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Finnland
Finnland grenzt an Schweden, Norwegen, Russland und die Ostsee. Republik Finnland. Suomen tasavalta (finnisch) Republiken Finland (schwedisch) …
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Überblick und Raum
Finnland, amtlich Republik Finnland, ist eine parlamentarische Republik in Nordeuropa. Das Land grenzt an Schweden, Norwegen, Russland und die Ostsee, ist seit 1995 Mitglied der Europäischen Union und seit 2023 Mitglied der NATO. Hauptstadt ist Helsinki. Die Amtssprachen sind Finnisch und Schwedisch, die Währung ist der Euro. Finnland wurde am 6. Dezember 1917 von Russland unabhängig; dieser Tag ist heute Nationalfeiertag.
Mit 338.472 km² ist Finnland etwas kleiner als Deutschland. Davon sind 303.948 km² Landfläche und 34.524 km² Binnengewässer. Mit etwa 5,6 Millionen Einwohnern und rund 16 bis 17 Einwohnern pro km² gehört es zu den am dünnsten besiedelten Ländern Europas. Der größte Teil der Bevölkerung lebt im Süden, besonders in der Region Helsinki sowie in Städten wie Espoo, Tampere, Vantaa und Turku.
Finnland liegt zwischen 60° und 70° nördlicher Breite; ein Drittel des Landes befindet sich nördlich des Polarkreises. Die längste Grenze ist die 1344 km lange Grenze zu Russland. Das Land ist bekannt als „Land der tausend Seen“: Nach offizieller Zählung gibt es 187.888 Seen, davon rund 56.000 mit mindestens einem Hektar Fläche. Die Gesamtlänge der Seeufer beträgt mindestens 186.700 km, außerdem gibt es 98.050 Binneninseln.
Landschaft, Klima und Natur
Finnlands Landschaft wurde stark durch die Eiszeit geprägt. Der Felssockel besteht überwiegend aus sehr alten präkambrischen Gesteinen des Baltischen Schildes. Gletscher bedeckten bis vor rund 10.000 Jahren das ganze heutige Finnland, formten Moränen, Rundhöcker, Drumlins und Oser und schufen die Grundlage für die vielen Seen. Durch isostatische Landhebung steigt die Küste Österbottens heute noch um bis zu acht Millimeter pro Jahr.
Das Klima ist kaltgemäßigt und liegt zwischen maritimen und kontinentalen Einflüssen. Die Ostsee, die Seen und der Golfstrom mildern das Klima. Im Süden beträgt die durchschnittliche Jahrestemperatur etwa 5 °C, im Norden Finnisch-Lapplands etwa −2 °C. Der Winter dauert im südwestlichen Schärengebiet rund 100 Tage, in Lappland bis zu 200 Tage. Die kälteste gemessene Temperatur war −51,5 °C am 28. Januar 1999 in Pokka bei Kittilä, die höchste 37,2 °C am 28. Juli 2010 in Liperi. Nördlich des Polarkreises gibt es im Sommer Mitternachtssonne und im Winter Polarnacht.
Finnland lässt sich in fünf Großräume gliedern: die Küstenebenen Südfinnlands, die Küstenebenen Österbottens, die Finnische Seenplatte, das Finnische Hügelland und Lappland. Die Finnische Seenplatte ist mit etwa 42.200 Seen die größte Seenplatte Europas; der größte See ist der Saimaa mit rund 4400 km². Höchste Erhebung ist der Haltitunturi mit 1324 m.
Finnland ist das waldreichste Land Europas: 86 % der Landfläche sind bewaldet. Vorherrschend ist die boreale Nadelwaldzone mit Kiefern, Fichten und Birken. Etwa ein Drittel der Landesfläche bestand ursprünglich aus Mooren. Zur Tierwelt gehören unter anderem Elche, Rentiere, Braunbären, Luchse, Wölfe, Vielfraße, zahlreiche Vogelarten und 67 Fischarten. Die Saimaa-Ringelrobbe kommt weltweit nur im Saimaa-Seengebiet vor. Etwa ein Zehntel der Landesfläche steht unter Naturschutz; seit Juni 2017 gibt es 40 Nationalparks mit 9892 km² Fläche.
Geschichte
Das Gebiet des heutigen Finnland ist seit etwa 8500 v. Chr. nachweislich besiedelt. Ursprung und Sprache der frühesten Bewohner sind unklar. Spätestens um 5000 v. Chr. sprachen die Bewohner hauptsächlich frühe finno-ugrische Sprachen. Ab der Bronzezeit um 1700 v. Chr. verbreiteten sich Ackerbau und Viehzucht, besonders an den Küsten. Durch Handel kam Finnland mit Mitteleuropa, Nowgorod und dem Christentum in Kontakt.
Vom Mittelalter bis 1809 gehörte Finnland zu Schweden. Die Anbindung war ein allmählicher Prozess, bei dem Schweden und Nowgorod um Einfluss konkurrierten. Die Grenze wurde 1323 im Vertrag von Nöteborg erstmals festgelegt. Die Christianisierung war mit der Gründung des Domkapitels Turku 1276 formell abgeschlossen. Unter schwedischer Herrschaft entstanden Städte, Verwaltung, eine ständische Gesellschaft und die evangelisch-lutherische Prägung nach der Reformation.
1809 wurde Finnland nach dem Finnischen Krieg als Großfürstentum in das Russische Reich eingegliedert, erhielt aber weitgehende Autonomie. Helsinki wurde 1812 Hauptstadt. Im 19. Jahrhundert wuchsen finnisches Nationalbewusstsein, Wirtschaft und Industrialisierung. Das Februarmanifest von 1899 schränkte die Autonomie ein und führte zu Konflikten. 1906 führte Finnland als erstes Land Europas das aktive Frauenwahlrecht auf nationaler Ebene ein; weltweit war es nach Neuseeland und Australien der dritte Staat. Beim passiven Wahlrecht war Finnland weltweit führend: Erstmals wurden Frauen in ein Parlament gewählt.
Nach der Russischen Revolution erklärte das finnische Parlament am 6. Dezember 1917 die Unabhängigkeit. 1918 folgte ein Bürgerkrieg, den die bürgerlichen „Weißen“ gewannen. Im Winterkrieg 1939/40 griff die Sowjetunion Finnland an; Finnland bewahrte seine Unabhängigkeit, musste aber große Teile Kareliens abtreten. Im Fortsetzungskrieg 1941–1944 kämpfte Finnland in Kooperation mit Deutschland gegen die Sowjetunion, musste sich 1944 zurückziehen und im Separatfrieden von Moskau die Gebietsverluste bestätigen sowie Petsamo abtreten. Danach vertrieb Finnland im Lapplandkrieg deutsche Truppen; der Kriegszustand endete endgültig 1947 durch den Pariser Friedensvertrag.
Nach 1945 verfolgte Finnland im Kalten Krieg eine Neutralitäts- und Ausgleichspolitik gegenüber der Sowjetunion. Präsident Urho Kekkonen prägte von 1956 bis 1982 die Politik. Nach dem Zerfall der Sowjetunion geriet Finnland Anfang der 1990er Jahre in eine schwere Wirtschaftskrise, gewann aber außenpolitisch mehr Spielraum. 1995 trat es der EU bei, 2002 führte es den Euro als Bargeld ein. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine beantragte Finnland 2022 die NATO-Mitgliedschaft und trat am 4. April 2023 bei.
Bevölkerung, Sprache und Bildung
Finnland hatte 2022 rund 5,6 Millionen Einwohner. Die Bevölkerung ist sehr ungleich verteilt: Lappland ist mit 1,8 Einwohnern pro km² fast menschenleer, während sich etwa 40 % der Bevölkerung auf Südfinnland konzentrieren. Die Bevölkerung wächst trotz Sterbeüberschuss durch Migration. 2022 lag die Geburtenzahl statistisch bei 1,3 Kindern pro Frau, die Lebenserwartung bei 81,2 Jahren. 2023 waren 14,9 % der Bevölkerung unter 15 Jahre alt und 23,6 % über 64 Jahre.
Die Amtssprachen sind Finnisch und Schwedisch. 88,7 % der Bevölkerung geben Finnisch und 5,3 % Schwedisch als Muttersprache an. Schwedischsprachige leben vor allem an Küsten im Süden, in Österbotten und auf Åland; Åland ist einsprachig schwedisch und politisch weitgehend autonom. Gemeinden können finnischsprachig, schwedischsprachig oder zweisprachig sein. Eine Gemeinde gilt als zweisprachig, wenn die schwedischsprachige Minderheit mindestens acht Prozent der Bevölkerung ausmacht oder aus mindestens 3000 Personen besteht. Geschützte Minderheitensprachen sind unter anderem Nordsamisch, Inarisamisch und Skoltsamisch; auch Romani und Karelisch haben besonderen Status.
Seit 1923 gilt Religionsfreiheit. Die Evangelisch-Lutherische Kirche und die Orthodoxe Kirche sind gesetzlich als Volkskirchen anerkannt. 2024 gehörten 62,2 % der Bevölkerung der evangelisch-lutherischen Kirche an, 1,1 % der orthodoxen Kirche, 1,8 % sonstigen Religionen; 34,9 % waren konfessionslos.
In Finnland besteht Schulpflicht für alle Sieben- bis Sechzehnjährigen. Die meisten Kinder besuchen die neunjährige Grundschule. Danach folgt entweder eine Berufsschule oder ein Gymnasium, das meist nach insgesamt zwölf Schuljahren zum Abitur führt. Grundschulen und Gymnasien werden überwiegend von Gemeinden getragen. In zweisprachigen Gemeinden muss es gesonderte Schulbildung für beide Sprachgruppen geben; alle Schüler lernen außerdem die jeweils andere Landessprache. Hochschulen gliedern sich in Universitäten und Fachhochschulen. Schulbildung ist gebührenfrei, ebenso das Hochschulstudium für Bürger der EU, des Europäischen Wirtschaftsraums und der Schweiz.
Staat und Politik
Finnland ist seit 1919 eine parlamentarisch-demokratische Republik. Die heutige Verfassung vom 11. Juni 1999 trat am 1. März 2000 in Kraft und stärkte Parlament und Regierung gegenüber dem früher sehr mächtigen Präsidenten. Das Parlament ist ein Einkammerparlament mit 200 Abgeordneten, die für vier Jahre nach Verhältniswahlrecht gewählt werden. Wahlberechtigt sind finnische Staatsbürger ab 18 Jahren.
Die Regierung heißt Staatsrat und ist dem Parlament verantwortlich. Der Ministerpräsident wird vom Parlament gewählt; die übrigen Regierungsmitglieder ernennt der Präsident auf Vorschlag des Ministerpräsidenten. Ministerpräsident ist Petteri Orpo. Der Präsident wird für sechs Jahre direkt gewählt, leitet die Außenpolitik gemeinsam mit der Regierung, ist Oberbefehlshaber der Streitkräfte und ernennt hohe Beamte und Richter. Seit 2024 ist Alexander Stubb Präsident.
Nach der Wahl vom 2. April 2023 waren die größten Parteien im Parlament die Nationale Sammlungspartei mit 48 Sitzen, Die Finnen mit 46 Sitzen und die Sozialdemokraten mit 43 Sitzen. Weitere wichtige Parteien sind Zentrum, Grüner Bund, Linksbündnis, Schwedische Volkspartei und Christdemokraten. Die Regierung Orpo stützt sich auf eine Koalition aus Nationaler Sammlungspartei, Christdemokraten, Die Finnen und Schwedischer Volkspartei.
Die kommunale Selbstverwaltung liegt bei 310 Gemeinden. Außerdem gibt es 70 Verwaltungsgemeinschaften, sechs Regionalverwaltungsbehörden und 19 traditionelle Landschaften. Åland besitzt eine besondere Selbstverwaltung. Finnland gilt in internationalen Indizes als sehr stabil und demokratisch: Im Demokratieindex 2024 erreichte es 9,3 von 10 Punkten, im Freedom-in-the-World-Index 2024 100 von 100 Punkten und im Korruptionswahrnehmungsindex 2025 88 von 100 Punkten.
Außen- und verteidigungspolitisch war Finnland lange durch die Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs und die Nähe zur Sowjetunion geprägt. Es setzte im Kalten Krieg auf Neutralität und gute Beziehungen nach Moskau. Nach 1991 wurde die Westbindung stärker, 1995 trat Finnland der EU bei. Seit dem 4. April 2023 ist es NATO-Mitglied. Es gilt allgemeine Wehrpflicht für Männer; der Dienst dauert je nach Ausbildung 5,5 bis 12 Monate. Frauen zwischen 18 und 29 Jahren können seit 1995 freiwillig Wehrdienst leisten.
Wirtschaft, Verkehr und Kultur
Finnland war bis weit ins 20. Jahrhundert eines der ärmeren Länder Europas. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Industrialisierung stark beschleunigt, auch wegen Reparationsforderungen der Sowjetunion. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 geriet Finnland in eine schwere Krise: Das Bruttosozialprodukt sank um 13 %, die Arbeitslosenquote stieg von 3,4 % im Jahr 1990 auf 18,4 % im Jahr 1994. Danach folgte eine Umstrukturierung mit Privatisierungen und Investitionen in Hochschulbildung und Hochtechnologie. Heute gehört Finnland zu den wohlhabenden Ländern der EU. Für 2024 werden ein nominales BIP von 299 Milliarden US-Dollar und ein BIP pro Kopf von 53.286 US-Dollar genannt.
Land- und Forstwirtschaft bleiben wichtig. Nur 2,2 Millionen Hektar, also kaum 6,5 % der Landesfläche, werden landwirtschaftlich genutzt. In Süd- und Westfinnland dominieren Getreideanbau und Schweinemast, in Mittel- und Ostfinnland Rinderhaltung. In der Rentierzucht gibt es rund 5500 Züchter mit über 200.000 Tieren. Die Wälder sind der wichtigste Rohstoff des Landes; jährlich werden rund 60 Millionen Kubikmeter Holz geschlagen. Die Holz- und Papierindustrie war lange prägend, wurde aber in ihrer Bedeutung von Metall- und Elektronikindustrie überholt. Wichtige Energiequellen waren 2020 Holz (28 %), Öl (21 %), Kernenergie (19 %) sowie Erdgas und Kohle (je 9 %).
Wegen der großen Entfernungen ist die Infrastruktur wichtig. Das Landstraßennetz umfasst 78.189 km, davon sind 65 % befestigt. Das Eisenbahnnetz hat 5944 km in Betrieb befindliche Schienenstrecken und nutzt russische Breitspur. Die größten Städte werden mit schnellen Zügen bedient, internationale Zugverbindungen nach Russland wurden nach dem russischen Angriff auf die Ukraine stark reduziert. Schifffahrt ist für Küste, Handel und Fähren nach Schweden, Estland, Russland und Deutschland wichtig. Der wichtigste Flughafen ist Helsinki-Vantaa; die nationale Fluggesellschaft ist Finnair.
Die Kultur Finnlands verbindet Einflüsse aus Westeuropa, Schweden, Russland und dem orthodoxen Kulturkreis. Naturnähe, Landleben und Sauna haben weiterhin große Bedeutung. Die Küche ist traditionell einfach und regional geprägt; bekannte Speisen sind Karelische Piroggen, Brotkäse, kalakukko, mämmi zu Ostern und Aufläufe zu Weihnachten. Wichtige Feste sind Weihnachten, vappu am 1. Mai, Mittsommer und der Unabhängigkeitstag am 6. Dezember. In Literatur und Musik spielen das Nationalepos Kalevala, Aleksis Kivi, Jean Sibelius und moderne Richtungen wie Metal eine wichtige Rolle. Finnland gilt außerdem als sportbegeistert; besonders wichtig sind Leichtathletik, Wintersport, Eishockey, Motorsport und Pesäpallo.