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Religionen in Dresden

In Dresden gibt es verschiedene Religionsgemeinschaften. Am Stichtag 31. Dezember 2023 waren 12,0 % der Einwohner der Stadt evangelisch, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Religiöse Zugehörigkeit und evangelische Kirche
  2. 2. Alt­lutherische Kirchen und evangelische Freikirchen
  3. 3. Römisch-katholische Kirche
  4. 4. Orthodoxe und apostolische Kirchen
  5. 5. Jüdische Gemeinden
  6. 6. Islam und weitere Religionsgemeinschaften

Religiöse Zugehörigkeit und evangelische Kirche

Dresden ist religiös vielfältig. Am 31. Dezember 2023 waren 12,0 % der Einwohner evangelisch, 4,1 % römisch-katholisch und 83,9 % konfessionslos oder Mitglied einer sonstigen Religionsgemeinschaft.

Die evangelische Kirche prägt Dresden seit der Reformation. Die Stadt gehörte zunächst zum Bistum Meißen. 1521 wurde das Bistum aufgehoben, 1539 die Reformation eingeführt und im selben Jahr die erste Kirchenvisitation durchgeführt. Dresden war danach bis in die 1960er Jahre überwiegend protestantisch. Spätestens ab 1574 vertrat die Stadt ein strenges Luthertum.

Das Konsistorium, eine kirchliche Verwaltungsbehörde, wurde 1580 von Meißen nach Dresden verlegt. Es besteht bis heute als Landeskirchenamt in Dresden. Eine reformierte Gemeinde konnte sich erst im 18. Jahrhundert dauerhaft bilden. Sie errichtete 1764 eine eigene Kirche und wurde 1811 den Lutheranern vollständig gleichgestellt. Heute gehört sie zum Bund Evangelisch-reformierter Kirchen Deutschlands, der assoziiertes Mitglied der Evangelischen Kirche in Deutschland ist.

Der Anteil evangelischer Kirchenmitglieder sank von etwa 85 % im Jahr 1949 auf rund 22 % im Jahr 1989 und weiter auf 12 % im Jahr 2023. Die lutherischen Gemeinden gehören heute zu den Kirchenbezirken Dresden Mitte und Dresden Nord. Beide gehören zur Region Dresden der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Sachsens und umfassen auch Gemeinden außerhalb der Stadt. Innerhalb der Landeskirche gibt es außerdem eine Landeskirchliche Gemeinschaft.

Alt­lutherische Kirchen und evangelische Freikirchen

Die erste altlutherische Gemeinde Dresdens, die Dreieinigkeitsgemeinde, entstand 1871. Zusammen mit anderen Gemeinden gründete sie 1876 die Evangelisch-Lutherische Freikirche (ELFK). Ihre Trinitatiskirche in der Alaunstraße wurde bei den Luftangriffen im Februar 1945 zerstört. Ein Neubau wurde von der DDR-Führung abgelehnt, weshalb die Gemeinde lange in privaten Räumen Gottesdienste feierte. 1988 wechselte ein Teil zur Evangelisch-Lutherischen (altlutherischen) Kirche, während der kleinere Teil bei der ELFK blieb.

Der erste Teil bildet heute die Dreieinigkeitsgemeinde im Kirchenbezirk Lausitz der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK). Sie hat die evangelische St.-Petri-Kirche und das Pfarrhaus am Großenhainer Platz 4 gepachtet; die evangelische St. Petrigemeinde besitzt dort weiterhin Gastrecht. Die Dreieinigkeitsgemeinde der ELFK eröffnete 1996 ein Gemeindezentrum in Kaditz und zog 2012 in das Gemeindehaus an der Radeberger Straße um.

Zum evangelischen freikirchlichen Spektrum gehören unter anderem:

  • Der Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden (BEFG) umfasst in Dresden vier Gemeinden mit insgesamt über 450 Mitgliedern. Die erste Baptistengemeinde wurde 1892 gegründet; 1909 hatte sie 230 Mitglieder. Dazu kommen eine Brüdergemeinde in Niedersedlitz mit etwa 100 Mitgliedern und eine freie Brüdergemeinde in Niederpoyritz mit etwa 30–40 Erwachsenen.
  • Weitere freie Baptistengemeinden sind die Freie Baptistengemeinde Niedersedlitz mit etwa 40 Erwachsenen, die russlanddeutsche Freie Evangeliums-Christengemeinde mit etwa 45 Erwachsenen und die 2020 gegründete International Grace Baptist Community Church mit anfangs etwa 10 Erwachsenen.
  • Die Elim-Gemeinde in der Neustadt gehört zum Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden (BFP). Sie hat 300 Mitglieder; etwa 250 Menschen besuchen die Gottesdienste. Gegründet wurde sie 1926 nach einer Zeltevangelisation. Weitere Gemeindearbeiten bestehen unter anderem in Gorbitz, Prohlis und Gönnsdorf.
  • Die Evangelisch-methodistische Kirche (EmK) hat vier Kirchen: Emmauskirche, Friedenskirche, Immanuelkirche und Zionskirche. Zur Emmausgemeinde gehören etwa 200 Mitglieder sowie ebenso viele Angehörige und Freunde. Die Immanuelkirche wurde am 18. Dezember 1927 eingeweiht.
  • Die Evangelisch-mennonitische Freikirche wurde 1993 gegründet, hat 110 Mitglieder und gehört der Arbeitsgemeinschaft Mennonitischer Brüdergemeinden in Deutschland an.
  • Die Freie evangelische Gemeinde (FeG) verlor ihr Gebäude in der Schäferstraße bei der Zerstörung Dresdens 1945. Nach der Fortsetzung der Arbeit in Radebeul und einer fehlenden Genehmigung in der DDR begann sie 1991 wieder mit Gottesdiensten in Dresden. Heute befindet sich ihr Gemeindezentrum im Goldenen Lamm an der Leipziger Straße; dort versammeln sich über 400 Menschen. Tochtergemeinden entstanden beziehungsweise entstehen in Radeberg, Pirna und seit 2016 in Dresden-Süd.
  • Die Heilsarmee betreibt ein Korps, einen Tagestreff, den Second-Hand-Laden „Zweite Chance“ mit Kleiderkammer, eine mobile Kantine und seit 2015 im Auftrag der Stadt das Übergangswohnheim Lindenhaus.
  • Die Herrnhuter Brüdergemeine hat etwa 300 Mitglieder in Dresden und Umgebung. Ihre Predigtversammlungen finden nur alle zwei Wochen statt.
  • Zwei Adventgemeinden haben zusammen 300 Gemeindemitglieder sowie mehr als 100 Kinder und Jugendliche. Die erste Adventgemeinde entstand 1901; seit 1927 betreiben Adventisten außerdem das Begegnungszentrum Sonnenhof.

Die genannten Mitgliederzahlen ergeben 1.860 Personen. Diese Summe ist nur eine ungefähre Größenordnung für das freikirchliche Spektrum mit 19 Gemeinden, weil für manche Kirchen keine Zahlen vorliegen, manche ungetaufte Kinder nicht mitzählen und nicht alle Mitglieder im Stadtgebiet leben.

Römisch-katholische Kirche

Katholische Gottesdienste gibt es in Dresden wieder seit 1661. Zunächst fanden sie nur in den Botschaftskapellen der französischen und kaiserlichen Gesandten statt und waren nicht öffentlich. Nach der Konversion des sächsischen Kurfürsten Friedrich August I. (August der Starke) zum Katholizismus im Jahr 1697 entstand eine kleine katholische Gemeinde. Ab 1709 verfügte sie über eine eigene Kirche.

Die Katholische Hofkirche wurde zwischen 1739 und 1751 erbaut und wurde zum Mittelpunkt der Dresdner Katholiken. Erst 1807 wurden die Katholiken durch den von Napoleon diktierten Frieden von Posen den lutherischen Gemeinden gleichgestellt. Das Apostolische Vikariat mit Sitz in Dresden war seit 1743 der Verwaltungsbezirk der Katholiken im damaligen Königreich Sachsen; es wurde 1921 aufgehoben.

Dresden wurde im Bistum Meißen Sitz eines Dekanats. Seit 1980 ist die Stadt Sitz des Bistums Dresden-Meißen, das zur Kirchenprovinz Berlin und damit zum Erzbistum Berlin gehört. Die Hofkirche zur Heiligsten Dreifaltigkeit ist die katholische Hauptkirche Dresdens und die Kathedrale der Diözese. Am Katholikentreffen Dresden 1987 nahmen mehr als 100.000 Gläubige teil; es war das einzige Katholikentreffen in der DDR. Der Anteil der Katholiken an der Stadtbevölkerung war 2019 mit 5 % leicht gestiegen.

Orthodoxe und apostolische Kirchen

Die Russisch-Orthodoxe Kirche wurde im 19. Jahrhundert in Dresden errichtet. Bei den Luftangriffen im Februar 1945 blieb sie als einziges Gebäude in weitem Umkreis relativ unversehrt. Heute hat die Gemeinde über 1.000 Mitglieder.

Die rumänisch-orthodoxe Gemeinde Mariä Verkündigung gehört zur Rumänischen Orthodoxen Metropolie für Deutschland, Zentral- und Nordeuropa. Sie ging aus der rumänisch-orthodoxen Gemeinde Leipzig hervor. Seit 1990 fanden Gottesdienste mit auswärtigen Priestern in verschiedenen katholischen Kirchen statt. Seit Januar 2015 gibt es regelmäßig eine Göttliche Liturgie in rumänischer und deutscher Sprache, zunächst in der Kapelle des Johannisfriedhofs und seit März 2016 in der Kapelle des Striesener Friedhofs. Die Gemeinde hat über 1.000 Mitglieder, die vor allem im Gebiet des ehemaligen Bezirks Dresden und in Südbrandenburg leben.

Die erste „Apostolische Gemeinde neuerer Richtung“ wurde 1895 in Dresden gegründet und 1902 in „Neuapostolische Gemeinde zu Dresden“ umbenannt. Seit 1930 lautet der weltweit einheitliche Name Neuapostolische Kirche. 1921 trennten sich wegen unterschiedlicher Glaubensauffassungen die meisten Mitglieder: Von etwa 600 Gläubigen blieben 25 in der Gemeinde. Die Ausgetretenen gründeten später die Reformiert-Apostolische Gemeinde Dresden, heute Apostolische Gemeinschaft, mit einer Kirche an der Bismarckstraße.

Aus der früheren Gemeinde entstand die heutige Gemeinde Dresden-Neustadt mit etwa 700 Mitgliedern. Ihr Kirchengebäude an der Böhmischen Straße 37 besteht seit 1903 und bietet 850 Sitzplätze. Außerdem gibt es die Gemeinde Cossebaude sowie die 2022 aus den Gemeinden Pirna und Lockwitz zusammengefasste Gemeinde Dresden-Süd in Leuben.

Jüdische Gemeinden

Eine jüdische Gemeinde in Dresden ist erstmals in der Judenverordnung des Meißner Markgrafen Heinrich des Erlauchten von 1265 belegt. 1430 wurden Juden aus dem gesamten sächsischen Staatsgebiet ausgewiesen. Erst Ende des 17. Jahrhunderts wurde ihre Zuwanderung wieder gestattet; ein wichtiger Schritt war das Judenmandat von 1746.

Die jüdische Bevölkerung Dresdens sank bis 1942 von 5.000 auf 985 Personen. Deportationen in Konzentrations- und Vernichtungslager kosteten viele Dresdner Juden das Leben. Bei Kriegsende lebten nur noch 41 Juden in Dresden. Der Alte jüdische Friedhof, der älteste erhaltene jüdische Friedhof Sachsens, wurde nach einer Genehmigung von 1751 angelegt. Er war 1869 mit 1.250 Gräbern auf 31,60 Ar vollständig belegt und wurde geschlossen. Ein neuer Friedhof entstand 1867 in der Johannstadt; die erste Beisetzung fand 1868 statt, 1920 wurde er erweitert.

Nach der Zerstörung der Semper-Synagoge bei den Novemberpogromen 1938 und der Verfolgung während der NS-Zeit war die jüdische Gemeindetradition unterbrochen. Ab 1950 fanden wieder Gottesdienste in einem als Synagoge geweihten Gebäude auf dem Gelände des Neuen Jüdischen Friedhofs statt. Die neue Synagoge am Rathenauplatz wurde 2001 eingeweiht und im selben Jahr als bestes neues europäisches Bauwerk mit einem Architekturpreis ausgezeichnet. Die Jüdische Gemeinde zu Dresden hatte im Dezember 2021 etwa 570 Mitglieder.

Daneben gibt es die orthodoxe Jüdische Religionsgemeinde Chabad (Lubawitsch). Ihre Mitgliederzahl stieg nach eigenen Angaben von 80 im Jahr 2019 auf etwa 350 im Oktober 2021. 2020 gründete der frühere Rabbiner der Dresdner Synagoge und heutige Landesrabbiner von Sachsen, Akiva Weingarten, die Jeschiwa Besht Yeshiva Dresden. Um sie entstand die Jüdische Kultusgemeinde Dresden (JKD), die im Juli 2026 225 Mitglieder hatte und über eine Synagoge sowie ein Gemeindezentrum am Alten Leipziger Bahnhof verfügt.

Islam und weitere Religionsgemeinschaften

Eine islamische Gemeinde besteht in Dresden seit den 1980er Jahren. 1998 wurde der Verein Islamisches Zentrum Dresden e. V. gegründet; sein Sitz ist die Alfaruq-Moschee. Im Jahr 2021 standen für etwa 2.000 praktizierende Muslime drei Moscheen zur Verfügung.

Weitere Religionsgemeinschaften sind seit den 1920er Jahren durch eine Bahai-Gemeinde vertreten. Das Sri Chinmoy Center gehört seit Anfang der 1990er Jahre zum hinduistischen Spektrum. Außerdem gibt es buddhistische Gemeinschaften des Diamantweg-Buddhismus, des Dzogchen-Buddhismus, der Neuen Kadampa Tradition und der Kwan Um Zen Schule. Die erste buddhistische Grabstätte Dresdens wurde Ende September 2015 auf dem Heidefriedhof geweiht.

Darüber hinaus sind die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage (Mormonen), die Christengemeinschaft und die Zeugen Jehovas in Dresden vertreten.

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