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Revolutionäre Gewerkschafts-Opposition
Die Revolutionäre Gewerkschafts-Opposition (RGO) war 1928/29 zunächst eine organisierte kommunistische Strömung in den freien Gewerkschaften.
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Kern und Bedeutung
Die Revolutionäre Gewerkschafts-Opposition (RGO) war 1928/29 zunächst eine organisierte kommunistische Strömung innerhalb der freien Gewerkschaften. Ab Ende 1929 trat sie als KPD-nahe Gewerkschaft auf. 1930/31 gründete sie einzelne Industrieverbände, die als „rote Verbände“ bezeichnet wurden. Teile der RGO waren später im Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv.
Die RGO ist wichtig, weil sie einen Konflikt innerhalb der Arbeiterbewegung der Weimarer Republik zeigt: Ein Teil der Kommunisten und radikaler Arbeiter wandte sich gegen die sozialdemokratisch dominierten Gewerkschaften des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB). Die RGO wollte unzufriedene Arbeiter organisieren, Streiks unterstützen und revolutionäre Forderungen durchsetzen. Damit verschärfte sie aber auch die Spaltung zwischen kommunistischen und sozialdemokratischen Teilen der Arbeiterbewegung.
Entstehung und frühe Konflikte
Die Entstehung der RGO wird in der neueren Fachliteratur mit zwei Entwicklungen erklärt: einer veränderten Politik von KPD und Komintern ab 1927/28 sowie besonderen Entwicklungen in der deutschen kommunistischen Bewegung. Ein Teil dieser Bewegung ging zunehmend auf Distanz zu den sozialdemokratisch geprägten ADGB-Gewerkschaften. Die Gründung der RGO beruhte daher nicht nur auf taktischen Entscheidungen der KPD, der Komintern und der Roten Gewerkschafts-Internationale (RGI), sondern auch auf Forderungen einer radikalen Minderheit der Arbeiterbewegung. Diese Minderheit fühlte sich durch die traditionelle freigewerkschaftliche Politik nicht mehr vertreten.
Auch Veränderungen in der SPD-Politik werden als Hintergrund genannt. Sie sollen zu einem defensiveren Kurs der freien Gewerkschaften gegenüber Unternehmern beigetragen haben. Innerhalb der KPD blieb die RGO-Politik jedoch umstritten. KPD-Mitglieder, die sie grundsätzlich ablehnten, traten aus der Partei aus oder wurden ausgeschlossen.
Ab 1927/28 versuchte die RGO, eigene Streikkomitees und eigene Wahllisten bei Betriebsrätewahlen aufzustellen. Diese Listen wurden „rote Listen“ genannt und sollten eigene Kandidaten, auch mit Unterstützung unorganisierter Arbeiter, durchsetzen. Die freien Gewerkschaften verstanden dies als Kampfansage. Sozialdemokratisch geführte Organisationen schlossen daraufhin zahlreiche Kommunisten aus. RGO-Anhänger versuchten häufiger, sogenannte wilde Streiks zu initiieren, also Streiks ohne Zustimmung der anerkannten Gewerkschaften. In der Sprache der damaligen KPD-Programmatik beschimpften Kommunisten Sozialdemokraten als „Sozialfaschisten“.
Nach dem Ausschluss ganzer kommunistisch dominierter Branchen- und Ortsverbände im Jahr 1929 verstärkten die Kommunisten ihre Oppositionsarbeit in den freien Gewerkschaften. Sie gründeten eigene Zusammenschlüsse für Ausgeschlossene, zum Beispiel die Rohrlegervereinigung unter Leitung von Michael Niederkirchner. Solche Gruppen entstanden vor allem in Berlin und im Ruhrgebiet und nahmen auch bisher unorganisierte Arbeiter auf. Dadurch löste sich die RGO immer stärker aus den ADGB-Gewerkschaften heraus.
Ausrichtung und Organisation
Seit 1930 wurde die RGO als „rote Klassengewerkschaft“ propagiert. Damit war eine kommunistisch ausgerichtete Gewerkschaft gemeint, die sich ausdrücklich als Organisation im Klassenkampf verstand. Ab November 1930 entstanden mehrere „rote Verbände“, zum Beispiel der Einheitsverband der Metallarbeiter Berlins (EVMB). Mehrfach wurden Kampagnen gestartet, damit Arbeiter aus den freien Gewerkschaften in die roten Verbände übertraten. Größere Erfolge gab es jedoch nur in lokalen Ausnahmen, besonders in Berlin, im Ruhrgebiet und in Hamburg.
Für 1932 wurde eine maximale Mitgliederzahl der gesamten RGO von 322.000 Personen angegeben. Diese Zahl gilt in der neueren Literatur als überhöht. Realistischer werden 235.000 bis 270.000 Mitglieder genannt. Die kommunistische Gewerkschaftspolitik war insgesamt weniger erfolgreich als die Parteipolitik der KPD, obwohl die KPD in der Endphase der Weimarer Republik zur Massenpartei wurde.
In einigen Bereichen der RGO war zeitweise mehr als die Hälfte der Mitglieder arbeitslos. Das hing mit der Weltwirtschaftskrise, der schwierigen Lage auf dem Arbeitsmarkt und Maßnahmen von Unternehmern gegen Kommunisten zusammen. Die Behörden stuften die RGO als „staatsfeindliche Organisation“ ein. Ihre Aktivitäten wurden polizeilich überwacht. Als Tarifpartner wurde sie nicht offiziell anerkannt, sie durfte also nicht gleichberechtigt Tarifverträge mit Arbeitgebern abschließen.
Aus propagandistischen Gründen wurden in Teilen der RGO zeitweise nur Eintritte und keine Austritte gezählt. Weil die Kommunisten durch ihre offensive Streikpolitik in den freien Gewerkschaften an Einfluss verloren und die RGO trotzdem keine Massenorganisation wurde, änderte die KPD ab Mitte 1931 ihre Strategie. Kommunisten sollten wieder Oppositionsarbeit im ADGB und in allen freigewerkschaftlichen Verbänden leisten, zugleich aber die roten Verbände stärken. Diese widersprüchliche Linie führte zu innerparteilichen Konflikten. Einige Funktionäre sahen die RGO zu stark als Vorfeldorganisation der KPD behandelt und meinten, sie könne ihren Anspruch auf eine eigenständige kommunistische Gewerkschaftsbewegung so nicht erfüllen.
Erfolge, Grenzen und Beispiel BVG-Streik
Die drei größten roten Verbände organisierten Arbeiter in den Bereichen Metall, Bergbau und Bau. Dazu gehörten der Einheitsverband der Metallarbeiter Berlins, der Einheitsverband der Bergarbeiter Deutschlands und der Einheitsverband für das Baugewerbe. Im Vergleich zu den ADGB-Gewerkschaften erreichten sie nur einen kleinen Teil der Beschäftigten. Trotzdem erzielten sie in einzelnen Betrieben und Regionen Achtungserfolge. Besonders in den Bereichen Metall und Bergbau war die RGO in Berlin und im Ruhrgebiet vergleichsweise erfolgreich.
Ein bekanntes Beispiel ist der Streik bei der Berliner Verkehrsgesellschaft Ende 1932. Die RGO unterstützte gemeinsam mit der Nationalsozialistischen Betriebszellenorganisation (NSBO) einen Streik gegen Lohnabbau. Es handelte sich um einen wilden Streik, den die freien Gewerkschaften ablehnten, der aber von einem großen Teil der BVG-Beschäftigten getragen wurde. Der Streik wurde vor allem von Unorganisierten und der RGO durchgeführt.
Die Nationalsozialisten waren in der Berliner Arbeiterbewegung 1932 noch wenig verankert und versuchten durch ihre Beteiligung, Propagandaerfolge für den „Nationalen Sozialismus“ zu erzielen. Im Streikkomitee saßen neben RGO und NSBO aber auch SPD-Mitglieder, die die Lohnkürzungen ablehnten und damit den Forderungen der Belegschaft folgten. Das Beispiel zeigt, wie kompliziert und konfliktreich Arbeitskämpfe in der Endphase der Weimarer Republik sein konnten.
Widerstand und Auflösung
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten 1933 versuchten Teile der RGO, ihre Organisation aufrechtzuerhalten. Nach dem Reichstagsbrand ging die RGO zu Beginn des NS-Regimes in die Illegalität. In verschiedenen Bereichen baute sie Widerstandsgruppen auf, besonders in Metall, Seefahrt und Bau. Der Einheitsverband der Metallarbeiter Berlins gehörte zu den bedeutendsten gewerkschaftlichen Widerstandsgruppen in der Frühphase des Nationalsozialismus.
Teile der RGO konzentrierten sich auf Propaganda für den „revolutionären Sturz“ des NS-Regimes, auf die Verteilung von Zeitschriften, auf das Einsammeln von Mitgliedsbeiträgen und auf Informationen über die Lage in Betrieben und Stempelstellen. Stempelstellen waren Einrichtungen, die mit Arbeitslosenverwaltung und Unterstützungsleistungen verbunden waren. Aus Teilen der RGO, besonders aus den roten Verbänden, gab es weiterhin Versuche, Streiks zu organisieren. Diese sollten den NS-Staat destabilisieren oder Lohnkürzungen abwehren. Die Beteiligung war sehr riskant: Viele Mitglieder und Sympathisanten illegaler RGO-Strukturen wurden von der Gestapo festgenommen und zu jahrelanger Haft verurteilt.
Ab Mitte 1934 gab die KPD in Übereinstimmung mit Komintern und RGI die RGO-Politik schrittweise auf. Der Grund war, dass sich die Partei wieder stärker Sozialdemokraten annähern wollte und für parteipolitisch übergreifende freigewerkschaftliche Widerstandsgruppen eintrat. Einige Teile der RGO hielten dennoch an der alten Linie fest. Zwischen 1934 und 1936 lösten sich die kleiner werdenden RGO-Gruppen selbst auf oder wurden von den nationalsozialistischen Verfolgern zerschlagen.
Rückblick nach 1945
Nach 1945 wurde die RGO-Politik in der Gewerkschaftsbewegung meist als Fehler bewertet, weil sie die Spaltung der Arbeiterschaft verstärkt habe. In den 1970er Jahren versuchten die KPD-AO und die KPD/ML, die RGO-Politik wiederzubeleben. Diese Versuche blieben in der Bundesrepublik Deutschland ohne große Wirkung.
Bestrebungen für eine neue RGO wurden zu einem erheblichen Teil von linksradikalen Studenten getragen. Sie wollten in Betrieben eine linksradikale Gewerkschaftspolitik durchsetzen, die sich vom Deutschen Gewerkschaftsbund abgrenzte. Auch in der DDR wurde die RGO-Politik meist als Fehler angesehen. Dort galt sie als Beispiel für „Sektierertum“ unter Kommunisten, das Einheitsfrontbestrebungen behindert habe.