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Wirtschaftssektor

Als Wirtschaftssektoren werden in der Wirtschaftswissenschaft zumeist die Urproduktion (sogenannter primärer Sektor), die Industrie und das Gewerbe …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee der Wirtschaftssektoren
  2. 2. Primäre Produktion
  3. 3. Verarbeitung und Produktion
  4. 4. Dienstleistungen und Information
  5. 5. Weitere Erweiterung
  6. 6. Statistische Beispiele

Grundidee der Wirtschaftssektoren

Wirtschaftssektoren sind eine Einteilung der Wirtschaft nach der Art der wirtschaftlichen Tätigkeit. In der Wirtschaftswissenschaft werden meist drei Hauptsektoren unterschieden: der primäre Sektor, also die Urproduktion, der sekundäre Sektor, also Industrie und Gewerbe, und der tertiäre Sektor, also Dienstleistungen.

Nach der traditionellen Drei-Sektoren-Hypothese liefert die Urproduktion Grundstoffe und Rohstoffe. Der Sekundärsektor verarbeitet diese Vorleistungsgüter weiter, etwa in Industrie, verarbeitendem Gewerbe und Handwerk. Der Tertiärsektor stellt Dienstleistungen bereit, die in Unternehmen, durch den Staat oder in anderen öffentlichen Einrichtungen erbracht werden. Teilweise wird diese Einteilung um einen Quartärsektor und einen Quintärsektor erweitert.

Primäre Produktion

Der Primärsektor wird auch Urproduktion genannt. Er liefert meistens die Rohstoffe für spätere Produkte. Dazu gehören zum Beispiel der Anbau und die Ernte landwirtschaftlicher Erzeugnisse, die Holzernte in der Forstwirtschaft, Fischfang, Jagd, das Schlachten von Vieh und die Nutzung von Wasserkraft.

Die Einordnung des Bergbaus ist umstritten. Nach einer engeren Definition gehören nur Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei zum Primärsektor. Nach einer weiteren Definition zählt auch der Bergbau dazu, weil er unverfeinerte Rohstoffe liefert.

In den meisten Entwicklungsländern arbeitet ein wesentlich höherer Anteil der Bevölkerung im primären Wirtschaftssektor als in Industrienationen. Grundsätzlich besteht eine inverse Korrelation zwischen dem Anteil der Beschäftigten im Primärsektor und dem Entwicklungsstand eines Staates: Je höher der Entwicklungsstand, desto geringer ist meist der Beschäftigtenanteil im Primärsektor. Der Primärsektor stellt Grund- und Rohstoffe her, die der sekundäre Sektor weiterverarbeitet.

Verarbeitung und Produktion

Der Sekundärsektor umfasst das produzierende Gewerbe einer Volkswirtschaft. Er ist für die Verarbeitung von Rohstoffen zuständig. Dazu zählen unter anderem das verarbeitende Gewerbe, die Industrie, das Handwerk, die Energiewirtschaft, die Energie- und Wasserversorgung und meistens auch das Baugewerbe. Als Synonym wird der Begriff industrieller Sektor verwendet.

Auch der Bergbau wird teilweise dem Sekundärsektor zugeordnet. Das zeigt, dass die Sektoreneinteilung nicht immer eindeutig ist.

Kennzeichnend für den Sekundärsektor ist die Weiterverarbeitung von Gütern aus dem Primärsektor. Deshalb ist er materialintensiv, also stark auf Material und Rohstoffe angewiesen. Weil im Produktionsprozess Investitionsgüter eingesetzt werden, gilt er außerdem als kapitalintensiv.

Dienstleistungen und Information

Der Tertiärsektor, auch Dienstleistungssektor genannt, umfasst alle Dienstleistungen, die von eigenständigen Unternehmen, vom Staat oder von anderen öffentlichen Einrichtungen erbracht werden. Wegen ihrer volkswirtschaftlichen Bedeutung werden bestimmte Zweige häufig separat betrachtet, besonders Handel, Verkehr und öffentliche Haushalte. Das ist vor allem für Standorte sinnvoll, an denen Dienstleistungen eine große Rolle spielen.

Der Quartärsektor wird unterschiedlich definiert; meistens wird die Wirtschaft aber nur in drei Sektoren eingeteilt. Jean Gottmann definierte 1961 Tätigkeiten des Quartärsektors als Bereiche des tertiären Sektors, die besonders hohe intellektuelle Ansprüche stellen und ausgeprägte Verantwortungsbereitschaft erfordern. Dazu gehören unter anderem Beratung durch Ingenieure, Rechtsanwälte, Wirtschaftsberater und Steuerberater, außerdem Heil-, Erziehungs- und Bildungsberufe, IT-Dienstleistungen, Hochtechnologie wie Nanotechnologie und Biotechnologie sowie Kommunikationstechnik.

Manchmal meint Quartärsektor nur die rasch wachsenden Informationsdienstleistungen, also Branchen, die Informationen, Daten und Wissen erstellen, verarbeiten und verkaufen. Einige Wirtschaftsforscher nehmen an, dass sich westliche Dienstleistungsgesellschaften zu Informationsgesellschaften oder Wissensgesellschaften entwickeln. Eine weitere Definition zählt Dienste im Bereich Freizeit und Unterhaltung dazu. Hans Linde verstand 1977 unter dem quartären Sektor Dienstleistungen, die nicht durch marktwirtschaftliche Prinzipien gelenkt, sondern politisch reguliert werden, also staatliche Dienstleistungen.

Weitere Erweiterung

In der Fachliteratur wird selten auch ein Quintärsektor definiert. Er umfasst die Bereiche Entsorgungswirtschaft, Tourismus, Freizeitgestaltung, Wellness und Gesundheitswesen.

Dieser Sektor kann sehr groß verstanden werden. Zur Entsorgungswirtschaft gehören zum Beispiel Müllabfuhr, Schrottplätze, Kläranlagen und Recyclinganlagen. Diese werden sonst laut NACE dem sekundären Sektor zugeordnet. Tourismus, Freizeitgestaltung, Wellness und Gesundheitswesen werden sonst gewöhnlich dem Dienstleistungssektor, also dem tertiären Sektor, zugerechnet.

Statistische Beispiele

Die Statistik zeigt, wie unterschiedlich die Erwerbstätigen auf die Sektoren verteilt sein können. Die genannten Zahlen stammen aus den Fischer Weltalmanachen 2008 und 2012.

In Deutschland arbeiteten 2010 2,1 % der Erwerbstätigen im Primärsektor, 24,4 % im Sekundärsektor und 73,5 % im Tertiärsektor. In Österreich waren es 2010 4,3 %, 26,9 % und 68,8 %, in der Schweiz 2010 3,4 %, 22,8 % und 73,8 %.

In den USA arbeiteten 2007 1,4 % im Primärsektor, 21,0 % im Sekundärsektor und 78,0 % im Tertiärsektor. Im Vereinigten Königreich waren es 2010 1,9 %, 18,7 % und 79,4 %, in Japan 2007 4,0 %, 28,0 % und 67,0 %.

Andere Beispiele zeigen deutlich abweichende Strukturen: In Guatemala arbeiteten 2002 39,0 % im Primärsektor, 20,0 % im Sekundärsektor und 38,0 % im Tertiärsektor. In Botswana waren es 2005 2,0 % im Primärsektor, 53,0 % im Sekundärsektor und 45,0 % im Tertiärsektor.

Lernvideos zu Wirtschaftssektor

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