog der Stadt Rechte und Einkünfte und verhängte zunächst 25.000, später 5.000 Taler Strafe. Am 25. Mai 1625 verließen 27 protestantische Familien Rheine. Viele frühere Privilegien erhielt die Stadt 1632 zurück, doch der Bischof behielt ein Vetorecht.
Hessische Truppen besetzten Rheine vom 4. September 1633 bis 25. Januar 1635. Die Stadt bezifferte Kosten und geraubtes Gut für diesen Zeitraum auf 69.796 Taler. Bischöfliche Truppen eroberten die Stadt zurück, nachdem sie über vereiste Gräben und unbewachte Mauern eingedrungen waren. 1647 griffen schwedisch-hessische Truppen unter General Königsmarck Rheine an: Durch Beschuss mit glühenden Kugeln wurden am 21. September 339 und am 19. Oktober weitere 26 Häuser zerstört; fast die gesamte Stadt lag in Trümmern. Die Gesamtausgaben während des Krieges einschließlich der Zerstörung von 1647 bezifferte ein Ratsprotokoll 1655 auf 645.625 Reichstaler, sieben Schillinge und zwei Pfennig. Der Wiederaufbau dauerte nahezu ein Jahrhundert.
1844 begann mit der ersten mechanischen Textilfabrik im Münsterland die Industrialisierung; die Textilindustrie wurde zum wichtigsten Wirtschaftsfaktor. Die Eisenbahn erreichte 1855 Osnabrück und 1856 Emden, der Dortmund-Ems-Kanal wurde 1899 fertig. 1927 wurde das Stadtgebiet durch Eingemeindungen verdreifacht. Bei der Gebietsreform vom 1. Januar 1975 schlossen sich Elte, Mesum, Rheine links der Ems und Rheine rechts der Ems mit Rheine zusammen.
In der NS-Zeit wurde die Synagoge in der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 angezündet. 59 Juden aus Rheine wurden Opfer der Judenvernichtung, zwölf überlebten. Im Zweiten Weltkrieg bombardierten die Alliierten die Stadt; am 2. April 1945 eroberten britische Einheiten Rheine. Insgesamt wurden 20 bis 30 Prozent der Stadt zerstört. Nach 1945 lag Rheine in der britischen Besatzungszone und wurde 1946 Nordrhein-Westfalen zugeordnet.
Bevölkerung, Politik und Stadtgliederung
Das Wachstum Rheines beschleunigte sich mit der Industrialisierung: 1840 lebten dort 2.380 Menschen, 1925 17.837. Die Eingemeindung von 1927 erhöhte die Einwohnerzahl statistisch um etwa 10.000. Durch die Reform von 1975 stieg sie von 50.558 im Jahr 1974 auf 71.900. Im Januar 2020 erreichte Rheine erstmals 80.000 Einwohner. Die im Artikel genannte aktuelle Zahl beträgt dagegen 77.552 zum 31. Dezember 2025.
Eine einheitliche Stadtteilgliederung gibt es nicht. Stadtteile sind keine Verwaltungseinheiten; je nach Zweck werden 13 Stadtteile oder Stadtbezirke, 18 statistische Bezirke, 19 Ortslagen oder insgesamt 21 Stadtteile unterschieden. Zu den wichtigen Bereichen gehören Innenstadt, Bentlage, Wadelheim, Dutum, Altenrheine, Eschendorf, Gellendorf, Rodde, Mesum, Elte, Hauenhorst, Schotthock und Dorenkamp. Es gibt 22 Wahlbezirke und elf beratende Stadtteilbeiräte.
Der Stadtrat wurde bei der Kommunalwahl am 13. September 2020 gewählt; die Wahlbeteiligung betrug 48,52 %. Von 48 Sitzen entfielen 23 auf die CDU, 10 auf die SPD, 7 auf die Grünen, 3 auf die FDP, je 2 auf Linke und UWG Rheine sowie 1 auf UWG BfR. Das Stadtwappen zeigt in Gold einen roten Balken mit drei sechsstrahligen, auf eine Spitze gestellten goldenen Sternen. Die Sterne stehen für den Stadtpatron Dionysius sowie Rusticus und Eleutherius. Städtepartnerschaften bestehen mit Borne seit 1983, Bernburg (Saale) seit 1990 sowie Leiria und Trakai seit 1996.
Kultur, Bildung und Freizeit
Rheine liegt im niederdeutschen Kulturraum. Münsterländer Platt ist ein westfälischer Dialekt des Westniederdeutschen. Bis zum Zweiten Weltkrieg lernten viele Kinder ihn als erste Sprache; heute überwiegt Hochdeutsch, während der Dialekt vor allem von älteren Einheimischen gesprochen wird und stark vom Aussterben bedroht ist.
Wichtige Kulturorte liegen im Bentlager Wald: Kloster/Schloss Bentlage, Saline Gottesgabe und Naturzoo Rheine. Das ehemalige Kloster dient als Museum, Westfälische Galerie und Veranstaltungsort. Zwei spätmittelalterliche Reliquienschreine gelten wegen ihres Erhaltungszustands als einmalig im deutschsprachigen Raum. Die Saline Gottesgabe war seit 1022 Ort der Salzgewinnung; die Gewinnung endete 1952, der Kurbetrieb 1975. Das Gradierwerk wurde im 18. Jahrhundert auf fast 300 m ausgebaut und ist das älteste Bauwerk dieser Art in Westfalen. Der Falkenhof aus dem 9. Jahrhundert ist Stadtmuseum mit Bereichen zur Stadtgeschichte, Grafik und Kasimir-Hagen-Sammlung. St. Antonius besitzt mit 102,5 m den höchsten Kirchturm des Münsterlandes.
Der Naturzoo wurde 1936 gegründet und 1937 eröffnet. 1974 entstand dort Deutschlands erster begehbarer Affenwald. Genannt werden etwa 1.000 Tiere aus 100 Arten im Jahr 2006; der Zoo betreibt das weltweit größte Zuchtprogramm für Blutbrustpaviane. Sportlich stehen FC Eintracht Rheine, die Unterwasserrugby-Mannschaft des SV Rheine in der 1. Bundesliga West sowie zahlreiche weitere Vereine im Mittelpunkt. Der Emsauenweg ist 115 km lang und führt von Warendorf nach Rheine.
Das Schulangebot umfasst 14 Grundschulen, zwei Sekundarschulen, zwei Realschulen, eine Gesamtschule, drei reguläre Gymnasien, ein Abendgymnasium und Förderschulen. Berufliche Abschlüsse bieten mehrere Berufskollegs. Die EUFH – Hochschule für Gesundheit, Soziales und Pädagogik bietet Studiengänge im Sozial- und Gesundheitswesen. Die Volkshochschule und die mit ihr fusionierte Städtische Musikschule ergänzen die Weiterbildung; die Musikschule hat 2.500 Schüler.
Wirtschaft, Versorgung und Verkehr
2011 gab es in Rheine 25.233 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte. Davon arbeiteten 0,2 % in Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei, 21,6 % im produzierenden Gewerbe, 28,9 % in Handel, Gastgewerbe, Verkehr und Lagerei und 49,9 % in sonstigen Dienstleistungen. Im Januar 2013 lag die Arbeitslosenquote bei 5,8 % beziehungsweise 3.573 Menschen. Zu den genannten Unternehmen gehören Apetito AG, KTR Kupplungstechnik GmbH, Windhoff Bahn- und Anlagentechnik und die Hardy-Schmitz-Gruppe. Das Transferzentrum für angepasste Technologien (TaT) entwickelt und erprobt nachhaltige Technologien.
Rheine erhielt 2011 gemeinsam mit Greven die Auszeichnung „Logistikstandort des Jahres in NRW“. Das Güterverkehrszentrum liegt an der A 30 und besitzt eine Umschlaganlage für kombinierten Ladungsverkehr. Das Klinikum Rheine verfügt über 594 Planbetten in 16 Hauptabteilungen und einer Belegabteilung; jährlich werden in Mathias-Spital und Jakobi-Krankenhaus etwa 27.000 Patienten stationär behandelt.
Straßenseitig liegt Rheine an der A 30 sowie an den Bundesstraßen 70 und 481. Der Bahnhof ist ein bedeutender Knoten mit Fernverkehr nach Norddeich Mole, Münster, Köln, Koblenz, Amsterdam, Osnabrück, Hannover und Berlin sowie mehreren Regionalverbindungen. Das Stadtbussystem umfasst zwölf Linien C1 bis C12, die am Bustreff beim Bahnhof beginnen. Der Flughafen Münster/Osnabrück ist etwa 25 km entfernt. Über den Dortmund-Ems-Kanal ist Rheine für Transportschiffe erreichbar; die Ems selbst eignet sich dort nur für leichte Personenschifffahrt. Amtsgericht und Arbeitsgericht haben ihren Sitz in Rheine.