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Franken (Volk)

Fränkische Krieger dienten dem Kaiser im 4. und 5. Jahrhundert als foederati, bevor sie im Übergang von der Spätantike ins Frühmittelalter das bedeutendste …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundlagen und Bedeutung
  2. 2. Entstehung und Verhältnis zu Rom
  3. 3. Teilgruppen und Einigung
  4. 4. Gesellschaft, Recht und Herrschaft
  5. 5. Alltag, Religion und Sprache
  6. 6. Merowinger, Karolinger und Teilung

Grundlagen und Bedeutung

Die Franken waren Rhein-Weser-Germanen, die sich ab dem 3. Jahrhundert aus mehreren kleineren Stämmen und Gruppen zu einem größeren Verband entwickelten. Ihr Name wird in lateinischen Quellen als Franci überliefert. Die erste zeitgenössische Erwähnung stammt aus dem Jahr 291 in einem Panegyricus auf die Kaiser Diokletian und Maximian; Aurelius Victor berichtete um 360/61, fränkische Gruppen hätten bereits Ende der 250er Jahre Gallien verwüstet.

Die Franken wurden wichtig, weil aus ihren Teilverbänden im Übergang von der Spätantike zum Frühmittelalter das bedeutendste germanisch-romanische Nachfolgereich im Westen entstand. Fränkische Krieger dienten im 4. und 5. Jahrhundert im römischen Heer, unter anderem als foederati, also als vertraglich gebundene Bündnistruppen. Um 500 vereinigte der Merowinger Chlodwig I. die Salfranken und Rheinfranken. Daraus entstand das Fränkische Reich, das unter Karl dem Großen seine größte Ausdehnung erreichte.

Die Franken vermischten sich mit den ortsansässigen Bevölkerungen. Im Westen setzte sich die galloromanische Volkssprache durch, im Osten die fränkische Sprache; bis zum 9. Jahrhundert bildete sich dazwischen eine Sprachgrenze. Aus dem Westfrankenreich entstand später Frankreich, aus dem Ostfrankenreich entwickelte sich das Heilige Römische Reich.

Entstehung und Verhältnis zu Rom

Der Niedergermanische Limes bildete zur römischen Kaiserzeit die Grenze zwischen der linksrheinischen Provinz Germania inferior und der rechtsrheinischen Germania magna. In diesem Grenzraum gab es römische Kastelle, Städte, Landgüter und Siedlungen, aber auch germanische Dörfer. Germanische Gruppen waren mit römischer Kultur, Verwaltung und Militärtechnik vertraut; viele standen in römischen Diensten.

In der Reichskrise des 3. Jahrhunderts nutzten Franken, Alamannen und Sachsen die Schwäche des Imperium Romanum für Plünderungszüge. Die ersten bekannten fränkischen Vorstöße auf römisches Gebiet werden für 257/59 genannt. Zugleich ist die fränkische Entstehung nicht als plötzliches Ereignis zu verstehen: Aus losen Allianzen für Angriff und Verteidigung bildete sich allmählich ein Stammesbund und später ein Volk. In der Forschung wird betont, dass auch Rom diesen Zusammenschluss anfangs gefördert haben könnte, um das Limesvorland besser zu kontrollieren.

Die Grenze zwischen römischem Reich und fränkischen Gebieten war durchlässig. Im 4. Jahrhundert gab es intensiven wirtschaftlichen und sozialen Austausch. Fränkische Adlige stiegen im römischen Heer auf, etwa Bonitus, Silvanus, Malarich, Mallobaudes, Merobaudes, Richomer, Bauto und Arbogast. Ende des 4. Jahrhunderts erreichten einige Franken als magistri militum, also Heermeister, Spitzenpositionen der römischen Macht.

Teilgruppen und Einigung

In der Frühzeit werden vor allem Salfranken oder Salier und Rheinfranken unterschieden. Die Salfranken entwickelten sich aus Gruppen vom unteren Niederrhein bis zum Salland an der IJssel. Sie breiteten sich über Toxandrien nach Gallien aus und wurden der wichtigste Träger der fränkischen Expansion; aus ihnen ging das Herrscherhaus der Merowinger hervor. Die Rheinfranken siedelten mit Schwerpunkt im Raum Köln, am Mittelrhein, an Mosel und Lahn; aus ihnen gingen auch die Moselfranken hervor.

Zum fränkischen Verband gehörten oder wurden später einbezogen verschiedene Gruppen, darunter Chattuarier, Chamaver, Tubanten, Sugambrer, Brukterer, Tenkterer, Usipeter sowie Teile von Ampsivariern und Chauken. Andere Gruppen wie Bataver und Ubier waren bereits stark romanisiert und gingen später in fränkischen Gruppen auf. In galloromanischen Gebieten verlief die Entwicklung teilweise umgekehrt: Dort verschmolzen Franken später mit der romanischen Mehrheitsbevölkerung.

Bei den Salfranken spielten Könige wie Chlodio, Merowech, Childerich I. und Chlodwig I. eine zentrale Rolle. Childerich I. errichtete in den 460er und 470er Jahren eine Machtstellung in Nordgallien. Chlodwig I. besiegte 486/487 Syagrius, den letzten römischen Herrscher in Gallien, und ließ sich um 497 oder nach anderer Auffassung erst am Ende seiner Regierungszeit katholisch taufen. Nach dem Sieg gegen die Alamannen in der Schlacht von Zülpich 496 soll er mit 3000 Gefolgsleuten zum Christentum übergetreten sein.

Die Rheinfranken hatten eigene Kleinkönige. Der wichtigste war Sigibert von Köln, genannt „der Lahme“, der 496 gemeinsam mit Chlodwig gegen die Alamannen kämpfte. 509 ließ Chlodwig nach der Darstellung der Quellen Sigibert durch dessen Sohn Chloderich beseitigen und ließ anschließend auch Chloderich töten. Danach wurde Chlodwig von den Rheinfranken zum König erhoben. Damit waren Salfranken und Rheinfranken erstmals unter einem Herrscher vereinigt.

Gesellschaft, Recht und Herrschaft

Nach Chlodwig I. waren Frankenreich und Frankenland nicht mehr dasselbe: Das Reich umfasste auch viele nichtfränkische Gebiete und Bevölkerungen. Die Franken bewahrten dennoch eigene sprachliche, kulturelle und rechtliche Traditionen. Zwischen 507 und 511 ließ Chlodwig die Lex Salica niederschreiben, das Recht der Salfranken. Die Lex Ripuaria entstand im 7. Jahrhundert im rheinfränkischen Raum unter König Dagobert I. Beide Rechtsaufzeichnungen regelten das Zusammenleben, unterschieden aber zwischen Franken, Römern, Galloromanen und anderen Gruppen.

An der Spitze stand der König, der Rex Francorum. Seine Herrschaftszeichen waren Speer, Stirnreif und Siegelring; durch den Untertaneneid huldigte ihm das Volk. Zum Adel gehörten Herzöge und Grafen, das militärische Gefolge hieß Leudes. Die königliche Gefolgschaft der Antrustionen bestand ursprünglich nur aus Franken. In Verwaltung und Kirche spielten zugleich gallorömische Eliten weiterhin eine wichtige Rolle, weil sie über Bildung und Verwaltungserfahrung verfügten.

Die Bevölkerung war in Stände gegliedert: Freie, Freigelassene, Halbfreie, Leibeigene beziehungsweise Unfreie, freie Römer und römische Leibeigene. Ein zentrales Rechtsmittel war das Wergeld, ein Sühnegeld zur Eindämmung von Blutrache. Für einen freien Franken waren 200 solidi fällig, für einen halbfreien Franken 100 solidi, für einen freien Römer 100 solidi, für berittene fränkische Gefolgsleute des Königs 600 solidi, für einen Priester 600 solidi und für einen Bischof 900 solidi. Da Münzen in der allgemeinen Bevölkerung selten waren, wurde Wergeld oft in Naturalien, Vieh oder Land umgerechnet.

Alltag, Religion und Sprache

Die frühen Franken lebten meist auf verstreuten Höfen, daneben gab es Weiler und dörfliche Siedlungen, besonders an Flüssen und Waldlichtungen. Holz war das wichtigste Baumaterial. Man unterscheidet ebenerdige Pfostenbauten und eingetiefte Grubenhäuser. Die Landwirtschaft war die wichtigste Existenzgrundlage. Angebaut wurden unter anderem Weizen, Gerste, Roggen, Hafer, Erbsen, Linsen, Ackerbohnen, Hanf und Flachs; außerdem spielten Viehzucht, Schweinehaltung, Geflügel, Bienenhaltung, Fischfang und in geeigneten Gebieten Weinbau eine Rolle.

Vor der Christianisierung pflegten die Franken germanische Kulte. Es gab heilige Orte in Wäldern und Auen, Tieropfer und in Überlieferungen auch Menschenopfer. Obwohl Chlodwig I. um 497 getauft wurde, hielten sich ältere Vorstellungen lange. Die Taufe Chlodwigs war dennoch entscheidend, weil sich die Franken damit dem katholischen Glauben der galloromanischen Mehrheitsbevölkerung annäherten. Die Kirche wurde im Frankenreich gefestigt und in das fränkische Staatswesen eingebunden.

Die altfränkische Sprache war keine moderne Einheitssprache, sondern ein Bündel spätgermanischer Varietäten rhein-weser-germanischer Herkunft. Sie ist nicht direkt überliefert, sondern wird aus dem Alt- und Mittelniederländischen sowie aus germanischen Lehnwörtern im Altfranzösischen teilweise rekonstruiert. Die Runeninschrift von Bergakker aus der Mitte des 5. Jahrhunderts gilt als einzige erhaltene spätgermanische Textquelle aus dem ehemaligen Siedlungsgebiet der Franken; ihre Deutung und genaue Einordnung sind aber umstritten. In den Niederlanden und Flandern entwickelte sich das Altfränkische im 6. Jahrhundert zum Altniederländischen. Im Westen wurden fränkische Sprecher bis spätestens 900 weitgehend romanisiert; im Osten wirkten fränkische Mundarten weiter.

Merowinger, Karolinger und Teilung

Die Vereinigung unter Chlodwig I. stärkte ein gemeinsames fränkisches Volksbewusstsein. Zugleich begann durch Christianisierung, Mischehen und kulturelle Verschmelzung ein langfristiger Wandel. Im Westen gingen viele Franken sprachlich in der galloromanischen Bevölkerung auf, während im deutsch-niederländischen Sprachraum fränkische Sprache und Kultur stärker fortbestanden.

Unter den Merowingern kam es immer wieder zu Machtkämpfen und Reichsteilungen. Im 7. Jahrhundert verloren sie zunehmend Macht an die Hausmeier. Dagobert I. (629–639) gilt in der traditionellen Forschung als letzter Merowinger, der noch eigenständig herrschte. Danach wurden die Pippiniden beziehungsweise frühen Karolinger faktisch bestimmend. Karl Martell unterwarf Alamannen und Thüringer der Herrschaft der Hausmeier, brachte Bayern in Abhängigkeit vom Frankenreich und besiegte 732 die Araber.

751 wurde der letzte merowingische Schattenkönig Childerich III. abgesetzt, und Pippin wurde König der Franken. Sein Sohn Karl der Große übernahm später die Macht, wurde im Dezember 800 zum Kaiser gekrönt und erneuerte damit das westliche Kaisertum. Unter ihm erreichte das Frankenreich seine größte Ausdehnung und wurde ein Vielvölkerreich.

Der Zerfall der sprachlichen Einheit wurde bei den Straßburger Eiden vom 14. Februar 842 deutlich: Karl der Kahle und Ludwig der Deutsche leisteten ihre Eide in zwei unterschiedlichen Volkssprachen, weil die Gefolgsleute die jeweils andere Sprache nicht mehr verstanden. Der Vertrag von Verdun 843 besiegelte die Reichsteilung. Im Westen dominierte die aus der Verschmelzung entstandene galloromanische beziehungsweise altfranzösische Sprache, im Osten bestanden fränkische Mundarten fort.

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