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Offenbach am Main
Offenbach am Main ist mit 133.195 Einwohnern (31. Dezember 2025) die fünftgrößte hessische Stadt, eines von zehn Oberzentren in Hessen und auf Platz 59 der …
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Überblick und Lage
Offenbach am Main ist eine kreisfreie Großstadt in Hessen, im Regierungsbezirk Darmstadt. Mit 133.195 Einwohnern am 31. Dezember 2025 ist sie die fünftgrößte Stadt Hessens, eines von zehn hessischen Oberzentren und die 59.-größte Stadt Deutschlands. Sie umfasst 44,88 km², liegt 98 m ü. NHN und grenzt unmittelbar an Frankfurt am Main; beide Städte bilden heute ein zusammenhängendes Siedlungsgebiet im Rhein-Main-Gebiet.
Die Stadt liegt am südlichen und südöstlichen Ufer des Mains. Bieber und Hainbach durchfließen das Stadtgebiet. Der niedrigste Punkt liegt mit 97 m ü. NHN am Mainufer vor dem Isenburger Schloss, der höchste mit 166 m auf dem Schneckenberg. Das bebaute Gebiet liegt überwiegend im Norden, während sich im Süden ein großer Stadtwald ausbreitet. Dieser umfasst 1.330 Hektar, davon 1.256 Hektar mit Bäumen; Kiefern bedecken etwa 54 %, Buchen 21 % und Eichen 14 % der Waldfläche.
Das Klima ist warm und gemäßigt. Die Jahresmitteltemperatur beträgt 10,0 °C, der jährliche Niederschlag etwa 650 mm. Im Juli liegt das mittlere Tagesmaximum bei 24,8 °C, im Januar bei 3,6 °C.
Seit 2019 gliedert sich Offenbach in 21 Stadtteile. Zu ihnen zählen unter anderem Zentrum, Kaiserlei, Hafen, Nordend, Westend, Mathildenviertel, Bieber, Bürgel und Rumpenheim. Bürgel wurde am 1. April 1908 eingemeindet, Bieber am 1. April 1938 und Rumpenheim am 1. April 1942.
Geschichtliche Entwicklung
Spuren aus Steinzeit und Römerzeit sind im Stadtgebiet nachgewiesen; eine römische Straße verlief über Offenbach und Bürgel. Die erste urkundliche Erwähnung Offenbachs datiert vom 12. April 977: Kaiser Otto II. beurkundete eine Schenkung an die Salvatorkirche in Frankfurt. Im Mittelalter wechselte der Ort mehrfach die Herrschaft. Nach Besitz der Herren von Hagen-Münzenberg und Falkenstein gelangte Offenbach 1433 an Sayn und Isenburg; 1500 ging auch der Hanauer Anteil an Isenburg über.
Als isenburgische Residenz erhielt Offenbach das Isenburger Schloss. Die Reformation wurde 1559 eingeführt. Eine besonders wichtige Entwicklung begann 1698, als Graf Johann Philipp von Isenburg-Offenbach hugenottische Flüchtlinge aufnahm. Sie gründeten westlich des alten Orts eine eigene Gemeinde, brachten Kenntnisse der Tabakverarbeitung mit und förderten Manufakturen. Weil Frankfurt keine Gewerbefreiheit zuließ, siedelten sich zahlreiche Gewerbetreibende in Offenbach an. Im 18. Jahrhundert begannen Lederwarenherstellung und weitere Gewerbe.
1799 wurde die Lithografie erstmals kommerziell in Offenbach genutzt: Johann Anton André erwarb von Alois Senefelder das Patentrecht für den Steindruck. Ab 1800 erschienen hier Mozarts Klavierkonzerte als erste lithografische Notendrucke. Nach dem Wiener Kongress fiel Offenbach 1816 an das Großherzogtum Hessen. Der Eisenbahnanschluss, insbesondere der Bau des heutigen Hauptbahnhofs 1873, begünstigte den Ausbau von Schwer- und Chemieindustrie. Die elektrische Frankfurt-Offenbacher Trambahn erreichte 1884 den Mathildenplatz und war mit 6,7 Kilometern eine der frühen elektrischen Straßenbahnstrecken.
Am 1. November 1938 wurde Offenbach kreisfrei. Im Zweiten Weltkrieg zerstörten Luftangriffe 36 % der Stadt; beim schwersten Angriff am 18. März 1944 warfen 750 Bomber 3.600 Tonnen Bomben ab. Dabei starben 176 Menschen, insgesamt 467 bei den Angriffen. Am 26. März 1945 besetzte die US-Armee die Stadt. 1954 überschritt Offenbach erstmals 100.000 Einwohner und wurde Großstadt. Seit den späten 1970er-Jahren verlor die Lederwaren- und Elektroindustrie viele Arbeitsplätze. Der Strukturwandel führte jedoch zu Dienstleistungen, begünstigt durch die Nähe zu Frankfurt und den S-Bahn-Anschluss seit 1995.
Bevölkerung, Religion und Stadtgesellschaft
Die Einwohnerzahl wuchs mit der Industrialisierung stark: von etwa 25.000 im Jahr 1875 auf 50.468 im Jahr 1900. Nach Kriegsverlusten sank sie 1945 auf 70.600 und überschritt am 18. August 1954 die Grenze von 100.000. Für den 31. Dezember 2023 nennt der Artikel 144.962 Einwohner, während die Basisdaten für den 31. Dezember 2025 133.195 Einwohner angeben. 2023 hatte Offenbach mit 40,7 Jahren das niedrigste Durchschnittsalter unter Deutschlands Städten und Landkreisen.
Offenbach ist stark durch Zuwanderung geprägt und hat unter deutschen Großstädten den höchsten Anteil an Einwohnern mit Migrationshintergrund. Im Dezember 2015 hatten 37 % der Bevölkerung keine deutsche Staatsangehörigkeit; vertreten waren 152 Nationen. Der Anteil der Menschen mit Migrationshintergrund betrug im Dezember 2016 60,7 % und 2019 63 %. Zu den größten Gruppen ausländischer Einwohner mit Hauptwohnsitz gehörten Ende 2023 Menschen mit türkischer, rumänischer, bulgarischer, griechischer, kroatischer, polnischer, italienischer und serbischer Staatsangehörigkeit.
Die Religionszugehörigkeiten sind vielfältig. Für Dezember 2025 nennt der Artikel 8,8 % evangelische, 16,9 % katholische und geschätzt rund 19 % muslimische Einwohner; 55,3 % gehören übrigen Gemeinschaften an oder keiner Konfession. Die Anteile der großen christlichen Kirchen nehmen ab. Die evangelischen Gemeinden gehören seit 2019 zum Evangelischen Stadtdekanat Frankfurt am Main und Offenbach; die katholischen Pfarrgemeinden gehören seit 2024 zur Offenbacher Großpfarrei St. Franziskus im Bistum Mainz.
Eine jüdische Gemeinde bestand seit dem frühen 18. Jahrhundert. In der NS-Zeit wurden Gemeindemitglieder verfolgt, deportiert und ermordet; die 1916 errichtete Synagoge wurde 1938 verwüstet. Nach 1945 entstand die Gemeinde neu, ihre heutige Synagoge wurde am 2. September 1956 eingeweiht. Muslimische Gemeinden, darunter etwa 15 Moscheen und Dachverbände, bieten neben Gottesdiensten auch Bildungs-, Jugend- und Sozialarbeit an.
Politik, Verwaltung und Finanzen
Die kommunale Volksvertretung ist die Stadtverordnetenversammlung mit 71 Sitzen. Sie wird alle fünf Jahre in allgemeiner, unmittelbarer, freier, gleicher und geheimer Wahl gewählt. Bei der Kommunalwahl vom 15. März 2026 lag die Wahlbeteiligung bei 36,4 %. Die SPD erhielt 35,0 % und 25 Sitze, die CDU 18,7 % und 13 Sitze, die Grünen 13,1 % und 9 Sitze sowie Die Linke 12,1 % und 9 Sitze. SPD und CDU regieren seit der Wahl 2026 in einer großen Koalition und verfügen zusammen über 38 von 71 Sitzen.
Der Magistrat bildet unter dem direkt gewählten Oberbürgermeister die Regierung der Stadt. Oberbürgermeister ist Felix Schwenke (SPD) seit dem 21. Januar 2018. Er gewann die Stichwahl 2017 mit 67 % und wurde am 17. September 2023 mit 69,9 % für eine zweite Amtszeit wiedergewählt.
Offenbach nutzt seit Februar 2013 den Kommunalen Schutzschirm des Landes Hessen wegen seiner Finanzlage. Ende 2013 hatte die Stadt rund eine Milliarde Euro Schulden. Ende 2024 betrugen die Schulden im öffentlichen Bereich 804 Millionen Euro, entsprechend 6.094 Euro je Einwohner. Das Stadtwappen zeigt auf blauem Grund einen bewurzelten silbernen Eichbaum mit fünf silbernen Eicheln; die Eiche erinnert an den Reichsforst Dreieich.
Wirtschaft, Bildung und Verkehr
Offenbach entwickelte sich von einer hugenottisch geprägten Industrie- und Lederwarenstadt zu einem Dienstleistungs- und Designstandort. Die Lederwarenindustrie spielt heute kaum noch eine Rolle. Dienstleistungen, besonders aus Finanz- und Automobilsektor, sowie die Nähe zu Frankfurt prägen die Wirtschaft. 2016 betrug das Bruttoinlandsprodukt 4,540 Milliarden Euro, das BIP je Einwohner 36.562 € und das BIP je Erwerbsperson 68.459 €. 2017 waren etwa 66.300 Erwerbstätige beschäftigt; die Arbeitslosenquote lag im Dezember 2018 bei 8,9 %.
Mit 3.000 Unternehmen ist Offenbach eines der wichtigsten Design-Cluster Deutschlands. Die Hochschule für Gestaltung Offenbach (HfG) entstand 1832 als Handwerkerschule beziehungsweise Technische Lehranstalten und hat seit 1970 Hochschulstatus. Sie bietet die Fachbereiche Kunst mit Kommunikationsdesign, Medien, Kunst und Bühnenbild sowie Design mit Produktgestaltung. Seit Juli 2025 befindet sich außerdem der Fachbereich Wetterdienst der Hochschule des Bundes für öffentliche Verwaltung in Offenbach. Der Deutsche Wetterdienst hat hier seine Zentrale und erstellt ungefähr 90.000 Vorhersagen sowie rund 30.000 Wetter- und Unwetterwarnungen jährlich.
Im Innovationscampus auf dem früheren Hoechst-Gelände sind neue Betriebe geplant oder angesiedelt: Samson AG verlegt Produktion und Sitz mit rund 2.000 Arbeitsplätzen von Frankfurt nach Offenbach. BioSpring errichtet eine Produktionsstätte für synthetische DNA-Fragmente; der erste Bauabschnitt soll im ersten Quartal 2028 beginnen und 200 Arbeitsplätze schaffen. Im Automobilbereich sitzen unter anderem Hyundai Europe, Honda R&D Europe, Kumho Tire und Falken in Offenbach.
Verkehrlich ist die Stadt durch die Autobahnen A 3 und A 661, die Bundesstraßen 43, 46 und 448 sowie S-Bahn, Regionalzüge und Busse angebunden. S1, S2, S8 und S9 fahren im City-Tunnel durch die Innenstadt. Der Hauptbahnhof besitzt keinen S-Bahn-Anschluss; eine direkte Umsteigemöglichkeit zwischen Regional- und S-Bahn-Verkehr besteht deshalb nicht. Seit Dezember 2016 bedient die Deutsche Bahn Offenbach nicht mehr im Fernverkehr, seit Sommer 2022 halten einzelne Flixtrain-Züge nach Berlin und Mainz. Die Stadt hat sieben Bahnhöfe und Haltepunkte. Die Straßenbahn wurde 1996 vollständig aus dem Stadtgebiet entfernt; eine Studie prüft eine erneute Anbindung. Der Nahverkehr nutzt Diesel- und Elektrobusse, 2025 sind 36 Elektrobusse vorhanden.
Stadtbild, Kultur und Freizeit
Das Stadtbild verbindet ältere Bauten mit Wiederaufbau und moderner Architektur. Das Isenburger Schloss wurde 1576 für den Grafen von Isenburg gebaut, gilt als bedeutendster Renaissancebau nördlich der Alpen und gehört seit 1999 zur HfG. Das Büsing-Palais, zwischen 1901 und 1907 neobarock umgestaltet, beherbergt Standesamt, Stadtbibliothek und Klingspor-Museum. Gründerzeitquartiere prägen besonders die südliche Innenstadt, das Mathildenviertel und das Westend. Das 1971 eröffnete, 70 Meter hohe Rathaus ist ein Denkmal der Sichtbetonarchitektur; der City Tower ist 120 Meter hoch.
Seit 2009 entsteht auf dem früheren Hafengelände ein neues Quartier für Wohnen und Arbeiten. Zu den wichtigen Grünflächen gehören Büsing-Park, Lili-Park, Dreieich-Park, Leonhard-Eißnert-Park und Schlosspark Rumpenheim. Das Mainufer ist durchgehend für Fußgänger und Radfahrer nutzbar. Der Mainbogen ist eine artenreiche Auenlandschaft; der Schultheisweiher dient im Sommer als Badesee.
Wichtige Museen sind das Deutsche Ledermuseum, das Klingspor-Museum für Buch- und Schriftkunst sowie das Haus der Stadtgeschichte mit Schwerpunkten auf Manufakturen, Hugenotten und Buchdruck. Bedeutende Veranstaltungsorte sind Capitol, Stadthalle und Messe. Das Mainuferfest, die Nacht der Museen gemeinsam mit Frankfurt und die Internationale Lederwarenmesse gehören zu regelmäßigen Veranstaltungen. Als lokale Spezialität gelten Offenbacher Pfeffernüsse: helle, weiche Plätzchen mit unter anderem Pfeffer, Muskat, Koriander und Zimt.
Im Sport ist Kickers Offenbach besonders bekannt. Der OFC spielt im Stadion am Bieberer Berg mit rund 20.500 Plätzen, wurde 1950 und 1959 deutscher Vizemeister und gewann 1970 den DFB-Pokal. Der Fechtclub Offenbach von 1863 e. V. ist der zweitälteste Fechtverein Deutschlands. Das Waldschwimmbad auf der Rosenhöhe ist Standort des Ersten Offenbacher Schwimmclubs.