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Ressource Wasser - unser wertvollster Rohstoff wird knapp! | Doku

Hessischer Rundfunk42:13 61.484 Aufrufe veröffentlicht Auf YouTube

Das Wichtigste aus dem Video

Tipp auf eine Zeit – das Video springt genau dorthin.

Transkriptautomatisch erstellt · 360 Zeilen
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  1. Untertitel: Hessischer Rundfunk Untertitel: Hessischer Rundfunk
  2. * dramatische Musik * Hitze, Sonne, vor allem aber ausbleibender Regen
  3. lassen die Pegelstände sinken. An einigen Orten war es so heiß, wie nie zuvor.
  4. In weiten Teilen Deutschlands und auch hier bei uns in Hessen ist es einfach viel zu trocken.
  5. Und es fiel nicht einmal halb so viel Regen. * Dramatische Musik wird fortgesetzt. *
  6. Der Grundwasser-Pegel sinkt. Die Bevölkerung wird aufgefordert, die Entnahme von Trinkwasser
  7. auf das absolut notwendige Maß zu reduzieren. Kein Wasser. Seit Wochen.
  8. Fuldatal bei Kassel im Juli 2022. Gemüsefelder. 15 Hektar.
  9. Nichts wächst, wie es könnte, auch nicht der Rosenkohl. Die Pflanze haben wir zwei Wochen vor dieser gepflanzt.
  10. Da war noch Feuchtigkeit im Untergrund, in den tieferen Schichten
  11. und das hat die Pflanze halt noch mitgenommen. Seitdem die kleine hier steht, hat es nicht mehr geregnet.
  12. Das ist halt dieser Unterschied, den man hier ganz klar sehen kann. Wasser, jeder Tropfen bedeutet Leben.
  13. Hier bekommen die Tomaten an die Wurzeln geträufelt, was sie brauchen. Wohl dosiert, pro Tag drei bis vier Liter.
  14. So wachsen im Gewächshaus auf 200 Quadratmetern etwa 1200 Tomatenpflanzen.
  15. Genug für eine wöchentliche Ernte von 350 Kilogramm. Das untere Wasser ist für das Wachstum der Pflanzen
  16. und das obere Wasser ist der Sonnenschutz für die Pflanzen. Künstlicher Regen für die Gurken. Drei Mal täglich für eine Minute.
  17. Diese Dosis verabreicht der Gemüsegärtnermeister seiner anderen Gewächshauskultur.
  18. Die Gurke ist halt sehr empfindlich. Hier oben an diesem Kopf.
  19. Das ist der Vegetationskopf, hier wächst sie immer weiter und bei ganz heißem Wetter bekommt die hier oben einen Schaden.
  20. Als würden wir einen Sonnenstich bekommen und dann geht es uns ja auch nicht gut.
  21. Deswegen haben wir hier oben diese Ober-Beregnung und damit machen wir die Pflanze nass, damit sie gekühlt wird.
  22. Lebensspendendes Nass kann Pflanzen auch von unten, direkt an die Wurzeln, geliefert werden.
  23. Wildkräuter etwa, wachsen in solchen Ebbe-Flut-Tischen. Dadurch saugen sich die Pflanzen voll.
  24. Mit dem Wasser, das sie benötigen. Nach einer bestimmten Zeit, wenn die Tische voll sind,
  25. läuft das ganze Wasser, das überschüssig ist, das auf dem freien Feld einfach verdunstet,
  26. läuft hier wieder zurück und wir benutzen das nächste Mal wieder. Wir brauchen nur das Wasser, was die Pflanze benötigt.
  27. Dadurch ist das sehr sparsam. Es gibt Betriebe, die Salat und Jungpflanzen so kultivieren.
  28. Die haben dann große Gewächshäuser, wo der ganze Boden, das ist dann eine große Betonfläche, wo der ganze Boden angestaut wird.
  29. Also, das gibt es auch. Das ist aber kostenintensiv. Und damit keine Alternative zum Feld.
  30. Und hier, keine Feuchtigkeit. Wochenlang ist kein Regen gefallen. Wo über Jahrzehnte alles, was gepflanzt worden war,
  31. üppig wuchs, kämpft der Gemüsebauer in der vierten Generation mit stetig zunehmender Trockenheit.
  32. Wenn man so die Möhre anguckt, die sieht ja so aus, wie eine Möhre aussehen soll.
  33. Aber dann guckt man sich das hier unten an. Da sieht man, es ist ja viel dünner, viel spitzer.
  34. Und das ist ein Zeichen dafür, dass es viel zu trocken ist. Ohne Wasser gibt es keine Lebensmittel.
  35. Da ist Gemüse sogar verhältnismäßig genügsam. Ein Kilo Möhren benötigt 130 Liter, Kartoffeln 210,
  36. grüner Salat 240, ein Liter Milch braucht schon 600 Liter Wasser. Ein Kilo Eier mehr als das Fünffache,
  37. ein Kilo Reis fast dreieinhalbtausend Liter, ein Kilo Schweinefleisch mehr als 4.700 und Rindfleisch gar mehr als 15.000 Liter Wasser.
  38. Also: Wasser muss her! Ullrich hat ein Speicherbecken gebaut für 6000 Kubikmeter.
  39. Dort hinein fördert ein Brunnen aus 50 Metern Tiefe Tag für Tag 40 Kubikmeter, etwa so viel wie 250 Badewannenfüllungen.
  40. Die Investition, die wir hier gemacht haben, war im sechsstelligen Bereich nur für dieses Becken.
  41. Dann kommt noch der Brunnen dazu. Und das ist quasi nur, um die Pflanzen am Leben zu erhalten.
  42. Aber, dass wir an mehr Ertrag oder mehr Umsatz dadurch erzielen, das war eigentlich nicht.
  43. Schon jetzt, und der Sommer ist längst nicht rum, ist absehbar, dass die aus dem Grundwasser herauf gepumpte Menge
  44. für die Saison nicht reichen wird. Momentan ist er schon unter der Hälfte.
  45. Wir haben jetzt erst die Möhren gesät, die späten, die jetzt zum Keimen viel Wasser brauchen.
  46. Ohne Wasser keimt nichts. Da brauchen wir ordentlich Wasser. Also ist dieses Wasser, dass jetzt noch da ist, ganz schnell weg.
  47. Ich habe jetzt schon Angst, dass es hinten und vorne nicht reicht. Pumpe und Becken hat Ullrich letztes Jahr in Betrieb genommen.
  48. Nach dem Trockensommer 2018 endlich Grundwasser für die Felder. Doch wie lange wird es sich überhaupt fördern lassen?
  49. Es gibt keine Garantie für die nächsten 20 Jahre: Kommt da Wasser? Niemand gibt einem die Garantie.
  50. Das war eine Investition: "Ja, könnte was werden, vielleicht nur für ein Jahr,
  51. vielleicht für die nächsten zehn." Man weiß es nicht.
  52. Sein Vater, Stefan Ullrich, blickt zurück in eine Zeit, da zu wenig Regen kein Thema war.
  53. Da reichte es, Regenwasser von den Dachflächen zu sammeln. 1000 Kubikmeter fasst dieser kleine Sammelteich,
  54. den er einst angelegt hatte. 15 Jahre lang ging das ganz gut.
  55. Die letzten 10-15 Jahre haben sich die Niederschläge stark verschoben auf Herbst und Winter, sodass im Frühjahr eher Trockenheit war
  56. und das Becken zu früh leer war. So beregnen sie nun über Nacht, damit das kostbare Nass nicht verdunstet.
  57. Allein ein Hektar schluckt etwa 150 Kubikmeter Wasser, fast 4 Mal so viel, wie der Brunnen an einem Tag fördern kann.
  58. Ich kann jetzt noch 2-3 Mal Wasser geben, dann ist mein Wasser alle. Was dann danach passiert, weiß ich auch nicht.
  59. Ich weiß auch nicht, wie die Zukunft sein soll. Was hier wächst, verkaufen die Ullrichs auf Wochenmärkten.
  60. Den Großhandel beliefern sie längst nicht mehr. Dafür ist die Aufzucht ihrer Salate und Gemüse
  61. mittlerweile viel zu teuer. Das Grün, taufrisch. Die Niddaquelle, kühl und klar.
  62. Vogelsberg. Idylle eines wasserreichen Mittelgebirges. Rolf Frischmuth vom Naturpark Vulkanregion Vogelsberg aber weiß,
  63. der Eindruck trügt. Der Naturpark Vogelsberg, gerade hier in den Höhenlagen,
  64. der hat ansonsten, in Normaljahren, Niederschlagsmengen von 1500 bis 1800 Milimeter gehabt.
  65. In den letzten Jahren erreichen wir mit Mühe und Not gerade 1000 Millimeter.
  66. Es gibt sogar Jahre, da mussten wir mit 800 Milimetern auskommen. Das macht sich an ganz vielen Stellen bemerkbar.
  67. Zum einen fallen viele Quellen trocken, die hier oben seit schon vielen hundert Jahren fließen.
  68. Die Bäche trocknen aus. Alles, was in diesen Bächen, in diesen Feuchtgebieten lebt,
  69. stirbt in unmittelbarem Anschluss danach. In den Hochlagen des Vogelsbergs vertrocknen die Fichten,
  70. werden ein Raub der Borkenkäfer. Zu trocken und zu wenig Wasser
  71. auch im größten Schatz des Naturparks, im Hochmoor. Wir haben hier ganz viel getan, um das Wasser zurückzuhalten.
  72. Aber es gelingt uns nur sehr eingeschränkt. Wenn man in diese Fläche schaut, sieht man,
  73. sie ist bereits bewachsen mit Binsen und anderen Gräsern. Das Buschwerk nimmt zu.
  74. Für den Fachkundigen ist das ein deutliches Signal, dass der Moorkörper gestört ist
  75. und in einigen Teilen wahrscheinlich irreparabel. Dann wird das CO2,
  76. das sich über mehr als 10.000 Jahre gesammelt hat und gespeichert wurde, würde wieder freigesetzt.
  77. Doch nicht nur die Natur leidet. Seit Jahren sorgen sich in Hessens höchstgelegener Stadt,
  78. in Ulrichstein, die Bürger um ihr Trinkwasser. Seit sechs Jahren ist Edwin Schneider hier Bürgermeister.
  79. Die trockensten Sommer fallen in seine Amtszeit. 2018 etwa musste fünf Monate lang
  80. Trinkwasser mit Tankwagen heran gekarrt werden. Das vorhandene Wasser aus der Mitte der 90er Jahre,
  81. ist leider nicht mehr da. Wir haben Pumpversuche gemacht. Leider ohne Ergebnis.
  82. Weiterhin haben wir dann noch einen Brunnen gebohrt, auch in unmittelbarer Nähe dieser Versuchsbohrung,
  83. 120 Meter tief gebohrt, kein Wasser gefunden. Das liegt auch an der Geologie.
  84. Im Basaltgestein verteilt sich Grundwasser wie Inseln auf verschiedenen Etagen.
  85. Fündig wurden die Ulrichsteiner erst in größerer Tiefe. Wir haben 200 m tief gebohrt.
  86. Wir haben drei Liter pro Sekunde Wasser gefunden. Die 10,8 Kubik, die das ergibt pro Stunde, reichen gerade so aus,
  87. um die Trinkwasser-Versorgung sicherstellen zu können. Es gibt keine Grundwasserneubildung, kaum noch bei dieser Trockenheit,
  88. bei diesem Klimawandel. Wir sind an der Wasserscheide Rhein-Weser.
  89. Das Wasser läuft in alle Richtungen weg und wir sitzen hier oben fast auf dem Trockenen.
  90. Der neue Brunnen hat Ulrichstein knapp 1 Million Euro gekostet. Er versorgt eintausend Einwohner in der Kernstadt mit Trinkwasser.
  91. Der Mangel an Wasser, die Vogelsberger sehen nicht nur in der Trockenheit die Ursache,
  92. sondern auch darin, dass aus ihrem Mittelgebirge große Mengen Wasser nach Frankfurt abgeleitet werden.
  93. Man greift immer stärker auf das Wasser des Vogelsbergs und auch anderer Regionen zurück.
  94. Es ist uns Vogelsbergern kaum nachvollziehbar, warum man sagt, der Bedarf wird auf der einen Seite immer höher,
  95. während auf der anderen Seite die Grundwasserneubildung einfach schlechter geworden ist.
  96. Gegen diese Praxis protestieren Menschen aus dem Vogelsberg immer wieder.
  97. Auch dagegen, dass sie für den Kubikmeter Wasser fast vier Euro zahlen müssen,
  98. die Menschen im Rhein-Main-Gebiet aber nur etwa die Hälfte. Wir sind viele, wir sind laut! Wir sind viele, wir sind laut!
  99. Der Widerstand im Vogelsberg wird angeheizt von anhaltender Trockenheit.
  100. Ende August 2022 fällt die Nidda bei Schotten auf einer Länge von vier Kilometern trocken.
  101. Fische, Muscheln, Pflanzen, tot. So etwas sei hier noch nie vorgekommen. Dieses Ökosystem ist natürlich schwer geschädigt.
  102. Man kann wirklich von einer Katastrophe sprechen. Alles, was hier in diesem kleinen Bach gelebt hat,
  103. ist in den letzten 14 Tagen seit der absoluten Trockenheit gestorben. Es wird auch sehr lange dauern, bis diese Lebewelt wieder zurückkehrt.
  104. Selbst wenn es nun regnete, erst einmal würde das gar nicht helfen, zu trocken, zu hart ist der Grund.
  105. Das Wasser fließt einfach ab. Es fließt ungehindert ab, es dringt gar nicht in den Schwamm ein.
  106. Wenn ich den Schwamm nehme und ihn ausdrücke, da kommt nix an, fast gar nichts.
  107. Normalerweise steht die Nidda hier ein bis zwei Meter hoch. Nun ist alles trocken. Seit Wochen hat es nicht geregnet.
  108. Das habe auch Folgen für das Grundwasser und die Trinkwasser-Versorgung:
  109. Wir hier im Vogelsberg leiden bereits schon unter der Wassernot, weil die Brunnen,
  110. aus denen sich die Vogelsberger bedienen, die sind nicht so tief. Dort ist nicht so viel Wasser vorhanden.
  111. Das wird früher oder später auch mit dem Grundwasser geschehen, das derzeit nach Frankfurt gepumpt wird.
  112. Hier sehen die Vogelsberger das Problem: Frankfurt. Es holt sich dreiviertel seines Wasserbedarfs aus dem Umland.
  113. So wird Wasser aus dem Rhein ins Grundwasser unter dem Hessischen Ried gepumpt,
  114. um von dort Wasser für die Stadt zu gewinnen. Auch aus dem Grundwasserleiter unter dem Stadtwald wird sich bedient.
  115. Der wird immer wieder aufgefüllt mit Wasser aus dem Main. Schließlich zapft Frankfurt den Spessart an und den Vogelsberg.
  116. Die Stadt am Main ist durstig, schluckt Jahr für Jahr 52 Millionen Kubikmeter Wasser.
  117. Der Kritik, dass sie sich auch im Vogelsberg bedient, begegnet die Umweltdezernentin Frankfurts
  118. mit trotziger Hilflosigkeit. Ich respektiere durchaus die Kritik aus dem Hessischen Ried
  119. und vom Vogelsberg, dass sie sagen "Frankfurt säuft unser Wasser". Aber, Sie müssen berücksichtigen, wir tun das schon seit 150 Jahren.
  120. Warum? Weil die Metropole Frankfurt und die Region wächst. Wir sind am Tag 1,5 Mio Menschen und in der Nacht 740 - 750.000.
  121. Will damit sagen, wir sind eine Einpendler-Stadt, sind Arbeitgeberin.
  122. Wir versorgen nicht nur die Frankfurter Bevölkerung, sondern auch alle, die bei uns am Tag arbeiten.
  123. Wenn ich dafür eine Lösung hätte, wäre sie umgesetzt! Das Wasser aus dem Vogelsberg, wer darf es nutzen?
  124. Wie viel davon darf die Großstadt schlucken? Ein Vorschlag aus dem Vogelsberg:
  125. Wir wollen keine Vorwürfe formulieren, sondern wir wollen Verständnis erzeugen.
  126. Wir wollen einfach die Frankfurter sensibilisieren für das Thema und das Rhein-Main-Gebiert vielleicht dazu motivieren
  127. mehr Wasser zu sparen. Immerhin, ein Wasserkonzept hat die Mainmetropole vorgelegt.
  128. Darin ist vor allem die Rede von "Prüfungen", "Studien", "Handlungsfeldern".
  129. Was aber kann Frankfurt selbst unternehmen für sein Grundwasser? Zum Beispiel Flächen schaffen, die nicht asphaltiert,
  130. nicht betoniert, nicht versiegelt sind. Hier kann Regenwasser versickern. Das kommt dem Grundwasser zugute.
  131. Zugleich verhindern solche Flächen, dass bei Starkregen das Regenwasser nur abläuft in die Kanalisation oder gar,
  132. wenn die Kanäle überlastet sind, Straßen und Plätze überflutet werden. Denn auch das ist die Zukunft.
  133. Immer häufiger werden große Regenmengen in kurzer Zeit fallen. Dafür braucht das Wasser Raum, Auffangbecken, Überflutungsflächen.
  134. Das schützt die Stadt und ihre Bewohner und hält wertvolles Wasser zurück,
  135. das dann ins Grundwasser sickern kann. Das Stichwort für einen solchen Umbau lautet "Schwammstadt".
  136. Wie die aussehen kann? Offenbach macht es beispielhaft vor. Mehr Wasserflächen, Schluss mit zu viel Asphalt und Beton! Mehr Grün.
  137. Auch auf Dächern! Offenbach will Schwammstadt werden. Bürgermeisterin Sabine Groß treibt es voran.
  138. Regen speichern, da wo er fällt. Denn eines sei doch sicher: Das Wetter werde extremer.
  139. Extremwetter-Ereignisse heißt: Mehr Hitze, mehr Stürme, mehr Starkregen-Ereignisse.
  140. Und wir müssen darauf reagieren, indem wir unsere Städte anders bauen mit weniger versiegelten Flächen.
  141. Dass das Wasser nicht komplett in die Kanalisation abgeführt wird. Sondern, dass es vor Ort versickert oder verdunstet.
  142. Auch Offenbach hat in den vergangenen Jahren erlebt, wohin es sonst führt, wenn Kanalisationen Regen nicht mehr aufnehmen können.
  143. Eine Stadt wie ein Schwamm, das könnte die Lösung sein. Dieses begrünte Dach kann bis zu 80 Prozent
  144. von starken Niederschlägen aufsaugen, erklären die Projektplaner. Eine Maßnahme Offenbachs auf dem Weg zur Stadt, die Wasser festhält.
  145. Hier eine weitere: Große Gebäude, wie das neue Polizeipräsidium,
  146. bekommen unterirdische Speicher fürs Regenwasser. Das läuft dann später über renaturierte Bachläufe ab,
  147. statt die Kanalisation bei Unwettern überlaufen zu lassen. Das sind freiwillige Maßnahmen. Noch.
  148. Unser Ziel ist eine Niederschlagswasser-Satzung in Offenbach zu erlassen, mit der wir Vorgaben bei Neubauten machen.
  149. Wobei: Auch ohne Vorgaben lohne es sich schon jetzt, Regenwasser etwa in Teiche zu leiten.
  150. Diese Kirchengemeinde hat sich bei einem Neubau dafür entschieden. Vorteil der Investition:
  151. Die Gemeinde zahlt weniger Abwassergebühren, weil das Regenwasser vom Kirchendach
  152. nicht mehr in die Kanalisation fließt. Seit Januar 2022 fördert Offenbach einen weiteren Schritt
  153. auf dem Weg zur Schwammstadt. Wer Flächen durch solche Steine, durchlässig macht,
  154. erhält bis zu 50 Euro pro Quadratmeter. Interessenten für diese Maßnahme gibt es viele.
  155. Wir haben vorgesehen, wenn die Nachfrage hoch ist, füllen wir den Topf noch mal auf,
  156. dass wir mehr Flächen zum entsiegeln fördern können. Schwammstadt werden gegen Starkregen-Fluten,
  157. gegen sinkende Grundwasserspiegel. Doch nicht nur Regenwasser auffangen und versickern,
  158. sondern auch, aufgefangenes Wasser besser nutzen. Zurück im Vogelsberg.
  159. Eine Zisterne für jeden Neubau. Regenwasser sammeln ist im Neubaugebiet
  160. von Freiensteinau Bauherren-Pflicht. Auch wenn es in der Gemeinde acht Brunnen
  161. und genauso viele Hochbehälter und Leitungsnetze gibt. 3100 Einwohner müssen mit Trinkwasser versorgt werden.
  162. Möglichst wenig davon für Bewässerung oder Toilettenspülung zu verschwenden, das hat sich Bürgermeister Sascha Spielberger
  163. auf die Fahne geschrieben. Was bei uns seit Jahren an der Tagesordnung ist,
  164. dass wir in Neubaugebieten die Regenwasser-Nutzung vorschreiben. Das ist ein Bestandteil, der bei uns traditionell in den Büchern steht,
  165. um so einen Teil zur Schonung des Trinkwassers beizutragen. Das Problem im Vogelsberg wie andernorts:
  166. Vom Regen, wenn er fällt, kommt zunehmend weniger im Grundwasser an. Im Sommer, bei hohen Temperaturen, verdunstet viel an der Oberfläche.
  167. Zudem, weil die Böden trocken und hart sind, läuft das Regenwasser zum Teil sturzbachartig ab.
  168. Der Grundwasserspiegel sinkt, vor allem dann, wenn in dieser Zeit viel entnommen wird.
  169. Etwa für Frankfurt. Die Stadt deckt ihren Bedarf zu 35 Prozent aus dem Mittelgebirge
  170. und geht damit nicht sehr achtsam um. Ein Drittel des in Frankfurt verbrauchten Trinkwassers
  171. dient nicht als Lebensmittel, wird zur Bewässerung vergossen oder in Toiletten heruntergespült.
  172. Die Stadt selbst, weitgehend versiegelte Fläche, kann nur zu einem Viertel ihren Trinkwasserbedarf selbst decken.
  173. Das widerspricht dem Wasserhaushaltsgesetz: Müsste die Stadt nicht längst mit größtem Nachdruck nach Wegen suchen,
  174. selbst mehr Trinkwasser zu gewinnen und bereitzustellen? Frage an Rosemarie Heilig, Frankfurts Umweltdezernentin:
  175. Die Stadt Frankfurt hat natürlich erkannt, dass es so nicht weitergehen kann, dass wir aus der Region,
  176. dem Vogelsberg, aus dem Hessischen Ried das Wasser nur importieren, aber nicht etwas dafür tun, unsere eigenen Brunnen zu verwenden.
  177. Das ist der Inhalt des Wasserkonzeptes: Wir wollen erreichen, dass wir durch Infiltration von Main-Wasser
  178. den Grundwasserstand wieder so anheben, dass wir in der Zukunft, obwohl wir wachsen, nicht noch mehr Wasser
  179. aus dem Vogelsberg und dem Hessischen Ried verbrauchen. Das ist das Ziel des Wasserkonzeptes der Stadt Frankfurt.
  180. Bereits seit Jahren zapft die Metropole den Rhein an, lässt das Flusswasser im Hessischen Ried ins Grundwasser sickern.
  181. So gewinnt Frankfurt nach aufwändiger Aufbereitung 40 Prozent seines Trinkwassers.
  182. Mehr als 20 Millionen Kubikmeter pro Jahr! Doch wie lange noch? Fallende Flusspegel in trockenen Sommern zeigen schon jetzt,
  183. dass dieses Modell Grenzen hat. Auch hier, im Frankfurter Stadtwald, oder besser unter ihm,
  184. liegt eines der Wasserreservoire der Stadt. Grundwasser, das mit Argusaugen beobachtet wird
  185. von Hessenwasser-Mitarbeitern. 7,98 Meter sind es hier. Jetzt habe ich genau geguckt.
  186. Also quasi acht Meter. Das ist für die Stelle mittlerer Grundwasserstand.
  187. Dass das Grundwasser trotz anhaltender Trockenheit noch immer seinen mittleren Stand hält, verdankt es einem Trick.
  188. Seit 1959 wird aus dem Main Wasser entnommen. Gereinigt und ein erstes Mal aufbereitet
  189. wird es im Stadtwaldgebiet in den Untergrund geleitet, infiltriert. Im vergangenen Jahr waren es 2,2 Millionen Kubikmeter Main-Wasser,
  190. die das Grundwasser auf diese Weise aufgefüllt haben. Durch die Anreicherung des Grundwassers
  191. mit aufbereitetem Oberflächenwasser haben wir ein Drittel Brauchwasser in dem Trinkwasser, was nach Frankfurt geliefert wird.
  192. Unsere Argumentation ist: 30 Prozent für die Toilettenspülung sind Brauchwasser,
  193. frei Haus geliefert, ohne zweites Leitungs-System. Für Freiensteinaus Bürgermeister klingt das wie eine Ausrede.
  194. Er vermisst ein Bekenntnis Frankfurts zu Regen- und Brauchwasser-Nutzung. So wie es seine Gemeinde vormacht.
  195. Das Wasserkonzept Frankfurts reicht ihm nicht: Ich habe im Wasserkonzept der Stadt Frankfurt gelesen,
  196. wenn größere Neubaugebiete entstehen, wird geprüft, ob das in Frage kommt oder ob das genutzt werden kann.
  197. Bei uns wird es schon als selbstverständlich gesehen. Demnächst auch in Frankfurt? Die Umweltdezernentin beteuert das:
  198. Wir müssen bei den neuen Baugebieten dafür sorgen, dass wir nicht mehr Trinkwasser durch die Toiletten spülen
  199. oder fürs Waschen benutzen. Deswegen haben wir als neue Koalition entschieden,
  200. dass wir Brauchwasserleitungen in die neuen Gebäude, die wir zukünftig bauen, einbauen werden.
  201. Selbst wenn dieses Versprechen eingelöst wird, es wird nichts daran ändern, dass Frankfurt
  202. immer am Trinkwasser-Tropf anderer Regionen hängt, über große Entfernungen Wasser heranschaffen muss.
  203. So wie aus Inheiden im Landkreis Gießen. Hier fördern die Oberhessischen Versorgungsbetriebe, die OVAG,
  204. im Jahr 14,5 Millionen Kubikmeter Trinkwasser aus dem Grundwasserleiter.
  205. Wenn man sehr viel entnommen hat, ganz extrem war es in den 70er-Jahren,
  206. mit der Trockenperiode ging der Grundwasserstand nach unten. Dann haben wir angefangen, die Wassermenge zu reduzieren.
  207. Dann ging das alles so. Ab 2003 betreiben wir
  208. die umweltschonende Grundwassergewinnung. Da ist das Ziel,
  209. dass der Grundwasserstand auf einem Stand im Prinzip gleich bleibt. Das können Sie nur erreichen,
  210. wenn Sie die Entnahmemenge entsprechend reduzieren. Das ist der Trick dabei, dass wir uns immer genau überlegen,
  211. wie viel Menge können wir an den einzelnen Stellen entnehmen, ohne dass wir oberflächennahe Biotope
  212. und ohne dass wir den Grundwasserstand verändern? Aus insgesamt neun Gewinnungsgebieten
  213. mit 21 Brunnen fördert die OVAG jährlich 33 Millionen Kubikmeter. Die verteilt sie über ein weites Leitungsnetz.
  214. In Rohren mit einem Durchmesser von 1,20 Meter rauscht das Wasser aus Hochbehältern an die Zielorte.
  215. Wir haben ein Leitungsnetz von 250 Kilometern. Das müssen Sie sich vorstellen,
  216. diese 250 Kilometer sind permanent in Bewegung. Das sind Güterzüge, die da transportiert werden,
  217. 24 Stunden am Tag. Allein nach Frankfurt schickt der Wasserversorger
  218. so jedes Jahr 19 Millionen Kubikmeter. Doch bei diesem Wasser-Schwerlast-Verkehr
  219. mit 10 bar Druck kommt nicht immer alles an. So ein Wasserverlust ist auch mal schleichend.
  220. weil diese Wasserleitungsrohre aneinander befestigt sind und wie bei allen Befestigungen, gibt es kleine Undichtigkeiten.
  221. Das ist so wie bei Ihnen zu Hause, beim tropfenden Wasserhahn. Da denken Sie, ein Tropfen,
  222. der macht doch nicht viel aus bei einem Wasserhahn. Aber stellen Sie mal unter einen tropfenden Wasserhahn ein Messgefäß.
  223. Lassen Sie das mal eine Stunde lang messen dann stellen Sie fest, wie viel Wasser Sie durch Tröpfchen,
  224. für Tröpfchen, an Wasser verlieren. Das rechnen Sie hoch auf den Tag, aufs Jahr,
  225. dann sind Sie in größeren Kubikmeter-Bereichen. Die Rohrleitungsverluste sind gewaltig.
  226. Deutschlandweit liefern öffentliche Wasserversorger 5,1 Milliarden Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr.
  227. Nach Angaben des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches bleiben davon auf dem Weg zum Verbraucher
  228. im Durchschnitt 5,5 Prozent auf der Strecke. 280 Millionen Kubikmeter, mehr als fünfmal so viel,
  229. wie Frankfurt jährlich an Trinkwasser verbraucht. Das meiste geht in den kommunalen Rohrleitungsnetzen verloren.
  230. Ein Wasserrohrbruch in Kilianstädten. Das alte Guss-Rohr aus den 70ern hat ein Loch.
  231. Nun sind die Männer vom Wasserversorger Main-Kinzig dran. Eine Leckage, wie das unter Fachleuten heißt,
  232. muss sofort repariert werden. Wir haben circa 200 Störungen im Jahr.
  233. Die größeren findet man oft direkt, weil der Wasseraustritt unmittelbar ist, auf die Straße läuft.
  234. Die kleinen Rohrbrüche werden gesucht vom Lecksucheteam, was das ganze Jahr für uns im Einsatz ist,
  235. alle Städte und Gemeinden nach und nach turnusmäßig absucht, die Rohrbrüche findet und somit repariert werden kann.
  236. Bei mehr als 1000 Kilometern Leitungslänge in 12 Kommunen. Thorsten Lohfink ist Lecksucher.
  237. In Niederdorffelden zeigte der Wasserverbrauch eine Anomalie. Seit Wochen sucht er deshalb hier nach dem möglichen Leck.
  238. Mit speziellen Boden-Mikrofonen kann er die Rohre abhören. Ich mess jetzt die Strecke hier durch, mit zwei Sendern.
  239. Da kann man feststellen, ob Geräusche in der Leitung sind. Wenn ein Hausbesitzer duscht, würde ich das mitbekommen.
  240. Wenn eine Leckage in der Leitung ist, bleibt die dauerhaft. Dann mess ich die ein.
  241. Ein kleiner Lauschangriff auf den unterirdischen Wasserfluss. Der s.g. Korrelator zeigt, wo genau das Leck ist.
  242. Lohfinks Erfahrung: dass es weder eine Dusche ist, noch gerade ein Pool befüllt wird.
  243. Überprüfung an der vermeintlichen Rohrbruch-Stelle. Ich hab jetzt durchgemessen
  244. und bin im Bereich, wo mir der Korrelator das angezeigt hat. Jetzt hab ich die Leitung noch mal abgehört.
  245. Die ist zu 100 Prozent an dieser Stelle. Ein Hausanschluss, den er für die Reparatur markiert.
  246. Die Kreiswerke Main-Kinzig versorgen 35.000 Haushalte mit Trinkwasser. Knapp eine halbe Million Kubikmeter Wasser pro Jahr versickert.
  247. Der Gegenwert von einer Million Euro. Wir sind sowieso in einer Phase, wo Trinkwasser knapp wird.
  248. Deswegen ist auch die Leckageortung mittlerweile ein wichtigerer Faktor als es früher mal war.
  249. Wir kommen von einem Wert bei den Wasser-Verlusten, der zehn Prozent beträgt.
  250. Seitdem wir die Lecksuche haben, sind wir bei 6,7 Prozent. Das will ein Darmstädter Startup weiter verbessern.
  251. Eine Gruppe ehemaliger Studenten hat ein System entwickelt, mit Daten zur Rohrbeschaffenheit, Länge und Alter usw.
  252. Dazu kommen Daten aus Sensoren an den Rohren. Dafür haben sie einen Preis gewonnen.
  253. Wir haben ein digitales Modell der Rohrnetze, was die digitale Version der Rohre abbildet.
  254. Dann kommen die Echtzeitdaten dazu: Druck, Flussrate und akustische Sensordaten,
  255. die wir kombinieren und damit das Rohrnetz in Echtzeit überwachen. Dafür werden die Sensoren an Hydranten gekoppelt.
  256. Ein Druckmessgerät mit Datenlogger, das die Daten zum Wasserdurchfluss per Funk überträgt, bzw. die Unregelmäßigkeiten.
  257. Das Leck soll damit live entdeckt werden können. Wir müssen mehrere Sensoren im Rohrnetz platzieren,
  258. damit man das Rohrnetz überwachen und Leckagen präzise finden kann, damit man die Berechnung zwischen Flussrate und Druck
  259. kombinieren kann und unsere Algorithmen das auswerten, um die Leckagen zu finden.
  260. Solche Datenlogger hat das Startup auch bei den Kreiswerken Main-Kinzig eingebaut, als Test.
  261. Für Wasserwerke lohnt es sich. Man muss Kosten für Sensoren aufbringen anfangs.
  262. Wir haben eine Überwachungs-Fee. Pro Monat erheben wir eine Gebühr für das Überwachen.
  263. Einsparen kann man damit Wasserverluste. Man kann die Reparaturen optimaler planen, indem man weiß,
  264. wo man die Reparaturen durchführen muss. Man kann Personal sparen, was nicht raus muss, um Leckagen zu finden.
  265. Jedes entdeckte Leck verhindert, dass Trinkwasser ungenutzt versickert. Ob Trink- oder Brauchwasser, sparsamer Umgang
  266. mit dem kostenbaren Nass gewinnt in Zeiten der Trockenheit an Bedeutung. Auch das, was die Städte an Abwasser produzieren,
  267. verdient mehr Aufmerksamkeit. Frankfurt: 750.00 Einwohner und 400.00 Pendler
  268. hinterlassen täglich 300 Millionen Liter Abwasser. Das wird in Kläranlagen in Sindlingen und in Niederrad gereinigt.
  269. Grober Dreck raus, Kohlenstoff- und Stickstoffverbindungen biologisch abbauen und in der chemischen Reinigungsstufe
  270. Phosphor entfernen. So funktioniert das dreistufige Verfahren.
  271. Roland Kammerer ist technischer Betriebsleiter der Frankfurter Stadtentwässerung.
  272. Die muss der Bau-Ingenieur fit machen für die Zukunft: Frankfurt wächst. Wir kennen die Prognosen.
  273. Wir gehen davon aus, dass im Jahr 2035, 2040 100.000 Menschen mehr in Frankfurt leben.
  274. Aber genau wissen wir das nicht. Wir wissen aber, dass die vorhandenen Abwassranlagen,
  275. die Reinigungsanlagen, mit dem zusätzlichen Schmutzwasser nicht umgehen können.
  276. Wir planen im Moment, wie wir die vorhandenen Anlagen ausbauen können, um nicht nur höhere Reinigungs- anforderungen erfüllen zu können,
  277. sondern auch den Anforderungen der wachsenden Stadt gerecht zu werden. Mehr Abwasser reinigen und besser reinigen:
  278. Das ist auch die Aufgabe 15 Kilometer südlich von Frankfurt in Mörfelden-Walldorf.
  279. Hier erneuern und erweitern die Stadtwerke ihre Kläranlage. Sie ist eine der ersten in Hessen,
  280. die eine vierte Reinigungsstufe erhält. Längst finden sich in den Abwässern Rückstände von Medikamenten,
  281. Röntgenkontrastmitteln, Hormonen und Mikroplastik. Spurenstoffe, die nur diese Reinigungsstufe beseitigen kann.
  282. Besonders wichtig für das Hessische Ried, Einzugsgebiet für das Trinkwasser der Rhein-Main-Region:
  283. Wir haben eine intensive Landwirtschaft, und zugleich eine hohe Bevölkerungsdichte.
  284. Dadurch entsteht eine große Belastung des Abwassers. Zugleich haben wir geringmächtige Deckschichten.
  285. Das Wasser aus den Oberflächengewässern infiltriert zügig in das Grundwasser hinein,
  286. wodurch das Grundwasser Belastungen mit Spurenstoffe aufweist. Das Grundwasser wird bekanntlich über das Rohwasser
  287. zur Trinkwassergewinnung genutzt. Es ist eine besondere Situation im Hessischen Ried.
  288. So funktioniert die vierte Stufe: Das bereits mechanisch, biologisch und chemisch vorgereinigte Abwasser
  289. wird mit feinperligem Ozon versetzt. Das oxidiert die Spurenstoffe, entschärft sie damit schon mal.
  290. Die lagern sich, unterstützt von einem "Fällmittel" an feinstgemahlener Aktivkohle an.
  291. Anschließend wird ein "Flockungsmittel" zugegeben. Das lässt die mit den Spurenstoffen
  292. beladenen Aktivkohlepartikel verklumpen. So lassen die sich feiner und immer feiner herausfiltern.
  293. 56 Millionen Euro investiert die Kommune in die Kläranlage. Auf technisch neuestem Stand wird sie das Abwasser von 48.000 Menschen
  294. reinigen und die Gefahr der Spurenstoffe im Wasser bannen können. Es bleiben Spurenstoffe, Medikamente, Hormone
  295. in der Kläranlage und sind in Fließgewässern nicht mehr zu finden. Die Fische freuen sich.
  296. Und Frankfurt? Wäre es für eine vierte Reinigungsstufe
  297. in der Abwasser-Reinigungsanlage Niederrad nicht auch höchste Zeit? Zumal man das so gut gereinigte Wasser nicht in den Main
  298. abfließen lassen müsste, sondern es als Brauchwasser etwa zur Bewässerung von Grünanlagen nutzen könnte.
  299. Die negativen Auswirkungen dieser Spurenstoffe, die aus den Haushalten, etwa aus den Arzneimittel-Resten kommen,
  300. haben negative Auswirkungen auf die Gewässer, auf die Fische, auf andere Gewässer-Lebewesen: Da müssen wir gegensteuern.
  301. Deshalb werden wir in Frankfurt eine vierte Reinigungsstufe bauen und betreiben müssen, die Planung dazu ist gestartet.
  302. Also bald besser gereinigte und damit besser nutzbare Frankfurter Abwässer?
  303. Wohl eher nicht, enttäuscht der Betriebsleiter der Stadtentwässerung: Wir gehen heute beim Umbau von Kläranlagen, egal ob in Frankfurt
  304. oder anderswo, von Planungs- und Genehmigungszeiträumen in der Größenordnung von zehn Jahren aus.
  305. Wir müssen vermeiden, wenn wir mit der Planung und dem Bau fertig sind, die Anforderungen überholt sind.
  306. Heißt also fantasie- und ehrgeizlos: Bis Frankfurts Kläranlagen eine vierte Reinigungsstufe bekommen,
  307. fließt noch viel Wasser den Main hinab. Hier gibt's bestes Wasser im Überfluss, im wörtlichen Sinne.
  308. Wenn der Edersee, Deutschlands drittgrößte Talsperre, überläuft, haben sich 200 Millionen Kubikmeter Wasser angestaut.
  309. Ein scheinbar unerschöpfliches Wasser-Reservoir. Erlebnisraum für Touristen,
  310. zugleich Hochwasserschutz und Wasservorrat. Damit das ganze Jahr über auf Weser und Mittellandkanal
  311. Schiffe fahren können. Doch im Juli 2022 ist der Edersee nicht mal mehr halb voll.
  312. Das Bauwerk braucht wissenschaftlich- technischen Beistand: Wann kann und muss wie viel Wasser abgegeben werden?
  313. Antworten auf diese Fragen hat Stephan Theobald erarbeitet. Im Fachgebiet Wasserbau und Wasserwirtschaft
  314. an der Uni Kassel erforscht er mit einem Team von Wasserbauingenieuren woher das Wasser in den See strömt, wann im Jahr und wie viel.
  315. Basis für ein Computersystem, das hilft, die Abflussmengen des Edersees präziser und vorausschauender zu steuern.
  316. Das Tool erarbeitet Vorschläge für die Abgabe des Wassers an der Eder-Talsperre.
  317. Diese Vorschläge werden aufgrund mathematischer Formulierungen definiert.
  318. Die sind relativ genau. Ziel ist, einen bestimmten Wasserstand am Pegel in Hann. Münden
  319. einzuhalten, aber nur so viel Wasser abzugeben, dass wir das erreichen, Nicht zu viel Wasser abzugeben.
  320. Das System verknüpft Abflussvorhersagen, Zuflussmengen in den See, gemessene Pegelstände
  321. und die im Einzugsgebiet zurückgehaltenen Schneemengen. So lassen sich die Pegel unterhalb des Ederstausees
  322. stundengenau regulieren. Die heikle Balance des Ederseewassers:
  323. Für Jörg Böhner, der den Außenbezirk Edertal des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Weser leitet, ist das System eine große Hilfe:
  324. Die Einschätzungen der Experten sagen, dass die trockenen Jahre immer häufiger werden.
  325. Das heißt, die Talsperre voll kriegen wir eigentlich, weil die Niederschläge in den Wintermonaten ausreichen.
  326. Aber die Sommer werden häufig so trocken, dass in der Weser der Bedarf frühzeitig und groß ist und wir gleichzeitig
  327. das Wasser-Dargebot nur noch eingeschränkt haben. Es ist umso wichtiger, das Wasser, das da ist, sparsam einzusetzen.
  328. Wasser ablassen, zur rechten Zeit und in der nötigen Menge. So viel Wasser wie möglich im See behalten. Dennoch:
  329. Den Widerstreit von touristischem Interesse und dem der Schifffahrt kann das ausgeklügelte System nicht endgültig lösen:
  330. Das Tool trägt dazu bei, dass der Konflikt minimal geringer wird. Dass etwa die wasserstützende Wirkung später beginnt,
  331. oder wir die wasserstützende Wirkung effektiver umsetzen, dass der See sich nicht so schnell absenken muss.
  332. Wenige Wochen später: Das System der kontrollierten Wasserabgabe stößt an seine Grenzen.
  333. Der Edersee ist nur noch zu einem Fünftel gefüllt. Zwei Meter, mehr Wasser haben die Boote in Rehbach nicht unterm Kiel.
  334. Höchste Zeit sie anzulanden. Bis zu 60 holt Thomas Hennig nun an einem Tag an Land.
  335. Eigentlich Arbeit für den Herbst. Doch nun ist die Saison vorbei, im August!
  336. So trifft der Wassermangel im Edersee nicht nur die Weser-Schifffahrt, sondern vor allem den Tourismus in der Region.
  337. Hier hängen 3500 Arbeitsplätze dran. Wir sind 300 Betriebe, die überwiegend im Familienverband
  338. unsere Geschäfte machen und uns wird die Grundlage entzogen. 22 Meter höher läge der Wasserstand, wäre der Edersee gefüllt.
  339. Der Pegel ist zugleich Messlatte für das Geschäft mit den Touristen. Mit ihnen erwirtschaftete die Region im Jahr vor Corona
  340. 570 Millionen Euro Brutto-Jahresumsatz. Unerreichbar mit einem trockenfallenden Edersee.
  341. Es ist tatsächlich so, dass die Freizeitbetriebe rund um den See, nicht nur Wassersportbetriebe,
  342. sagen, dass der Tagesbesuch merklich nachgelassen hat. Da herrscht im Vergleich zu den letzten Jahren weniger Nachfrage.
  343. Zudem bedroht Niedrigwasser auch die Wasserqualität, kann wie im Trocken- und Hitzesommer 2018 Algen übermäßig wachsen lassen.
  344. Badevergnügen und Wassersport adé. Immer aber schränkt Niedrigwasser den Bootsverkehr auf dem Stausee ein.
  345. Trockenheit und niedriger Wasserstand verderben das Urlaubsvergnügen: Es ist zu schade, die Natur ist so schön.
  346. Die Gastronomie leidet, alles leidet unter der Situation. Erschreckend, erschreckend. Ich bin derart traurig.
  347. Gegen solche Gefühle und einen Stausee, dem das Wasser ausgeht, können Stephan Theobald und seine Wasserbauingenieure
  348. der Uni Kassel nur bedingt anarbeiten. Immerhin hat ihr Computer-System zu einem Kompromiss beigetragen:
  349. In trockenen Jahren muss der Edersee weniger abgeben. Dafür wurde der Mindest-Pegel der Weser um fünf Zentimeter abgesenkt.
  350. Statt 1,20 Meter müssen nur noch 1,15 Meter Wassertiefe gehalten werden. Im Winter kann die Mindestabgabe aus dem See
  351. von sechs Kubikmetern pro Sekunde auf vier reduziert werden. Zudem macht das Kasseler System Schule.
  352. Nach seinem Vorbild erarbeitete Theobald mit internationalen Wissenschafts-Kollegen einen Plan zur Wassernutzung des Sees Genezareth.
  353. Da geht es um die Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen in Jordanien.
  354. Da stellen wir fest, dass das Tool sehr gute Arbeit leistet. In diesem konkreten Projekt war Nordhessen die Blaupause.
  355. Wir haben da viel gelernt, von der Software her, auch von den Daten, die wir benötigen,
  356. und haben das gut adaptiert auf den Nahen Osten. Noch mehr Stauwerke könnten sich eignen:
  357. Immerhin gibt es davon weltweit 58.000. Die Edertalsperre, sie ist ein Beispiel dafür,
  358. wie sich mit Wasser wirtschaften lässt in Zeiten der Klimakrise. Aber auch dafür, dass Wissenschaft und Technik an ihre Grenzen stoßen,
  359. wenn Wasser Mangelware ist. Zwar lassen sich Verbräuche und Verluste reduzieren,
  360. lassen sich Grund-, Regen- und Abwasser besser bewirtschaften. Aber die Ressource Wasser: Sie ist durch nichts zu ersetzen!

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