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Arbeit (Volkswirtschaftslehre)

Arbeit (englisch labour) ist in der Volkswirtschaftslehre ein Produktionsfaktor, der jede menschliche Tätigkeit mit dem Ziel der Einkommenserzielung umfasst …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Was ist Arbeit in der Volkswirtschaftslehre?
  2. 2. Geschichtliche Entwicklung des Arbeitsbegriffs
  3. 3. Arbeitsmarkt, Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage
  4. 4. Arten der Arbeit: bezahlt, unbezahlt, unproduktiv
  5. 5. Entwicklung der Erwerbsarbeit und Einfluss von Technologie

Was ist Arbeit in der Volkswirtschaftslehre?

Arbeit ist in der Volkswirtschaftslehre ein Produktionsfaktor. Er umfasst jede menschliche Tätigkeit mit dem Ziel der Einkommenserzielung, die gegen Entlohnung auf die Befriedigung der Bedürfnisse anderer Personen gerichtet ist. Die volkswirtschaftliche Definition reduziert Arbeit auf Erwerbstätigkeit; unbezahlte Formen wie Haus- und Familienarbeit, Do-it-yourself-Arbeit, Gefälligkeiten, Subsistenzwirtschaft oder ehrenamtliche Tätigkeiten werden vernachlässigt. Neben der Arbeit gibt es den Boden als zweiten originären Produktionsfaktor; zusammen mit dem derivativen (abgeleiteten) Faktor Kapital bilden sie die drei klassischen Produktionsfaktoren. Weil diese Faktoren knapp sind, haben sie einen Preis: Bei der Arbeit heißt er Lohn, beim Boden Bodenrente, beim Kapital Zins. Manche Autoren zählen heute auch das Wissen zu den Produktionsfaktoren.

Geschichtliche Entwicklung des Arbeitsbegriffs

Adam Smith sah in „Der Wohlstand der Nationen“ (1776) die menschliche Arbeit als Quelle des Wohlstands – nicht den Boden. Arbeitsteilung steigere Produktivität und Effizienz. Jean-Baptiste Say stellte 1803 Arbeit mit Boden und Kapital auf eine Stufe und ergänzte 1828 den Faktor „unternehmerische Tätigkeit“. David Ricardo räumte der Arbeit 1837 durch seine Arbeitswerttheorie eine Sonderstellung ein. John Stuart Mill unterschied 1875 produktive Arbeit (Landwirtschaft, Industrie, Transport, Handel), indirekt produktive Arbeit (Erziehung, Wissenschaft, öffentliche Dienstleistungen) und unproduktive Arbeit, die die Gesellschaft an materiellen Produkten ärmer mache (z. B. Unterhaltung durch Schauspieler oder Musiker). Karl Marx betrachtete Arbeit zentral: ökonomisch (Arbeit als Ware, Mehrwert, abstrakte Arbeit), philosophisch-anthropologisch („Stoffwechsel zwischen Mensch und Natur“) und politisch. Er unterschied 1867 Gebrauchswert und Tauschwert und sprach von einer „Entfremdung des Menschen von der Arbeit“: Der Arbeiter muss seine Arbeitskraft verkaufen und erzeugt einen Mehrwert, den der Kapitalist aneignet – Grundlage seiner Arbeitswertlehre und Ausbeutungstheorie. Adolf Weber umschrieb Arbeit 1930 als Inbegriff der menschlichen Wirkungsfähigkeit (Willenskraft, Körperkraft, Einsicht). Die moderne Lehre sieht Arbeitskräfte nicht nur als Produktionsfaktoren, sondern als eigentlichen Zweck des Wirtschaftens; Arbeitsverhalten lässt sich nicht allein durch das Rationalprinzip erklären.

Arbeitsmarkt, Arbeitsangebot und Arbeitsnachfrage

Der Arbeitsmarkt ist ein Faktormarkt, auf dem Arbeitsangebot (Arbeitnehmer) und Arbeitsnachfrage (Arbeitgeber) aufeinandertreffen; der Preis ist das Arbeitsentgelt (Lohn oder Gehalt). Für Arbeitgeber sind Löhne Faktorkosten, für Arbeitnehmer Einkommen. Das Zeitbudget T einer Arbeitskraft teilt sich in Arbeitsangebot H und Freizeit F: T = H + F (Zeitrestriktion). Hauptbestimmungsfaktoren des Arbeitsangebots sind Bevölkerungsgröße (Fertilität, Mortalität, Wanderungssaldo), Erwerbsbeteiligung, geleistete Arbeitsstunden, Arbeitsleistung und Qualifikation. Die Angebotskurve verläuft normalerweise steigend. Sie kann aber rückwärts geneigt sein: Ein höherer Lohn wirkt einerseits als Anreiz, mehr zu arbeiten (Substitutionseffekt), erhöht andererseits die Kaufkraft, so dass mit weniger Arbeit der gleiche Konsum möglich ist (Einkommenseffekt). Überwiegt der Einkommenseffekt, wird bei höherem Lohn weniger Arbeit angeboten. Ein anormaler, spiegelverkehrter Verlauf kann in Ländern ohne soziale Mindestabsicherung auftreten: Ist der Lohn zu niedrig zum Überleben, müssen Arbeitnehmer sogar mehr arbeiten. Die Arbeitsnachfrage hängt vom Arbeitslohn W, Kapital K, Arbeitseinsatz L und den Grenzkosten G ab; ein gewinnmaximierendes Unternehmen passt Arbeits- und Kapitaleinsatz so lange an, bis W/G_L(K,L) = K/G_K(K,L) gilt. Ist das Angebot höher als die Nachfrage, liegt Arbeitslosigkeit (Unterbeschäftigung) vor, sonst offene Stellen und Überbeschäftigung. Arbeit wird als homogene Größe in Arbeitsstunden gemessen: Arbeit = Arbeitskraft · Arbeitszeit.

Arten der Arbeit: bezahlt, unbezahlt, unproduktiv

Man unterscheidet bezahlte und unbezahlte Arbeit. Gemeinsame Kriterien sind: körperliche oder geistige Arbeit (nach dem Schwerpunkt der Betätigung, auch für Gesundheitsschutz relevant), leitende oder ausführende Arbeit (Führungsaufgaben oder Weisungsausführung, wobei durch Job-Enrichment auch ausführende Arbeit mehr Leitungsaufgaben erhält), ungelernte, angelernte und gelernte Arbeit (Angelernte haben eine begrenzte Ausbildung zwischen drei Monaten und weniger als zwei Jahren, Ungelernte weder Berufsausbildung noch Anlernverhältnis) sowie selbständige oder unselbständige Arbeit (Abhängigkeit von einer fremden Arbeitsorganisation). Bei bezahlter Arbeit wird Arbeitsleistung und Arbeitsleid durch das Arbeitsentgelt entlohnt; Studien zeigen, dass Angestellte durchschnittlich 1,5 bis 3 Stunden ihrer täglichen Arbeitszeit für entlohnte private Tätigkeiten nutzen. Unbezahlte Arbeit (z. B. Haushaltsproduktion) trägt zwar zur Leistungsfähigkeit einer Volkswirtschaft bei, wird aber als Satellitensystem betrachtet und nicht in der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung abgebildet. OECD-Zahlen von 2016: täglich durchschnittlich 271,9 Minuten bezahlte Arbeit (Männer 328,5; Frauen 215,3) und 204,6 Minuten unbezahlte Arbeit (Männer 137,6; Frauen 271,7), insgesamt 476,5 Minuten. In Deutschland arbeiteten Männer 281,6 Min. bezahlt und 163,8 Min. unbezahlt, Frauen 180,9 Min. bezahlt und 268,8 Min. unbezahlt. „Unproduktive Arbeit“ ist ein umstrittener Begriff der klassischen Nationalökonomie für Arbeit mit geringfügiger oder fehlender Arbeitsproduktivität.

Entwicklung der Erwerbsarbeit und Einfluss von Technologie

Im Laufe der Jahrhunderte nahmen Arbeitsteilung, Spezialisierung und Produktivität zu; Tausch und Gütermenge wuchsen. Die Industrialisierung zerlegte die Produktion in kleine Einzelschritte: Arbeiter mussten nicht mehr jeden Schritt beherrschen, entwickelten mehr Geschick und Routine; Effizienzgewinne entstanden durch Erfahrungs- und Lerneffekte. Anfangs lagen Löhne oft am Existenzminimum; später legten Gewerkschaften durch Tarifvereinbarungen Tariflöhne als Untergrenze fest. Heute gewinnt durch Rationalisierung und Automatisierung die qualifizierte, wissensbasierte Arbeit an Bedeutung. Jeremy Rifkin erwartet, dass die digitale Revolution die Arbeit langfristig verschwinden lässt; André Gorz hält Vollbeschäftigung für eine Illusion und befürwortet ein Grundeinkommen; Norbert Wiener warnte 1947 vor Massenarbeitslosigkeit durch Computertechnik; Gutenberg stellte 1958 eine Entfremdung der Arbeit durch Automatisierung fest. Investitionsrückgänge senken die Arbeitsproduktivität: Die Arbeitsnachfragekurve verschiebt sich nach links, Reallöhne sinken. Technischer Fortschritt macht Arbeiter produktiver: Die Nachfragekurve verschiebt sich nach rechts, Reallöhne steigen – vor allem nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften steigt, die nach ungelernten sinkt. Beim Regulierungsgrad gibt es Unterschiede: Neoklassiker fordern einen freien Arbeitsmarkt (z. B. USA, Großbritannien), während Kontinentaleuropa stärker reguliert – mit Mindestlöhnen, Kündigungsschutz, Tarifverträgen und Mitbestimmung (z. B. Betriebsverfassungsgesetz und Mitbestimmungsgesetz in Deutschland). Wichtig ist zudem die Arbeitsmobilität (Wechselbereitschaft des Arbeitsplatzes): innerbetrieblich (nur Arbeitsplatzwechsel) und zwischenbetrieblich, beruflich, regional und international (z. B. Arbeitsmigration, Pendler, Talentabwanderung). Vollkommene Faktormobilität führt über den Marktmechanismus zu Marktgleichgewichten und gleich hohen Faktoreinkommen.

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