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Joseph II.

Inhaltsverzeichnis · Leben · Aufgeklärter Absolutismus und Reformen · Bewertung · Übersicht über die Reformen · Populärkultur · Ehrungen und Benennungen · Vorfahren.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Herrscher und Reformkaiser
  2. 2. Herkunft, Ausbildung und Familie
  3. 3. Vom Mitregenten zum Alleinherrscher
  4. 4. Reformen von Staat, Recht, Wirtschaft und Gesellschaft
  5. 5. Kirchenpolitik, Außenpolitik und Bewertung

Herrscher und Reformkaiser

Joseph II. (* 13. März 1741 in Wien, Hofburg; † 20. Februar 1790 in Wien) war von 1765 bis 1790 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und der erste Kaiser aus dem Haus Habsburg-Lothringen. Von 1765 bis 1780 regierte er die Länder der Habsburgermonarchie nur als Mitregent seiner Mutter Maria Theresia; nach ihrem Tod war er Alleinherrscher.

Er gilt als wichtiger Vertreter des aufgeklärten Absolutismus: Der Herrscher sollte nach dieser Auffassung mit umfassender Macht den Staat vernünftig zum Wohl der Bevölkerung gestalten. Sein häufig mit ihm verbundener Leitsatz lautet: „Alles für das Volk, aber nichts durch das Volk“. Die Bevölkerung sollte also nicht selbst politisch mitentscheiden. Joseph setzte ein umfassendes Reformprogramm durch, das als Josephinismus bezeichnet wird. Dazu gehörten das Toleranzpatent, die Aufhebung der Leibeigenschaft und Veränderungen bei Verwaltung, Kirche, Justiz, Wirtschaft und Sozialwesen. Viele Vorhaben stießen jedoch auf Widerstand und wurden kurz vor seinem Tod teilweise zurückgenommen. Sein Wahlspruch war „Virtute et exemplo“ („Mit Tugend und Beispiel“).

Herkunft, Ausbildung und Familie

Joseph war der älteste Sohn Maria Theresias und Franz Stephans von Lothringen. Seine Geburt war politisch besonders bedeutsam: Während des Österreichischen Erbfolgekrieges (1740–1748) war der Herrschaftsanspruch seiner Mutter umstritten. Ein männlicher Erbe stärkte ihre Stellung. Joseph erhielt eine Ausbildung, die gezielt auf seine spätere Herrscherrolle vorbereitet war. Neben Reiten und Fechten lernte er Religion, Ethik, Philosophie, Naturwissenschaften, Mathematik, Geschichte sowie Natur-, Staats-, Kirchen- und Völkerrecht. Er beherrschte unter anderem Latein, Französisch, Italienisch, Ungarisch und Tschechisch. Ab 1760 nahm er an Sitzungen oberster Verwaltungsbehörden und des Staatsrates teil und schrieb bereits Denkschriften, in denen spätere Reformideen erkennbar waren.

Am 6. Oktober 1760 heiratete er Isabella von Bourbon-Parma. Die Ehe war dynastisch zur Festigung des Bündnisses mit Frankreich arrangiert worden, doch Joseph hing sehr an seiner Frau. Sie starb am 27. November 1763 an den Pocken. Ihre Kinder waren Maria Theresia (* 20. März 1762; † 23. Jänner 1770) und Maria Christine (*/† 22. November 1763). Seine zweite Ehe mit Maria Josepha von Bayern, geschlossen am 23. Jänner 1765, galt als unglücklich; sie starb am 28. Mai 1767 ebenfalls an den Pocken. Joseph ging keine dritte Ehe ein.

Vom Mitregenten zum Alleinherrscher

Am 27. März 1764 wurde Joseph in Frankfurt am Main zum römisch-deutschen König gewählt und am 3. April gekrönt. Nach dem Tod seines Vaters Franz I. Stephan am 18. August 1765 übernahm er den Kaisertitel. Dieses Amt hatte im 18. Jahrhundert aber nur begrenzte politische Befugnisse und war vor allem ein repräsentativer Ehrentitel. Maria Theresia ernannte ihn am 17. September 1765 zum Mitregenten in ihren Ländern, behielt jedoch die eigentliche Kontrolle. Die konservativere Mutter und ihr aufgeklärter, reformfreudiger Sohn gerieten daher häufig in Konflikt.

Joseph konnte zunächst vor allem den Hof reformieren. Er legte seinen Hofstaat mit dem seiner Mutter zusammen, schaffte zahlreiche Zeremonien und Bekleidungsvorschriften ab, sparte Kosten und öffnete Schönbrunn, Augarten und Prater für die Öffentlichkeit. Das von seinem Vater geerbte Privatvermögen von etwa 22 Millionen Gulden verwendete er zur Tilgung von Staatsschulden.

Nach 1780 versuchte er seine Ideen rasch umzusetzen. Er reiste viel durch die habsburgischen Länder und Europa, oft inkognito als Graf von Falkenstein. Von knapp 25 Regierungsjahren verbrachte er gut sechs Jahre außerhalb seiner Residenz. Besonders lange Reisen führten ihn nach Italien (1769 und 1783/84), Siebenbürgen und Galizien (1773), Frankreich (1777) sowie Russland (1780). Er starb 1790 an Tuberkulose und wurde in einem bewusst schlichten Kupfersarg in der Kaisergruft bestattet. Ihm folgte sein Bruder Leopold II.

Reformen von Staat, Recht, Wirtschaft und Gesellschaft

Joseph wollte den Einfluss von Adel und Klerus mindern und einen zentral gelenkten Einheitsstaat schaffen. Er versuchte, (Hoch-)Deutsch als Staatssprache im Vielvölkerreich einzuführen und die Sonderrechte der einzelnen Länder zu beseitigen. Die Ständeversammlungen des Adels wurden zugunsten staatlicher Beamter zurückgedrängt. Diese Zentralisierung löste in den Österreichischen Niederlanden Unruhen aus und brachte Ungarn an den Rand eines Aufstandes. Joseph ließ sich deshalb auch nicht zum König von Böhmen oder Ungarn krönen.

Ein Kernstück war das Leibeigenschaftsaufhebungspatent vom 1. November 1781. Es hob die persönliche Abhängigkeit der Bauern auf; deshalb wurde Joseph als „Bauernbefreier“ verehrt. Zu seinen weiteren Maßnahmen zählten Schutzzölle für den Handel, eine Grundsteuer für den Adel, Kolonisation zur Sicherung Galiziens und der Ausbau von Schulen, Krankenhäusern, Waisen- und Armenhäusern. Das Allgemeine Krankenhaus in Wien wurde 1784 gegründet und hatte etwa 2000 Betten. Mit dem Josephinum entstand eine Ausbildungsstätte für Militärärzte. Joseph ließ außerdem Friedhöfe aus den Städten verlegen, um das Grundwasser zu schonen, und verbesserte die Lebensverhältnisse arbeitender Kinder.

Die Rechtsordnung wurde grundlegend verändert. Die „Verordnung in Ehesachen“ kodifizierte 1783 Teile des Eherechts. Das Josephinische Gesetzbuch von 1786 sollte allen Untertanen Schutz und Freiheit sichern. Das Josephinische Strafgesetz von 1787 schaffte Verstümmelungsstrafen ab; die Todesstrafe war im ordentlichen Strafverfahren nicht mehr vorgesehen, sondern nur noch im Standrecht. Stattdessen wurden etwa öffentliche Arbeit und Schiffziehen eingesetzt, das trotz hoher Todesrate als abschreckend galt. Das Gesetz setzte das Legalitätsprinzip um: Nur was gesetzlich strafbar ist, darf bestraft werden. Adlige wurden im Strafgesetz nicht besonders behandelt, auch wenn ihr Stand in der Praxis weiter wirkte. 1803 wurde die Todesstrafe für wenige Delikte wieder eingeführt.

Josephs Politik folgte merkantilistischen und physiokratischen Vorstellungen, die Bevölkerung vor allem als Arbeitskräftereservoir betrachteten. Dazu passte die zeitweilige Abschaffung der Todesstrafe. Zugleich errichtete der Staat unter Johann Anton von Pergen ein straffes Polizeisystem mit Spitzeln; kurze Versuche mit Pressefreiheit wurden bald beendet.

Kirchenpolitik, Außenpolitik und Bewertung

Unter Josephinismus wird meist besonders Josephs Religionspolitik verstanden. Das Toleranzpatent vom 13. Oktober 1781 und die Regelungen von 1782 erlaubten Protestanten und Juden die Ausübung ihres Glaubens, allerdings nur unter Duldung; die katholische Kirche behielt ihren Vorrang. Joseph betrachtete sie als Werkzeug der Staatspolitik. Er verringerte den päpstlichen Einfluss, ordnete Diözesen und Pfarren neu und verbot zahlreiche Wallfahrten, Prozessionen und als „abergläubisch“ eingestufte Bräuche.

Etwa 700 kontemplative Klöster wurden aufgehoben, wenn sie weder Krankenpflege noch Schulen oder andere soziale Aufgaben betrieben. Ihr Besitz wurde verstaatlicht. 1782 entstand daraus der Religionsfonds, der die Besoldung der Priester und später über 3.000 neue Pfarren finanzierte. Priester wurden dadurch zu Staatsbeamten. Auch die vorgeschriebenen josephinischen Gemeindesärge mit Falltür, im Volksmund „Sparsärge“, wurden von der Bevölkerung überwiegend als pietätlos empfunden.

Außenpolitisch war Joseph expansiv, aber wenig erfolgreich. Österreich erhielt bei der ersten Teilung Polens Galizien; die Initiative dazu ging jedoch von Preußen aus. Im Bayerischen Erbfolgekrieg musste sich Joseph im Frieden von Teschen 1779 mit dem Innviertel begnügen. Ein weiterer Versuch, Bayern gegen die Österreichischen Niederlande zu erwerben, scheiterte 1785 am Widerstand Friedrichs II. und des Fürstenbundes. Das Verteidigungsbündnis mit Katharina II. von Russland führte Österreich 1787 in einen wenig erfolgreichen Türkenkrieg, der erst nach Josephs Tod im Frieden von Swischtow endete.

Joseph war wegen der Radikalität und Überstürztheit vieler Maßnahmen zu Lebzeiten unpopulär bis verhasst. Widerstand alter Eliten, mangelnde Bereitschaft zum Kompromiss und die kurze Zeit seiner Alleinherrschaft ließen Teile des Reformwerks scheitern. Später wurde er teils als „Reformkaiser“ und fortschrittlicher Modernisierer, teils als paternalistischer und zentralistischer Herrscher bewertet. Seine Reformen brachten einen bedeutenden Modernisierungsschub, lösten aber beinahe eine Konterrevolution aus.

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