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Ressource Wasser - unser wertvollster Rohstoff wird knapp! | Doku
Das Wichtigste aus dem Video
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Transkriptautomatisch erstellt · 360 Zeilen
- Untertitel: Hessischer Rundfunk Untertitel: Hessischer Rundfunk
- * dramatische Musik * Hitze, Sonne, vor allem aber ausbleibender Regen
- lassen die Pegelstände sinken. An einigen Orten war es so heiß, wie nie zuvor.
- In weiten Teilen Deutschlands und auch hier bei uns in Hessen ist es einfach viel zu trocken.
- Und es fiel nicht einmal halb so viel Regen. * Dramatische Musik wird fortgesetzt. *
- Der Grundwasser-Pegel sinkt. Die Bevölkerung wird aufgefordert, die Entnahme von Trinkwasser
- auf das absolut notwendige Maß zu reduzieren. Kein Wasser. Seit Wochen.
- Fuldatal bei Kassel im Juli 2022. Gemüsefelder. 15 Hektar.
- Nichts wächst, wie es könnte, auch nicht der Rosenkohl. Die Pflanze haben wir zwei Wochen vor dieser gepflanzt.
- Da war noch Feuchtigkeit im Untergrund, in den tieferen Schichten
- und das hat die Pflanze halt noch mitgenommen. Seitdem die kleine hier steht, hat es nicht mehr geregnet.
- Das ist halt dieser Unterschied, den man hier ganz klar sehen kann. Wasser, jeder Tropfen bedeutet Leben.
- Hier bekommen die Tomaten an die Wurzeln geträufelt, was sie brauchen. Wohl dosiert, pro Tag drei bis vier Liter.
- So wachsen im Gewächshaus auf 200 Quadratmetern etwa 1200 Tomatenpflanzen.
- Genug für eine wöchentliche Ernte von 350 Kilogramm. Das untere Wasser ist für das Wachstum der Pflanzen
- und das obere Wasser ist der Sonnenschutz für die Pflanzen. Künstlicher Regen für die Gurken. Drei Mal täglich für eine Minute.
- Diese Dosis verabreicht der Gemüsegärtnermeister seiner anderen Gewächshauskultur.
- Die Gurke ist halt sehr empfindlich. Hier oben an diesem Kopf.
- Das ist der Vegetationskopf, hier wächst sie immer weiter und bei ganz heißem Wetter bekommt die hier oben einen Schaden.
- Als würden wir einen Sonnenstich bekommen und dann geht es uns ja auch nicht gut.
- Deswegen haben wir hier oben diese Ober-Beregnung und damit machen wir die Pflanze nass, damit sie gekühlt wird.
- Lebensspendendes Nass kann Pflanzen auch von unten, direkt an die Wurzeln, geliefert werden.
- Wildkräuter etwa, wachsen in solchen Ebbe-Flut-Tischen. Dadurch saugen sich die Pflanzen voll.
- Mit dem Wasser, das sie benötigen. Nach einer bestimmten Zeit, wenn die Tische voll sind,
- läuft das ganze Wasser, das überschüssig ist, das auf dem freien Feld einfach verdunstet,
- läuft hier wieder zurück und wir benutzen das nächste Mal wieder. Wir brauchen nur das Wasser, was die Pflanze benötigt.
- Dadurch ist das sehr sparsam. Es gibt Betriebe, die Salat und Jungpflanzen so kultivieren.
- Die haben dann große Gewächshäuser, wo der ganze Boden, das ist dann eine große Betonfläche, wo der ganze Boden angestaut wird.
- Also, das gibt es auch. Das ist aber kostenintensiv. Und damit keine Alternative zum Feld.
- Und hier, keine Feuchtigkeit. Wochenlang ist kein Regen gefallen. Wo über Jahrzehnte alles, was gepflanzt worden war,
- üppig wuchs, kämpft der Gemüsebauer in der vierten Generation mit stetig zunehmender Trockenheit.
- Wenn man so die Möhre anguckt, die sieht ja so aus, wie eine Möhre aussehen soll.
- Aber dann guckt man sich das hier unten an. Da sieht man, es ist ja viel dünner, viel spitzer.
- Und das ist ein Zeichen dafür, dass es viel zu trocken ist. Ohne Wasser gibt es keine Lebensmittel.
- Da ist Gemüse sogar verhältnismäßig genügsam. Ein Kilo Möhren benötigt 130 Liter, Kartoffeln 210,
- grüner Salat 240, ein Liter Milch braucht schon 600 Liter Wasser. Ein Kilo Eier mehr als das Fünffache,
- ein Kilo Reis fast dreieinhalbtausend Liter, ein Kilo Schweinefleisch mehr als 4.700 und Rindfleisch gar mehr als 15.000 Liter Wasser.
- Also: Wasser muss her! Ullrich hat ein Speicherbecken gebaut für 6000 Kubikmeter.
- Dort hinein fördert ein Brunnen aus 50 Metern Tiefe Tag für Tag 40 Kubikmeter, etwa so viel wie 250 Badewannenfüllungen.
- Die Investition, die wir hier gemacht haben, war im sechsstelligen Bereich nur für dieses Becken.
- Dann kommt noch der Brunnen dazu. Und das ist quasi nur, um die Pflanzen am Leben zu erhalten.
- Aber, dass wir an mehr Ertrag oder mehr Umsatz dadurch erzielen, das war eigentlich nicht.
- Schon jetzt, und der Sommer ist längst nicht rum, ist absehbar, dass die aus dem Grundwasser herauf gepumpte Menge
- für die Saison nicht reichen wird. Momentan ist er schon unter der Hälfte.
- Wir haben jetzt erst die Möhren gesät, die späten, die jetzt zum Keimen viel Wasser brauchen.
- Ohne Wasser keimt nichts. Da brauchen wir ordentlich Wasser. Also ist dieses Wasser, dass jetzt noch da ist, ganz schnell weg.
- Ich habe jetzt schon Angst, dass es hinten und vorne nicht reicht. Pumpe und Becken hat Ullrich letztes Jahr in Betrieb genommen.
- Nach dem Trockensommer 2018 endlich Grundwasser für die Felder. Doch wie lange wird es sich überhaupt fördern lassen?
- Es gibt keine Garantie für die nächsten 20 Jahre: Kommt da Wasser? Niemand gibt einem die Garantie.
- Das war eine Investition: "Ja, könnte was werden, vielleicht nur für ein Jahr,
- vielleicht für die nächsten zehn." Man weiß es nicht.
- Sein Vater, Stefan Ullrich, blickt zurück in eine Zeit, da zu wenig Regen kein Thema war.
- Da reichte es, Regenwasser von den Dachflächen zu sammeln. 1000 Kubikmeter fasst dieser kleine Sammelteich,
- den er einst angelegt hatte. 15 Jahre lang ging das ganz gut.
- Die letzten 10-15 Jahre haben sich die Niederschläge stark verschoben auf Herbst und Winter, sodass im Frühjahr eher Trockenheit war
- und das Becken zu früh leer war. So beregnen sie nun über Nacht, damit das kostbare Nass nicht verdunstet.
- Allein ein Hektar schluckt etwa 150 Kubikmeter Wasser, fast 4 Mal so viel, wie der Brunnen an einem Tag fördern kann.
- Ich kann jetzt noch 2-3 Mal Wasser geben, dann ist mein Wasser alle. Was dann danach passiert, weiß ich auch nicht.
- Ich weiß auch nicht, wie die Zukunft sein soll. Was hier wächst, verkaufen die Ullrichs auf Wochenmärkten.
- Den Großhandel beliefern sie längst nicht mehr. Dafür ist die Aufzucht ihrer Salate und Gemüse
- mittlerweile viel zu teuer. Das Grün, taufrisch. Die Niddaquelle, kühl und klar.
- Vogelsberg. Idylle eines wasserreichen Mittelgebirges. Rolf Frischmuth vom Naturpark Vulkanregion Vogelsberg aber weiß,
- der Eindruck trügt. Der Naturpark Vogelsberg, gerade hier in den Höhenlagen,
- der hat ansonsten, in Normaljahren, Niederschlagsmengen von 1500 bis 1800 Milimeter gehabt.
- In den letzten Jahren erreichen wir mit Mühe und Not gerade 1000 Millimeter.
- Es gibt sogar Jahre, da mussten wir mit 800 Milimetern auskommen. Das macht sich an ganz vielen Stellen bemerkbar.
- Zum einen fallen viele Quellen trocken, die hier oben seit schon vielen hundert Jahren fließen.
- Die Bäche trocknen aus. Alles, was in diesen Bächen, in diesen Feuchtgebieten lebt,
- stirbt in unmittelbarem Anschluss danach. In den Hochlagen des Vogelsbergs vertrocknen die Fichten,
- werden ein Raub der Borkenkäfer. Zu trocken und zu wenig Wasser
- auch im größten Schatz des Naturparks, im Hochmoor. Wir haben hier ganz viel getan, um das Wasser zurückzuhalten.
- Aber es gelingt uns nur sehr eingeschränkt. Wenn man in diese Fläche schaut, sieht man,
- sie ist bereits bewachsen mit Binsen und anderen Gräsern. Das Buschwerk nimmt zu.
- Für den Fachkundigen ist das ein deutliches Signal, dass der Moorkörper gestört ist
- und in einigen Teilen wahrscheinlich irreparabel. Dann wird das CO2,
- das sich über mehr als 10.000 Jahre gesammelt hat und gespeichert wurde, würde wieder freigesetzt.
- Doch nicht nur die Natur leidet. Seit Jahren sorgen sich in Hessens höchstgelegener Stadt,
- in Ulrichstein, die Bürger um ihr Trinkwasser. Seit sechs Jahren ist Edwin Schneider hier Bürgermeister.
- Die trockensten Sommer fallen in seine Amtszeit. 2018 etwa musste fünf Monate lang
- Trinkwasser mit Tankwagen heran gekarrt werden. Das vorhandene Wasser aus der Mitte der 90er Jahre,
- ist leider nicht mehr da. Wir haben Pumpversuche gemacht. Leider ohne Ergebnis.
- Weiterhin haben wir dann noch einen Brunnen gebohrt, auch in unmittelbarer Nähe dieser Versuchsbohrung,
- 120 Meter tief gebohrt, kein Wasser gefunden. Das liegt auch an der Geologie.
- Im Basaltgestein verteilt sich Grundwasser wie Inseln auf verschiedenen Etagen.
- Fündig wurden die Ulrichsteiner erst in größerer Tiefe. Wir haben 200 m tief gebohrt.
- Wir haben drei Liter pro Sekunde Wasser gefunden. Die 10,8 Kubik, die das ergibt pro Stunde, reichen gerade so aus,
- um die Trinkwasser-Versorgung sicherstellen zu können. Es gibt keine Grundwasserneubildung, kaum noch bei dieser Trockenheit,
- bei diesem Klimawandel. Wir sind an der Wasserscheide Rhein-Weser.
- Das Wasser läuft in alle Richtungen weg und wir sitzen hier oben fast auf dem Trockenen.
- Der neue Brunnen hat Ulrichstein knapp 1 Million Euro gekostet. Er versorgt eintausend Einwohner in der Kernstadt mit Trinkwasser.
- Der Mangel an Wasser, die Vogelsberger sehen nicht nur in der Trockenheit die Ursache,
- sondern auch darin, dass aus ihrem Mittelgebirge große Mengen Wasser nach Frankfurt abgeleitet werden.
- Man greift immer stärker auf das Wasser des Vogelsbergs und auch anderer Regionen zurück.
- Es ist uns Vogelsbergern kaum nachvollziehbar, warum man sagt, der Bedarf wird auf der einen Seite immer höher,
- während auf der anderen Seite die Grundwasserneubildung einfach schlechter geworden ist.
- Gegen diese Praxis protestieren Menschen aus dem Vogelsberg immer wieder.
- Auch dagegen, dass sie für den Kubikmeter Wasser fast vier Euro zahlen müssen,
- die Menschen im Rhein-Main-Gebiet aber nur etwa die Hälfte. Wir sind viele, wir sind laut! Wir sind viele, wir sind laut!
- Der Widerstand im Vogelsberg wird angeheizt von anhaltender Trockenheit.
- Ende August 2022 fällt die Nidda bei Schotten auf einer Länge von vier Kilometern trocken.
- Fische, Muscheln, Pflanzen, tot. So etwas sei hier noch nie vorgekommen. Dieses Ökosystem ist natürlich schwer geschädigt.
- Man kann wirklich von einer Katastrophe sprechen. Alles, was hier in diesem kleinen Bach gelebt hat,
- ist in den letzten 14 Tagen seit der absoluten Trockenheit gestorben. Es wird auch sehr lange dauern, bis diese Lebewelt wieder zurückkehrt.
- Selbst wenn es nun regnete, erst einmal würde das gar nicht helfen, zu trocken, zu hart ist der Grund.
- Das Wasser fließt einfach ab. Es fließt ungehindert ab, es dringt gar nicht in den Schwamm ein.
- Wenn ich den Schwamm nehme und ihn ausdrücke, da kommt nix an, fast gar nichts.
- Normalerweise steht die Nidda hier ein bis zwei Meter hoch. Nun ist alles trocken. Seit Wochen hat es nicht geregnet.
- Das habe auch Folgen für das Grundwasser und die Trinkwasser-Versorgung:
- Wir hier im Vogelsberg leiden bereits schon unter der Wassernot, weil die Brunnen,
- aus denen sich die Vogelsberger bedienen, die sind nicht so tief. Dort ist nicht so viel Wasser vorhanden.
- Das wird früher oder später auch mit dem Grundwasser geschehen, das derzeit nach Frankfurt gepumpt wird.
- Hier sehen die Vogelsberger das Problem: Frankfurt. Es holt sich dreiviertel seines Wasserbedarfs aus dem Umland.
- So wird Wasser aus dem Rhein ins Grundwasser unter dem Hessischen Ried gepumpt,
- um von dort Wasser für die Stadt zu gewinnen. Auch aus dem Grundwasserleiter unter dem Stadtwald wird sich bedient.
- Der wird immer wieder aufgefüllt mit Wasser aus dem Main. Schließlich zapft Frankfurt den Spessart an und den Vogelsberg.
- Die Stadt am Main ist durstig, schluckt Jahr für Jahr 52 Millionen Kubikmeter Wasser.
- Der Kritik, dass sie sich auch im Vogelsberg bedient, begegnet die Umweltdezernentin Frankfurts
- mit trotziger Hilflosigkeit. Ich respektiere durchaus die Kritik aus dem Hessischen Ried
- und vom Vogelsberg, dass sie sagen "Frankfurt säuft unser Wasser". Aber, Sie müssen berücksichtigen, wir tun das schon seit 150 Jahren.
- Warum? Weil die Metropole Frankfurt und die Region wächst. Wir sind am Tag 1,5 Mio Menschen und in der Nacht 740 - 750.000.
- Will damit sagen, wir sind eine Einpendler-Stadt, sind Arbeitgeberin.
- Wir versorgen nicht nur die Frankfurter Bevölkerung, sondern auch alle, die bei uns am Tag arbeiten.
- Wenn ich dafür eine Lösung hätte, wäre sie umgesetzt! Das Wasser aus dem Vogelsberg, wer darf es nutzen?
- Wie viel davon darf die Großstadt schlucken? Ein Vorschlag aus dem Vogelsberg:
- Wir wollen keine Vorwürfe formulieren, sondern wir wollen Verständnis erzeugen.
- Wir wollen einfach die Frankfurter sensibilisieren für das Thema und das Rhein-Main-Gebiert vielleicht dazu motivieren
- mehr Wasser zu sparen. Immerhin, ein Wasserkonzept hat die Mainmetropole vorgelegt.
- Darin ist vor allem die Rede von "Prüfungen", "Studien", "Handlungsfeldern".
- Was aber kann Frankfurt selbst unternehmen für sein Grundwasser? Zum Beispiel Flächen schaffen, die nicht asphaltiert,
- nicht betoniert, nicht versiegelt sind. Hier kann Regenwasser versickern. Das kommt dem Grundwasser zugute.
- Zugleich verhindern solche Flächen, dass bei Starkregen das Regenwasser nur abläuft in die Kanalisation oder gar,
- wenn die Kanäle überlastet sind, Straßen und Plätze überflutet werden. Denn auch das ist die Zukunft.
- Immer häufiger werden große Regenmengen in kurzer Zeit fallen. Dafür braucht das Wasser Raum, Auffangbecken, Überflutungsflächen.
- Das schützt die Stadt und ihre Bewohner und hält wertvolles Wasser zurück,
- das dann ins Grundwasser sickern kann. Das Stichwort für einen solchen Umbau lautet "Schwammstadt".
- Wie die aussehen kann? Offenbach macht es beispielhaft vor. Mehr Wasserflächen, Schluss mit zu viel Asphalt und Beton! Mehr Grün.
- Auch auf Dächern! Offenbach will Schwammstadt werden. Bürgermeisterin Sabine Groß treibt es voran.
- Regen speichern, da wo er fällt. Denn eines sei doch sicher: Das Wetter werde extremer.
- Extremwetter-Ereignisse heißt: Mehr Hitze, mehr Stürme, mehr Starkregen-Ereignisse.
- Und wir müssen darauf reagieren, indem wir unsere Städte anders bauen mit weniger versiegelten Flächen.
- Dass das Wasser nicht komplett in die Kanalisation abgeführt wird. Sondern, dass es vor Ort versickert oder verdunstet.
- Auch Offenbach hat in den vergangenen Jahren erlebt, wohin es sonst führt, wenn Kanalisationen Regen nicht mehr aufnehmen können.
- Eine Stadt wie ein Schwamm, das könnte die Lösung sein. Dieses begrünte Dach kann bis zu 80 Prozent
- von starken Niederschlägen aufsaugen, erklären die Projektplaner. Eine Maßnahme Offenbachs auf dem Weg zur Stadt, die Wasser festhält.
- Hier eine weitere: Große Gebäude, wie das neue Polizeipräsidium,
- bekommen unterirdische Speicher fürs Regenwasser. Das läuft dann später über renaturierte Bachläufe ab,
- statt die Kanalisation bei Unwettern überlaufen zu lassen. Das sind freiwillige Maßnahmen. Noch.
- Unser Ziel ist eine Niederschlagswasser-Satzung in Offenbach zu erlassen, mit der wir Vorgaben bei Neubauten machen.
- Wobei: Auch ohne Vorgaben lohne es sich schon jetzt, Regenwasser etwa in Teiche zu leiten.
- Diese Kirchengemeinde hat sich bei einem Neubau dafür entschieden. Vorteil der Investition:
- Die Gemeinde zahlt weniger Abwassergebühren, weil das Regenwasser vom Kirchendach
- nicht mehr in die Kanalisation fließt. Seit Januar 2022 fördert Offenbach einen weiteren Schritt
- auf dem Weg zur Schwammstadt. Wer Flächen durch solche Steine, durchlässig macht,
- erhält bis zu 50 Euro pro Quadratmeter. Interessenten für diese Maßnahme gibt es viele.
- Wir haben vorgesehen, wenn die Nachfrage hoch ist, füllen wir den Topf noch mal auf,
- dass wir mehr Flächen zum entsiegeln fördern können. Schwammstadt werden gegen Starkregen-Fluten,
- gegen sinkende Grundwasserspiegel. Doch nicht nur Regenwasser auffangen und versickern,
- sondern auch, aufgefangenes Wasser besser nutzen. Zurück im Vogelsberg.
- Eine Zisterne für jeden Neubau. Regenwasser sammeln ist im Neubaugebiet
- von Freiensteinau Bauherren-Pflicht. Auch wenn es in der Gemeinde acht Brunnen
- und genauso viele Hochbehälter und Leitungsnetze gibt. 3100 Einwohner müssen mit Trinkwasser versorgt werden.
- Möglichst wenig davon für Bewässerung oder Toilettenspülung zu verschwenden, das hat sich Bürgermeister Sascha Spielberger
- auf die Fahne geschrieben. Was bei uns seit Jahren an der Tagesordnung ist,
- dass wir in Neubaugebieten die Regenwasser-Nutzung vorschreiben. Das ist ein Bestandteil, der bei uns traditionell in den Büchern steht,
- um so einen Teil zur Schonung des Trinkwassers beizutragen. Das Problem im Vogelsberg wie andernorts:
- Vom Regen, wenn er fällt, kommt zunehmend weniger im Grundwasser an. Im Sommer, bei hohen Temperaturen, verdunstet viel an der Oberfläche.
- Zudem, weil die Böden trocken und hart sind, läuft das Regenwasser zum Teil sturzbachartig ab.
- Der Grundwasserspiegel sinkt, vor allem dann, wenn in dieser Zeit viel entnommen wird.
- Etwa für Frankfurt. Die Stadt deckt ihren Bedarf zu 35 Prozent aus dem Mittelgebirge
- und geht damit nicht sehr achtsam um. Ein Drittel des in Frankfurt verbrauchten Trinkwassers
- dient nicht als Lebensmittel, wird zur Bewässerung vergossen oder in Toiletten heruntergespült.
- Die Stadt selbst, weitgehend versiegelte Fläche, kann nur zu einem Viertel ihren Trinkwasserbedarf selbst decken.
- Das widerspricht dem Wasserhaushaltsgesetz: Müsste die Stadt nicht längst mit größtem Nachdruck nach Wegen suchen,
- selbst mehr Trinkwasser zu gewinnen und bereitzustellen? Frage an Rosemarie Heilig, Frankfurts Umweltdezernentin:
- Die Stadt Frankfurt hat natürlich erkannt, dass es so nicht weitergehen kann, dass wir aus der Region,
- dem Vogelsberg, aus dem Hessischen Ried das Wasser nur importieren, aber nicht etwas dafür tun, unsere eigenen Brunnen zu verwenden.
- Das ist der Inhalt des Wasserkonzeptes: Wir wollen erreichen, dass wir durch Infiltration von Main-Wasser
- den Grundwasserstand wieder so anheben, dass wir in der Zukunft, obwohl wir wachsen, nicht noch mehr Wasser
- aus dem Vogelsberg und dem Hessischen Ried verbrauchen. Das ist das Ziel des Wasserkonzeptes der Stadt Frankfurt.
- Bereits seit Jahren zapft die Metropole den Rhein an, lässt das Flusswasser im Hessischen Ried ins Grundwasser sickern.
- So gewinnt Frankfurt nach aufwändiger Aufbereitung 40 Prozent seines Trinkwassers.
- Mehr als 20 Millionen Kubikmeter pro Jahr! Doch wie lange noch? Fallende Flusspegel in trockenen Sommern zeigen schon jetzt,
- dass dieses Modell Grenzen hat. Auch hier, im Frankfurter Stadtwald, oder besser unter ihm,
- liegt eines der Wasserreservoire der Stadt. Grundwasser, das mit Argusaugen beobachtet wird
- von Hessenwasser-Mitarbeitern. 7,98 Meter sind es hier. Jetzt habe ich genau geguckt.
- Also quasi acht Meter. Das ist für die Stelle mittlerer Grundwasserstand.
- Dass das Grundwasser trotz anhaltender Trockenheit noch immer seinen mittleren Stand hält, verdankt es einem Trick.
- Seit 1959 wird aus dem Main Wasser entnommen. Gereinigt und ein erstes Mal aufbereitet
- wird es im Stadtwaldgebiet in den Untergrund geleitet, infiltriert. Im vergangenen Jahr waren es 2,2 Millionen Kubikmeter Main-Wasser,
- die das Grundwasser auf diese Weise aufgefüllt haben. Durch die Anreicherung des Grundwassers
- mit aufbereitetem Oberflächenwasser haben wir ein Drittel Brauchwasser in dem Trinkwasser, was nach Frankfurt geliefert wird.
- Unsere Argumentation ist: 30 Prozent für die Toilettenspülung sind Brauchwasser,
- frei Haus geliefert, ohne zweites Leitungs-System. Für Freiensteinaus Bürgermeister klingt das wie eine Ausrede.
- Er vermisst ein Bekenntnis Frankfurts zu Regen- und Brauchwasser-Nutzung. So wie es seine Gemeinde vormacht.
- Das Wasserkonzept Frankfurts reicht ihm nicht: Ich habe im Wasserkonzept der Stadt Frankfurt gelesen,
- wenn größere Neubaugebiete entstehen, wird geprüft, ob das in Frage kommt oder ob das genutzt werden kann.
- Bei uns wird es schon als selbstverständlich gesehen. Demnächst auch in Frankfurt? Die Umweltdezernentin beteuert das:
- Wir müssen bei den neuen Baugebieten dafür sorgen, dass wir nicht mehr Trinkwasser durch die Toiletten spülen
- oder fürs Waschen benutzen. Deswegen haben wir als neue Koalition entschieden,
- dass wir Brauchwasserleitungen in die neuen Gebäude, die wir zukünftig bauen, einbauen werden.
- Selbst wenn dieses Versprechen eingelöst wird, es wird nichts daran ändern, dass Frankfurt
- immer am Trinkwasser-Tropf anderer Regionen hängt, über große Entfernungen Wasser heranschaffen muss.
- So wie aus Inheiden im Landkreis Gießen. Hier fördern die Oberhessischen Versorgungsbetriebe, die OVAG,
- im Jahr 14,5 Millionen Kubikmeter Trinkwasser aus dem Grundwasserleiter.
- Wenn man sehr viel entnommen hat, ganz extrem war es in den 70er-Jahren,
- mit der Trockenperiode ging der Grundwasserstand nach unten. Dann haben wir angefangen, die Wassermenge zu reduzieren.
- Dann ging das alles so. Ab 2003 betreiben wir
- die umweltschonende Grundwassergewinnung. Da ist das Ziel,
- dass der Grundwasserstand auf einem Stand im Prinzip gleich bleibt. Das können Sie nur erreichen,
- wenn Sie die Entnahmemenge entsprechend reduzieren. Das ist der Trick dabei, dass wir uns immer genau überlegen,
- wie viel Menge können wir an den einzelnen Stellen entnehmen, ohne dass wir oberflächennahe Biotope
- und ohne dass wir den Grundwasserstand verändern? Aus insgesamt neun Gewinnungsgebieten
- mit 21 Brunnen fördert die OVAG jährlich 33 Millionen Kubikmeter. Die verteilt sie über ein weites Leitungsnetz.
- In Rohren mit einem Durchmesser von 1,20 Meter rauscht das Wasser aus Hochbehältern an die Zielorte.
- Wir haben ein Leitungsnetz von 250 Kilometern. Das müssen Sie sich vorstellen,
- diese 250 Kilometer sind permanent in Bewegung. Das sind Güterzüge, die da transportiert werden,
- 24 Stunden am Tag. Allein nach Frankfurt schickt der Wasserversorger
- so jedes Jahr 19 Millionen Kubikmeter. Doch bei diesem Wasser-Schwerlast-Verkehr
- mit 10 bar Druck kommt nicht immer alles an. So ein Wasserverlust ist auch mal schleichend.
- weil diese Wasserleitungsrohre aneinander befestigt sind und wie bei allen Befestigungen, gibt es kleine Undichtigkeiten.
- Das ist so wie bei Ihnen zu Hause, beim tropfenden Wasserhahn. Da denken Sie, ein Tropfen,
- der macht doch nicht viel aus bei einem Wasserhahn. Aber stellen Sie mal unter einen tropfenden Wasserhahn ein Messgefäß.
- Lassen Sie das mal eine Stunde lang messen dann stellen Sie fest, wie viel Wasser Sie durch Tröpfchen,
- für Tröpfchen, an Wasser verlieren. Das rechnen Sie hoch auf den Tag, aufs Jahr,
- dann sind Sie in größeren Kubikmeter-Bereichen. Die Rohrleitungsverluste sind gewaltig.
- Deutschlandweit liefern öffentliche Wasserversorger 5,1 Milliarden Kubikmeter Trinkwasser pro Jahr.
- Nach Angaben des Deutschen Vereins des Gas- und Wasserfaches bleiben davon auf dem Weg zum Verbraucher
- im Durchschnitt 5,5 Prozent auf der Strecke. 280 Millionen Kubikmeter, mehr als fünfmal so viel,
- wie Frankfurt jährlich an Trinkwasser verbraucht. Das meiste geht in den kommunalen Rohrleitungsnetzen verloren.
- Ein Wasserrohrbruch in Kilianstädten. Das alte Guss-Rohr aus den 70ern hat ein Loch.
- Nun sind die Männer vom Wasserversorger Main-Kinzig dran. Eine Leckage, wie das unter Fachleuten heißt,
- muss sofort repariert werden. Wir haben circa 200 Störungen im Jahr.
- Die größeren findet man oft direkt, weil der Wasseraustritt unmittelbar ist, auf die Straße läuft.
- Die kleinen Rohrbrüche werden gesucht vom Lecksucheteam, was das ganze Jahr für uns im Einsatz ist,
- alle Städte und Gemeinden nach und nach turnusmäßig absucht, die Rohrbrüche findet und somit repariert werden kann.
- Bei mehr als 1000 Kilometern Leitungslänge in 12 Kommunen. Thorsten Lohfink ist Lecksucher.
- In Niederdorffelden zeigte der Wasserverbrauch eine Anomalie. Seit Wochen sucht er deshalb hier nach dem möglichen Leck.
- Mit speziellen Boden-Mikrofonen kann er die Rohre abhören. Ich mess jetzt die Strecke hier durch, mit zwei Sendern.
- Da kann man feststellen, ob Geräusche in der Leitung sind. Wenn ein Hausbesitzer duscht, würde ich das mitbekommen.
- Wenn eine Leckage in der Leitung ist, bleibt die dauerhaft. Dann mess ich die ein.
- Ein kleiner Lauschangriff auf den unterirdischen Wasserfluss. Der s.g. Korrelator zeigt, wo genau das Leck ist.
- Lohfinks Erfahrung: dass es weder eine Dusche ist, noch gerade ein Pool befüllt wird.
- Überprüfung an der vermeintlichen Rohrbruch-Stelle. Ich hab jetzt durchgemessen
- und bin im Bereich, wo mir der Korrelator das angezeigt hat. Jetzt hab ich die Leitung noch mal abgehört.
- Die ist zu 100 Prozent an dieser Stelle. Ein Hausanschluss, den er für die Reparatur markiert.
- Die Kreiswerke Main-Kinzig versorgen 35.000 Haushalte mit Trinkwasser. Knapp eine halbe Million Kubikmeter Wasser pro Jahr versickert.
- Der Gegenwert von einer Million Euro. Wir sind sowieso in einer Phase, wo Trinkwasser knapp wird.
- Deswegen ist auch die Leckageortung mittlerweile ein wichtigerer Faktor als es früher mal war.
- Wir kommen von einem Wert bei den Wasser-Verlusten, der zehn Prozent beträgt.
- Seitdem wir die Lecksuche haben, sind wir bei 6,7 Prozent. Das will ein Darmstädter Startup weiter verbessern.
- Eine Gruppe ehemaliger Studenten hat ein System entwickelt, mit Daten zur Rohrbeschaffenheit, Länge und Alter usw.
- Dazu kommen Daten aus Sensoren an den Rohren. Dafür haben sie einen Preis gewonnen.
- Wir haben ein digitales Modell der Rohrnetze, was die digitale Version der Rohre abbildet.
- Dann kommen die Echtzeitdaten dazu: Druck, Flussrate und akustische Sensordaten,
- die wir kombinieren und damit das Rohrnetz in Echtzeit überwachen. Dafür werden die Sensoren an Hydranten gekoppelt.
- Ein Druckmessgerät mit Datenlogger, das die Daten zum Wasserdurchfluss per Funk überträgt, bzw. die Unregelmäßigkeiten.
- Das Leck soll damit live entdeckt werden können. Wir müssen mehrere Sensoren im Rohrnetz platzieren,
- damit man das Rohrnetz überwachen und Leckagen präzise finden kann, damit man die Berechnung zwischen Flussrate und Druck
- kombinieren kann und unsere Algorithmen das auswerten, um die Leckagen zu finden.
- Solche Datenlogger hat das Startup auch bei den Kreiswerken Main-Kinzig eingebaut, als Test.
- Für Wasserwerke lohnt es sich. Man muss Kosten für Sensoren aufbringen anfangs.
- Wir haben eine Überwachungs-Fee. Pro Monat erheben wir eine Gebühr für das Überwachen.
- Einsparen kann man damit Wasserverluste. Man kann die Reparaturen optimaler planen, indem man weiß,
- wo man die Reparaturen durchführen muss. Man kann Personal sparen, was nicht raus muss, um Leckagen zu finden.
- Jedes entdeckte Leck verhindert, dass Trinkwasser ungenutzt versickert. Ob Trink- oder Brauchwasser, sparsamer Umgang
- mit dem kostenbaren Nass gewinnt in Zeiten der Trockenheit an Bedeutung. Auch das, was die Städte an Abwasser produzieren,
- verdient mehr Aufmerksamkeit. Frankfurt: 750.00 Einwohner und 400.00 Pendler
- hinterlassen täglich 300 Millionen Liter Abwasser. Das wird in Kläranlagen in Sindlingen und in Niederrad gereinigt.
- Grober Dreck raus, Kohlenstoff- und Stickstoffverbindungen biologisch abbauen und in der chemischen Reinigungsstufe
- Phosphor entfernen. So funktioniert das dreistufige Verfahren.
- Roland Kammerer ist technischer Betriebsleiter der Frankfurter Stadtentwässerung.
- Die muss der Bau-Ingenieur fit machen für die Zukunft: Frankfurt wächst. Wir kennen die Prognosen.
- Wir gehen davon aus, dass im Jahr 2035, 2040 100.000 Menschen mehr in Frankfurt leben.
- Aber genau wissen wir das nicht. Wir wissen aber, dass die vorhandenen Abwassranlagen,
- die Reinigungsanlagen, mit dem zusätzlichen Schmutzwasser nicht umgehen können.
- Wir planen im Moment, wie wir die vorhandenen Anlagen ausbauen können, um nicht nur höhere Reinigungs- anforderungen erfüllen zu können,
- sondern auch den Anforderungen der wachsenden Stadt gerecht zu werden. Mehr Abwasser reinigen und besser reinigen:
- Das ist auch die Aufgabe 15 Kilometer südlich von Frankfurt in Mörfelden-Walldorf.
- Hier erneuern und erweitern die Stadtwerke ihre Kläranlage. Sie ist eine der ersten in Hessen,
- die eine vierte Reinigungsstufe erhält. Längst finden sich in den Abwässern Rückstände von Medikamenten,
- Röntgenkontrastmitteln, Hormonen und Mikroplastik. Spurenstoffe, die nur diese Reinigungsstufe beseitigen kann.
- Besonders wichtig für das Hessische Ried, Einzugsgebiet für das Trinkwasser der Rhein-Main-Region:
- Wir haben eine intensive Landwirtschaft, und zugleich eine hohe Bevölkerungsdichte.
- Dadurch entsteht eine große Belastung des Abwassers. Zugleich haben wir geringmächtige Deckschichten.
- Das Wasser aus den Oberflächengewässern infiltriert zügig in das Grundwasser hinein,
- wodurch das Grundwasser Belastungen mit Spurenstoffe aufweist. Das Grundwasser wird bekanntlich über das Rohwasser
- zur Trinkwassergewinnung genutzt. Es ist eine besondere Situation im Hessischen Ried.
- So funktioniert die vierte Stufe: Das bereits mechanisch, biologisch und chemisch vorgereinigte Abwasser
- wird mit feinperligem Ozon versetzt. Das oxidiert die Spurenstoffe, entschärft sie damit schon mal.
- Die lagern sich, unterstützt von einem "Fällmittel" an feinstgemahlener Aktivkohle an.
- Anschließend wird ein "Flockungsmittel" zugegeben. Das lässt die mit den Spurenstoffen
- beladenen Aktivkohlepartikel verklumpen. So lassen die sich feiner und immer feiner herausfiltern.
- 56 Millionen Euro investiert die Kommune in die Kläranlage. Auf technisch neuestem Stand wird sie das Abwasser von 48.000 Menschen
- reinigen und die Gefahr der Spurenstoffe im Wasser bannen können. Es bleiben Spurenstoffe, Medikamente, Hormone
- in der Kläranlage und sind in Fließgewässern nicht mehr zu finden. Die Fische freuen sich.
- Und Frankfurt? Wäre es für eine vierte Reinigungsstufe
- in der Abwasser-Reinigungsanlage Niederrad nicht auch höchste Zeit? Zumal man das so gut gereinigte Wasser nicht in den Main
- abfließen lassen müsste, sondern es als Brauchwasser etwa zur Bewässerung von Grünanlagen nutzen könnte.
- Die negativen Auswirkungen dieser Spurenstoffe, die aus den Haushalten, etwa aus den Arzneimittel-Resten kommen,
- haben negative Auswirkungen auf die Gewässer, auf die Fische, auf andere Gewässer-Lebewesen: Da müssen wir gegensteuern.
- Deshalb werden wir in Frankfurt eine vierte Reinigungsstufe bauen und betreiben müssen, die Planung dazu ist gestartet.
- Also bald besser gereinigte und damit besser nutzbare Frankfurter Abwässer?
- Wohl eher nicht, enttäuscht der Betriebsleiter der Stadtentwässerung: Wir gehen heute beim Umbau von Kläranlagen, egal ob in Frankfurt
- oder anderswo, von Planungs- und Genehmigungszeiträumen in der Größenordnung von zehn Jahren aus.
- Wir müssen vermeiden, wenn wir mit der Planung und dem Bau fertig sind, die Anforderungen überholt sind.
- Heißt also fantasie- und ehrgeizlos: Bis Frankfurts Kläranlagen eine vierte Reinigungsstufe bekommen,
- fließt noch viel Wasser den Main hinab. Hier gibt's bestes Wasser im Überfluss, im wörtlichen Sinne.
- Wenn der Edersee, Deutschlands drittgrößte Talsperre, überläuft, haben sich 200 Millionen Kubikmeter Wasser angestaut.
- Ein scheinbar unerschöpfliches Wasser-Reservoir. Erlebnisraum für Touristen,
- zugleich Hochwasserschutz und Wasservorrat. Damit das ganze Jahr über auf Weser und Mittellandkanal
- Schiffe fahren können. Doch im Juli 2022 ist der Edersee nicht mal mehr halb voll.
- Das Bauwerk braucht wissenschaftlich- technischen Beistand: Wann kann und muss wie viel Wasser abgegeben werden?
- Antworten auf diese Fragen hat Stephan Theobald erarbeitet. Im Fachgebiet Wasserbau und Wasserwirtschaft
- an der Uni Kassel erforscht er mit einem Team von Wasserbauingenieuren woher das Wasser in den See strömt, wann im Jahr und wie viel.
- Basis für ein Computersystem, das hilft, die Abflussmengen des Edersees präziser und vorausschauender zu steuern.
- Das Tool erarbeitet Vorschläge für die Abgabe des Wassers an der Eder-Talsperre.
- Diese Vorschläge werden aufgrund mathematischer Formulierungen definiert.
- Die sind relativ genau. Ziel ist, einen bestimmten Wasserstand am Pegel in Hann. Münden
- einzuhalten, aber nur so viel Wasser abzugeben, dass wir das erreichen, Nicht zu viel Wasser abzugeben.
- Das System verknüpft Abflussvorhersagen, Zuflussmengen in den See, gemessene Pegelstände
- und die im Einzugsgebiet zurückgehaltenen Schneemengen. So lassen sich die Pegel unterhalb des Ederstausees
- stundengenau regulieren. Die heikle Balance des Ederseewassers:
- Für Jörg Böhner, der den Außenbezirk Edertal des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts Weser leitet, ist das System eine große Hilfe:
- Die Einschätzungen der Experten sagen, dass die trockenen Jahre immer häufiger werden.
- Das heißt, die Talsperre voll kriegen wir eigentlich, weil die Niederschläge in den Wintermonaten ausreichen.
- Aber die Sommer werden häufig so trocken, dass in der Weser der Bedarf frühzeitig und groß ist und wir gleichzeitig
- das Wasser-Dargebot nur noch eingeschränkt haben. Es ist umso wichtiger, das Wasser, das da ist, sparsam einzusetzen.
- Wasser ablassen, zur rechten Zeit und in der nötigen Menge. So viel Wasser wie möglich im See behalten. Dennoch:
- Den Widerstreit von touristischem Interesse und dem der Schifffahrt kann das ausgeklügelte System nicht endgültig lösen:
- Das Tool trägt dazu bei, dass der Konflikt minimal geringer wird. Dass etwa die wasserstützende Wirkung später beginnt,
- oder wir die wasserstützende Wirkung effektiver umsetzen, dass der See sich nicht so schnell absenken muss.
- Wenige Wochen später: Das System der kontrollierten Wasserabgabe stößt an seine Grenzen.
- Der Edersee ist nur noch zu einem Fünftel gefüllt. Zwei Meter, mehr Wasser haben die Boote in Rehbach nicht unterm Kiel.
- Höchste Zeit sie anzulanden. Bis zu 60 holt Thomas Hennig nun an einem Tag an Land.
- Eigentlich Arbeit für den Herbst. Doch nun ist die Saison vorbei, im August!
- So trifft der Wassermangel im Edersee nicht nur die Weser-Schifffahrt, sondern vor allem den Tourismus in der Region.
- Hier hängen 3500 Arbeitsplätze dran. Wir sind 300 Betriebe, die überwiegend im Familienverband
- unsere Geschäfte machen und uns wird die Grundlage entzogen. 22 Meter höher läge der Wasserstand, wäre der Edersee gefüllt.
- Der Pegel ist zugleich Messlatte für das Geschäft mit den Touristen. Mit ihnen erwirtschaftete die Region im Jahr vor Corona
- 570 Millionen Euro Brutto-Jahresumsatz. Unerreichbar mit einem trockenfallenden Edersee.
- Es ist tatsächlich so, dass die Freizeitbetriebe rund um den See, nicht nur Wassersportbetriebe,
- sagen, dass der Tagesbesuch merklich nachgelassen hat. Da herrscht im Vergleich zu den letzten Jahren weniger Nachfrage.
- Zudem bedroht Niedrigwasser auch die Wasserqualität, kann wie im Trocken- und Hitzesommer 2018 Algen übermäßig wachsen lassen.
- Badevergnügen und Wassersport adé. Immer aber schränkt Niedrigwasser den Bootsverkehr auf dem Stausee ein.
- Trockenheit und niedriger Wasserstand verderben das Urlaubsvergnügen: Es ist zu schade, die Natur ist so schön.
- Die Gastronomie leidet, alles leidet unter der Situation. Erschreckend, erschreckend. Ich bin derart traurig.
- Gegen solche Gefühle und einen Stausee, dem das Wasser ausgeht, können Stephan Theobald und seine Wasserbauingenieure
- der Uni Kassel nur bedingt anarbeiten. Immerhin hat ihr Computer-System zu einem Kompromiss beigetragen:
- In trockenen Jahren muss der Edersee weniger abgeben. Dafür wurde der Mindest-Pegel der Weser um fünf Zentimeter abgesenkt.
- Statt 1,20 Meter müssen nur noch 1,15 Meter Wassertiefe gehalten werden. Im Winter kann die Mindestabgabe aus dem See
- von sechs Kubikmetern pro Sekunde auf vier reduziert werden. Zudem macht das Kasseler System Schule.
- Nach seinem Vorbild erarbeitete Theobald mit internationalen Wissenschafts-Kollegen einen Plan zur Wassernutzung des Sees Genezareth.
- Da geht es um die Bewirtschaftung landwirtschaftlicher Flächen in Jordanien.
- Da stellen wir fest, dass das Tool sehr gute Arbeit leistet. In diesem konkreten Projekt war Nordhessen die Blaupause.
- Wir haben da viel gelernt, von der Software her, auch von den Daten, die wir benötigen,
- und haben das gut adaptiert auf den Nahen Osten. Noch mehr Stauwerke könnten sich eignen:
- Immerhin gibt es davon weltweit 58.000. Die Edertalsperre, sie ist ein Beispiel dafür,
- wie sich mit Wasser wirtschaften lässt in Zeiten der Klimakrise. Aber auch dafür, dass Wissenschaft und Technik an ihre Grenzen stoßen,
- wenn Wasser Mangelware ist. Zwar lassen sich Verbräuche und Verluste reduzieren,
- lassen sich Grund-, Regen- und Abwasser besser bewirtschaften. Aber die Ressource Wasser: Sie ist durch nichts zu ersetzen!
Zum Nachlesen
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GrundwasserGrundwasser ist Wasser unterhalb der Erdoberfläche, das durch Versickern von Niederschlägen und teilweise auch durch Infiltration/Migration des Wassers aus …
SüßwasserDie globalen Süßwasservorkommen schrumpfen nicht nur, sie sind darüber hinaus ungleich verteilt, daher werden sich die Konflikte um Wasser in Zukunft, auch …