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Relativsatz
Der Relativsatz (von lateinisch relativus „sich beziehend auf etwas, bezüglich“) ist in der Grammatik eine besondere Art von Nebensatz und dient in der …
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Grundbegriff und Bezug
Ein Relativsatz ist eine besondere Art von Nebensatz. Er dient in der Regel dazu, eine Eigenschaft einer Person oder eines Gegenstandes anzugeben. Meist hängt er von einem Substantiv ab; dann ist er ein attributiver Relativsatz, also ein Attribut zum Substantiv. In anderen Fällen übernimmt er selbst die Funktion einer Substantivgruppe oder eines Adverbials; dann heißt er freier Relativsatz.
Attributive Relativsätze können sich auf verschiedene Satzglieder beziehen: „Sabine, die gerade kocht, gibt dem Kind Kartoffeln mit Butter.“ bezieht sich auf das Subjekt Sabine. In „Sabine gibt dem Kind, das ständig schreit, Kartoffeln mit Butter.“ bezieht sich der Relativsatz auf das Dativobjekt. Er kann sich auch auf das Akkusativobjekt beziehen: „Sabine gibt dem Kind Kartoffeln, die sie vor dem Kochen schält, mit Butter.“
Freie Relativsätze sind selbst Satzglieder: In „Sabine gibt dem Kind, was es wünscht.“ ist der Relativsatz Akkusativobjekt. „Wer Kartoffeln möchte, bekommt auch welche.“ enthält einen freien Relativsatz als Subjekt; in „Jeder kann essen, wo er möchte.“ ist er ein Ortsadverbial. Der weiterführende Relativsatz ist dagegen kein Satzglied und nicht in den vorausgehenden Satz integriert. Er greift den ganzen vorherigen Satz auf, etwa: „Sabine gibt dem Kind Kartoffeln mit Butter, was zwar sparsam, aber nicht sehr vernünftig von ihr ist.“
Bildung und innerer Aufbau
Sprachen bilden Relativsätze auf unterschiedliche Weise. Im Deutschen überwiegt die Kennzeichnung durch ein vorangestelltes Relativpronomen oder Relativadverb. Relativpronomen sind zum Beispiel „der, die, das“ oder „welcher, welche, welches“: „Das Auto, das ich gestern gekauft habe.“ Auch französisch qui/que und englisch who/whom/whose sowie which gehören zu solchen Formen.
Relativadverbien sind zum Beispiel „wo, wie, da, als“; Beispiele sind „Die Art, wie sie sich kleiden.“ und „So schnell, wie es geht.“ In anderen Sprachen finden sich unter anderem französisch où und quand sowie englisch where und when. Manchmal wird zusammen mit dem Relativpronomen eine größere Einheit vorangestellt. Diese Rattenfängerkonstruktion zeigt etwa „für dessen Ergreifung“ in „Der Täter, für dessen Ergreifung eine hohe Belohnung ausgesetzt wurde, …“.
Eine weitere, im Sprachvergleich häufige Strategie lässt an der Stelle des betreffenden Satzglieds eine Lücke. Im Deutschen kommt sie kaum vor. Ein Relativsatz kann dabei ganz ohne besondere Kennzeichnung stehen, etwa englisch „The house [I live in ---]“; im Deutschen erscheint „So schnell [--- es geht]“. Er kann auch durch eine Konjunktion eingeleitet werden: Englisches that ist eine Konjunktion, wie in „The house [that I live in ---]“. Auch deutsche Dialekte kennen solche Konstruktionen. In keltischen Sprachen kann ein Relativsatz außerdem durch besondere Verbformen, etwa eine Relativ-Verbendung, gekennzeichnet sein.
Stellung im Satz
Ein attributiver Relativsatz steht normalerweise bei dem Substantiv, auf das er sich bezieht. Dabei steht er weiter von diesem Substantiv entfernt als ein Genitivattribut: „Sogar Maler des Mittelalters, die ansonsten fast völlig in Vergessenheit geraten waren, kannte er.“
Lange und komplexe Relativsätze können im Nachfeld stehen, also nach dem übrigen Satz: „Er hatte die Maler gekannt, die von allen anderen, egal ob tot oder lebend, vergessen worden waren.“ Dadurch steht der Relativsatz nicht mitten im Satz vor dem finiten Verbende, sondern wird nachgestellt.
Bedeutung: einschränkend oder erläuternd
Ein restriktiver Relativsatz schränkt die Menge der möglichen Referenzen der Bezugsgröße ein. „Das ist der Artikel, den ich lesen wollte“ meint den gewünschten Artikel und keinen anderen. Solche Relativsätze gehören meist zu einer definiten Kennzeichnung; ein Demonstrativpronomen kann dies verstärken: „Das ist derjenige Artikel, den ich lesen wollte.“ Sie können sich auch auf eine indefinite Nominalgruppe beziehen und diese identifizierbar machen: „Gestern habe ich eine Frau getroffen, die mit mir zusammen Abitur gemacht hat.“ Für die jeweilige Satzkonstruktion sind restriktive Relativsätze obligatorisch; in der gesprochenen Sprache unterstützt dies die Intonation.
Ein explikativer Relativsatz, auch appositiver oder nicht restriktiver Relativsatz, schränkt die Bezugsgröße nicht ein, sondern beschreibt sie näher. „Jens, der in Schönkirchen geboren wurde, lebt nun in Mainz.“ Die zusätzliche Information ist fakultativ und kann auch in einem eigenen Satz stehen: „Jens lebt nun in Mainz. Er wurde in Schönkirchen geboren.“ Explikative Relativsätze sind Attribute. Adverbien wie „übrigens“, „bekanntlich“, „offenbar“ oder „immerhin“ können ihren erläuternden Charakter hervorheben.