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Religionen in Köln

Interreligiöser Dialog. Bearbeiten. Der Begegnung und dem Dialog zwischen Juden und Christen widmet sich die Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Religiöse Vielfalt und Entwicklung
  2. 2. Katholisches Köln
  3. 3. Evangelische und weitere christliche Kirchen
  4. 4. Judentum in Köln
  5. 5. Islam und weitere Religionen
  6. 6. Interreligiöser Dialog

Religiöse Vielfalt und Entwicklung

Köln war lange stark katholisch geprägt, doch Christen sind in der Stadt inzwischen zahlenmäßig in der Minderheit. Der christliche Bevölkerungsanteil sinkt durch Säkularisierung und durch Zuwanderung nichtchristlicher Bevölkerungsgruppen.

Ende 2022 waren von 1.092.118 Einwohnern 28,8 % Mitglied der katholischen Kirche und 12,9 % Mitglied der evangelischen Kirche. 58,3 % gehörten anderen Konfessionen oder Glaubensgemeinschaften an oder waren konfessionslos. Ende 2023 hatte Köln 1.095.520 Einwohner; davon waren 27,5 % oder 301042 Einwohner katholisch, 12,4 % evangelisch und 60,1 % gehörten anderen Glaubensgemeinschaften an oder waren konfessionslos.

Katholisches Köln

Die römisch-katholische Kirche hatte in Köln historisch eine besondere Bedeutung. Ende 2019 waren 32,8 % der Einwohner Mitglied der römisch-katholischen Kirche; 2008 waren es noch 38,6 %. Das Erzbistum Köln besteht seit 313, zunächst als Bistum und seit Karl dem Großen im Jahr 794 als Erzbistum. Bis 1802 war es eines der geistlichen Territorien des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation; der Erzbischof war zugleich Kurfürst.

1288 wurde Köln Freie Reichsstadt und gehörte danach nicht mehr zum Kurfürstentum. 1525 wurde der Sitz des Kurfürstentums nach Bonn verlegt, ab 1597 war Bonn dauerhaft kurkölnische Residenzstadt. Die Reformation konnte in Köln nicht dauerhaft Fuß fassen. Protestanten konnten in der Stadt bis zum Einmarsch der Franzosen 1794 keinen öffentlichen Gottesdienst abhalten. 1802 wurde das Erzbistum zunächst aufgehoben; die Pfarreien gehörten danach zum Bistum Aachen. 1821 beziehungsweise 1825 wurde das Erzbistum in verändertem Zuschnitt neu errichtet. Köln ist bis heute Sitz eines Erzbischofs und Hauptort einer der sieben Kirchenprovinzen Deutschlands.

Ein wichtiger neuerer Höhepunkt war der 20. Weltjugendtag im August 2005. Rund 26.000 Freiwillige aus 160 Staaten begrüßten Gäste aus 196 Staaten in Köln, Bonn und Düsseldorf. 400.000 Besucher waren akkreditiert, und an der Abschlussmesse auf dem Marienfeld nahmen über eine Million Menschen teil. Papst Benedikt XVI. besuchte Köln dabei auf seiner ersten Pontifikalreise nach seiner Amtseinführung im April 2005.

Die katholischen Pfarrgemeinden bilden das Stadtdekanat Köln. Zum 1. Januar 2017 wurden die Dekanate im Erzbistum neu geordnet; die bisherigen Dekanate Köln-Mitte, Dünnwald, Ehrenfeld, Lindenthal, Mülheim, Nippes, Porz, Rodenkirchen und Worringen wurden aufgelöst. Über 300 Kirchen, Klöster und Stifte sowie Bräuche wie die Mülheimer Gottestracht an Fronleichnam zeigen die katholische Volksfrömmigkeit in Köln. Die katholische Kirche unterhält außerdem Museen, Schulen und soziale Einrichtungen und veranstaltet Konzerte, Ausstellungen und Fortbildungen.

In Köln gibt es mehrere Ordensgemeinschaften, darunter Dominikaner, Franziskaner-Minoriten, Kölner Alexianer, Jesuiten, Redemptoristen, Salesianer Don Boscos, Ursulinen, Karmelitinnen, Vinzentinerinnen, Schönstatt-Schwestern und Cellitinnen. Im Mittelalter waren in der bedeutenden Groß-, Bistums- und Universitätsstadt nahezu alle damals bestehenden Orden vertreten. Das „heilige Köln“ beherbergt viele Reliquien und ist mit zahlreichen Heiligen verbunden, darunter Caspar, Melchior, Balthasar, Maternus, Severin, Ursula, Bruno von Köln, Albertus Magnus, Adolph Kolping und Edith Stein.

Evangelische und weitere christliche Kirchen

Evangelische Bewegungen wurden in Köln lange unterdrückt. 1520 wurden die Schriften Martin Luthers verbrannt. 1529 wurden Peter von Fliesteden und Adolf Clarenbach wegen ihres evangelischen Glaubens hingerichtet. Täuferische Gruppen konnten nur im Untergrund wirken; einzelne Ausnahmen gab es während der Amtszeit des evangelisch orientierten Erzbischofs Hermann V. von Wied. Menno Simons konnte zwischen 1544 und 1546 relativ frei in Köln wirken. Später wurden täuferische Prediger wie Mathias Zerfaß und Thomas von Imbroich verfolgt und getötet.

Im reformierten und lutherischen Bereich entstanden vier Gemeinden, die später in der Evangelischen Gemeinde Köln zusammengefasst wurden: eine niederländisch-reformierte Gemeinde, eine französisch-reformierte Gemeinde, eine deutsch-reformierte Gemeinde und eine deutsch-lutherische Gemeinde. Offizielle evangelische Gottesdienste waren nur außerhalb des damaligen Stadtgebiets möglich. Ab 1583 verwehrte der Rat der Stadt Protestanten sogar das Begräbnis innerhalb der Stadtmauern. Nach dem Dreißigjährigen Krieg nutzten Reformierte und Lutheraner gemeinsam den Geusenfriedhof außerhalb der Stadtmauer. Erst mit dem Einmarsch der französischen Revolutionstruppen 1794 änderte sich die Lage grundlegend. Heute sind, einschließlich kleinerer evangelischer Freikirchen, knapp 15 % der Kölner Bevölkerung evangelisch.

2007 war Köln nach 1965 zum zweiten Mal Gastgeberin des Deutschen Evangelischen Kirchentags; der 31. Deutsche Evangelische Kirchentag hatte etwa 155.000 Teilnehmer. In Köln vertreten sind die Evangelische Kirche im Rheinland, weitere lutherische Kirchen wie die Evangelisch-Lutherische Kirche Finnlands, die Herrnhuter Brüdergemeine, die Japanische Evangelische Gemeinde Köln/Bonn und die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK), außerdem reformierte Gemeinden wie die Niederländisch-reformierte Kirche in Deutschland und die Ungarisch-reformierte Gemeinde.

Zu den evangelischen Freikirchen und weiteren christlichen Gemeinschaften in Köln gehören unter anderem Apostolische Gemeinschaft, Apostelamt Christi, Baptisten, Brüdergemeinde, Christian Science, Evangelisch-methodistische Kirche, Evangeliums-Christen, Freie evangelische Gemeinden, Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage und Neuapostolische Kirche. Auch altkatholische, anglikanische und Zeugen-Jehovas-Gemeinden sowie weitere freie Gemeinden sind vertreten. Viele christliche Gemeinden sind Mitglieder oder Gäste der Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Köln.

Orthodoxe Kirchen sind ebenfalls Teil der Kölner Religionslandschaft. Zu den byzantinisch-orthodoxen Gemeinden zählen griechisch-, russisch-, rumänisch-, serbisch- und ukrainisch-orthodoxe Gemeinden. Zu den orientalisch-orthodoxen Kirchen gehören äthiopisch-orthodoxe, armenisch-apostolische, koptisch-orthodoxe und syrisch-orthodoxe Gemeinden.

Judentum in Köln

Köln gilt wegen einer Erwähnung in einem konstantinischen Dekret aus dem Jahr 321 als „die älteste jüdische Gemeinde nördlich der Alpen“. Ein erstes jüdisches Wohnviertel wird in die Spätantike der Römerstadt datiert und lag im Bereich des heutigen Rathauses. Eine Mikwe, also ein jüdisches Kultbad, aus dem 12. Jahrhundert ist vor dem Rathaus nach Anmeldung zu besichtigen und zeugt von jüdischem Leben in der Stadt.

Im Mittelalter kam es zu Pogromen, Verfolgung und Ausweisungen gegen die jüdische Bevölkerung. Auslöser waren beginnende Kreuzzüge und der Ausbruch der Pest, deren Ursache man fälschlich bei Juden suchte. Viele überlebende Kölner Juden wanderten aus oder gründeten im nahen rechtsrheinischen Umland neue Gemeinden. Erst 1799 entstand unter französischer Besatzung wieder eine jüdische Gemeinde in Köln.

Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts wuchs die Gemeinde. Es entstanden Synagogen, Schulen, Bäder und Gesundheitseinrichtungen. Die von Max Bodenheimer und David Wolffsohn gegründete Zionistische Vereinigung für Deutschland hatte ihren Hauptsitz in der Nähe des Neumarkts. Auch jüdische Geschäftsleute wie Leonhard Tietz oder Mitglieder der Familie Oppenheim waren in Köln tätig. Bis 1930 zählte die jüdische Gemeinde 20.000 Menschen und es gab sechs Synagogen.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden viele jüdische Kölner nach Dachau verschleppt, misshandelt, beraubt oder ermordet. Jüdische Friedhöfe wurden geschändet, und alle Synagogen wurden in der Reichspogromnacht zerstört. Nur sehr wenige, etwa 40 bis 50 Menschen, überlebten in Verstecken. Nach der Befreiung wurde die Synagoge in der Roonstraße 1959 zur neuen Heimat der Synagogen-Gemeinde Köln; Synagoge und Kulturzentrum wurden in Anwesenheit von Bundeskanzler Konrad Adenauer eingeweiht.

In den 1990er Jahren wuchs die jüdische Gemeinschaft durch Zuzug aus Gebieten der früheren Sowjetunion. 1996 gründete sich zusätzlich zur orthodox geführten Synagogengemeinde die kleine Jüdische liberale Gemeinde Gescher Lamassoret, hebräisch für „Brücke zur Tradition“. 2004 wurde in Köln-Neuehrenfeld das neue Jüdische Wohlfahrtszentrum eröffnet. Dort befinden sich eine jüdische Grundschule, ein Altenheim und die Verwaltung der mehr als 5000 Mitglieder zählenden Synagogen-Gemeinde.

Islam und weitere Religionen

Nach Zahlen des Zensus 2011 lebten unter den Personen mit Migrationshintergrund in Köln rund 119.300 Muslime, das entsprach 11,9 %. Wegen des hohen Anteils muslimischer Einwanderer, vor allem aus der Türkei, und ihrer Nachkommen sowie wegen der zentralen Lage Kölns in der alten Bundesrepublik richteten wichtige islamische Organisationen ihren Sitz in Köln und Umgebung ein. Presseberichte nennen derzeit rund 120.000 Muslime in Köln und etwa 45 Moscheen.

Die repräsentative Zentralmoschee in Köln wurde 2018 offiziell eröffnet und wird durch die DITIB geleitet. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat betreibt mit dem Bait un-Nasir in Köln-Niehl seit 1985 ein islamisches Gemeindezentrum, das 2011 nach Umbauten und dem Bau eines Minaretts in eine Moschee umgewandelt wurde.

Weitere Religionen sind ebenfalls vertreten. Ein Hindutempel befindet sich in Köln-Mülheim im Circus-Roncalli-Weg. Ein Gurdwara, also ein Sikh-Tempel, befindet sich in Köln-Buchforst an der Kalk-Mülheimer Straße 299. Buddhistische Einrichtungen sind das Santi Dhamma Vihara Kölner-Buddhismus-Center e. V. und Diamantweg Buddhismus. Die Baha'i-Religion ist seit 1905 im deutschsprachigen Raum verbreitet und auch in Köln vertreten; die Kölner Baha'i-Gemeinde bietet offene Aktivitäten an und besitzt einen Raum auf der Neusser Straße in Nippes. Am Flughafen Köln/Bonn gibt es außerdem einen konfessionsübergreifenden Gebets- und Andachtsraum.

Interreligiöser Dialog

In Köln gibt es mehrere Einrichtungen für Begegnung und Austausch zwischen Religionen. Die Kölnische Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit widmet sich dem Dialog zwischen Juden und Christen. In Köln hat außerdem die Christlich-Islamische Gesellschaft ihren Sitz; sie ist die größte und älteste islamisch-christliche Dialogorganisation in Deutschland.

Die Stadt Köln hat einen „Rat der Religionen“ einberufen, in dem Vertreter unterschiedlicher Religionsgemeinschaften mitwirken. Seit Anfang 2008 ist Köln zudem Verwaltungssitz des Koordinierungsrats des christlich-islamischen Dialogs (KCID).

Seit 1998 besteht der Inter-Religiöse Runde Tisch von Köln-Mülheim (IRRT). Er entstand im Rahmen des damaligen „Keupstraßen-Projekts“ der Stadt Köln. Sein langfristiges Ziel ist es, möglichst viele im Stadtteil Mülheim vertretene Religionen an einen Tisch zu bringen. Derzeit sind elf religiöse Gemeinschaften vertreten, darunter muslimische, alevitische, katholische, evangelische, freikirchliche, buddhistische und Baha'i-Gemeinschaften.

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