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Religionen in Deutschland
Die römisch-katholische Kirche hatte 23,0 % katholische Kirchenmitglieder, die evangelischen Kirchen der EKD hatten zusammen 20,8 % evangelische …
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Religiöse Landschaft und zentrale Zahlen
Deutschland ist religiös vielfältig und zugleich stark von Säkularisierung geprägt. Der Anteil der Kirchenmitglieder an der Gesamtbevölkerung sank in den vergangenen fünfzig Jahren von über 90 % auf 46 %. Gleichzeitig stieg der Anteil der Konfessionsfreien – also der Menschen ohne Zugehörigkeit zu einer Religionsgemeinschaft – von unter 5 % auf fast 50 %. Die beiden großen Kirchen verloren 2025 wie in den Vorjahren zusammen mehr als eine Million Mitglieder.
Für das Jahresende 2025 nennt der Artikel 48 % Konfessionslose, 23,0 % Mitglieder der römisch-katholischen Kirche und 20,8 % Mitglieder evangelischer Kirchen der EKD. Zusammen mit Orthodoxen und Mitgliedern anderer christlicher Gemeinschaften gehörten etwa 46 % der Bevölkerung christlichen Kirchen an. Weitere 4,0 % waren konfessionsgebundene Muslime. Nur etwa 5 von 100 Bundesbürgern besuchten regelmäßig eine Kirche, Moschee oder Synagoge; dabei gibt es deutliche Unterschiede zwischen den Gemeinschaften.
Die Mitgliederzahlen außerhalb der Körperschaften des öffentlichen Rechts sowie die Zahl der Konfessionslosen beruhen häufig auf Schätzungen und Hochrechnungen. Außerdem enthält die Übersicht Zahlen aus unterschiedlichen Jahren, weshalb die Bevölkerungsanteile nicht exakt 100 % ergeben. Beispiele für die wichtigsten Angaben sind: 39.120.000 Konfessionslose (46,8 %, 2024), 19.219.601 Katholiken (23,0 %, 2025), 17.400.000 EKD-Mitglieder (20,8 %, 2025), etwa 4.125.000 Sunniten (etwa 4,9 %, 2024), 700.000 Aleviten (0,84 %, 2020), etwa 300.000 Buddhisten (0,36 %, 2024), 150.000 Jesiden (0,17 %, 2024) und 91.839 Mitglieder jüdischer Gemeinden (0,11 %, 2022). Viele kleinere Gemeinschaften werden nur mit wenigen hundert oder tausend Mitgliedern angegeben; manche Zahlen sind Spannbreiten, etwa 6.000–12.000 Bahai oder 10.000–20.000 Sikhs.
Regionale Verteilung und Entwicklung
Ende 2025 waren in 15 der 16 Bundesländer sowohl der evangelische als auch der katholische Bevölkerungsanteil kleiner als der Anteil der übrigen Einwohner. In elf Ländern bildeten Menschen, die weder Mitglied der katholischen noch der evangelischen Kirche waren, bereits eine absolute Mehrheit. Eine absolute Mehrheit bedeutet mehr als 50 %; eine relative Mehrheit ist lediglich der größte Anteil im Vergleich zu anderen Gruppen.
Deutschlandweit wurden 18,566 Millionen EKD-Mitglieder (21,9 %), 20,346 Millionen katholische Kirchenmitglieder (24,0 %) und 45,757 Millionen übrige Einwohner (54,0 %) ausgewiesen. Die Tabelle bezieht sich bei den Bundesländern auf Zahlen aus dem Jahr 2023. Besonders hohe evangelische Anteile hatten Schleswig-Holstein mit 37,7 % und Niedersachsen mit 37,2 %; im Text werden für Jahresende 2024 36,5 % beziehungsweise 36,7 % genannt. Besonders hohe katholische Anteile gab es im Saarland mit 49,0 %, in Bayern mit 42,2 % und in Rheinland-Pfalz mit 34,7 %. Im Saarland war der katholische Anteil größer als sowohl der evangelische Anteil von 15,3 % als auch der Anteil der übrigen Bevölkerung von 35,7 %.
In Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen lag der Anteil der übrigen Bevölkerung jeweils besonders hoch; in Sachsen-Anhalt betrug er 86,7 %, in Mecklenburg-Vorpommern 84,2 % und in Brandenburg 84,0 %. Auch Hamburg (71,7 %), Berlin (80,3 %) und Bremen (64,5 %) waren stark von Konfessionsfreiheit und religiöser Vielfalt geprägt.
Um 1950 gehörte noch die überwältigende Mehrheit der Deutschen einer Religionsgemeinschaft an. Seitdem nahm die Zahl der Konfessionslosen zu. Als mögliche Gründe nennt der Artikel Missbrauchsskandale um Geistliche, die Ablehnung kirchlich geprägter Moral, a- oder antireligiöse Weltanschauungen sowie den Wunsch, Kirchensteuer zu vermeiden. 2025 waren nur noch 43,8 % Mitglieder der katholischen oder evangelischen Kirche. In den 80 deutschen Großstädten gab es 2025 keine mehr, in der Protestanten oder Katholiken auch nur eine relative Mehrheit bildeten.
Die Entwicklung begann in Ostdeutschland früher und war dort stärker. 1945 waren dort 90 % Kirchenmitglieder, 1989 nur noch 25 %. Als wichtiger Hintergrund wird eine atheistische Bildungs- und Religionspolitik genannt. Laut einer Eurobarometer-Umfrage vom Dezember 2018 fühlte sich im Osten nur eine Minderheit dem Christentum zugehörig, während sich im Westen eine Mehrheit als christlich bezeichnete.
Christentum und christliche Gemeinschaften
Die römisch-katholische Kirche hatte 2025 einen Anteil von 23,0 % an der Gesamtbevölkerung. Der Katholizismus ist traditionell besonders im Süden und im (Nord-)Westen verbreitet. Viele Katholiken leben jedoch in einer Diaspora, also in einer Minderheitensituation. Durch Kirchenaustritte betrifft dies zunehmend auch früher stark katholisch geprägte Regionen. Selbst dort, wo Katholiken zahlenmäßig noch die Mehrheit stellen, sind tatsächlich praktizierende Katholiken oft eine Minderheit; die Zahl der Gottesdienstteilnehmer ist gering. Die katholische Kirche in Deutschland umfasst sieben Kirchenprovinzen mit 27 Diözesen, die im Verband der Diözesen Deutschlands zusammengeschlossen sind.
Die Reformation begann in Deutschland im 16. Jahrhundert mit Martin Luther. Vor dem Ersten Weltkrieg gehörten über 60 % der Bevölkerung evangelischen Landeskirchen an. Die EKD vereint lutherische, reformierte und unierte Landeskirchen; viele Lutheraner gehören außerdem der Vereinigten Evangelisch-Lutherischen Kirche Deutschlands (VELKD) an. Ende 2025 hatte die EKD 17,4 Millionen Mitglieder oder 20,8 % der Bevölkerung, gegenüber 22,63 Millionen Ende 2014. In den ehemals besonders evangelischen Gebieten führen Kirchenaustritte ebenfalls zu einer Minderheitensituation. Die evangelische Kirche wird als von starken Gegensätzen, Lebendigkeit und Konfliktfreude geprägt beschrieben; bedeutend sind unter anderem Diakonie, Evangelische Akademien und Studentengemeinden.
Orthodoxe Kirchen sind heute vor allem durch Zuwanderung und Konversion vertreten. Gottesdienste finden häufig in den Herkunftssprachen oder in Kirchenslawisch statt. In Deutschland leben schätzungsweise 1,5–2,2 Millionen Orthodoxe, also etwa 2–3 % der Bevölkerung; 408.000 besitzen einen deutschen Pass. Größere Gruppen stammen aus Griechenland, Russland, Rumänien, Serbien und Bulgarien. Die meisten orthodoxen Kirchen sind in der Kommission der Orthodoxen Kirche in Deutschland zusammengeschlossen; 2010 wurde eine Orthodoxe Bischofskonferenz gegründet. Altorientalische Kirchen stehen den Orthodoxen kulturell nahe, sind theologisch aber seit dem Konzil von Chalcedon 451 getrennt. Die Assyrische Kirche spaltete sich bereits 431 ab. Durch westlichen Einfluss entstanden in beiden östlichen Kirchenfamilien unierte Kirchen, die den Papst anerkennen und ihre eigenen Traditionen beibehalten.
Weitere christliche Gemeinschaften haben eigene Organisationsformen. Die Neuapostolische Kirche hatte 2022 307.291 Mitglieder und ist in die rechtlich unabhängigen Gebietskirchen Nord- und Ostdeutschland, Süddeutschland und Westdeutschland gegliedert. Die Zeugen Jehovas, eine aus dem Christentum hervorgegangene chiliastische Religionsgemeinschaft, hatten 2020 164.486 aktive Mitglieder; ihre örtlichen Versammlungsgebäude heißen Königreichssäle. Baptisten sind überwiegend im Bund Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden organisiert, daneben bestehen freie Baptistengemeinden. Mennoniten sind kongregationalistisch aufgebaut: Die einzelnen Gemeinden sind selbstständig und nicht hierarchisch geordnet. Mehr als die Hälfte der in Deutschland ansässigen Mennoniten hat russlandmennonitische Herkunft.
Die Selbständige Evangelisch-Lutherische Kirche (SELK) entstand 1972 durch den Zusammenschluss lutherischer Kirchen altkonfessioneller Prägung. Pfingstkirchen sind vor allem im Bund Freikirchlicher Pfingstgemeinden organisiert, der 2022 872 Gemeinden und 195.000 Zugehörige zählte. Die weltweite Pfingstbewegung wird auf etwa 540 Millionen Menschen geschätzt. Die Siebenten-Tags-Adventisten hatten 2023 rund 34.000 Mitglieder. Die Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage hat in Deutschland rund 180 Gemeinden, zwei Tempel und etwa 40.000 Anhänger; sie ist in mehreren Bundesländern als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt. Die Altkatholische Kirche entstand nach dem Ersten Vatikanischen Konzil im Widerstand gegen Jurisdiktionsprimat und Unfehlbarkeitsdogma; sie hatte 2021 etwa 14.900 Mitglieder. Unitarische Gemeinden entstanden aus der freireligiösen Bewegung, wobei sich manche unitarische Gruppen als christlich verstehen und andere nicht.
Islam und Judentum
Der Islam ist nach dem Christentum die zweitgrößte Glaubensrichtung in Deutschland. Für 2019 wird die Zahl der Muslime mit Migrationshintergrund auf 5,3–5,6 Millionen geschätzt, also 6,3–6,7 % der Gesamtbevölkerung. Für 2015 wurden 4,4–4,7 Millionen beziehungsweise etwa 5,5 % angegeben. Unter den Muslimen waren 2019 Sunniten mit 74 % die größte Gruppe, gefolgt von Aleviten mit 13 % und Zwölfer-Schiiten mit etwa 7 %. Kleinere Gruppen bilden unter anderem Ahmadiyya, Sufis und Ibaditen.
Muslime türkischer Abstammung waren 2019 mit 2,5 Millionen Personen beziehungsweise 45 % aller Muslime die größte Herkunftsgruppe. Für 2008 nennt der Artikel außerdem 2,5–2,7 Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln, 496.000–606.000 aus Bosnien-Herzegowina, Bulgarien und Albanien, 331.000 aus dem Nahen Osten und 280.000 aus Nordafrika. Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion (DİTİB) beansprucht, über 70 % der Muslime zu vertreten; nach einer MLD-Hochrechnung fühlten sich jedoch nur 16 % von ihr repräsentiert, bei Muslimen mit türkischem Migrationshintergrund 23 %. Die älteste noch bestehende deutsche Moschee ist die 1924 in Berlin errichtete Wilmersdorfer Moschee der Ahmadiyya; die Fazle-Omar-Moschee in Hamburg-Stellingen war die erste nach dem Zweiten Weltkrieg gebaute Moschee Deutschlands.
Das Judentum ist die älteste heute noch bestehende Glaubensgemeinschaft in Deutschland. Jüdische Gemeinden am linken Rheinufer sind bereits aus dem 1. Jahrhundert n. Chr. belegt. 2014 zählten die dem Zentralrat der Juden angeschlossenen Gemeinden und Landesverbände laut REMID 100.437 Mitglieder; zusätzlich wurden etwa 100.000 nicht angeschlossene Juden geschätzt. Der Zensus 2011 nannte dagegen 83.430 Gemeindemitglieder. Die beiden größten jüdischen Institutionen sind der Zentralrat der Juden und die Union progressiver Juden.
Nach Verfolgungen im Mittelalter, der rechtlichen Gleichstellung 1871 und erneuter systematischer Verfolgung ab 1933 wurden während des Holocausts etwa 6.000.000 Juden in Europa ermordet. Allein bei den Novemberpogromen 1938 wurden 1.400 jüdische Gemeinden geschlossen, etwa 400 Juden öffentlich ermordet und 30.000 Männer in Konzentrationslager verschleppt. Nach 1945 entstanden in vielen Großstädten wieder Gemeinden und Synagogen. Seit 1989 kamen viele osteuropäische Juden, vor allem aus der Ukraine, Russland, Moldawien und Usbekistan, als Kontingentflüchtlinge nach Deutschland. Die größte Gemeinde ist die Israelitische Kultusgemeinde München und Oberbayern mit mehr als 10.000 Mitgliedern.
Weitere Religionen, Glaube und Dialog
Neben Christentum, Islam und Judentum gibt es in Deutschland zahlreiche kleinere Religionsgemeinschaften. Die Zahl der Buddhisten wird mit etwa 270.000 bis 300.000 angegeben. Vertreten sind vor allem Theravada, Vajrayana beziehungsweise tibetischer Buddhismus, Nichiren- und Zen-Buddhismus. Die meisten buddhistischen Schulen gehören der Deutschen Buddhistischen Union an. Unter den asiatischen Buddhisten bilden die etwa 59.000 Thailänder eine große Gruppe; sie verfügten am 31. Dezember 2015 über 48 thailändische Tempel.
In Deutschland leben schätzungsweise 100.000 Hindus. Dazu gehören etwa 42.000–45.000 tamilische Hindus aus Sri Lanka, 35.000–40.000 aus Indien, ungefähr 7.500 deutscher oder europäischer Herkunft und etwa 5.000 aus Afghanistan. Hare-Krishna-Bewegung und Transzendentale Meditation werden als neohinduistische Neue Religiöse Bewegungen eingeordnet.
Wicca und verwandte neopagane Religionen sollen etwa 0,25 % der Bevölkerung ausmachen; der Artikel weist jedoch auf eine unzureichende Beleglage hin. Für 2020 werden etwa 209.000 Wiccas beziehungsweise 178.000 traditionelle Wiccas hochgerechnet, für andere neopagane Religionen wie Schamanismus oder Asatru etwa 90.000 Anhänger im Jahr 2016. Es gibt keine festen Wicca-Andachtsgebäude, aber schätzungsweise 60 traditionelle Coven, also ritualbezogene Gruppen, sowie verschiedene Ritualorte. Ein seit 2022 genutzter moderner Steinkreis befindet sich in Rüdersdorf bei Berlin.
Das Bahaitum hat etwa 6.000 Mitglieder und ist seit 2013 als Körperschaft des öffentlichen Rechts organisiert. Es gibt keinen Klerus; stattdessen bestehen demokratisch gewählte Geistige Räte auf lokaler, nationaler und weltweiter Ebene. In Deutschland gibt es etwa 100 örtliche Geistige Räte und einen Nationalen Geistigen Rat. In Hofheim am Taunus befindet sich das bisher einzige „Europäische Haus der Andacht“.
Religionszugehörigkeit und persönlicher Glaube sind nicht dasselbe. Ein Kirchenmitglied kann Atheist sein, während ein Nichtmitglied gläubig sein kann. In einer Spiegel-Umfrage von 2019 waren etwa 55 % der Befragten an Gott gläubig; 75 % der Katholiken und 67 % der Protestanten glaubten an Gott. Gleichzeitig glaubten 66 % an Wunder. Nur 53 % der Katholiken glaubten an ein Leben nach dem Tod; an die Auferstehung Jesu glaubten 58 % der Protestanten und 61 % der Katholiken. Die Umfrage zeigt außerdem den Unterschied zwischen West und Ost: 2019 glaubten im Westen 63 %, im Osten aber nur 26 % an Gott.
Viele Kirchen arbeiten trotz ihrer Eigenständigkeit zusammen, etwa in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen, der Deutschen Evangelischen Allianz und der Vereinigung Evangelischer Freikirchen. Beispiele für soziale und entwicklungspolitische Arbeit sind Brot für die Welt und das Diakonische Werk. Der interreligiöse Dialog wird unter anderem durch den Deutschen Koordinierungsrat der Gesellschaften für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, den Koordinierungsrat des christlich-islamischen Dialogs, die Christlich-Islamische Gesellschaft, die World Conference of Religions for Peace und den Runden Tisch der Religionen in Deutschland gefördert.