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Rhein-Main-Gebiet
Kern der Metropolregion ist der städtische Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main. Insgesamt hat das Rhein-Main-Gebiet rund 6,2 Millionen Einwohner, von denen etwa 2 …
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Kern und räumliche Abgrenzung
Das Rhein-Main-Gebiet, auch Metropolregion FrankfurtRheinMain oder Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main, ist eine der elf von der deutschen Ministerkonferenz für Raumordnung definierten Metropolregionen Deutschlands. Es liegt im Süden Hessens sowie in angrenzenden Teilen von Rheinland-Pfalz, besonders Rheinhessen, und Bayern, besonders Unterfranken. Benannt ist es nach Rhein und Main. Der funktionale und geografische Mittelpunkt ist Frankfurt am Main; der Kern ist der polyzentrische Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main.
Zur großzügigen IHK-Abgrenzung gehören 18 Landkreise und 8 kreisfreie Städte in Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern. Die Fläche beträgt 14.755 km². Für den 31. Dezember 2021 nennt die Übersicht 5.821.724 Einwohner und eine Bevölkerungsdichte von 395 Einwohnern pro km². Andere Angaben im Artikel weichen ab: Insgesamt ist auch von rund 6,2 Millionen Einwohnern die Rede, davon etwa 2,4 Millionen im Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main. Die Tabelle mit Stand 31. Dezember 2025 nennt 5.727.453 Einwohner und 392 Einwohner pro km². Die Region erstreckt sich 156 km in Nord-Süd- und 168 km in West-Ost-Richtung; ihre Lage wird mit 49° 23′–50° 50′ nördlicher Breite und 07° 44′–10° 05′ östlicher Länge angegeben.
Je nach Zweck wird die Region unterschiedlich abgegrenzt. Der Lahn-Dill-Kreis gehört historisch zum Rhein-Main-Gebiet, ist aber nicht Teil der europäischen Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main. Der Landkreis Bergstraße und Worms liegen im Überschneidungsbereich mit der Metropolregion Rhein-Neckar. Eine auf Pendlerverflechtungen beruhende Abgrenzung umfasst etwa 4,9 Millionen Einwohner auf ungefähr 11.000 km². Sie schließt unter anderem den Regierungsbezirk Darmstadt, Limburg-Weilburg, Aschaffenburg und Miltenberg sowie Mainz-Bingen, Worms und Alzey-Worms ein. Die Erweiterung nach Norden um den IHK-Bezirk Gießen-Friedberg ist wissenschaftlich umstritten, weil nur wenige Verflechtungen mit dem Kern nachweisbar seien.
Städte, Stadtregionen und Verkehr
Die wichtigsten Städte sind Frankfurt am Main, Wiesbaden, Mainz und Darmstadt. Weitere Oberzentren sind Hanau, Offenbach am Main, Fulda und Aschaffenburg. Teilfunktionen eines Oberzentrums übernehmen Friedberg/Bad Nauheim, Rüsselsheim am Main, Worms und Limburg an der Lahn, letzteres gemeinsam mit dem außerhalb der Metropolregion gelegenen Diez. Gießen wird zusammen mit Wetzlar und Marburg in deren näherem Umfeld einbezogen. Bad Homburg vor der Höhe hat mehr als 50.000 Einwohner; im Frankfurter Umland liegen außerdem zehn Städte mit mehr als 35.000 Einwohnern. Ein weiteres Verdichtungsgebiet bilden Bensheim und Heppenheim an der Bergstraße mit zusammen fast 70.000 Einwohnern.
Die EU und die OECD verwenden für statistische Zwecke das Konzept der Functional Urban Area, also einer funktionalen Stadtregion, deren Gebiet sich an tatsächlichen städtischen Verflechtungen orientiert. Die Stadtregion DE005C Frankfurt am Main wird seit 2004 im Urban Audit genutzt. Sie umfasst unter anderem Frankfurt, Offenbach, den Main-Taunus-Kreis, den Hochtaunuskreis, den Wetteraukreis, den Main-Kinzig-Kreis, den Landkreis Offenbach und den Landkreis Groß-Gerau. Diese Region hat 4.305 km² und 2.635.081 Einwohner (31. Dezember 2025). Zur Metropolregion gehören außerdem die Stadtregionen DE020C Wiesbaden mit 462.098, DE025C Darmstadt mit 439.084 und DE037C Mainz mit 403.849 Einwohnern.
Der Regionalverband FrankfurtRheinMain definiert nach dem Gesetz über die Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main des Hessischen Landtags vom 11. März 2011 einen engeren Ballungsraum. Ihm gehören Frankfurt und Offenbach, sämtliche Kommunen des Hochtaunuskreises, Main-Taunus-Kreises und Landkreises Offenbach sowie ausgewählte Kommunen in den Kreisen Main-Kinzig, Wetterau und Groß-Gerau an. Am 1. April 2021 kamen Nidda sowie Echzell, Glauburg, Limeshain und Ranstadt freiwillig hinzu. Das Verbandsgebiet umfasst etwa 2,47 Millionen Einwohner auf 2.673,7 km².
Das S-Bahn-Netz reicht von Wiesbaden und Mainz bis Hanau sowie von Friedberg bis Darmstadt und Riedstadt. In diesem Gebiet leben 3,4 Millionen Menschen auf 5.500 km². Der Einzugsbereich des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) ist noch größer und umfasst unter anderem Odenwald, Südpfalz, Rhön, Taunus, Westerwald, Marburg/Gießen/Wetzlar und die Kurpfalz. Täglich kommen etwa 350.000 Pendler in den Frankfurter Raum; der RMV ist deshalb der drittgrößte deutsche Verkehrsverbund.
Wirtschaft und Bedeutung als Verkehrszentrum
Die zentrale Lage in Südwestdeutschland und die günstige Verkehrsanbindung förderten bereits Mitte des 19. Jahrhunderts die Industrialisierung. Heute arbeiten in der Region etwa 1,8 Millionen Menschen. FrankfurtRheinMain erwirtschaftet 7,9 % der deutschen Bruttowertschöpfung; der hessische Teil erzielt 78 % des hessischen Bruttoinlandsprodukts. Damit zählt die Region nach europäischen Maßstäben zu den bedeutenden Metropolregionen Deutschlands.
Frankfurt ist vor allem ein Zentrum von Banken, Investmentgesellschaften und der Europäischen Zentralbank. Die chemische Industrie ist besonders im Industriepark Höchst vertreten. Im weiteren Umland haben sich vielfältige Dienstleistungen und Unternehmen der Automobilindustrie angesiedelt; viele besitzen Europa- oder Deutschlandzentralen sowie Forschungs- und Designzentren. Die Bau- und Immobilienwirtschaft trägt 18 % zur regionalen Bruttowertschöpfung bei. Darmstadt und Wiesbaden sind unter anderem Wissenschaftsstandorte sowie Sitze von Bundesbehörden und Versicherungsunternehmen. 2024 verzeichnete das Rhein-Main-Gebiet „gut die Hälfte der deutschen Großrechenzentren“.
Für Logistik und Erreichbarkeit sind der Flughafen Frankfurt Main sowie das Autobahn- und Eisenbahnnetz entscheidend. Das Frankfurter Kreuz und der Frankfurter Hauptbahnhof gelten jeweils als die verkehrsreichsten in Europa. Wichtige Fernverkehrsbahnhöfe sind außerdem Mainz Hauptbahnhof, Frankfurt Süd und der Frankfurter Flughafen-Fernbahnhof. Viele internationale Ziele sind vom Frankfurter Flughafen direkt erreichbar. Für 2026 wurde die Metropolregion FrankfurtRheinMain von der World Design Organization zur World Design Capital nominiert.
Landschaft und Naturraum
Die Region wird durch den Gegensatz zwischen den Flussebenen von Rhein und Main und den umgebenden Mittelgebirgen geprägt. Die Untermainebene ist der nördliche Ausläufer der Oberrheinischen Tiefebene, die ungefähr von Basel bis Frankfurt reicht. Der Mittelrhein durchbricht das Rheinische Schiefergebirge in einem engen, teilweise schluchtartigen Tal.
Wichtige Flüsse sind neben Rhein und Main die Nidda, Kinzig und Nahe; am Nordrand liegt außerdem die Lahn. Fünf Mittelgebirge begrenzen die Region: Taunus, Vogelsberg, Spessart, Odenwald und Hunsrück. Der Südhang des Taunus, der Rheingau, und der Westhang des Odenwalds, die Bergstraße, gehören klimatisch zu den mildesten Gegenden Deutschlands.
Weinbau findet im Rheingau, in Rheinhessen, an der hessischen Bergstraße und im unterfränkischen Maintal statt. Die Wetterau besitzt besonders ertragreiche Böden. Im dicht besiedelten Kernraum um Frankfurt dienen Freiflächen dagegen überwiegend der Naherholung. Typisch sind Streuobstwiesen, deren Erträge meist zur Herstellung von Frankfurter Apfelwein verwendet werden. Im hessischen Ried am Rhein liegt das große Naturschutzgebiet Kühkopf.
Historische Entwicklung und ungelöste Regionalfrage
Eine Besonderheit des Rhein-Main-Gebiets ist, dass es nie eine einheitliche territoriale Einheit bildete. Die jahrhundertelange Kleinstaaterei trug zur kulturellen Vielfalt bei, erschwerte aber im Vergleich zu anderen Metropolregionen Kooperation und Koordination.
In der römischen Zeit lag die Region an der Grenze des Imperiums. Mainz, damals Mogontiacum, war Hauptstadt der Provinz Obergermanien. Der Limes verlief über den Taunuskamm und durch die Wetterau. Römische Kastelle bestanden unter anderem in Hofheim, Höchst, Frankfurt, am Kleinen Feldberg und bei der Saalburg; außerdem gab es die Stadt Nida bei Frankfurt-Heddernheim. Wiesbaden war als Aquae Mattiacorum ein bedeutender Badeort. Seit 343 war Mainz Bischofssitz. Im frühen Mittelalter entstanden fränkische Königshöfe unter anderem in Frankfurt und Ingelheim. Das Kloster Lorsch wurde durch Landschenkungen sehr mächtig, und Handelswege wie die Via Regia stärkten die Region.
Im späten Mittelalter löste Frankfurt Mainz als wichtigste Stadt ab. Frankfurt, Friedberg, Wetzlar und Gelnhausen waren Freie Reichsstädte. Frankfurt gewann durch seine Messe sowie durch die Wahl und später die Krönung römisch-deutscher Könige und Kaiser an Bedeutung. Nach dem Wiener Kongress war das Gebiet ab 1816 auf das Großherzogtum Hessen, Nassau, Kurhessen, Hessen-Homburg, Bayern und die Freie Stadt Frankfurt verteilt. Nach dem Preußisch-Österreichischen Krieg von 1866 annektierte Preußen fast alle diese Territorien, doch die territoriale Zersplitterung blieb bestehen.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts entstand die Idee einer „Region Rhein-Main“. In den 1920er Jahren wurden regionale Kooperation und ein „Rhein-Mainischer Städtekranz“ diskutiert. Die 1925 gegründete Forschungsabteilung „Rhein-Mainische Forschung“ legte 1929 den „Rhein-Mainischen Atlas“ vor, den ersten deutschen Regionalatlas, und grenzte die Region von Kassel und Aschaffenburg bis Koblenz und Saarbrücken ab. Der NS-Gau Hessen-Nassau war eine kurze politische Institutionalisierung. Nach 1945 führte die Gründung Rheinland-Pfalzs und die Abtrennung Rheinhessens von Hessen erneut zu einer administrativen Teilung.
Mit der Suburbanisierung wurde regionale Planung dringlicher. 1975 entstand der Umlandverband Frankfurt (UVF), ein Mehrzweckpflichtverband für 43 Kommunen mit Aufgaben wie Flächennutzungsplanung, Wasser- und Abwasserentsorgung, Abfallentsorgung und regionalen Freizeiteinrichtungen. 2000 ersetzte ihn der Planungsverband Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main. Das Ballungsraumgebiet wurde auf 75 Kommunen erweitert, die Aufgaben wurden im Wesentlichen auf Planung beschränkt. Konzepte wie Regionalkreise oder ein Stadtkreis Frankfurt setzten sich nicht durch; die Region blieb politisch fragmentiert. 2015 wurde ein Staatsvertrag zwischen Hessen, Rheinland-Pfalz und Bayern gefordert. Das seit 18. Januar 2018 bestehende Länderübergreifende Strategieforum FrankfurtRheinMain erarbeitet Empfehlungen, besitzt aber keine Entscheidungsbefugnisse; seit Januar 2024 hat Benedikt Kuhn den Vorsitz.
Religion, Sehenswürdigkeiten und Kultur
Im Ballungsraum gehören viele Menschen keiner der großen christlichen Kirchen an oder anderen Religionsgemeinschaften. Für den 30. August 2020 werden in Mainz 31,1 % katholische und 19,7 % evangelische Mitglieder sowie 49,2 % „Sonstige“ oder Angehörige keiner öffentlich-rechtlichen Religionsgesellschaft genannt. In Wiesbaden waren 21,8 % evangelisch und 19,9 % katholisch; in Frankfurt 20,3 % römisch-katholisch und 16,2 % evangelisch, während 63,5 % konfessionslos waren oder anderen Konfessionen oder Religionen angehörten.
Evangelisch gehört der größte Teil zur Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau. Ausnahmen sind der bayerische Gebietsanteil sowie Bergen-Enkheim und der Main-Kinzig-Kreis, die zur Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck beziehungsweise in Bayern zur Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern gehören. Katholisch teilen sich vier Diözesen die Region: Mainz, Limburg, Fulda und Würzburg. Frankfurt ist kirchlich dreigeteilt.
Zu den bedeutenden Sehenswürdigkeiten zählen in Frankfurt unter anderem Altstadt, Kaiserdom, Römerberg, Paulskirche, Museumsufer, Skyline, Palmengarten, Zoo und Flughafen. Mainz ist besonders durch Dom, Stephanskirche, Gutenberg-Museum, Zitadelle und römische Bauwerke geprägt; Wiesbaden durch Kurhaus, Kurpark, Schlossplatz, Neroberg und Schloss Biebrich. Weitere wichtige Ziele sind die Mathildenhöhe und die Grube Messel bei Darmstadt, Schloss Johannisburg in Aschaffenburg, der Wormser Dom, die Kaiserpfalz Ingelheim, die Burgen und der Limes im Taunus, Kloster Lorsch, der Odenwald, die Klöster und Weinorte des Rheingaus, die Altstadt von Alsfeld sowie der Limburger Dom.
In der Kulturregion Frankfurt/Rhein-Main arbeiten 46 Städte und Landkreise sowie der Regionalverband zusammen. Die gemeinnützige Gesellschaft fördert seit 2005 die kommunale Zusammenarbeit und informiert über Kulturangebote. Die Route der Industriekultur verbindet 1.000 Industriebauwerke auf 160 km zwischen Miltenberg und Bingen am Rhein. Seit 2007 koordiniert und fördert der Kulturfonds Frankfurt/Rhein-Main regionale Kulturprojekte; beteiligt sind hessische Städte und Landkreise sowie das Land Hessen.