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Wiesbaden
Wiesbaden ist die Landeshauptstadt des Landes Hessen und mit ihren 15 Thermal- und Mineralquellen eines der ältesten Kurbäder Europas.
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Überblick und Lage
Wiesbaden ist die Landeshauptstadt Hessens, eine kreisfreie Stadt und mit 288.584 Einwohnern am 31. Dezember 2025 nach Frankfurt am Main die zweitgrößte Stadt des Landes. Sie gehört zu den zehn Oberzentren Hessens und bildet mit dem benachbarten Mainz ein länderübergreifendes Doppelzentrum mit etwa 500.000 Einwohnern auf etwa 300 km². Beide Landeshauptstädte teilen eine Stadtgrenze. Wiesbaden zählt zur Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main und gilt als wohlhabende Stadt mit überdurchschnittlicher Kaufkraft.
Besonders prägend sind 15 Thermal- und Mineralquellen; Wiesbaden zählt deshalb zu den ältesten Kurbädern Europas. Das 203,87 km² große Stadtgebiet liegt am rechten Rheinufer, gegenüber von Mainz, zwischen dem Taunus im Norden und dem Rhein im Süden. Die Innenstadt liegt etwa fünf Kilometer vom Rhein entfernt in einer Talmulde. Ihr Abfluss erfolgt über den Salzbach und weitere Bäche. Der höchste Punkt liegt bei 608 m ü. NN am Südosthang der Hohen Wurzel, der tiefste bei 83 m ü. NN an der Schiersteiner Hafeneinfahrt.
27,7 % der Fläche sind Wald, 29,8 % landwirtschaftlich genutzt. Wiesbaden hat ein mildes Klima: Die mittlere Jahrestemperatur beträgt 9,8 °C, die jährliche Niederschlagsmenge 638 Liter je m² und die durchschnittliche Sonnenscheindauer 1565 Stunden. Allerdings ist der Luftaustausch in der Innenstadt durch die Tallage eingeschränkt. Geologisch auffällig sind das aus großer Tiefe austretende Thermal- und Mineralwasser sowie der Basaltschlot Schwarze Steinkaut in Naurod.
Natur, Stadtteile und Stadtbild
Am Nordrand beginnt der Naturpark Rhein-Taunus mit etwa 5800 ha stadtnahen Wäldern. Er beherbergt unter anderem große hessische Vorkommen von Wildkatze und Äskulapnatter. Rhein und Rheininseln sind Schutzräume für Wanderfische und Wasservögel. Neun Naturschutzgebiete sowie weitere FFH-Gebiete ergänzen den Schutz. In der Stadt gibt es über 40.000 Bäume; Parks, Streuobstwiesen und die Fasanerie sind wichtige Lebensräume. In Schierstein führten Wiederansiedlungsversuche beim Weißstorch 1975 zum ersten Bruterfolg; von 2005 bis 2014 wurden dort 22 bis 24 Brutpaare gezählt.
Wiesbaden ist in 26 Ortsbezirke gegliedert. Jeder hat einen Ortsbeirat unter Leitung eines Ortsvorstehers. Sechs Bezirke gehören zur Kernstadt Wiesbaden-Alt. Eine Besonderheit sind Mainz-Amöneburg, Mainz-Kastel und Mainz-Kostheim (AKK): Die rechtsrheinischen, früher zu Mainz gehörenden Stadtteile wurden nach dem Zweiten Weltkrieg Wiesbaden zugeordnet, führen aber weiterhin offiziell die Vorsilbe „Mainz-“.
Die Innenstadt hat ein ungewöhnlich einheitliches Stadtbild. Die meisten Gebäude entstanden zwischen etwa 1850 und 1914; trotz rund 30 % Zerstörung im Zweiten Weltkrieg blieben prägende Straßen und Bauten erhalten. Klassizismus, Historismus und Jugendstil bestimmen das Bild. Das Historische Fünfeck umfasst das alte Zentrum mit Schlossplatz und Mauritiusplatz; außerhalb schließen sich der von Christian Zais geplante Bereich, die Ringstraße und Villengebiete an. Bedeutende Bauten sind Kurhaus (1907), Hessisches Staatstheater (1894), Marktkirche (1853–1862) und Ringkirche (1894). Außenbezirke zeigen stärker Nachkriegsbebauung, während viele eingemeindete Orte dörflichen oder kleinstädtischen Charakter bewahrt haben.
Geschichtliche Entwicklung und Bevölkerung
Die heißen Quellen waren bereits den Römern bekannt. Sie errichteten um 6 bis 15 n. Chr. eine Befestigung; die römische Siedlung hieß Aquae Mattiacorum und war Hauptort der Civitas Mattiacorum in Germania superior. Um 828/830 nannte Einhard den Ort Wisibada. Ab etwa 1170 besaßen die Grafen von Nassau Rechte im Gebiet. 1543 wurde die Reformation eingeführt. Von 1806 bis 1866 war Wiesbaden Hauptstadt des Herzogtums Nassau, danach wurde Nassau von Preußen annektiert. Als Kur-, Kongress- und Verwaltungsstadt wuchs Wiesbaden im 19. Jahrhundert stark und wurde als „Nizza des Nordens“ und „Kaiserstadt“ bezeichnet.
Im Nationalsozialismus wurden etwa 1200 Wiesbadener Juden deportiert und ermordet; die große Synagoge am Michelsberg wurde am 10. November 1938 zerstört. Beim schwersten Luftangriff in der Nacht vom 2. auf den 3. Februar 1945 starben 1000 Menschen, 28.000 wurden obdachlos; 550 Gebäude wurden zerstört und 450 schwer beschädigt. Am 28. März 1945 besetzte die 3. US Army die Stadt kampflos. Wiesbaden wurde am 12. Oktober 1945 Hauptstadt von Groß-Hessen und blieb nach Gründung Hessens am 1. Dezember 1946 Landeshauptstadt.
Eingemeindungen von Biebrich, Schierstein und Sonnenberg 1926 sowie weiterer Orte 1928 machten Wiesbaden zur Stadt am Rhein. AKK kam am 10. August 1945 unter Wiesbadener Verwaltung; die letzten Eingemeindungen erfolgten am 1. Januar 1977. Die Einwohnerzahl stieg von 2239 im Jahr 1800 auf 100.953 im Jahr 1905. Seit Ende 1947 hat Wiesbaden dauerhaft mehr als 200.000 Einwohner; Anfang 2025 verzeichnete die Stadt nach eigener Registerfortschreibung 300.089 Einwohner. 2023 hatten 128.631 Menschen, also 43,1 % der Bevölkerung, einen Migrationshintergrund.
Die religiöse Zusammensetzung hat sich verändert: Ende 2024 waren 17,4 % evangelisch und 16,3 % katholisch, 66,3 % gehörten einer sonstigen oder keiner Religion an; darunter waren etwa 14,5 % Muslime. Die jüdische Gemeinde, deren Mitglieder während des Holocaust verfolgt wurden, hat heute über 800 Mitglieder.
Politik, Wirtschaft und öffentliche Aufgaben
Die Stadtverordnetenversammlung ist das oberste Organ der kommunalen Selbstverwaltung und hat 81 direkt gewählte Mitglieder. Sie wird alle fünf Jahre gewählt. Der Magistrat führt die laufende Verwaltung und besteht aus dem Oberbürgermeister, dem Bürgermeister, hauptamtlichen Stadträten und ehrenamtlichen Magistratsmitgliedern. Die Stadt hat außerdem Ortsbeiräte, einen Ausländerbeirat mit 31 Mitgliedern und ein Jugendparlament. Im Jugendparlament können 14- bis 21-Jährige wählen; es hat kein Stimmrecht in kommunalen Ausschüssen oder der Stadtverordnetenversammlung.
Oberbürgermeister ist Gert-Uwe Mende (SPD). Er gewann am 30. März 2025 die Stichwahl mit 58 % gegen Thilo von Debschitz. Bei der Kommunalwahl vom 15. März 2026 erhielt die CDU 26,5 %, die SPD 22,3 %, die Grünen 15,3 % und die AfD 11,9 %; die Wahlbeteiligung lag bei 41,8 %. Im August 2026 löste eine Maracuja-Koalition aus CDU, Grünen, FDP und Volt die vorherige Kooperation aus Grünen, SPD, Linke und Volt ab.
Wiesbaden ist vor allem Dienstleistungs- und Verwaltungsstadt. 2016 betrug das BIP 17,144 Milliarden Euro, das BIP je Einwohner 61.913 Euro. Etwa 12.000 Unternehmen haben ihren Sitz in der Stadt. Bedeutend sind Verwaltung, Versicherungen und weitere Finanzdienstleistungen; größter privater Arbeitgeber ist die R+V Versicherung mit rund 3900 Mitarbeitern. Verarbeitendes Gewerbe konzentriert sich besonders auf Standorte am Rhein. Weinbau gehört zum Rheingau und umfasst etwa 222 ha Rebfläche, unter anderem in Frauenstein, Schierstein, Kostheim und am Neroberg.
Als Landeshauptstadt beherbergt Wiesbaden Landesregierung, Landtag und Staatsgerichtshof. Wichtige Bundesbehörden sind das Bundeskriminalamt, das Statistische Bundesamt und das Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung. Die Stadt ist zudem ein wichtiger Standort der hessischen Polizei und anderer Behörden.
Kurstadt, Verkehr, Bildung und Kultur
Wiesbadens Thermalwasser dient vor allem Kuren bei rheumatischen Erkrankungen und Katarrhen der Atmungsorgane. In der Innenstadt gibt es 14 heiße Quellen mit 46 bis 66 °C und etwa zwei Millionen Litern täglicher Ergiebigkeit; damit ist Wiesbaden nach Aachen das zweitergiebigste deutsche Heilbad. Der Kochbrunnen liefert fast 500.000 Liter täglich und ist mit 66 °C die ergiebigste Quelle. Daneben besteht der Faulbrunnen als 15. Quelle; wegen seiner Temperatur von 14 bis 17 °C gilt er nicht als Therme. Die Stadt hat zahlreiche Reha- und Spezialkliniken sowie 18 Krankenhäuser und Kliniken.
Die Trinkwasserversorgung war lange schwierig, weil die innerstädtischen Quellen warm und salzig waren. Heute liefern Taunus-Stollen, das Wasserwerk Schierstein und seit 1969 eine 55 km lange Fernleitung aus dem Hessischen Ried Wasser; zuständig ist Hessenwasser GmbH & Co. KG.
Verkehrlich ist Wiesbaden über A 66, A 643, A 671 und die nahe A 3 angebunden. Mit Mainz besteht seit 1. Februar 2013 eine länderübergreifende Umweltzone. Der Hauptbahnhof von 1906 ist Kopfbahnhof und an ICE- sowie S-Bahn-Netz angeschlossen. Den Nahverkehr tragen vor allem Busse der ESWE Verkehrsgesellschaft. Wiesbaden stellte 1929 als erste deutsche Großstadt den innerstädtischen Straßenbahnbetrieb auf Busse um; 1955 endete der Straßenbahnbetrieb endgültig. Die Citybahn wurde 2020 in einem Bürgerentscheid mit 62,1 % abgelehnt. Der Rhein und Main ermöglichen Schifffahrt; Schierstein besitzt einen Hafen. Der Flughafen Frankfurt Main liegt etwa 25 km entfernt, in Erbenheim befindet sich ein US-Militärflugplatz.
Bildungseinrichtungen sind vor allem die Hochschule RheinMain mit etwa 12.900 Studierenden, die Hessische Hochschule für Polizei und Verwaltung, die EBS Universität für Wirtschaft und Recht sowie die Hochschule Fresenius. Es gibt über hundert staatliche und private Schulen. Kultur prägen das Hessische Staatstheater, das Kurhaus, das Museum Wiesbaden, das 2024 eröffnete Museum Reinhard Ernst, Bibliotheken und Archive. Regelmäßige Veranstaltungen sind die Internationalen Maifestspiele, das goEast-Filmfestival, das Theatrium, die Rheingauer Weinwoche, der Sternschnuppenmarkt und Fastnachtsumzüge. Im Sport spielen unter anderem der SV Wehen Wiesbaden in der 3. Liga und die Frauen des 1. VC Wiesbaden in der Bundesliga.