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Bremen
Die Stadt Bremen ist hinsichtlich der Bevölkerungszahl (ca. 580.000 Einwohner) die zehntgrößte Stadt in Deutschland. Sie gehört zur europäischen Metropolregion …
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Stadt, Lage und Bevölkerung
Bremen ist die Hauptstadt des Landes Freie Hansestadt Bremen, zu dem auch Bremerhaven gehört. Mit 588.413 Einwohnern am 31. Dezember 2025 ist die Stadtgemeinde die zehntgrößte Stadt Deutschlands und nach Hamburg die zweitgrößte Norddeutschlands. Sie umfasst 318,21 km², liegt durchschnittlich 11 m über NHN und gehört zur europäischen Metropolregion Nordwest. Das etwa 8 km² große stadtbremische Überseehafengebiet Bremerhaven ist eine Exklave innerhalb Bremerhavens.
Bremen liegt etwa 60 Flusskilometer vor der Wesermündung beiderseits der Weser. In der Altstadt geht die Mittelweser in die Unterweser über; ab der Eisenbahnbrücke ist diese als Seeschifffahrtsstraße ausgebaut. Wichtige weitere Gewässer sind Lesum, Wümme, Hamme und Ochtum. Das Stadtgebiet misst maximal etwa 38 km in der Länge und 16 km in der Breite. Es ist vom niedersächsischen Staatsgebiet umgeben und eng mit seinem Umland verflochten: 43,2 % der 239.063 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten in der Stadt pendeln von außerhalb ein.
Die Stadt gliedert sich in fünf Stadtbezirke, 18 Stadtteile und insgesamt 88 Ortsteile. Auf der Ebene unterhalb der Stadtbürgerschaft wirken 22 direkt gewählte Beiräte; 17 Ortsämter führen deren Geschäfte. Das Überseehafengebiet gehört zum Stadtteil Häfen, ist jedoch keinem Beirat zugeordnet.
Der Untergrund besteht überwiegend aus Marschland und Flusssedimenten. Die Altstadt liegt hochwassergeschützt auf einer Weserdüne. Bremens höchste natürliche Erhebung liegt mit 32,5 m über NHN im Friedehorstpark. Die Stadt besitzt 18 Naturschutzgebiete mit zusammen 2126,9 ha beziehungsweise 6,69 % ihrer Fläche. Der Klimawandel erhöht durch steigenden Meeresspiegel und veränderte Niederschläge das Hochwasserrisiko; als Schutzmaßnahme entsteht an der Weser eine fast zwei Kilometer lange und über vier Meter hohe Mauer.
Geschichtliche Entwicklung
Erste Siedlungen entstanden zwischen dem 1. und 8. Jahrhundert auf einem hochwassergeschützten Dünenrücken an der Weser. Karl der Große erhob Bremen 787 zum Bischofssitz. Seit dem späten 9. Jahrhundert gehörte es zum Erzbistum Hamburg-Bremen. Mit dem Gelnhauser Privileg von 1186 unterstellte Kaiser Friedrich Barbarossa die Stadt der kaiserlichen Gerichtsbarkeit und verlieh ihr Stadtrecht.
Bremen trat 1260 der Hanse bei. Der Freihandel förderte seinen wirtschaftlichen Aufstieg, während sich die Stadt schrittweise von der weltlichen Herrschaft der Erzbischöfe löste. Als Zeichen ihrer Freiheit entstanden der Roland 1404 und das Rathaus 1409. Wegen der Versandung der Weser wurde 1619 bis 1623 in Vegesack der erste künstliche Hafen Deutschlands gebaut. Im Dreißigjährigen Krieg erhielt Bremen durch das Linzer Diplom die Anerkennung seiner Reichsunmittelbarkeit.
Seit 1783 betrieben Bremer Kaufleute direkten Handel mit den Vereinigten Staaten. Nach der französischen Besetzung von 1806 und der Eingliederung in Frankreich 1811 wurde Bremen 1814 eine Freie Stadt im Deutschen Bund. Wegen der weiteren Versandung der Weser erwarb Bremen 1827 vom Königreich Hannover Land für Bremerhaven. Die Eisenbahnstrecke Wunstorf–Bremen nahm 1847 den Betrieb auf; ab 1853 prägte das sogenannte Bremer Haus als Reihenhaustyp die Stadterweiterung.
Die Industrialisierung ließ die Bevölkerung von rund 35.000 im Jahr 1812 auf mehr als 100.000 im Jahr 1875 und 250.000 im Jahr 1911 wachsen. Wichtige Grundlagen waren Schifffahrt, Werften, Handel, Eisenbahn und die 1886 bis 1895 vorgenommene Weserkorrektion, durch die Seeschiffe wieder Bremen erreichen konnten.
Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurden politische Gegner verfolgt, Zwangsarbeiter eingesetzt und die jüdische Bevölkerung entrechtet, vertrieben und ermordet. 1933 hatte die Jüdische Gemeinde 1438 Mitglieder. Bei den Novemberpogromen 1938 wurden Synagogen zerstört und fünf Juden ermordet. Das Gedenkbuch des Bundesarchivs nennt 921 jüdische Einwohner Bremens, die deportiert und größtenteils ermordet wurden. Im Zweiten Weltkrieg zerstörten 173 Luftangriffe 62 % der städtebaulichen Substanz; rund 4000 Menschen starben. Britische Truppen beendeten am 26. April 1945 die NS-Herrschaft.
Nach dem Krieg bildeten Bremen und Bremerhaven eine US-amerikanische Exklave in der britischen Besatzungszone. 1947 erhielt das Land seine Verfassung, 1949 wurde es Land der Bundesrepublik Deutschland. Die Stadt erreichte 1969 mit 607.184 Einwohnern ihren historischen Höchststand. Seit 2000 entsteht auf 300 ha die Überseestadt. Rathaus und Roland gehören seit 2004 zum UNESCO-Weltkulturerbe; seit dem 31. Oktober 2023 ist Bremen UNESCO-Literaturstadt.
Politik, Gesellschaft und Religion
Die Bremische Bürgerschaft ist das alle vier Jahre gewählte Landesparlament. Von ihren Abgeordneten werden 72 im Wahlbereich Bremen und 15 in Bremerhaven gewählt; die Bremer Abgeordneten bilden zugleich die kommunale Stadtbürgerschaft. An der Spitze von Landes- und Stadtverwaltung steht der Senat. Seit dem 15. August 2019 ist Andreas Bovenschulte (SPD) Präsident des Senats und Bürgermeister. Senatoren erfüllen zugleich Aufgaben von Landesministern und kommunalen Dezernenten.
Das Wappen zeigt auf rotem Grund einen silbernen gotischen Schlüssel, den „Bremer Schlüssel“. Er ist das Attribut des Apostels Petrus, des Schutzpatrons des Doms, und erscheint seit 1366 im Stadtsiegel. Die heutige Wappenform beruht auf der Wappenordnung von 1891. Die rot-weiß gestreifte und am Flaggenstock gewürfelte Flagge wird umgangssprachlich „Speckflagge“ genannt.
Bremens religiöse Zusammensetzung hat sich deutlich verändert. Am 31. Dezember 2023 waren 26,0 % der Einwohner evangelisch, 8,3 % römisch-katholisch und 65,7 % konfessionslos oder Angehörige anderer Religionsgemeinschaften. Für die Zahl der Muslime gibt es unterschiedliche Angaben: Die Senatskanzlei nannte etwa 50.000, islamische Dachverbände 60.000. Die Bremische Evangelische Kirche ist ein Zusammenschluss weitgehend autonomer Gemeinden und betont Glaubens-, Gewissens- und Lehrfreiheit. Katholische Gemeinden südlich der Lesum gehören zum Bistum Osnabrück, jene in Bremen-Nord zum Bistum Hildesheim. Außerdem bestehen Freikirchen, eine jüdische Gemeinde mit Synagoge, mehrere muslimische Gemeinden sowie Bahá’i-, buddhistische und hinduistische Gemeinschaften. Der 2023 eingeweihte Sri Varasiththivinayakar Tempel gilt als größter Hindu-Tempel Norddeutschlands.
Wirtschaft und Verkehr
Bremens Wirtschaft ist traditionell durch Außenhandel, Häfen und Schifffahrt geprägt. Der wichtigste Warenumschlag der Hafengruppe Bremen/Bremerhaven findet heute in Bremerhaven statt, doch die Stadt bleibt über ihr Überseehafengebiet beteiligt. Bedeutende Branchen sind Automobilbau, Stahl, Luft- und Raumfahrt, Elektronik, Schiffbau und Lebensmittelproduktion. Das Mercedes-Benz-Werk in Sebaldsbrück ist der größte private Arbeitgeber. Airbus montiert in Bremen Flugzeugflügel; Airbus Defence and Space und die OHB-Gruppe fertigen Raumfahrttechnik. Der Technologiepark an der Universität beschäftigt rund 7500 überwiegend hochqualifizierte Menschen. Der frühere Großwerftenstandort verlor dagegen durch den Strukturwandel AG Weser und Bremer Vulkan.
Die Weser und die Häfen bleiben wichtige Verkehrs- und Wirtschaftsräume. Genutzt werden unter anderem Neustädter Hafen, Handels-, Industrie- und Hohentorshafen sowie der Weserhafen Hemelingen. Auf früheren Hafenflächen wächst die Überseestadt. Bremen beteiligt sich außerdem am JadeWeserPort in Wilhelmshaven, den Schiffe bis 16,5 m Tiefgang anlaufen können.
Der Hauptbahnhof verbindet Strecken nach Hamburg, Bremerhaven, Hannover, Oldenburg und ins Ruhrgebiet; ICE- und IC-Linien schaffen Fernverbindungen. Der Nahverkehr umfasst die Regio-S-Bahn sowie acht Straßenbahn- und 44 Buslinien der Bremer Straßenbahn AG. Der internationale Flughafen Bremen befindet sich seit 1909 südlich der Innenstadt und ist mit der Straßenbahnlinie 6 direkt vom Hauptbahnhof erreichbar.
Straßenseitig binden A 1, A 27, A 270, A 281 und A 28 die Stadt an. Die A 281 soll durch einen Wesertunnel geschlossen werden; die Verkehrsfreigabe wird für 2030 erwartet. Bremen besitzt mehr als 600 Brücken. Über die Weser führen unter anderem die Autobahnbrücke der A 1, Karl-Carstens-Brücke, Wilhelm-Kaisen-Brücke, Teerhofbrücke, Bürgermeister-Smidt-Brücke, Stephanibrücke und Eisenbahnbrücke.
Mehr als 22 % der Wege werden mit dem Fahrrad zurückgelegt. Beim ADFC-Fahrradklimatest 2018 wurde Bremen zur fahrradfreundlichsten deutschen Stadt mit mehr als 500.000 Einwohnern gewählt. Fernradwege wie der Weserradweg führen durch die Stadt.
Kultur, Stadtbild und Freizeit
Das historische Zentrum liegt um den Marktplatz. Der Roland von 1404 und das Rathaus sind Wahrzeichen und UNESCO-Welterbe. In der Nähe stehen der Dom St. Petri, die Liebfrauenkirche, der Schütting als Haus der Kaufleute und die Bremische Bürgerschaft. Die Böttcherstraße verbindet den Markt mit Weser und Martinikirche. An der Rathausmauer steht seit 1953 Gerhard Marcks’ Skulptur der Bremer Stadtmusikanten. Das mittelalterliche Schnoorviertel mit Häusern des 17. und 18. Jahrhunderts gilt als ältester Siedlungskern.
Die Schlachte ist eine in den 1990er Jahren sanierte Uferpromenade. Bedeutende weitere Bauwerke sind die Stadtwaage von 1587, das Essighaus von 1618, das Aalto-Hochhaus von 1962, die Stadthalle von 1964, der Fallturm von 1990, das Science Center Universum, der Weser Tower von 2009 und der U-Boot-Bunker Valentin. Das „Bremer Haus“, ein für verschiedene soziale Gruppen gebautes Reihenhaus, bestimmte von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die 1930er Jahre viele Wohnviertel.
Bremen besitzt eine breite Kulturlandschaft. Das Theater Bremen zeigt Oper, Operette, Musical, Schauspiel und Tanz. Zu den 27 Museen im Jahr 2024 zählen Übersee-Museum, Kunsthalle, Weserburg Museum für moderne Kunst, Focke-Museum, Universum und Hafenmuseum. Die Bremer Philharmoniker wurden 1825 gegründet; die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen hat seit 1992 ihren Sitz in der Stadt. Ein wichtiger Konzertort ist das 1928 erbaute Haus Die Glocke.
Zu den größten Grünanlagen gehören Bürgerpark und Stadtwald mit zusammen 202 ha, der 223 ha große Park links der Weser, die Wallanlagen und der Rhododendron-Park. Regelmäßige Veranstaltungen sind Freimarkt, Osterwiese, Weihnachtsmarkt, Breminale, Musikfest Bremen und Bremer Karneval. Der erstmals 1035 abgehaltene Freimarkt zählt zu den ältesten Volksfesten Deutschlands. Typische Bremer Bräuche sind außerdem Schaffermahlzeit, Eiswette, Kohl- und Pinkelessen sowie Domtreppenfegen. Bekannte Speisen sind Kohl und Pinkel, Knipp, der schwere Früchtestollen Klaben, Bremer Babbeler und Bremer Kluten. Im Sport ist besonders der Fußballverein Werder Bremen mit dem Weserstadion bedeutend.
Bildung, Forschung und Daseinsvorsorge
Bremen verfügt über 74 Grundschulen. Seit 2010 ist die Sekundarstufe zweigliedrig: 33 Oberschulen führen von der Berufsbildungsreife bis zum Abitur, das meist nach Klasse 13 erreicht wird; acht Gymnasien bieten das Abitur nach Klasse 12. Hinzu kommen fünf Schulzentren der Sekundarstufe II.
Die staatliche Universität Bremen nahm 1971/72 den Betrieb auf und hat etwa 20.000 Studierende sowie mehr als 1500 Wissenschaftler. Die private Constructor University wurde 1999 nach US-amerikanischem Vorbild gegründet; ihre Lehrsprache ist Englisch. Weitere Hochschulen sind die Hochschule Bremen und die Hochschule für Künste. Forschung betreiben unter anderem zwei Fraunhofer-Institute, das Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie, das Zentrum für Marine Tropenforschung, MARUM und ein Standort des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz. Bremen und Bremerhaven wurden 2005 zur „Stadt der Wissenschaft“ gewählt.
Die Stadtbibliothek besitzt 514.000 Bände und ein Netz aus Stadtteil-, Jugend- und Schulbibliotheken. Die Staats- und Universitätsbibliothek ist die wissenschaftliche Bibliothek des Landes und der Universität.
Das Gesundheitswesen umfasst vier kommunale Krankenhäuser mit 3170 Betten und 7600 Beschäftigten sowie vier kooperierende freie Kliniken mit 1366 Betten und 2531 Beschäftigten. Polizei, Berufsfeuerwehr mit sieben Feuer- und Rettungswachen, weitere Rettungswachen und 19 Freiwillige Feuerwehren sichern zentrale öffentliche Aufgaben.
Bei Energie und Abfall spielen Müllheizkraftwerk, Mittelkalorik-Kraftwerk und mehrere swb-Kraftwerke eine wichtige Rolle. Das Müllheizkraftwerk verarbeitet jährlich bis zu 550.000 t Abfall und erzeugt etwa 64 GWh Strom sowie rund 200 GWh Fernwärme. Trinkwasser wird wegen der früheren Verschmutzung der Weser nicht mehr aus dem Fluss gewonnen, sondern aus Tiefbrunnen sowie von Wasserversorgern im Harz und im norddeutschen Raum.