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Religion in Hamburg
Religion in Hamburg · Inhaltsverzeichnis · Konfessionsstatistik · Christentum · Judentum · Islam · Hinduismus · Buddhismus · Freireligiöse Bewegung.
Inhalt5 Abschnitte
Überblick und Konfessionsstatistik
Hamburg ist heute mehrheitlich konfessionslos. Am 31. Dezember 2023 waren nach Recherchen der Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland 20 % der Einwohner evangelisch, 8,3 % römisch-katholisch und 71,7 % konfessionslos oder gehörten einer sonstigen Religionsgemeinschaft an. Ende 2020 lagen die Werte bei 23,6 % evangelisch, 9,4 % katholisch und 66,9 % mit anderer oder keiner Glaubenszugehörigkeit. Bei der Volkszählung 2022 gaben 22,0 % der Einwohner an, evangelisch zu sein, 8,5 % römisch-katholisch; 69,5 % machten keine oder andere Angaben.
Die Zahl der Protestanten und Katholiken sinkt seit Jahrzehnten. Trotzdem ist die Evangelisch-lutherische Kirche mit fast 19 % der Gesamtbevölkerung nach Stand 2025 weiterhin Hamburgs größte christliche Glaubensgemeinschaft. Im Vergleich zu 1880 zeigt sich ein starker Wandel: Damals waren 92,5 % evangelisch, 2,7 % katholisch, 3,5 % Israeliten und 1,3 % gehörten anderen Religionen an oder hatten kein Religionsbekenntnis.
Hamburgs religiöse Vielfalt hängt auch mit seiner Rolle als Hafen- und Handelsstadt zusammen. Schon früh waren dort neben der lutherischen Mehrheit andere Konfessionen und Religionen präsent. Methodistische Aktivitäten sind seit 1817 belegt, 1834 entstand in Hamburg die erste deutsche Baptistengemeinde, und die jüdische Gemeinde hat eine lange Tradition. Durch Zuwanderung am Ende des 20. Jahrhunderts wurden außerdem besonders muslimische Gemeinden stärker sichtbar.
Christliche Kirchen
Hamburg gehörte anfangs zum Bistum Verden. 834 ernannte Kaiser Ludwig der Fromme Ansgar, den Leiter der Klosterschule in Corvey, zum Erzbischof mit Sitz in Hamburg. 845 wurde der Erzbischofssitz nach Bremen verlegt; von dort aus erfolgte die Mission Norddeutschlands und Nordeuropas. Im 11. Jahrhundert umfasste das Erzbistum Bremen unter anderem Norddeutschland, Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, Island und Grönland.
Die Reformation begann in Hamburg ab 1522 mit der ersten evangelischen Predigt durch Stephan Kempe. Seit 1526 war fast die gesamte Bürgerschaft lutherisch geprägt, ab 1528 auch der Rat der Stadt. 1529 führte Hamburg unter Mitwirkung von Johannes Bugenhagen eine neue Kirchenordnung ein. Sie gilt als Geburtsstunde der Evangelisch-Lutherischen Kirche im Hamburgischen Staate. Katholische Klöster wurden aufgehoben, Spitäler in evangelische Stiftungen umgewandelt, und Nichtlutheraner konnten keine Bürgerrechte mehr erhalten. Deshalb gilt Hamburg bis heute als traditionell evangelisch-lutherisch geprägte Stadt.
Andere Konfessionen konnten lange vor allem im benachbarten Altona Gottesdienste halten. Dort entstanden 1601 eine Mennonitengemeinde und 1602 eine reformierte Gemeinde; 1658 wurde auch der Bau einer katholischen Kirche erlaubt. In Hamburg selbst erlaubte der Rat erst 1785 nicht-lutherische Gottesdienste in privaten Bereichen. Der Anschluss an Frankreich 1811 brachte grundsätzlich unbegrenzte Religionsfreiheit, nach den Napoleonischen Kriegen wurde die Gleichheit vor dem Gesetz aber wieder abgeschafft. Eine vollständige Gleichstellung aller Konfessionen wurde erst im 19. Jahrhundert erreicht.
Die evangelisch-lutherische Kirche wurde bis 1918 vom Senat verwaltet. 1923 erhielt sie eine neue Verfassung; ihr Leiter war der von der Landessynode gewählte „Senior“, ab 1933 „Landesbischof“. 1977 schloss sich die Evangelisch-Lutherische Kirche im Hamburgischen Staate mit anderen Landeskirchen zur Nordelbischen Evangelisch-Lutherischen Kirche zusammen. In Hamburg bestehen außerdem reformierte, anglikanische, alt-katholische, apostolische und zahlreiche freikirchliche Gemeinden. Die erste deutsche Baptistengemeinde wurde 1834 von Johann Gerhard Oncken gegründet; 1858 wurde sie vom Senat anerkannt. Die Neuapostolische Kirche sieht Hamburg als Ursprungsort; ihre älteste Gemeinde besteht seit 1863 in Hamburg-Borgfelde. Viele Kirchen und Freikirchen arbeiten in der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Hamburg zusammen.
Katholiken, Juden und Islam
Die katholische Kirche verlor in Hamburg mit der Reformation ihre frühere Stellung. Am 15. August 1529 mussten die letzten katholischen Geistlichen Hamburgs, die Domkapitularen, ihre örtliche Tätigkeit einstellen, nachdem die Domkirche auf Senatsbeschluss geschlossen worden war. Später konnten Katholiken zunächst vor allem in Altona oder in Botschaftskapellen Messen feiern. Seit Anfang des 19. Jahrhunderts war der „kleine Michel“ die katholische Kirche in Hamburg; 1893 wurde St. Marien geweiht, die heute Domkirche ist. 1993 wurde das neue Erzbistum Hamburg eingerichtet; die faktische Errichtung erfolgte am 7. Januar 1995. Es umfasst Hamburg, Schleswig-Holstein und den Landesteil Mecklenburg von Mecklenburg-Vorpommern. Der Zensus nannte für den 15. Mai 2022 154.556 Katholiken in Hamburg, die kirchliche Statistik für den 31. Dezember 2022 163.756 Katholiken, also 8,7 % der Gesamtbevölkerung.
Jüdisches Leben in Hamburg reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück. Um 1577 siedelten sich portugiesische Juden an, die zunächst als Christen angesehen und als „Portugiesen“ bezeichnet wurden. 1616 gab es bereits 116 portugiesische Juden in Hamburg. 1612 wurde ein Zwei-Jahres-Vertrag zwischen jüdischer Gemeinde und Senat geschlossen; gegen 1000 Mark jährlich wurde die Niederlassung gewährt, aber noch keine freie Religionsausübung. 1649 wurden die portugiesischen Juden als Gemeinde Beth El anerkannt. Im 17. Jahrhundert kamen auch aschkenasische Juden hinzu. Die älteste Hamburger Synagoge wurde 1654 errichtet, die endgültige Emanzipation der Juden erfolgte 1849.
Während der nationalsozialistischen Herrschaft wurden jüdische Gemeinden zerstört und viele Hamburger Juden ermordet. Oberrabbiner Joseph Carlebach wurde 1942 mit seiner Familie von den Nazis ermordet, zusammen mit 8.000 weiteren Hamburger Juden. In der Reichspogromnacht 1938 wurden auch Hamburger Synagogen zerstört. 1945 wurde eine neue Jüdische Gemeinde in Hamburg gegründet, 1960 die Synagoge Hohe Weide eingeweiht. Seit 2004 gibt es eine Liberale Jüdische Gemeinde Hamburg, seit 2007 wieder eine Jüdische Schule und seit 2009 die Masorti-Gemeinde Kehilat Beit Shira.
Die muslimischen Gemeinden Hamburgs entstanden vor allem aus den ersten Generationen von Gastarbeitern und sind häufig nach kulturellem oder sprachlichem Hintergrund organisiert. Offiziell gibt es 66 Moscheen. Für Mitte 2008 nennt eine BAMF-Publikation rund 142.000 Muslime in Hamburg; für den 9. Mai 2011 ergibt eine Berechnung auf Grundlage des Zensus rund 141.000 Muslime, also 8,3 % der Bevölkerung; für 2013 veröffentlichte die BASFI Hamburg etwa 130.000 Muslime. Die Ahmadiyya Muslim Jamaat eröffnete 1957 die Fazle-Omar-Moschee, Hamburgs erste Moschee und die erste Moschee in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg. Bedeutend für schiitische Muslime ist das Islamische Zentrum mit der Imam-Ali-Moschee an der Außenalster, 1961 errichtet. Seit 1999 besteht die SCHURA als Zusammenschluss von 40 Moscheegemeinden und islamischen Vereinen.
Asiatische Religionen
Der Hinduismus ist in Hamburg unter anderem durch einen Mandir, also einen Hindutempel, vertreten. Er besteht seit 1996 in der Billstraße im Stadtteil Rothenburgsort und befindet sich in einem umgenutzten Lagergebäude. Träger ist die „Afghanische Hindu Gemeinde e. V.“. Sie entstand aus indischstämmigen Hindus, die während der Herrschaft der Taliban Afghanistan verlassen mussten.
Buddhisten sind in Hamburg seit 1906 dokumentiert. 1954 wurde aus zwei älteren Gruppen die „Buddhistische Gesellschaft Hamburg e. V.“ gegründet; sie war die erste buddhistische Vereinigung in der Bundesrepublik Deutschland, die als gemeinnützig anerkannt wurde. 1960 gründeten Hamburger Buddhisten mit dem „Haus der Stille“ in Roseburg bei Mölln die erste ländliche Begegnungsstätte Deutschlands. Später entstanden in Hamburg Zen-Gruppen sowie Gruppen mit koreanischem Seon, vietnamesischem Thiền und chinesischem Chan-Hintergrund.
Eine wichtige Rolle spielte auch der tibetische Buddhismus. Geshe Gendün Lodrö wurde 1967 an die Universität Hamburg entsandt und 1979 auf den ersten Hamburger Lehrstuhl für tibetische Kultur und Sprache berufen. Der Dalai Lama Tenzin Gyatso übernahm 1977 die Schirmherrschaft des Tibetischen Zentrums e. V. in Hamburg. Vietnamesische Buddhisten kamen besonders durch Hilfsaktionen für sogenannte Boat People ab 1979 nach Hamburg; die Gemeinde in der Pagode Bao Quang in Billbrook hat heute etwa 4000 Anhänger. Insgesamt leben in Hamburg zwischen 15.000 und 20.000 praktizierende asiatisch- sowie deutschstämmige Buddhisten. Es gibt etwa 60 buddhistische Zentren und Gruppen unterschiedlicher Richtungen, von denen seit Mai 2017 ein wichtiger Teil in der Buddhistischen Religionsgemeinschaft Hamburg organisiert ist.
Weitere Religionsgemeinschaften
Neben den großen christlichen Kirchen, dem Judentum, dem Islam, Hinduismus und Buddhismus gibt es in Hamburg weitere religiöse und weltanschauliche Gruppen. Die Unitarier haben ihre Hauptgeschäftsstelle in Hamburg. The Satanic Temple Germany hat als Ableger des US-amerikanischen Satanic Temple ebenfalls eine Gefolgschaft in Hamburg, besitzt aber keinen eigenen Tempel und trifft sich in Lokalitäten der Hamburger Gothic-Szene.
Der Zoroastrismus ist durch den 1987 in Hamburg gegründeten Zarathustrischen Verein e. V. vertreten, die älteste Organisation der Zoroastrier in Deutschland. Der Verein sollte ursprünglich ein Sammelbecken für aus dem Iran stammende Zoroastrier sein. Rund 300 Personen haben ein engeres Verhältnis zu ihm. Er orientiert sich am iranischen Zoroastrismus, feiert Jamshedi Nowruz am 21. März als Neujahrsfest und richtet auch den Geburtstag Zarathustras sowie andere Feste wie Tiragan oder Mehragan aus. Einen fest angestellten Priester gibt es nicht; zu besonderen Anlässen können Priester aus dem Iran, Großbritannien oder Schweden eingeladen werden.
Scientology ist in Hamburg ebenfalls präsent. Nach eigener Aussage hat Hamburg für deutsche Scientologen besondere Bedeutung, weil Ende der 1960er Jahre erste Anhänger nach Deutschland zurückkamen und zunächst Büroräume in der Poststraße, später am Steindamm nutzten. 1999 verlegte die Organisation ihren Hamburger Sitz in ein größeres Gebäude in der Innenstadt nahe Rathaus und St. Petri. Das Gebäude hat über 3000 Quadratmeter und enthält unter anderem dreißig Räume für die als „Auditing“ bezeichnete zentrale Praxis. Seit 2012 gibt es außerdem eine unabhängige Scientology Mission in Hamburg.