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Schleswig-Holstein

Geographie. Bearbeiten. Naturlandschaften in Schleswig-Holstein Schleswig ... Ferntourismus von Bedeutung, da er regelmäßig von sogenannten …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Raum
  2. 2. Bevölkerung, Sprachen und Religion
  3. 3. Historische Entwicklung
  4. 4. Staat, Politik und Verwaltung
  5. 5. Wirtschaft, Energie, Verkehr und Bildung
  6. 6. Kultur und Sport

Überblick und Raum

Schleswig-Holstein (SH) ist ein teilsouveräner Gliedstaat der Bundesrepublik Deutschland und eine parlamentarische Republik. Es wurde am 23. August 1946 gegründet; Hauptstadt und größte Stadt ist Kiel. Weitere Oberzentren sind Lübeck, Flensburg und Neumünster. Das Land liegt zwischen Nordsee und Ostsee, grenzt im Norden an Dänemark, im Süden an Niedersachsen und Hamburg sowie im Südosten an Mecklenburg-Vorpommern. Mit 15.799,65 km² ist es nach dem Saarland das zweitkleinste deutsche Flächenland. Es hatte am 31. Dezember 2025 2.958.519 Einwohner und eine Bevölkerungsdichte von 187 Einwohnern je km².

Geografisch gehört das Land zum südlichen Gebiet der Kimbrischen Halbinsel (Jütland) und zur Norddeutschen Tiefebene. Von Ost nach West gliedert es sich in vier Landschaftseinheiten: die Jungmoränenlandschaft, die Niedere Geest, die Hohe Geest und die Marsch. Moränen sind durch Gletscher abgelagerte Gesteins- und Erdmassen. Die Ostküste ist durch Förden, Buchten, hügelige Halbinseln und die seenreiche Holsteinische Schweiz geprägt; die Westküste durch das Wattenmeer, die Nordfriesischen Inseln und Halligen. Größter Fluss ist die Eider, höchste Erhebung der Bungsberg mit 168 m. Wälder bedecken nur rund 11 % der Landesfläche.

Der Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer ist der größte Nationalpark Mitteleuropas und teilweise Biosphärenreservat. Daneben gibt es 189 Naturschutzgebiete, 275 Landschaftsschutzgebiete und sechs Naturparks. Fast 25 % der Landesfläche liegen nur knapp über dem Meeresspiegel, besonders Marschgebiete an der Nordsee und Teile der Ostseeküste; deshalb ist das Land besonders vom Meeresspiegelanstieg betroffen.

Das Klima ist ein ozeanisches Klima der Zone Cfb nach Köppen-Geiger: relativ ausgeglichene Temperaturen und Niederschläge, hohe Luftfeuchte sowie häufig Wind und Stürme. Die Nordsee prägt den Westen stärker maritim, der Südosten ist etwas kontinentaler, kühler und trockener. In Kiel beträgt die Jahresmitteltemperatur 9,5 °C und der Jahresniederschlag 750 mm, in Itzehoe 9,8 °C und 856 mm. Zwischen den Referenzperioden 1961–1990 und 1991–2020 stieg die Zahl der Sommertage von etwa 15 auf rund 23,5 pro Jahr; heiße Tage nahmen von etwa 1,5 auf mehr als 3,6 zu.

Bevölkerung, Sprachen und Religion

Die Bevölkerung ist ungleich verteilt: Die kreisfreien Städte sowie das Hamburger Umland, besonders Pinneberg und Stormarn, sind dicht besiedelt; Landesteil Schleswig und Dithmarschen sind dünner besiedelt. Die durchschnittliche Lebenserwartung lag 2015/17 bei 78,1 Jahren für Männer und 82,8 Jahren für Frauen. Schleswig-Holstein ist von vielen kleinen Gemeinden geprägt: Arnis ist mit 258 Einwohnern die kleinste Stadt Deutschlands, Gröde mit 6 Einwohnern und Wiedenborstel mit 9 Einwohnern gehören zu den kleinsten eigenständigen Gemeinden.

Zur historisch ansässigen Bevölkerung gehören Menschen (nieder-)sächsischen, anglischen, jütischen, friesischen und slawischen Ursprungs. Die dänische Minderheit, die friesische Minderheit und die traditionelle Minderheit der Sinti und Roma stehen nach Artikel 6 der Landesverfassung unter besonderem Schutz. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm das Land, gemessen an seiner eigenen Einwohnerzahl, unter den westdeutschen Ländern die meisten Flüchtlinge und Vertriebenen auf; die Bevölkerung wuchs zwischen 1944 und 1949 um 1,1 Millionen.

Amtssprachen sind Deutsch sowie teilweise Niederdeutsch, Dänisch und Nordfriesisch. Niederdeutsch ist landesweit zugelassen, Dänisch in Flensburg sowie in den Kreisen Nordfriesland, Schleswig-Flensburg und Rendsburg-Eckernförde, seit 2018 auch in Kiel. Nordfriesisch gilt im Kreis Nordfriesland und auf Helgoland. Geschätzt sprechen etwa 2,7 Millionen Menschen Deutsch, 1,3 Millionen Niederdeutsch, 65.000 Dänisch, 10.000 Nordfriesisch und 5.000 Romanes. Zweisprachige Ortsschilder zeigen etwa Niebüll/Naibel oder Eckernförde/Eckernföör.

Im Zensus 2022 waren im Mai 2022 39,9 % evangelisch und 5,4 % römisch-katholisch; 54,7 % waren konfessionslos, gehörten einer anderen Glaubensgemeinschaft an oder machten keine Angabe. Ende 2024 lagen die Anteile bei 36,5 %, 5,2 % und 58,3 %. Es gibt ungefähr 1.900 Mitglieder jüdischer Gemeinden und vier aktive Synagogen in Pinneberg, Lübeck, Bad Segeberg und Kiel. Etwa 85.000 Menschen sollen sich zum Islam bekennen; es gibt über 60 Moscheen.

Historische Entwicklung

Nach der letzten Eiszeit siedelten zunächst Jäger und Sammler im Gebiet. Ab etwa 4000 v. Chr. kamen Ackerbauern; zwischen 3500 und 2800 v. Chr. errichteten sie Megalithanlagen. Im frühen Mittelalter lebten Jüten und Dänen im Norden, Friesen im Nordwesten, slawische Abodriten im Osten und Sachsen im Südwesten. Um 770 entstand Haithabu als bedeutender Handelsplatz. Der Friedensvertrag von 811 legte die Eider als Grenze zwischen Karolinger- und Dänenreich fest. Aus den Gebieten beiderseits der Eider entwickelten sich das Herzogtum Schleswig und die Grafschaft, später das Herzogtum Holstein.

Nach der Schlacht von Bornhöved 1227 blieb Holstein außerhalb Dänemarks. Die Schauenburger schufen im Spätmittelalter eine faktisch zusammenhängende schleswig-holsteinische Herrschaft. 1460 wählte die Ritterschaft den dänischen König Christian I. aus dem Haus Oldenburg zum Landesherrn. Der Vertrag von Ripen versprach, Schleswig und Holstein sollten „ewich tosamende ungedelt“ bleiben. Tatsächlich wurden die Herzogtümer mehrfach geteilt. Schleswig blieb ein dänisches Lehen, Holstein gehörte zum Heiligen Römischen Reich; beide wurden jedoch in Personalunion vom dänischen König regiert. Nach Konflikten mit dem gottorfschen Herzogtum und dem Großen Nordischen Krieg kam Schleswig 1713 vollständig unter dänische Kontrolle. Der Vertrag von Zarskoje Selo von 1773 brachte fast ganz Schleswig und Holstein unter die Herrschaft des dänischen Königs.

Der nationale Konflikt um Schleswig führte 1848 zur Schleswig-Holsteinischen Erhebung. Die deutsch orientierte Bewegung wollte ein vereintes Schleswig-Holstein im Deutschen Bund, während dänische Nationalliberale Schleswig enger an Dänemark binden wollten. Dänemark siegte 1850 bei Idstedt; das Londoner Protokoll von 1852 stellte den Gesamtstaat wieder her. Die dänische Novemberverfassung von 1863 verschärfte den Konflikt. Im Deutsch-Dänischen Krieg besetzten Preußen und Österreich 1864 Schleswig und Teile Jütlands. Nach dem Deutschen Krieg 1866 gingen die Herzogtümer an Preußen, das 1867 die Provinz Schleswig-Holstein bildete; Lauenburg wurde 1876 angegliedert. Helgoland kam am 1. Juli 1890 zur Provinz.

1920 entschied eine Volksabstimmung über Nordschleswig: Der Norden stimmte mehrheitlich für Dänemark, der Süden einschließlich Flensburg für Deutschland. Der Übertragungsvertrag vom 6. Juli 1920 legte die bis heute bestehende Grenze fest.

Schleswig-Holstein war eine frühe Hochburg des Nationalsozialismus. Die NSDAP erhielt 1933 53,2 % der Stimmen, gegenüber 43,9 % im Deutschen Reich. Es bestanden mehrere Konzentrationslager und Außenlager; in Gudendorf starben 1944 und 1945 3.000 sowjetische Kriegsgefangene. Am 3. Mai 1945 starben beim irrtümlichen Angriff auf Cap Arcona, Thielbek und Deutschland etwa 7.000 Menschen. Nach Kriegsende stieg die Bevölkerung von 1,6 Millionen im Jahr 1939 auf 2,7 Millionen 1949. Die britische Militärregierung schuf mit Verordnung Nr. 46 vom 23. August 1946 das Land Schleswig-Holstein. Seit 2017 ist Daniel Günther (CDU) Ministerpräsident; die Jamaika-Koalition wurde 2022 durch eine schwarz-grüne Koalition abgelöst.

Staat, Politik und Verwaltung

Nach Artikel 1 der Landesverfassung vom 12. Januar 1950 ist Schleswig-Holstein ein Gliedstaat der Bundesrepublik Deutschland. Die Verfassung wurde am 30. Mai 1990 grundlegend reformiert. Sie schützt unter anderem friesische und dänische Minderheiten, Gleichstellung, natürliche Lebensgrundlagen, Kultur und die plattdeutsche Sprache. Die Landesflagge hat waagerechte Streifen in Blau, Weiß und Rot. Das Wappen verbindet das holsteinische Nesselblatt mit den schleswigschen Löwen. Die Hymne heißt offiziell Wanke nicht, mein Vaterland, meist Schleswig-Holstein-Lied genannt.

Der Landtag ist die Legislative, also die gesetzgebende Gewalt. Er wählt den Ministerpräsidenten und besteht regelmäßig aus 69 Abgeordneten. Der Ministerpräsident benötigt zunächst die absolute Mehrheit der Mitglieder. Die Landesregierung ist das oberste Organ der vollziehenden Gewalt. Nach der Wahl vom 8. Mai 2022 wird das Land von CDU und Grünen regiert; sie haben 44 der 69 Sitze. Daniel Günther (CDU) ist Ministerpräsident. Der Südschleswigsche Wählerverband (SSW) vertritt die dänische und nordfriesische Minderheit und ist als Minderheitenpartei von der Fünf-Prozent-Hürde befreit.

Direkte Demokratie ergänzt die parlamentarische Gesetzgebung. Eine Initiative aus dem Volk benötigt mindestens 20.000 Unterschriften von Stimmberechtigten. Lehnt der Landtag die Vorlage innerhalb von vier Monaten ab, kann ein Volksbegehren beantragt werden; dieses braucht innerhalb eines halben Jahres die Zustimmung von mindestens 5 % der Stimmberechtigten. Danach folgt grundsätzlich innerhalb von neun Monaten ein Volksentscheid. Er ist erfolgreich, wenn die Mehrheit der Abstimmenden und mindestens ein Viertel aller Stimmberechtigten zustimmt. Für Verfassungsänderungen sind zwei Drittel der Abstimmenden und mindestens die Hälfte aller Stimmberechtigten erforderlich.

Das Land besteht seit 1. Juni 2023 aus vier kreisfreien Städten, elf Kreisen, 83 Ämtern und 1.104 Gemeinden. Kreisfreie Städte sind Flensburg, Kiel, Lübeck und Neumünster. Etwa 900 Gemeinden haben weniger als 2.000 Einwohner. Kreis Pinneberg ist mit 325.858 Einwohnern der bevölkerungsreichste und kleinste Kreis; Rendsburg-Eckernförde ist mit 2.190 km² der flächenmäßig größte. Die Rechtsprechung umfasst unter anderem ein Oberlandesgericht und ein Oberverwaltungsgericht in Schleswig sowie seit dem 1. Mai 2008 ein eigenes Landesverfassungsgericht.

Wirtschaft, Energie, Verkehr und Bildung

Wirtschaftlich lassen sich drei Räume unterscheiden: die Metropolregion Hamburg mit Maschinenbau und Dienstleistungen, die strukturschwächere Westküste mit Landwirtschaft, Tourismus und Windkraft sowie die Ostsee-Hafenstädte Lübeck, Kiel und Flensburg mit Handel, Verkehr, Schiffbau, Tourismus und Windenergie. Das Bruttoinlandsprodukt betrug 2023 nominal 118,68 Milliarden Euro. Die Arbeitslosenquote lag im Dezember 2025 bei 5,8 %. Die größte deutsche Werft ist TKMS in Kiel, bekannt für U-Boote der Klassen 212 A und 214 mit Brennstoffzellenantrieb.

Tourismus ist besonders wichtig: 2018 erzielten etwa 151.000 Beschäftigte 7,9 Milliarden Euro Umsatz; sein Beitrag zum Volkseinkommen betrug 5,9 %. Bedeutende Ziele sind Sylt, die nordfriesischen Inseln und Ostseebäder. Der Lübecker Hafen schlug 2014 23,3 Millionen Tonnen Güter um. 2017 exportierte das Land Waren im Wert von 22,6 Milliarden Euro und importierte Waren im Wert von 20,8 Milliarden Euro; wichtigster Handelspartner war Dänemark.

Die drei Kernkraftwerke Brunsbüttel, Brokdorf und Krümmel sind endgültig abgeschaltet. Brokdorf ging am 31. Dezember 2021 vom Netz. Erneuerbare Energien erzeugten 2017 69,3 % des im Land produzierten Stroms, Windenergie allein 55,9 %. Ende 2022 waren 7.450 MW Windenergieleistung installiert; im ersten Halbjahr 2023 kamen 582,5 MW hinzu.

Das Land verbindet Deutschland mit Dänemark und Skandinavien. Wichtige Achsen sind die Jütlandlinie, die Vogelfluglinie, die Westküstenachse und der Nord-Ostsee-Kanal. Dieser ist mit über 41.000 Schiffsbewegungen jährlich die meistgenutzte künstliche Wasserstraße der Welt. Wichtige Häfen sind Lübeck, Brunsbüttel, Kiel und Puttgarden. Straßen- und Schienenverkehr sind stark auf Hamburg ausgerichtet. 29 % der Bahnstrecken sind elektrifiziert. 56 % aller Straßen verfügten 2019 über einen Radweg.

Im Schuljahr 2024/2025 besuchten 290.300 Kinder und Jugendliche 759 öffentliche allgemeinbildende Schulen; weitere 82.000 besuchten 35 berufsbildende Schulen. Eine Besonderheit sind 48 dänische Schulen im Landesteil Schleswig, deren zweisprachige Abschlüsse in Deutschland und Dänemark anerkannt werden. Es gibt drei Universitäten: die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, die Universität Lübeck und die Universität Flensburg. Forschungsstärken liegen unter anderem in Meeresforschung, Biomedizin, Medizintechnik sowie Natur- und Ingenieurwissenschaften.

Kultur und Sport

Die Kultur ist durch die Lage zwischen Nord- und Ostsee sowie dänische und friesische Einflüsse geprägt. Typisch sind Gebäude aus rotem oder gelbem Backstein und eine kompakte, an die Witterung angepasste Bauweise. Teile der Lübecker Altstadt sowie Haithabu und Danewerk sind UNESCO-Weltkulturerbe. Zu den rund 250 Museen gehören die Landesmuseen der Stiftung Schloss Gottorf, das Freilichtmuseum Molfsee und das Wikinger Museum Haithabu.

Bedeutende Veranstaltungen sind die Kieler Woche, die Travemünder Woche, das Schleswig-Holstein Musik Festival, die Nordischen Filmtage Lübeck und das Wacken Open Air. Die Nordischen Filmtage zeigen Produktionen aus Dänemark, Schweden, Norwegen, Island, Finnland, Estland, Lettland und Litauen. Das Schleswig-Holstein Musik Festival präsentiert jährlich im Juli und August rund 130 Konzerte an 30–50 Spielstätten vor über 100.000 Besuchern. Das Wacken Open Air ist das weltgrößte Metal-Festival.

Wassersport ist wegen der langen Küsten besonders verbreitet. Die Kieler Woche und Travemünder Woche gehören zu den großen Segelwettbewerben der Welt; in 230 Vereinen sind etwa 32.000 Segler organisiert. Im Handball prägen THW Kiel und SG Flensburg-Handewitt den Spitzensport. Im Fußball war Holstein Kiel in der Saison 2024/25 erstmals in der Bundesliga vertreten; der Verein wurde 1912 Deutscher Fußballmeister. Die Kiel Baltic Hurricanes spielen im American Football in der höchsten nationalen Liga GFL und gewannen am 9. Oktober 2010 den German Bowl mit 17:10 gegen die Berlin Adler.

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