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Buddhismus in Deutschland
Der Buddhismus in Deutschland blickt auf eine Entwicklungsgeschichte von etwa 150 Jahren zurück. Die Zahl der Buddhisten in Deutschland wurde zuletzt (Stand …
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Überblick und frühe Entwicklung
Der Buddhismus in Deutschland hat eine Entwicklungsgeschichte von etwa 150 Jahren. Seine Anhängerzahl wurde 2024 auf rund 300.000 geschätzt. Frühe Impulse gingen von Arthur Schopenhauer aus, der sich mithilfe englisch- und französischsprachiger Quellen sowie der Schriften des Kalmückenforschers Isaac Jacob Schmidt mit buddhistischen Überlieferungen aus allen Drei Fahrzeugen auseinandersetzte. Sein Einfluss prägte Pioniere wie Karl Eugen Neumann, Paul Dahlke, Georg Grimm, Friedrich Zimmermann (Subhadra Bhikschu), Nyanatiloka und Lama Anagarika Govinda.
Auch Indologen wirkten auf die Verbreitung ein, besonders Hermann Oldenberg mit dem 1881 erschienenen Werk Buddha, sein Leben, seine Lehre, seine Gemeinde. Friedrich Nietzsche und Richard Wagner beschäftigten sich ebenfalls mit dem Buddhismus; Lehnert und Zotz bewerten Nietzsches Buddhismus-Verständnis als irrig.
Organisationen, Schriften und die Weimarer Zeit
Ein wichtiger früher Text war Friedrich Zimmermanns Buddhistischer Katechismus von 1888. Er war am Buddhist Catechism von Henry Steel Olcott orientiert, richtete sich aber mit erwachsenengerechter Sprache und Fußnoten an ein anderes Publikum. Bis 1908 erreichte er eine Gesamtauflage von 11.000 Exemplaren.
Karl Seidenstücker gründete am 15. August 1903 in Leipzig den „Buddhistischen Missionsverein für Deutschland“, die erste buddhistische Organisation im Deutschen Kaiserreich. Der Verein hieß ab 1906 „Buddhistische Gesellschaft für Deutschland“ und ab 1909 „Mahâbodhi-Centrale“. Seidenstückers Vortragszyklus vom 17. Oktober 1903 bis 26. März 1904 war ebenfalls bedeutsam. Im Jahr 1903 wurde Florus Anton Gueth als Nyanatiloka Theravada-Mönch. Theravada ist eine buddhistische Schulrichtung.
Karl Eugen Neumann übersetzte große Teile des Pali-Kanons ins Deutsche; 1918 lagen die Mittlere und die Längere Sammlung vollständig vor. Nyanatiloka veröffentlichte 1907 den ersten Band der Angereihten Sammlung. Georg Grimms Die Lehre des Buddha: die Religion der Vernunft erschien erstmals 1915.
In der Weimarer Republik gründeten Georg Grimm und Seidenstücker 1921 die Altbuddhistische Gemeinde in Utting am Ammersee. 1924 bezog man in Berlin-Frohnau „Das Buddhistische Haus“, das Paul Dahlke erbaut hatte; es gilt als ältestes buddhistisches Kloster Deutschlands und Europas und gehört zur Theravada-Tradition. Buddhistische Texte wurden weiter übersetzt; die Übersetzung der Gruppierten Sammlung wurde 1993 durch Hellmuth Hecker abgeschlossen.
Nationalsozialismus und geteiltes Deutschland
Während des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 kam die Entwicklung des Buddhismus in Deutschland trotz des Interesses einzelner Machthaber weitgehend zum Stillstand. Heinrich Himmler interessierte sich für Buddhismus, Tibet und japanische Zen-Kultur. 1938 entsandte er unter Leitung des Zoologen Ernst Schäfer eine Expedition nach Tibet, die unter anderem nach Spuren einer arischen Urreligion in tibetisch-buddhistischen Schriften suchen sollte. Der Propagandafilm Geheimnis Tibet wurde 1943 uraufgeführt.
Nach 1945 verlief die Entwicklung in Bundesrepublik und DDR unterschiedlich; die Quellenlage zur DDR ist dünn. In der Bundesrepublik gründete Paul Debes 1948 das Buddhistische Seminar, das buddhistische Lehren für westliche Menschen erschließen sollte. Seit 1955 erscheint dessen Zeitschrift Wissen und Wandel alle zwei Monate als Doppelheft. 1952 entstand ein Zweig des Arya Maitreya Mandala als erste Mahayana-Gemeinschaft in Deutschland. Mahayana bezeichnet eine weitere große buddhistische Traditionsrichtung. 1958 wurde die Deutsche Buddhistische Union (DBU) als Dachverband gegründet, 1970 die Soka Gakkai International – Deutschland.
1985 beschloss man in Hamburg die Gründung einer Buddhistischen Religionsgemeinschaft in Deutschland, um eine Anerkennung als Körperschaft des öffentlichen Rechts zu erreichen. Der Einspruch insbesondere Bayerns verhinderte dies, führte aber zum gemeinsamen „Buddhistischen Bekenntnis“. Am 4. Mai 2023 erhielt die Soka Gakkai als erste Vereinigung in Deutschland diesen Status durch die hessische Landesregierung. In der DDR gab es kleine Gruppen in Dresden, Leipzig und Halle; vietnamesische Vertragsarbeiter praktizierten, soweit sie sich als Buddhisten verstanden, nur privat.
Entwicklung seit der Wiedervereinigung
Die Zahl buddhistischer Gruppen und Gemeinschaften stieg von etwa 30 Mitte der 1970er Jahre auf rund 600 im Jahr 2020. Der Kongress der Europäischen Buddhistischen Union in Berlin 1992 gilt als Wegmarke. Ende der 1990er Jahre schätzte Baumann die Zahl der Buddhisten auf etwa 170.000, darunter 120.000 Menschen asiatischer Herkunft. Die DBU ging 2007 von 250.000 aktiven Buddhisten aus; etwa die Hälfte davon seien eingewanderte Asiaten.
Am 27. September 2015 wurde auf dem Heidefriedhof Dresden auf etwa 2.000 m² die erste buddhistische Begräbnisstätte in Deutschland und Umgebung eingeweiht. Sie steht allen Glaubensschulen und Nationalitäten offen. Am 1. März 2019 fand dort die erste buddhistische Grablegung in Sachsen nach traditionellen Beerdigungsritualen statt.
Schulrichtungen und Verbände
Die in Deutschland verbreitetsten Richtungen sind Theravada, tibetischer Buddhismus, Nichiren-Buddhismus und Zen-Buddhismus. Zen ist eine buddhistische Richtung, in der meditative Praxis eine zentrale Rolle spielt; Nichiren-Buddhismus ist eine an Nichiren ausgerichtete Schulrichtung. Die DBU wies 2026 67 Mitgliedsgemeinschaften aus. Für 2020 werden in ihr etwa 10.000 bis 12.000 Personen genannt, direkt oder über Mitgliedsgemeinschaften. Damit vertritt sie nur einen kleinen Teil der Buddhisten in Deutschland.
Von den 67 DBU-Gemeinschaften gehören 28 tibetisch-buddhistischen Traditionslinien an, rund 20 dem Zen; die übrigen verteilen sich auf Theravada, Reines-Land-Schule und traditionsübergreifende Gemeinschaften. Etwa 50 % aller buddhistischen Zentren oder Organisationen innerhalb und außerhalb der DBU orientieren sich an Vajrayana, einer Überlieferung des Buddhismus; dabei dominiert die Karma-Kagyü-Linie. Westlich geprägte und asiatisch geprägte buddhistische Gemeinschaften sind häufig getrennt: Asiatische Anhänger haben eigene Tempel und Lehrer in ihren jeweiligen Sprachen, während westliche Buddhisten oft Abstand zu Formen buddhistischer Volksfrömmigkeit halten.
Gemeinden asiatischer Herkunft
Zum 31. Dezember 2014 lebten in Deutschland etwa 300.000 Staatsangehörige aus asiatischen Ländern mit hohem buddhistischen Bevölkerungsanteil. Genannt werden etwa 55.000 Menschen aus Thailand, von denen etwa 95 % Buddhisten seien; etwa 31.000 aus Japan mit etwa 75 % Buddhisten; etwa 79.000 aus China mit etwa 30 %; etwa 24.000 aus Südkorea mit etwa 24 %; etwa 3.000 aus Myanmar, Kambodscha und Laos mit etwa 90 %; sowie etwa 100.000 aus Vietnam mit etwa 80 %.
Thailändische Buddhisten folgen dem Theravada. Mit insgesamt 48 thailändischen Tempeln, sogenannten Wat, waren sie zum 31. Dezember 2015 die größte buddhistische Gemeinde asiatischer Herkunft in Deutschland.