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Glaubensgemeinschaft
Eine Glaubensgemeinschaft oder Religionsgemeinschaft ist eine Organisation, die die gemeinschaftliche Ausübung einer Religion bezweckt.
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Begriff und Mitgliedschaft
Eine Glaubensgemeinschaft oder Religionsgemeinschaft ist eine Organisation, deren Zweck die gemeinschaftliche Ausübung einer Religion ist. Die Zugehörigkeit einer Person zu einer solchen Gemeinschaft heißt Religionszugehörigkeit. Glaubensgemeinschaften können sehr unterschiedlich aufgebaut sein: Sie unterscheiden sich etwa in ihren Glaubensvorstellungen, ihrer Leitung, ihren Versammlungsorten und ihrer Beziehung zum Staat.
Beispiele großer Religionsgemeinschaften
Im Bahaitum kann grundsätzlich jeder Mensch Mitglied einer Gemeinde werden, der Baha’ullah als Manifestation Gottes unseres Zeitalters anerkennt. Es gibt keinen Klerus, also keine Geistlichen oder Religionsgelehrten. Die weltweit verbreitete Gemeinschaft ist durch demokratische Wahlen organisiert und hat ein Weltzentrum in Haifa. Ein Mittelpunkt des Gemeindelebens ist das Neunzehntagefest zu Beginn jedes Monats des Bahai-Kalenders.
Der Buddhismus hat weltweit schätzungsweise 450 Millionen Anhänger und ist damit nach Christentum, Islam und Hinduismus die viertgrößte Religion der Erde. Er stammt aus Indien und ist besonders in China, Bhutan, Japan, Kambodscha, Laos, der Mongolei, Myanmar, Sri Lanka, Südkorea, Taiwan, Thailand und Vietnam verbreitet.
Der Hinduismus, auch Sanatana Dharma genannt, bedeutet auf Sanskrit „ewiges Gesetz“. Mit rund einer Milliarde Anhängern und etwa 15 % der Weltbevölkerung ist er nach Christentum mit rund 31 % und Islam mit rund 23 % die drittgrößte Religionsgruppe. Er wird als ältester und zugleich vielgestaltiger Religionskomplex der Erde beschrieben.
Christentum, Islam und Judentum
Die meisten christlichen Glaubensgemeinschaften heißen Kirchen. Gehören große Teile der Bevölkerung eines Landes einer Kirche an, spricht man von Volkskirchen. Die größte christliche Glaubensgemeinschaft ist die römisch-katholische Kirche. Sie war bis zur Reformation die Einheitskirche Westeuropas und ist in Monaco sowie im Vatikan noch heute Staatskirche. In Griechenland ist das orthodoxe Christentum Staatsreligion. Die Pfingstbewegung gilt als die in den letzten 50 Jahren am schnellsten wachsende Gruppe und macht vermutlich bereits ein Viertel aller Christen aus. Meist versammeln sich christliche Gemeinschaften in Kirchengebäuden. Ihre Organisation reicht von strengen Hierarchien, beispielsweise in der römisch-katholischen Kirche, bis zu basisdemokratischen Strukturen.
Der Islam ist nach dem Christentum die zweitgrößte Weltreligion. Es entstanden zahlreiche Gruppen mit unterschiedlichen religiösen und politischen Lehren; die stärksten Richtungen sind Sunniten und Schiiten. In zahlreichen arabischen Ländern ist der Islam Staatsreligion. Die Islamische Republik Iran wird von schiitischen Geistlichen regiert und gilt deshalb als Theokratie, also als Staat mit religiöser Herrschaft. Mittelpunkt der religiösen Gemeinschaft ist die Moschee.
Das Judentum bestimmt sich nicht vor allem durch einen dogmatischen Glaubensbegriff, sondern durch die Einhaltung der Tora und gemeinschaftliche Praxis. Emuna, das Vertrauen zu Gott, ist dennoch wichtig. Innerhalb des rabbinischen Judentums gibt es orthodoxes, konservatives, liberales und Reformjudentum sowie jüdischen Säkularismus. Zu den Mittelpunkten jüdischer Gemeinschaften gehören Wohlfahrtsverbände, Frauenbund, Schulen und Hochschulen, Gemeinden, Vereine und Synagogen. Daneben gibt es die kleinere Gemeinschaft der Karäer, die die in Mischna und Talmud enthaltenen Lehren ablehnt. Die meisten Karäer leben in Israel und den USA; weitere Gemeinden bestehen in der Ukraine, Polen und Litauen.
Sekte und neureligiöse Bewegungen
Einige Glaubensgemeinschaften werden als „Sekten“ bezeichnet. Angehörige empfinden diesen Begriff oft als pejorativ, also abwertend; zudem wird kritisiert, dass sachgerechte Kriterien zur Abgrenzung fehlen. Besonders Gemeinschaften, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden und zunächst viele junge Mitglieder hatten, wurden als Jugendreligionen oder Neue religiöse Bewegungen bezeichnet; „Sekte“ wurde für sie auch als Kampfbegriff verwendet. Als neutralere Bezeichnung führte die christliche Theologie den Ausdruck religiöse Sondergemeinschaft ein.
Heute ist der Begriff neureligiöse Bewegung verbreitet, wird aber unscharf auch für Strömungen benutzt, die sich öffentlich nicht als Glaubensgemeinschaft darstellen. Eine besonders in englischsprachigen Ländern starke Bewegung ist der Neopaganismus. Ronald Hutton schätzte für 1999 im Vereinigten Königreich 250.000 Anhänger. Wicca und verwandte Bewegungen bilden in Deutschland die größte neuheidnische Richtung; um 1990 wurden weltweit 800.000 Wicca-Anhänger geschätzt. Traditionelle Wicca-Anhänger schließen sich meist einem Konvent oder Coven an, dessen Mitgliederzahl begrenzt ist.
Finanzierung und Verhältnis zum Staat
Glaubensgemeinschaften finanzieren sich beispielsweise durch freiwillige Spenden oder Steuern ihrer Mitglieder. In Deutschland und Österreich gibt es das Modell der Kirchensteuer; in Spanien etwa die Mandatssteuer.
Das Verhältnis zwischen Staat und Religionsgemeinschaften ist ein Rechtsproblem. Der Staat regelt die weltliche Rechtsordnung, soll den Frieden schützen und behandelt Menschen als Bürger. Religiöse Botschaften richten sich an dieselben Menschen und können ihr Handeln in der Welt betreffen. Deshalb bestehen laut Axel Freiherr von Campenhausen Auseinandersetzung, Abgrenzung und Spannung. Das geordnete Gegenüber von weltlichem Gemeinwesen und rechtlich selbständigen Religionsverbänden ist nach ihm eine Besonderheit der christlich-abendländischen Welt. Geregelt wird dieses Spannungsfeld durch das Staatskirchenrecht oder Religionsverfassungsrecht, einen Teil des staatlichen Verfassungsrechts über die Beziehungen des Staates zu Kirchen und anderen Religionsgemeinschaften.