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Revealed Comparative Advantage
Der RCA-Index verfolgt das Ziel, den komparativen Kostenvorteil auf nationaler und internationaler Ebene zu messen. Mit Hilfe des RCA-Koeffizienten können für …
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Grundidee und Aussagekraft
Der Revealed Comparative Advantage (RCA; deutsch: offenbarter komparativer Vorteil) ist ein Index zur Messung komparativer Kostenvorteile auf nationaler und internationaler Ebene. Er beruht auf den theoretischen Überlegungen David Ricardos und wird auch Balassa-Index genannt. Der RCA-Koeffizient zeigt, wie stark ein Land auf bestimmte Wirtschaftszweige oder Gütergruppen spezialisiert ist: Je höher der Koeffizient, desto größer ist der angezeigte komparative Vorteil.
Der Index untersucht beobachtete Handelsströme. Je nach Berechnungsform wird der Anteil einer bestimmten Warengruppe an den nationalen Exporten mit dem entsprechenden Anteil an den internationalen Exporten verglichen oder die Export-Import-Relation eines Sektors derjenigen des gesamten Landes gegenübergestellt. Dadurch wird bei der zweiten Variante auch berücksichtigt, wie erfolgreich sich die heimische Industrie auf dem Inlandsmarkt gegen ausländische Konkurrenz behauptet.
Ein Wert größer als 1 gilt bei den üblichen Formen als Hinweis auf einen komparativen Vorteil beziehungsweise eine Spezialisierung. Ein Wert unter 1 weist auf einen komparativen Nachteil hin.
Entwicklung und Standardformel
Empirische Vorarbeiten stammen von Liesner (1958), der für 16 Wirtschaftssektoren die Handelsbeziehungen Großbritanniens zu Kontinentaleuropa und Schweden von 1953 bis 1956 untersuchte. Er fand Unterschiede in den komparativen Vorteilen einzelner Güter und folgerte, dass Großbritannien durch eine Spezialisierung auf vorteilhafte Güter von einer Freihandelszone profitieren könne.
Balassa verglich 1963 Produktivität und Exporte der USA und Großbritanniens in 26 Branchen. Obwohl die britische Arbeitsproduktivität in nahezu allen Bereichen hinter der US-amerikanischen lag, waren die Gesamtexporte beider Länder annähernd gleich. Die USA übertrafen Großbritannien bei den Exporten nur in Branchen, in denen ihr Produktivitätsvorteil mehr als doppelt so groß war. Damit wurde verdeutlicht, dass internationaler Handel von komparativen und nicht ausschließlich von absoluten Vorteilen abhängt. 1965 verwendete Balassa erstmals den Begriff des offenbarten komparativen Vorteils und identifizierte ihn anhand von Handelsströmen. Als Einflussfaktoren nannte er unter anderem technologischen Fortschritt, Lohnkosten und Produktqualität.
Die Standardformel lautet: RCAᵢⱼ = (Xᵢⱼ / Σⱼ Xᵢⱼ) / (Σᵢ Xᵢⱼ / ΣᵢΣⱼ Xᵢⱼ)
Dabei bezeichnet Xᵢⱼ den Export des Produkts j aus Land i. Der Zähler ist der Anteil des Produkts an den gesamten Exporten des Landes; der Nenner ist der Anteil dieses Produkts an den weltweiten Exporten. RCAᵢⱼ > 1 zeigt einen komparativen Vorteil des Landes i bei Gut j an, RCAᵢⱼ < 1 einen komparativen Nachteil. Je höher der Wert, desto stärker der angezeigte Vorteil.
Weitere Berechnungsformen und Beispiel
Die Standardformel kann auch als RCA = (Eᵢⱼ / Eᵢₜ) / (Eₙⱼ / Eₙₜ) geschrieben werden. Sie vergleicht den nationalen Sektoranteil mit dem internationalen Sektoranteil. Dabei steht i für den nationalen Wirtschaftssektor, t für alle Sektoren, j für die nationalen Gesamtausfuhren und n für die internationalen Gesamtausfuhren. Ein Wert über 1 zeigt an, dass der regionale oder nationale Sektoranteil relativ größer ist als der internationale.
Eine weitere Form berücksichtigt Exporte und Importe: RCA = 100 · ln((Xᵢ / IMᵢ) / (X / IM))
Xᵢ und IMᵢ sind die Exporte beziehungsweise Importe des Sektors i; X und IM sind die Exporte und Importe des gesamten Landes. Ein positiver Wert bedeutet bei ausgeglichener Handelsbilanz einen Exportüberschuss im Sektor, ein negativer Wert einen Importüberschuss. Bei einem Handelsbilanzüberschuss muss die Export-Import-Relation des Sektors größer sein als die der Gesamtwirtschaft, damit ein komparativer Vorteil vorliegt. Die bereinigten RCA-Werte unterschiedlich großer Länder können miteinander verglichen werden.
Eine weitere Berechnung lautet RCA = (Gᵢ − A) · (100 / (1 − A)). Der Gütergruppen-Außenhandelskoeffizient ist Gᵢ = (Xᵢ − IMᵢ) / (Xᵢ + IMᵢ), der aggregierte Außenhandelskoeffizient A = (Xg − IMg) / (Xg + IMg). Bei ausgeglichener Handelsbilanz ist A = 0; ein Überschuss macht A größer als 0 und gewichtet die RCA-Werte höher, ein Defizit wirkt umgekehrt.
Beispiel Automobilbranche: Für Deutschland werden Exporte von Autos von 2 Mrd. bei Gesamtexporten von 50 Mrd. und weltweite Autoexporte von 10 Mrd. bei Weltexporten von 1.000 Mrd. angenommen. Daraus ergibt sich RCAAuto DE = (2/50)/(10/1.000) = 4. Für ein Vergleichsland mit Autoexporten von 0,25 Mrd. und Gesamtexporten von 10 Mrd. ergibt sich RCAAuto VGL = (0,25/10)/(10/1.000) = 2,5. Beide Länder liegen über 1, Deutschland weist aber den höheren Index auf. Das Verhältnis der Werte beträgt 4/2,5 = 1,6; die entsprechende vereinfachte Rechnung 0,04/0,025 ergibt ebenfalls 1,6.
Vergleich ausgewählter Gütergruppen
Die Tabellen erfassen ausgewählte Gütergruppen in Deutschland, Österreich und der Schweiz für die Jahre 2002 bis 2008. Ein Wert über 1 bedeutet jeweils einen offenbarten komparativen Vorteil.
Deutschland hatte bei pharmazeutischen Produkten durchgehend einen Vorteil: Der RCA stieg von 1,126 (2002) auf 1,715 (2008). Bei Baumwolle lag er stets unter 1 und sank von 0,375 auf 0,296. Kaffee, Tee, Mate und Gewürze, Getränke, Spirituosen und Essig sowie Eisen und Stahl lagen in allen aufgeführten Jahren unter 1. Eisen und Stahl erreichte 2002 mit 0,973 den höchsten deutschen Wert dieser drei Gruppen.
Österreich wies bei pharmazeutischen Produkten durchgehend Werte über 1 auf, zwischen 1,198 und 1,619. Getränke, Spirituosen und Essig zeigten besonders hohe Werte von 1,644 (2002) bis 2,692 (2005), danach 2,295 (2008). Auch Eisen und Stahl lagen durchgehend über 1. Kaffee, Tee, Mate und Gewürze überschritten 2006 mit 1,028 einmal die Schwelle; Baumwolle blieb stets darunter.
Die Schweiz hatte bei pharmazeutischen Produkten besonders hohe RCA-Werte, von 5,985 (2002) bis 7,993 (2008). Kaffee, Tee, Mate und Gewürze lagen zunächst unter 1, stiegen aber auf 1,463 (2007) und 1,874 (2008). Getränke, Spirituosen und Essig überschritten 2008 mit 1,261 erstmals die Schwelle. Baumwolle sowie Eisen und Stahl lagen in allen Jahren unter 1; bei Eisen und Stahl betrugen die Werte nur 0,281 bis 0,303.
Anwendungen und Grenzen
Die Deutsche Bank verwendete den RCA-Index in einem wirtschaftlichen Ausblick vom Juli 2012, um Deutschlands Stellung im internationalen Dienstleistungshandel anhand vergangener Daten zu untersuchen. Der Anteil einer Dienstleistungskategorie an den deutschen Gesamtexporten wurde mit dem Anteil dieser Kategorie an den weltweiten Exporten verglichen. Seit 1980 bestand demnach im Reiseverkehr ein komparativer Vorteil. Der Transportdienstleistungssektor hatte zu Beginn der 1990er Jahre zunächst einen Nachteil, entwickelte sich einige Jahre später aber zum Vorteil; als Grund wurde die Öffnung Osteuropas genannt. Auch die übrigen Dienstleistungsbereiche wurden als positiv bewertet.
Die Schweizer Bundesbehörden nutzten den RCA-Index im Masterplan Cleantech Schweiz von 2011 auf Grundlage der Export-Import-Relation. Verglichen wurde die Relation der einzelnen Cleantech-Sektoren mit der Relation aller Güter der Schweiz. Positive Werte standen für einen komparativen Vorteil und eine starke internationale Wettbewerbsposition. Überdurchschnittliche Werte wurden für die meisten Cleantech-Segmente festgestellt, ausgenommen erneuerbare Materialien und nachhaltige Mobilität. Besonders stark war der Außenhandel in den Bereichen Elektrizitätsspeicher, Abfallwirtschaft und Ressourceneffizienz, Umwelttechnologien im engeren Sinn sowie Energieeffizienz. Zugleich verschlechterte sich die globale Wettbewerbssituation von 2000 bis 2007 gegenüber 1991 bis 1999.
Der RCA misst tatsächlich beobachtete Ergebnisse und enthält daher auch die Wirkung tarifärer Handelshemmnisse wie Zölle und Subventionen sowie nichttarifärer Hemmnisse wie Importquoten oder freiwilliger Exportbeschränkungen. Ein Sektor kann deshalb einen hohen Wert erreichen, weil er vor ausländischer Konkurrenz geschützt wird. Der Wegfall dieses Schutzes oder die Öffnung von Märkten kann den Index verändern, ohne dass daraus eindeutig die Ursachen der Wettbewerbsfähigkeit hervorgehen. RCA-Werte beschreiben Ist-Zahlen, erklären aber nicht zuverlässig die Bestimmungsfaktoren internationaler Wettbewerbsfähigkeit. Außerdem berücksichtigen sie dynamische Entwicklungen nur begrenzt: Während manche Sektoren schrumpfen, können andere expandieren und wettbewerbsfähig werden. Bei mehreren Gütern fehlt den RCA-Werten zudem eine konsistente theoretische Grundlage für ihre Interpretation.