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Kommunistische Partei-Opposition
Die Kommunistische Partei-Opposition (auch KPD-Opposition; kurz KPD-O, KPDO oder KPO) war eine 1928/29 entstandene Abspaltung der Kommunistischen Partei …
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Entstehung und Grundposition
Die Kommunistische Partei-Opposition (KPD-O, KPDO oder KPO) entstand 1928/29 als Abspaltung von der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). Sie verstand sich zunächst ausdrücklich nicht als eigene Partei, sondern als „organisierte Richtung“ innerhalb der kommunistischen Bewegung. Ihr Ziel war, die KPD politisch zu beeinflussen und langfristig eine aus ihrer Sicht richtige kommunistische Politik durchzusetzen.
Auslöser war die „ultralinke“ Wende der KPD nach dem VI. Weltkongress der Kommunistischen Internationale. Die KPD gab die zuvor wieder aufgenommene Politik der „Einheitsfront“ auf, die in bestimmten Situationen eine Zusammenarbeit mit der Sozialdemokratie ermöglicht hatte. Stattdessen richtete sie ihren „Hauptstoß“ gegen die SPD und vertrat die Sozialfaschismusthese. Die KPD erwartete einen neuen „revolutionären Aufschwung“ und überschätzte nach Ansicht der Opposition ihren Masseneinfluss und ihre Handlungsfähigkeit.
Heinrich Brandler und August Thalheimer sowie weitere KPD-Funktionäre lehnten diese Einschätzung ab. Sie sahen die Arbeiterbewegung nicht in einer Offensive, sondern zunächst in der Defensive. Der Aufstieg der NSDAP ab 1929 bestätigte sie in dieser Einschätzung. Sie warnten außerdem vor einer Politik, die kommunistische Arbeiter von der Mehrheit der Belegschaften isolierte: Dazu gehörten eigene „rote Listen“ bei Betriebsratswahlen, die Spaltung der Gewerkschaften und die Gründung kommunistischer Sonderorganisationen. Weitere Kritikpunkte waren die Abkoppelung des KPD-„Apparats“ von der Mitgliedschaft, die Einschränkung innerparteilicher Diskussionen und der starke Einfluss der KPdSU auf die Komintern.
Am 30. Dezember 1928 nahmen 74 Vertreter aus 16 KPD-Bezirken an einer Reichskonferenz der Opposition in Berlin teil. Danach kam es zu zahlreichen Ausschlüssen und Austritten. Etwa 3.000 bis 4.000 ehemalige KPD-Mitglieder organisierten sich in der KPO. Ende 1930 hatte sie bis zu 6.000 Mitglieder, Ende 1932 etwa 3.500. Im Vergleich zur KPD waren gewählte Betriebsräte, lokale Gewerkschaftsfunktionäre, Kommunalpolitiker und Intellektuelle überproportional vertreten.
Die KPO besaß eine eigene Leitung und Presse und trat bei einzelnen Kommunal- und Landtagswahlen selbstständig an. Aktivitätszentren lagen unter anderem in Berlin, Breslau, Sachsen, Thüringen, im Rhein-Main-Gebiet und im Raum Stuttgart. Sie gab die mehrmals wöchentlich erscheinende Zeitung „Arbeiterpolitik“, regionale Mitteilungsblätter und die Theoriezeitschrift „Gegen den Strom“ heraus. Zusammen mit verwandten Gruppen in anderen Ländern gehörte sie der Internationalen Vereinigung der Kommunistischen Opposition (IVKO) an, die bis 1939/40 zerfiel.
Abspaltung zur SAP
Anfang 1932 schloss sich eine Minderheit der KPO um Paul Frölich, Jacob Walcher und August Enderle der Sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands (SAP) an. Zu ihr gehörten auch kommunalpolitische Gruppen aus Offenbach am Main und Geesthacht.
Die Minderheit hatte eine Arbeitsgemeinschaft zwischen KPO und SAP oder den vollständigen Anschluss der KPO an die SAP gefordert. Sie hielt die bisherige Orientierung auf die „Eroberung“ der KPD für überholt, weil sich die KPD ihrer Ansicht nach unwiderruflich zu einer „ultralinken Sekte“ entwickelt hatte. In der SAP wollte sie beim Wiederaufbau einer kommunistischen Partei eine ähnliche Rolle spielen, wie sie der Spartakusbund 1917/18 in der USPD gespielt hatte.
Die KPO-Mehrheit lehnte diesen Schritt als „Salto mortale in das Lager des Reformismus“ ab. Eine Konferenz am 17./18. Oktober 1931 und die 4. Reichskonferenz im Dezember 1931 bestätigten diese Haltung. Wegen fortgesetzter Fraktionsarbeit und geheimer Verhandlungen mit der SAP wurden führende Vertreter der Minderheit am 12. Januar 1932 aus der KPO ausgeschlossen.
In der heterogenen und von inneren Auseinandersetzungen geprägten SAP spielten die ehemaligen KPO-Mitglieder wegen ihrer politischen und organisatorischen Erfahrung eine wichtige Rolle. Nachdem die SAP-Führung um Kurt Rosenfeld und Max Seydewitz die Partei im Februar 1933 gegen den Willen vieler Mitglieder für aufgelöst erklärt hatte, übernahmen ehemalige KPO-Mitglieder im Frühjahr 1933 de facto ihre Führung.
Arbeit in der Illegalität
Die KPO stellte ihre Organisation unmittelbar nach der 5. Reichskonferenz zur Jahreswende 1932/33 auf illegale Arbeit um. Sie hatte bereits im August 1932 erklärt, die Weimarer Republik sei „tatsächlich zu Ende“ und die Verfassung „tot“. Der 20. Juli 1932 habe gezeigt, dass SPD und KPD kampfunfähig seien. Bei der Machtübergabe an die NSDAP am 30. Januar 1933 war die KPO daher nach eigener Einschätzung auf die Errichtung der faschistischen Diktatur vorbereitet.
Am 4. März 1933 bildete sich in Straßburg das Auslandskomitee der KPO mit Heinrich Brandler, August Thalheimer und Leo Borochowicz. Die Inlandsleitung lag beim Berliner Komitee. Für die Untergrundarbeit wurden unabhängige Fünfergruppen eingerichtet, deren Leiter mit dreiköpfigen Bezirksleitungen verbunden waren. Diese Struktur funktionierte zunächst relativ stabil, weil die KPO innerlich geschlossen war, nicht in gleichem Maß wie die KPD von Polizeispitzeln durchsetzt war und viele Mitglieder Erfahrungen mit illegaler Arbeit besaßen.
Die Gestapo konnte den illegalen Inlandsapparat – abgesehen von lokalen Verhaftungen 1934 und 1935 – erst im Februar/März 1937 weitgehend zerstören. Nach der Festnahme und den Aussagen des „Reichskuriers“ Hans Löwendahl wurden fast alle Mitglieder des Berliner Komitees verhaftet. Ein neues Berliner Komitee hielt den organisatorischen Zusammenhalt bis 1945 aufrecht, doch seine Verbindungen zu anderen Gruppen rissen besonders nach Kriegsbeginn zunehmend ab.
Ein Schwerpunkt des Widerstands war der Aufbau illegaler, „überparteilicher“ gewerkschaftlicher Gruppen außerhalb der Deutschen Arbeitsfront, besonders in der Metallindustrie. Die Untergrundzeitung „Der Metallarbeiter“ wurde vor allem in Berlin und Leipzig verbreitet. Die KPO strebte den Sturz des NS-Regimes durch eine „revolutionäre Erhebung der Arbeiterklasse“ und die Errichtung einer sozialistischen Räterepublik an; eine Rückkehr zu einem System wie der Weimarer Republik lehnte sie ab.
Trotz der Illegalität blieb die KPD der politische Bezugsrahmen. Die KPO wollte weiterhin auf deren Linie einwirken und lehnte den Aufbau einer „neuen kommunistischen Partei“ aus abgespaltenen Gruppen ab. Gespräche mit der KPD 1934 führten nicht zu einer Annäherung. Eine „Unterwerfung“ unter die KPD und die ab 1935 geltende Volksfrontpolitik der Komintern lehnten Brandler und Thalheimer ab. Befürworter einer Reintegration in die KPD wurden 1935 aus der KPO ausgeschlossen.
Faschismusanalyse und Kritik an der Komintern
August Thalheimer entwickelte 1928 eine marxistische Faschismusanalyse, die in die Plattform der KPO einging. Seine Definition lautete: „Der Faschismus ist eine Herrschaftsform des Kapitalismus, die dessen soziale Macht sichert, aber den Staatsapparat übernimmt, um die Interessen und Ziele der Bourgeoisie mit aller Härte durchzusetzen. Seine Massenbasis sind deklassierte Elemente aller Klassen, die er mit pseudosozialistischen Versprechungen zu mobilisieren versucht.“
Thalheimer beurteilte den deutschen Faschismus als schlimmer, brutaler und aggressiver als den italienischen Faschismus. Das eigentliche Ziel der NSDAP sah er in der „Vernichtung aller Arbeiterorganisationen“, um eine neue Aufteilung der noch kolonialen Erdteile notfalls durch Krieg durchzusetzen. Daraus folgte für die KPO die Forderung nach einer Einheitsfront aller proletarischen Organisationen.
Die KPO leitete aus dieser Analyse zwei zentrale politische Folgerungen ab:
- Die Sozialfaschismusthese sei völlig falsch und politisch schädlich, weil sie die reformistisch geführte Mehrheit der Werktätigen zu Feinden der Kommunisten mache.
- Die bürgerliche Demokratie müsse von der faschistischen Form kapitalistischer Herrschaft unterschieden werden. Trotz der Möglichkeit eines Übergangs sei sie „der beste Kampfboden für den Sozialismus“.
Die KPO kritisierte zunehmend die Bevormundung der kommunistischen Bruderparteien durch die KPdSU, ab Anfang 1929 auch die Verdrängung innerparteilicher Gegner. Mit der Stalinisierung und dem stalinistischen Terror verschärfte sich diese Kritik. Ab 1935 wandte sich die KPO gegen die Volksfrontpolitik, weil sie darin einen Verzicht auf revolutionäre Ziele sah. Sie kritisierte außerdem die sowjetische Einflussnahme auf die spanische Politik und protestierte schließlich öffentlich gegen die Moskauer Prozesse. 1937 forderte sie die Absetzung der Stalin-Führung, um die Sowjetunion zu erhalten und sie gegen die wachsende imperialistische Bedrohung zu verteidigen.
Zerfall im Exil
Die Führung der KPO um Brandler und Thalheimer floh ins Exil. Einige Mitglieder kämpften im Spanischen Bürgerkrieg in den Reihen der POUM-Miliz, andere arbeiteten im spanischen Flugzeugbau. Anfang 1937 wurden alle Freiwilligen der KPD-O als Konterrevolutionäre verhaftet; sie kamen erst frei, als die Gefängnisse angesichts des Vormarschs der faschistischen Truppen geöffnet wurden.
Im Exil wurde die KPO zunächst besonders von dänischen Genossen und von der US-amerikanischen Independent Communist Labor League um Jay Lovestone finanziell unterstützt. Die Frage, ob die Sowjetunion und die Komintern noch reformierbar seien, führte 1938/39 zum Bruch mit Lovestone. Weitere Auseinandersetzungen bewirkten die Abspaltung der Gruppe Marxisten-Internationalisten um Erich Hausen und Hans Tittel.
Nach Kriegsbeginn 1939/40 wurde die Auslandsleitung in Frankreich interniert. Ein Berliner Komitee arbeitete dennoch im Deutschen Reich weiter. Die politische Eigenständigkeit der KPO zeigte sich vor allem in vier Positionen: der eigenen Faschismusanalyse und der Ablehnung der Sozialfaschismusthese, der Forderung nach einer Einheitsfront, der Ablehnung der Spaltung freier Gewerkschaften und anderer überparteilicher proletarischer Massenorganisationen, der Forderung nach innerparteilicher Demokratie und politischer sowie finanzieller Selbstständigkeit der Komintern-Parteien sowie in einer „kritischen Solidarität“ mit der Sowjetunion.
Entwicklungen nach 1945
Nach 1945 setzte sich die KPO nicht als einheitliche Organisation fort. In personeller und programmatischer Kontinuität standen die 1947 gegründete Gruppe Arbeiterpolitik (GAP) und die Gruppe Arbeiterstimme, die sich 1971 von der GAP abspaltete. Beide Gruppen verbreiteten weiterhin Literatur der KPO. Andere Kommunisten, die sich auf die KPO beriefen, schlossen sich nach 1990 der PDS an; einzelne ehemalige Mitglieder, darunter Philipp Pless, traten der SPD bei.
Auf dem Gebiet der späteren DDR schlossen sich viele frühere KPO-Mitglieder nach 1945 der KPD oder der SED an. Sie wollten am Aufbau des Sozialismus mitwirken, lehnten jedoch die sowjetische Besatzungspolitik ab. Fast alle wurden um 1950 im Rahmen innerparteilicher Säuberungen ihrer Funktionen enthoben.
Theodor Bergmann, ein junger Mitstreiter der KPO, veröffentlichte 1987 das Buch „Gegen den Strom“ über die Geschichte der Gruppe. Der KPO gehörten außerdem zeitweise oder dauerhaft unter anderem Eduard Fuchs, Wolfgang Abendroth, Richard Löwenthal, Hans Mayer und Adolf Ehlers an.