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Handelsbilanzüberschuss
Die deutsche Wirtschaft ist stark vom Export abhängig. · Die Ausfuhren (Exporte) im Jahr 2017 lagen mit etwa 1,27 Billionen Euro um 6,2 · Die deutsche …
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Begriff und Einordnung
Ein Handelsbilanzüberschuss, auch Außenhandelsbilanzüberschuss oder Exportüberschuss genannt, liegt vor, wenn der in Geldeinheiten gemessene Wert der Exporte eines Staates innerhalb einer Rechnungsperiode größer ist als der Wert seiner Importe. Als Rechnungsperiode dient meist ein Jahr oder ein Quartal. Das Gegenstück ist das Handelsbilanzdefizit.
Die Handelsbilanz erfasst den Außenhandel eines Staates in einem bestimmten Zeitraum. Im Mittelpunkt stehen Transaktionen mit Produktions- und Warencharakter, vor allem Exporte, Importe und Lohnveredelungen. Sie ist ein Teil der Leistungsbilanz; diese gehört wiederum zur Zahlungsbilanz. Zur Leistungsbilanz zählen außerdem die Dienstleistungsbilanz, Erwerbs- und Vermögenseinkommen sowie laufende Übertragungen.
Berechnung und Zusammenhang mit Kapitalbewegungen
Bezeichnen Ex die Exporte und passiven Lohnveredelungen und Im die Importe und aktiven Lohnveredelungen, gilt:
• Handelsbilanzüberschuss: H_s = Ex > Im • Handelsbilanzdefizit: H_d = Ex < Im
Die Differenz zwischen Exporten und Importen heißt neutral Saldo. Ein positiver oder aktiver Saldo ist ein Überschuss, ein negativer oder passiver Saldo ein Defizit. In der Handelsbilanz erscheint der Überschuss auf der Passivseite, auf der die Importe stehen; ein Defizit wird auf der Aktivseite bei den Exporten ausgewiesen. Der Saldo wird in die Zahlungsbilanz übertragen und erscheint dort auf der entgegengesetzten Seite. Ein Überschuss gilt als Indikator für die Wettbewerbsfähigkeit des Landes und der exportierenden Branchen.
Das Statistische Bundesamt erstellt die deutsche Handelsbilanz. Seine Intrahandelsstatistik erfasst den Handel zwischen den Mitgliedstaaten der Europäischen Union, die Extrahandelsstatistik den Handel mit Staaten außerhalb der EU. Die Handelsbilanz ist meist nicht ausgeglichen. Ihre Salden werden zusammen mit denen der Dienstleistungsbilanz, der Faktoreinkommen-Bilanz und der Bilanz der laufenden Übertragungen in der Leistungsbilanz ausgewiesen.
Nach dem Prinzip der doppelten Buchführung geht ein Handelsbilanzüberschuss laut Artikel mit einem Überschuss in der Kapitalbilanz einher: Die Volkswirtschaft exportiert Kapital. Dadurch steigen die Forderungen des Inlandes gegenüber dem Ausland oder seine Verbindlichkeiten gegenüber dem Ausland sinken. Kapitalexport liegt auch vor, wenn Inländer im Ausland Vermögen wie Grundstücke, Immobilien, Wertpapiere oder Unternehmen erwerben; der Erwerb von Unternehmen zählt zu den Direktinvestitionen.
Einflussfaktoren
Ein wichtiger Einflussfaktor ist der reale Wechselkurs, also der relative Preis inländischer Güter, ausgedrückt in Einheiten ausländischer Güter. Bei einer Abwertung der inländischen Währung werden Importe teurer, sodass die Importnachfrage in der Regel sinkt. Gleichzeitig werden Exporte billiger, wodurch ihre Nachfrage steigt. Die Handelsbilanz verbessert sich jedoch nur, wenn die Marshall-Lerner-Bedingung erfüllt ist: Die Exporte müssen stark genug zunehmen und die Importe stark genug zurückgehen, um den Preisanstieg der Importe auszugleichen. Tatsächlich verschlechtert sich die Handelsbilanz nach einer Abwertung häufig zunächst und verbessert sich erst später. Dieser Verlauf heißt J-Kurven-Effekt.
Auch Realeinkommensänderungen wirken auf den Saldo. Sinkt bei gleichbleibenden übrigen Bedingungen und konstantem Wechselkurs das Einkommen im Inland, gehen die Importe zurück. Steigt das Einkommen im Ausland, nimmt die Nachfrage nach inländischen Exporten zu. In beiden Fällen steigt der Handelsbilanzsaldo.
Ein Rückgang der inländischen Güternachfrage, etwa durch niedrigere Staatsausgaben, Steuererhöhungen oder geringere Konsumausgaben für Waren mit ausländischen Anteilen, senkt die inländische Produktion und die dafür benötigten Warenimporte. Dies kann zu einem Handelsbilanzüberschuss führen. Steigt dagegen die ausländische Nachfrage nach inländischen Gütern, wachsen Produktion und Exporte. Ein Überschuss entsteht unter der Annahme, dass die für die zusätzliche Produktion erforderlichen Importe zwar ebenfalls zunehmen, aber weniger stark als die Exporte.
Deutschland
Die deutsche Wirtschaft ist stark vom Export abhängig, benötigt als rohstoffarmes Land aber zugleich Importe, besonders Energie. Im Jahr 2017 exportierte Deutschland Waren im Wert von etwa 1,27 Billionen Euro; das waren 6,2 % mehr als im Vorjahr. Wichtigstes Exportgut waren Kraftwagen und Kraftwagenteile mit einem Anteil von etwa 18 %, gefolgt von Maschinen mit 15 % und chemischen Erzeugnissen mit 9 %. Zusammen entfielen auf diese drei Branchen 42 % der deutschen Ausfuhren.
Die Importe stiegen 2017 um 8,3 % auf etwa 1,03 Billionen Euro. Die Außenhandelsbilanz schloss mit einem Überschuss von rund 245 Milliarden Euro, etwas weniger als 2016 mit 249 Milliarden Euro. Anders als die Handelsbilanz war die deutsche Dienstleistungsbilanz negativ: Deutschland importierte mehr Dienstleistungen, als es exportierte.
Im Handel mit anderen EU-Mitgliedstaaten exportierte Deutschland 2014 Waren im Wert von 657,3 Milliarden Euro und importierte Waren im Wert von 599,9 Milliarden Euro. Gegenüber 2013 nahmen die Exporte um 5,4 % und die Importe um 3,6 % zu. Frankreich blieb mit Exporten von 101,9 Milliarden Euro Deutschlands wichtigstes Exportland; danach folgten die USA und Großbritannien. In Drittländer außerhalb der EU gingen 2014 Exporte im Wert von 476,2 Milliarden Euro, während von dort Waren für 316,6 Milliarden Euro eingeführt wurden. Gegenüber 2013 stiegen diese Exporte um 1,5 %, die Importe sanken um 0,9 %.
Ein Leistungsbilanzüberschuss eines EU-Mitgliedstaates gegenüber anderen EU-Staaten gilt ab 6 % des Bruttoinlandsprodukts als stabilitätsgefährdend; bei gleichzeitigem Haushaltsdefizit liegt die Grenze bei 3 %. Eine Überschreitung führt zu einer Prüfung, eine dauerhaft erhöhte Quote kann ein Strafverfahren auslösen. Die Bewertung der deutschen Überschüsse ist jedoch umstritten: Eine Studie schreibt ihnen positive Wirkungen auf andere EU-Staaten zu und hält ihre Senkung für kontraproduktiv. Der Wissenschaftliche Beirat des Bundeswirtschaftsministeriums sieht keine wirksamen staatlichen Maßnahmen des Überschusslandes zur Senkung von Exportüberschüssen. Auch die Bundesbank nimmt nur einen geringen Einfluss staatlicher Maßnahmen der Bundesregierung auf die Handelsbilanz an.
Europäische Union und China
Der Handelsbilanzüberschuss der EU-28 betrug 2013 49,3 Milliarden Euro, 2014 11,1 Milliarden Euro, 2015 64,2 Milliarden Euro, 2016 32,0 Milliarden Euro und 2017 22,9 Milliarden Euro. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt waren dies der Reihe nach 0,4 %, 0,1 %, 0,4 %, 0,2 % und 0,1 %. Das Bruttoinlandsprodukt der EU-28 stieg in diesem Zeitraum von 13.559 Milliarden Euro auf 15.320 Milliarden Euro. Gegenüber den USA erzielte die EU 2015 einen Überschuss von 157 Milliarden US-Dollar; 75 Milliarden US-Dollar davon entfielen auf Deutschland.
Die Volksrepublik China war 2009 erstmals Exportweltmeister; zugleich nennt der Artikel bereits das 2. Quartal 2007 als Zeitpunkt, zu dem China vor den USA Exportweltmeister war. Chinas Anteil am Weltexport stieg von 0,8 % im Jahr 1978 auf 8,0 % im Jahr 2006. Laut Germany Trade and Invest beruhten die Exportüberschüsse nur unwesentlich auf Billigprodukten. China war 2006 mit Exportanteilen von 18,5 % in der Elektronik und 13,4 % in der Elektrotechnik größter Lieferant. Bei Stahl lag es mit 8,7 % knapp hinter Deutschland mit 8,8 %.
2007 erreichte China einen Handelsbilanzüberschuss von 262,2 Milliarden Dollar, damals rund 180 Milliarden Euro. Das waren 47,7 % mehr als 2006; die meisten Exporte gingen in die EU, die USA und Japan. 2016 betrug Chinas Leistungsbilanzüberschuss rund 245 Milliarden US-Dollar. Deutschland kam im selben Jahr auf 297 Milliarden US-Dollar beziehungsweise 8,6 % des Bruttoinlandsprodukts und war damit der größte Kapitalexporteur der Welt. Viele Fachleute betrachteten Kapitalexporte wegen ihrer relativ hohen Verzinsung als logischen Schritt einer alternden Volkswirtschaft.
Während der COVID-19-Pandemie sank Chinas Nachfrage nach ausländischen Gütern und Dienstleistungen deutlich. Im Mai 2020 lagen die Importe 16,7 % und die Exporte 3,3 % unter den Werten vom Mai 2019. Weil die Importe stärker zurückgingen, erreichte der Außenhandelsüberschuss einen Rekordwert.
Wirtschaftliche Bewertung
Dauerhaft hohe Überschüsse werden wirtschaftspolitisch kritisch diskutiert. Nach dem im Artikel genannten Stand von 2016 verfehlt ein EU-Mitgliedstaat das Ziel des außenwirtschaftlichen Gleichgewichts, wenn sein Handelsbilanzüberschuss länger als drei Jahre mehr als 6 % des Bruttoinlandsprodukts beträgt. Staaten mit dauerhaft hohen Handelsbilanzüberschüssen werden Exportweltmeister genannt.
Seit Beginn der zweiten Amtszeit Donald Trumps und der damit verbundenen US-Zollpolitik wird in Deutschland seit Anfang 2025 verstärkt darauf hingewiesen, dass eine isolierte Betrachtung des bilateralen Warenhandels unvollständig sein kann. Handelsbilanzen enthalten insbesondere Umsätze des Dienstleistungssektors sowie des Informations- und Digitalsektors nicht. Da diese Bereiche stark gewachsen sind, können sie ein im Warenhandel sichtbares Ungleichgewicht abschwächen oder in der Gesamtbetrachtung sogar umkehren.