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Grönland
Grönland war in vorkolonialer Zeit von Inuit bewohnt, bevor es ab 1721 von Dänemark-Norwegen kolonisiert wurde und 1814 an Dänemark fiel. Es wird heute …
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Überblick und geografische Grundlagen
Grönland, grönländisch Kalaallit Nunaat, ist ein politisch selbstverwalteter Bestandteil des Königreichs Dänemark. Es gehört geografisch zu Nordamerika und liegt zwischen Nordatlantik und Arktischem Ozean. Seine Hauptlandmasse ist die größte Insel der Erde. Hauptstadt ist Nuuk, Amtssprache Grönländisch; gezahlt wird mit der Dänischen Krone. Am 1. Januar 2026 hatte Grönland 56.740 Einwohner. Bei einer Fläche von 2.166.086 km² ergibt sich die äußerst geringe Bevölkerungsdichte von 0,026 Einwohnern je km².
Das Land erstreckt sich über 2670 km von 59° 46′ bis 83° 40′ nördlicher Breite und ist höchstens 1050 km breit. Seit 2022 besitzt es auf der Hans-Insel eine Landgrenze zu Kanada. Vier Fünftel der Landesfläche sind von Inlandeis bedeckt; die eisfreien Küstengebiete umfassen rund 410.000 km². Die stark zerklüftete Küste ist etwa 44.000 km lang und weist Tausende Fjorde, Buchten, Inseln und Schären auf. Der Kangertittivaq in Ostgrönland gilt mit 300 km Länge, bis zu 40 km Breite und bis zu 1450 m Tiefe als größter Fjord der Erde. Höchster Berg ist der 3694 m hohe Gunnbjørn Fjeld.
Das Inlandeis ist durchschnittlich 1800 m und bis zu 3200 m mächtig. Mit etwa 3 Mio. km³ Volumen bildet es nach dem antarktischen Eisschild den zweitgrößten Eisschild der Erde. Zwischen 2011 und 2014 verlor es im Mittel rund 269 Mrd. Tonnen Eis pro Jahr; seit den 1980er Jahren hat sich der Massenverlust versechsfacht. Sein vollständiges Abschmelzen würde den weltweiten Meeresspiegel um 7,4 m erhöhen.
An den Küsten herrscht subpolares, im Norden und Inland polares Klima. Auf dem Inlandeis wurden etwa −70 °C gemessen, in Maniitsoq im Juli 2013 dagegen +25,9 °C. Niederschläge sind an den Küsten deutlich häufiger als im Inland, das teilweise eine Kältewüste bildet. Gefährlich sind plötzlich auftretende Fallwinde, darunter der ostgrönländische Piteraq. Seit 1990 stieg die durchschnittliche Sommertemperatur bis Ende der 2010er Jahre um 1,8 °C, die Wintertemperatur um 3 °C.
Naturraum und Tierwelt
Pflanzen wachsen fast ausschließlich in den eisfreien Küstenregionen. Im hocharktischen Norden herrschen Tundra und Kältewüste vor; weiter südlich wachsen vor allem niedrige Weidengewächse. Die subarktische Zone Südgrönlands enthält mit dem Qinngoq Avannarleq das einzige Waldtundragebiet des Landes. Insgesamt sind etwa 520 Arten höherer Pflanzen bekannt, darunter rund 30 endemische, also nur dort heimische Arten. Mehr als 40 % der Landfläche stehen unter Naturschutz; den größten Anteil bildet der Nordost-Grönland-Nationalpark.
Reptilien und Amphibien fehlen. Zu den wenigen Landsäugetieren gehören Rentier, Schneehase, Polarfuchs, Moschusochse, Hermelin, Halsbandlemming, Polarwolf und Eisbär. Im Meer leben zahlreiche Walarten, darunter Grönland-, Buckel-, Blau-, Nar- und Weißwal, außerdem sechs Robbenarten und Walrosse. Von rund 235 nachgewiesenen Vogelarten brüten etwa 60 in Grönland; die meisten sind Zugvögel. Der Riesenalk wurde im 19. Jahrhundert durch übermäßige Jagd ausgerottet.
In und um Grönland sind 269 Fischarten dokumentiert. Wirtschaftlich wichtig sind besonders Schwarzer Heilbutt, Dorsch, Rotbarsch, Wandersaibling und Eismeergarnele. Die nicht marine Gliederfüßerfauna ist mit knapp 1200 Arten artenarm und an Kälte angepasst; viele Arten besitzen Frostschutzproteine.
Bevölkerung und historische Entwicklung
Die gesamte Bevölkerung lebt an der Küste, überwiegend im Westen. Ein Drittel wohnt in Nuuk, das rund 19.600 Einwohner hat. Insgesamt gibt es 17 Städte, 55 Dörfer, etwa 30 Schäfersiedlungen und einige Stationen. Rund 92 % der Bevölkerung identifizierten sich 2019 als Grönländer. Ethnisch werden die Kalaallit in etwa 47.000 Kitaamiut in Westgrönland, 3500 Tunumiit in Ostgrönland und 800 Inughuit im Norden gegliedert. Viele Grönländer haben sowohl Inuit- als auch europäische Vorfahren.
Grönländisch beziehungsweise Kalaallisut ist die einzige Amtssprache; Dänisch dient als Verkehrssprache, erste Fremdsprache sowie als wichtige Bildungs- und Verwaltungssprache. Zu den Hauptdialekten gehören Kitaamiusut, Tunumiisut und Inuktun. Rund 95 % gehören der grönländischen Volkskirche an; insgesamt bezeichnen sich 98,5 % als Christen.
Grönland wurde etwa 2500 v. Chr. erstmals von Menschen aus Alaska über Kanada besiedelt. Auf verschiedene frühe Kulturen folgten ab ungefähr 1150 Angehörige der Thule-Kultur, von denen die heutigen Inuit abstammen. Ab 986 ließen sich skandinavische Grænlendingar unter Führung Erik des Roten im Südwesten nieder. Ihre Siedlungen verschwanden um 1400 beziehungsweise 1450 aus nicht abschließend geklärten Gründen.
1721 begann Hans Egede die dänisch-norwegische Mission und Kolonisierung. Handel und Mission breiteten sich entlang der Westküste aus; wirtschaftlich wurde vor allem der Robbenfang wichtig. 1814 fiel Grönland nach der Auflösung Dänemark-Norwegens an Dänemark. Im 19. Jahrhundert entstanden Schulen, Seminare, lokale Räte und 1861 die Zeitung Atuagagdliutit. Diese Entwicklungen förderten ein grönländisches Nationalbewusstsein.
Im frühen 20. Jahrhundert verdrängte die Fischerei zunehmend den Robbenfang. Während des Zweiten Weltkriegs war Grönland von dem deutsch besetzten Dänemark abgeschnitten und erlaubte den USA 1941 die Errichtung von Militärbasen. 1953 endete der Kolonialstatus; Grönland wurde formal gleichberechtigter Teil Dänemarks. Die folgende Modernisierung verbesserte Infrastruktur und Gesundheitsversorgung, führte aber auch zu erzwungener Urbanisierung, Danifizierung und schweren sozialen Problemen. An mehr als 4500 minderjährigen und jungen Inuit-Frauen wurden verdeckt Spiralen zur Geburtenkontrolle eingesetzt; die dänische Regierung entschuldigte sich 2025 bei den Opfern.
1979 erhielt Grönland die Hjemmestyre genannte Autonomie. Nach einem Referendum trat es 1985 aus der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft aus. Seit dem 21. Juni 2009 gilt die weitergehende Selvstyre, durch die Grönland unter anderem Rechte an seinen Rohstoffen erhielt.
Politisches System und Unabhängigkeitsfrage
Grönland bildet mit Dänemark und den Färöern die Rigsfællesskab, die dänische Reichsgemeinschaft. Es ist eine parlamentarische Demokratie innerhalb einer konstitutionellen Monarchie. Staatsoberhaupt ist König Frederik X., vertreten durch Reichsombudsfrau Julie Præst Wilche. Die Selbstverwaltung kann die meisten staatlichen Aufgaben übernehmen; Außen- und Verteidigungspolitik bleiben grundsätzlich bei Dänemark. Grönland gehört zur NATO, aber weder zur Europäischen Union noch zum Schengen-Raum.
Die Regierung heißt Naalakkersuisut und umfasst meist sieben bis zehn Minister. Regierungschef ist seit dem 7. April 2025 Jens-Frederik Nielsen. Das Parlament, das Inatsisartut, hat 31 Abgeordnete und wird spätestens alle vier Jahre gewählt. Es beschließt Gesetze und Haushalt und kontrolliert die Regierung. Zusätzlich entsendet Grönland zwei Abgeordnete ins dänische Folketing. Bedeutende Parteien sind Siumut, Inuit Ataqatigiit, Demokraatit, Atassut und Naleraq. Neben klassischen politischen Gegensätzen trennt sie besonders ihre Haltung zur Unabhängigkeit.
Die Gerichte gehören zum dänischen Rechtssystem, wenden aber dänische und grönländische Gesetze an. Vier Kreisgerichte, das Retten i Grønland, Grønlands Landsret und in besonderen Fällen das dänische Højesteret bilden den Instanzenweg. Polizei und Verteidigung sind ebenfalls dänisch organisiert; die USA übernehmen über ihre Präsenz auf der Pituffik Space Base faktisch Verteidigungsaufgaben.
Über die Unabhängigkeit darf laut Selvstyregesetz allein das grönländische Volk in einer Volksabstimmung entscheiden. Sie gilt weithin als langfristiges Ziel, ist wegen der wirtschaftlichen Abhängigkeit von Dänemark aber umstritten. Seit 2019 erklärte US-Präsident Donald Trump mehrfach, einen Anschluss Grönlands an die USA anzustreben. Im Januar 2026 lehnten die Vorsitzenden aller fünf Parlamentsparteien diesen Anspruch gemeinsam ab.
Wirtschaft und Infrastruktur
Das Bruttoinlandsprodukt betrug 2023 3,33 Mrd. US-Dollar beziehungsweise 58.765 US-Dollar je Einwohner. Die Wirtschaft ist wenig vielfältig und stark vom dänischen Blockzuschuss abhängig, der 2023 4.141,5 Mio. Dänische Kronen betrug. 2020 arbeiteten 42,2 % der Beschäftigten in der öffentlichen Verwaltung und 18,7 % in Jagd und Fischerei. Staatliche Unternehmen und Zuschüsse sichern viele Leistungen, die wegen geringer Bevölkerung, großer Entfernungen und hoher Kosten nicht frei wirtschaftlich angeboten werden könnten.
Die Fischerei erzeugt 95 % der Exporte. Nach dem Zusammenbruch des Dorschfangs um 1970 wurden vor allem Garnelen und Heilbutt bedeutend. Jagd bleibt besonders in Nord- und Ostgrönland kulturell und für die Versorgung wichtig; Quoten sollen eine nachhaltige Nutzung sichern. Landwirtschaft findet fast nur in Südgrönland statt. Seit 1980 gibt es ungefähr 20.000 Mutterschafe; Kartoffeln und Gemüse werden nur in kleinem Umfang angebaut. Trotz großer Vorkommen an Gold, Eisen, Zink, Uran und Seltenen Erden ist Bergbau wegen hoher Kosten, fehlender Infrastruktur und Umweltkonflikten wenig entwickelt. Der Uran- und Seltene-Erden-Abbau bei Kuannersuit ist besonders umstritten. 2021 wurde die Erdölsuche aus Umweltschutzgründen beendet.
Tourismus setzt auf Eisberge, Polarlichter, Tierwelt und grönländische Kultur. 2019 kamen knapp 50.000 Kreuzfahrttouristen. Drei Gebiete gehören zum UNESCO-Welterbe: der Ilulissat-Eisfjord, Kujataa und Aasivissuit–Nipisat.
Zwischen den meisten Orten gibt es keine Straßen. Güter werden vor allem per Schiff, Personen überwiegend per Flugzeug und Hubschrauber transportiert; beides benötigt staatliche Zuschüsse. Es bestehen 14 aktive Flughäfen und knapp 50 Hubschrauberlandeplätze. 2018 stammten 67 % des Stromverbrauchs aus fünf Wasserkraftwerken, andere Orte nutzen Dieselgeneratoren. Herausforderungen bestehen bei Trinkwasser, Abwasser und Müll: Es gibt keine Klärwerke, und Abwasser gelangt oft direkt ins Meer oder in den Boden. Mobilfunk und Internet werden über Seekabel nach Kanada und Island sowie in Nord- und Ostgrönland über Satellit bereitgestellt.
Gesellschaft und Kultur
Es besteht eine zehnjährige Schulpflicht. Grönland besitzt 23 Stadt- und 52 Dorfschulen, vier Gymnasien, Berufsausbildungen und die Universität Ilisimatusarfik. Kleine Dorfschulen unterrichten oft mehrere Jahrgänge gemeinsam; Lehrermangel und Schulabbrüche sind verbreitet. Rund 60 % der Bevölkerung haben nur einen Folkeskoleabschluss ohne Berufsausbildung.
Die rasche Modernisierung der 1950er und 1960er Jahre gilt als wichtige Ursache heutiger sozialer Probleme. Alkoholmissbrauch, Gewalt, sexueller Missbrauch, Vernachlässigung und Suizide treten häufig auf. Mit rund 100 Suiziden je 100.000 Einwohner hat Grönland die weltweit höchste Suizidrate. Die Lebenserwartung lag 2021 bei 73,7 Jahren. Fünf Regionskrankenhäuser, kleinere Einrichtungen und Telemedizin sichern die Versorgung, doch es herrscht Ärztemangel.
Zeitungen, Rundfunk und Internet verbinden die weit auseinanderliegenden Siedlungen. KNR bietet seit 1958 Radio und seit 1982 Fernsehen an; Rundfunkprogramme sind überwiegend grönländischsprachig. Die Medienlandschaft wird von KNR und Sermitsiaq.AG beherrscht.
Die Kultur verbindet Inuit-Traditionen mit europäischen und modernen Einflüssen. Schnitzkunst entwickelte sich aus religiösen und praktischen Gegenständen; der Tupilak wurde vom schamanistischen Objekt zum Kunstwerk und Souvenir. Die Nationaltracht nutzt Fell, Stoff und aufwendige Perlenarbeiten. Der traditionelle Trommeltanz diente der Unterhaltung, religiösen Ritualen und der Beilegung von Streit, wurde aber von Missionaren lange unterdrückt. Heute prägen auch Chorgesang, Rock und Hip-Hop die Musik.
Mündlich überlieferte Sagen und Mythen bildeten die Grundlage der Literatur. 1914 erschien mit Singnagtugaĸ von Mathias Storch der erste grönländische Roman. Theater und Film greifen häufig traditionelle Kultur, Identität und postkoloniale Konflikte auf; 2009 entstanden mit Hinnarik Sinnattunilu und Nuummioq zwei bedeutende rein grönländische Spielfilme.
Die Küche beruht traditionell auf Fleisch und Fisch, etwa Robbe, Rentier, Moschusochse, Wal, Lamm, Garnelen und Heilbutt. Mattak ist meist roh gegessene Walhaut mit Speckschicht; Suaasat, eine Suppe mit Graupen oder Reis und meist Robben-, Rentier- oder Lammfleisch, gilt als Nationalgericht. Beliebte Sportarten sind Fußball, Handball, Skisport, Hundeschlitten- und Kajaksport. Grönland nimmt an den Island Games und Arctic Winter Games teil, ist in vielen internationalen Verbänden jedoch nur als Teil Dänemarks vertreten.