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Religion in Nordkorea

Religion in Nordkorea beschreibt die Situation der Religionen und religiösen Gemeinschaften in der Demokratischen Volksrepublik Korea (DVRK), kurz Nordkorea …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Religion und Religionsfreiheit
  2. 2. Religiöse Entwicklung
  3. 3. Buddhismus
  4. 4. Christentum
  5. 5. Ch'ŏndogyo
  6. 6. Staatsideologie und Personenkult

Religion und Religionsfreiheit

Nordkorea, offiziell Demokratische Volksrepublik Korea (DVRK), erkennt Religionsfreiheit nur eingeschränkt an. Artikel 68 der Verfassung garantiert sie, solange Religion nicht dazu dient, ausländische Kräfte ins Land zu bringen oder die soziale Ordnung zu gefährden. Artikel 67 garantiert ebenfalls eingeschränkt die Rede-, Presse- und Versammlungsfreiheit. Die Regierung erklärt, Staat und Religion seien getrennt.

Gegenüber den Vereinten Nationen gab die Regierung im Jahr 2000 an, es gebe etwa 40.000 praktizierende religiöse Menschen. Das entsprach knapp 0,2 Prozent der Bevölkerung. Sie sind nach offiziellen Angaben in staatlich anerkannten Organisationen zusammengeschlossen: der Koreanischen Christlichen Vereinigung, der Koreanischen Buddhistischen Vereinigung, dem koreanischen Verband der Römischen Katholiken und dem koreanischen Leitungskomitee der Chondokyo-Gläubigen. Unabhängige Beobachter und Menschenrechtsorganisationen bezweifeln jedoch, dass in Nordkorea eine freie Religionsausübung möglich ist.

Religiöse Entwicklung

Traditionell gehörte der Großteil der koreanischen Bevölkerung dem Buddhismus oder dem Konfuzianismus an. Seit Ende des 18. Jahrhunderts entstand durch die Tätigkeit christlicher Missionare eine christliche Minderheit. Im 19. Jahrhundert entwickelte sich außerdem die synkretistische Religion Ch'ŏndogyo. Synkretistisch bedeutet, dass Elemente verschiedener religiöser Traditionen miteinander verbunden werden.

Der erste christliche Missionar, ein römisch-katholischer Geistlicher, kam 1785 nach Korea, obwohl die Verbreitung des Christentums damals verboten war. Christen wurden von der Regierung verfolgt, bis Korea 1881 eine Politik der Öffnung gegenüber westlichen Ländern begann. 1863 gab es in Korea lediglich 23.000 römisch-katholische Christen.

Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war Pjöngjang ein Zentrum des Christentums auf der Koreanischen Halbinsel. Nach der Wonsan-Erweckung von 1903 fand dort 1907 eine weitere geistliche Erweckungsbewegung statt. 1945 waren 13 Prozent der Bevölkerung Pjöngjangs christlich; deshalb wurde die Stadt auch „Jerusalem des Ostens“ genannt. Die japanische Herrschaft über Korea von 1910 bis 1945 belastete die traditionellen Religionen, weil der japanische Kaiserkult zu religiöser Intoleranz führte. Noch stärkere Folgen hatte die kommunistische Revolution von 1948.

Buddhismus

Nach Angaben der nordkoreanischen Regierung gibt es ungefähr 10.000 praktizierende Buddhisten, 200 buddhistische Prediger und 60 buddhistische Tempel. Der Buddhismus wird unter der Aufsicht der offiziellen Koreanischen Buddhistischen Vereinigung ausgeübt.

Buddhistische Geistliche erhalten eine dreijährige Ausbildung an einer Spezialschule. Außerdem kann Buddhismus an der Kim-Il-sung-Universität studiert werden. Rund zehn Studenten sollen dort jährlich ein fünfjähriges Studium abschließen. Es ist nicht bekannt, ob diese Einrichtungen traditionelle buddhistische Werte vermitteln. Beobachter vermuten, dass die Studierenden lernen, buddhistische Lehren als Träger der staatlichen Chuch'e-Ideologie zu verwenden.

Neben den offiziell genannten Tempeln existieren noch mehrere Hundert historische Tempelbauten. Nach Aussagen geflohener Nordkoreaner gelten sie vor allem als kulturelles Erbe der koreanischen Vergangenheit; religiöse Handlungen fänden dort nicht statt. Ein Beispiel ist der Pohyon-Tempel am Myohyang-san, der im 11. Jahrhundert erbaut wurde.

Christentum

Offiziell leben etwa 15.000 Christen in Nordkorea, darunter 10.000 Protestanten. Ausländische Beobachter bezweifeln diese Zahlen; eine unabhängige Überprüfung ist nicht möglich. Häufig wird eine Untergrundkirche unbekannter Größe angenommen. Die Organisation Open Doors schätzt aufgrund ihrer Kontakte zu Hausgemeinden die Zahl der Christen auf 200.000 bis 400.000; 50.000 bis 70.000 von ihnen seien in Arbeitslagern. Der Leiter der südkoreanischen Hilfsorganisation PSCORE hält dagegen selbst die Existenz einer Untergrundkirche für fraglich. Wie viele Christen tatsächlich im Land leben, ist daher völlig unklar.

Die Regierung betrachtet besonders den Protestantismus als Gefahr, weil sie ihm enge Beziehungen zu den Vereinigten Staaten und Südkorea unterstellt. Flüchtlinge berichten, bereits ein öffentliches Bekenntnis zum Christentum oder der Besitz einer Bibel könne zur Verhaftung und Deportation in ein Umerziehungslager führen. Dort seien die Gefangenen äußerst grausamer, häufig tödlicher Behandlung ausgesetzt. Ehemalige Häftlinge berichten, christliche Gefangene würden noch schlechter behandelt als nicht religiöse Insassen. Im Weltverfolgungsindex der Organisation Open Doors steht Nordkorea seit Jahren auf dem ersten Platz.

In Pjöngjang befinden sich vier Kirchengebäude: die offiziell römisch-katholische Kathedrale von Jangchung, die jedoch keinen Priester hat, die protestantischen Kirchen Pongsu und Chilgol sowie eine russisch-orthodoxe Kirche. Die katholische Kirche und die Pongsu-Kirche wurden 1988 eröffnet, Chilgol besteht seit 1992 und die orthodoxe Kirche seit dem 13. April 2006.

Die Bedeutung dieser Kirchen ist umstritten. Es liegen Berichte über regelmäßige protestantische Gottesdienste mit 100 bis 250 Besuchern vor. Kritiker halten die Gebäude dagegen für Propagandamittel: Zugelassen seien nur als staatstreu geltende Besucher, die teilweise für ihre Teilnahme bezahlt würden. Die 1988 eröffneten Kirchen sollen nach dieser Einschätzung vor den Weltfestspielen der Jugend und Studenten von 1989 den Eindruck religiöser Freiheit erzeugt haben. Die orthodoxe Kirche wird von manchen eher als Zeichen der politischen Verbundenheit mit Russland verstanden.

Offiziell vertritt die staatlich kontrollierte Koreanische Christliche Vereinigung das Christentum und pflegt Kontakte zu ausländischen Kirchen und Regierungen. Ausländer dürfen unter staatlicher Begleitung Gottesdienste besuchen. Der Artikel kennzeichnet Angaben zu diesen Gottesdiensten und zur Ausbildung der Pastoren allerdings als nicht hinreichend belegt.

Ch'ŏndogyo

Ch'ŏndogyo, die Religion der „himmlischen Weise“, entstand im 19. Jahrhundert aus der Tonghak-Bewegung. Sie betont die göttliche Natur aller Menschen und verbindet Bestandteile des Buddhismus, Schamanismus, Konfuzianismus, Daoismus und Katholizismus.

In Nordkorea beruft sich die Chondoistische Ch’ŏngu-Partei offiziell auf Ch'ŏndogyo. Sie gilt jedoch als Schein- beziehungsweise Blockpartei nach dem Vorbild der Blockparteien in der DDR und besitzt damit keine unabhängige politische Stellung.

Staatsideologie und Personenkult

Die staatliche Ideologie hat die früher verbreiteten Religionen weitgehend verdrängt. Im Mittelpunkt steht ein öffentlich inszenierter Personenkult um Kim Il Sung, den verstorbenen „großen Führer“, und seinen Sohn Kim Jong-il, den „lieben Führer“. Ihre Porträts befinden sich in Straßen, Schulen, öffentlichen Gebäuden und privaten Häusern. Ihre Schriften und ideologischen Aussagen bilden eine wichtige Grundlage der Bildung von Kindern und Erwachsenen.

Die Herkunft der Familie Kim wird mythologisch verklärt. Bei öffentlichen Veranstaltungen stellen Lieder die Führer als Retter des Landes und jedes einzelnen Bürgers dar und heben sie damit auf die Ebene von Gottheiten. Mit diesem Personenkult verbunden ist die Chuch'e-Lehre, deren Kerngedanke die Autarkie beziehungsweise politische und wirtschaftliche Selbstständigkeit ist.

Nach Einschätzung von Menschenrechtsorganisationen und ausländischen Regierungen bedeutete der politische Systemwechsel das Ende der freien Religionsausübung. Demnach unterstützt die Regierung nur religiöse Gruppen, die den Eindruck von Religionsfreiheit erzeugen, während eigenständige religiöse Überzeugungen verfolgt werden, wenn sie eine Sinn- oder Autoritätsquelle außerhalb der staatlichen Ideologie darstellen.

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