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Reinhard Achenbach

Reinhard Achenbach (* 12. August 1957 in Biedenkopf) ist ein deutscher evangelischer Theologe und Professor für Altes Testament an der Westfälischen …

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Person und akademischer Werdegang
  2. 2. Forschungsfelder und Pentateuchmodell
  3. 3. Recht, soziale Schutzgruppen und Perserreich
  4. 4. Lehre und Herausgebertätigkeit

Person und akademischer Werdegang

Reinhard Achenbach (* 12. August 1957 in Biedenkopf) ist ein deutscher evangelischer Theologe. Er ist seit dem Wintersemester 2006/07 Ordentlicher Professor für Altes Testament an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU).

Nach dem Abitur 1976 an der Lahntalschule in Biedenkopf studierte er von 1976 bis 1983 Evangelische Theologie in Göttingen, Tübingen und Uppsala. Von 1983 bis 1986 war er Stipendiat der Lutherstiftung und Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Göttingen. Es folgten von 1986 bis 1991 die pastorale Ausbildung und Pfarrdienst. 1989 wurde er bei Lothar Perlitt mit einer Arbeit zum Deuteronomium zum Dr. theol. promoviert.

Von 1992 bis 1994 lehrte Achenbach Altes Testament an der kirchlichen Hochschule der Universität Medan/Pematangsiantar auf Sumatra in Indonesien. Danach arbeitete er 1995/96 an der Universität Mainz und ab 1996 als Akademischer Rat an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Dort lehrte er bis 2005 biblisches Hebräisch und habilitierte sich 2001 mit einer Untersuchung zur Entstehungsgeschichte des Numeribuches. 2008 erhielt er die Ehrendozentur der Kirchlichen Hochschule Pemetangsiantar.

Achenbach war Hauptantragsteller des 2007 in Münster eingerichteten Exzellenzclusters „Religion und Politik in den Kulturen der Vormoderne und der Moderne“ und gehört dessen Vorstand an. Außerdem ist er Vorstandsmitglied und Sprecher des Zentrums für Geschichte und Kultur des östlichen Mittelmeerraums.

Forschungsfelder und Pentateuchmodell

Achenbach untersucht die biblische Rechtsgeschichte, die Literatur- und Redaktionsgeschichte des Alten Testaments, die Entstehung des Pentateuchs, das Judentum in der Achämenidenzeit sowie die Geschichte des Zweiten Tempels. Redaktionsgeschichte fragt danach, wie ältere Texte bearbeitet, verbunden und zu ihrer überlieferten Gestalt zusammengestellt wurden.

In seiner Habilitationsschrift „Die Vollendung der Tora“ entwickelte er mit seinem Lehrer Eckart Otto ein Modell zur Entstehung des Pentateuchs. Dieses setzt nicht bei Genesis und Exodus an, sondern beim Deuteronomium (D). Ausgangspunkt ist das Numeribuch, in dem die Quellen J, E und P der Neueren Urkundenhypothese kaum noch eindeutig zuzuordnen und voneinander abzugrenzen seien. Im Mittelpunkt stehen Dubletten, also doppelt überlieferte Erzählungen oder Stoffe, im Numeribuch und in Dtn 1–3.

Als Schlüsseltext gilt die Kundschaftererzählung in Num 13f und Dtn 1,19–45. Achenbach zufolge setzt Dtn 1 eine frühere Fassung von Num 13f voraus als die im masoretischen Text überlieferte. Dtn 1 habe diese vor-deuteronomistische Fassung aufgenommen und überarbeitet. Ein Hexateuch-Redaktor (HexRed) habe dann Priesterschrift (P), Deuteronomium und eine Vorstufe des Josuabuches verbunden, die deuteronomistische Vorlage in den Zusammenhang des Numeribuches eingefügt und bearbeitet. HexRed wird ungefähr in die Zeit Nehemias um 445 v. Chr. datiert.

Ein späterer Pentateuch-Redaktor (PentRed) habe zur Zeit Esras um 398 v. Chr. das Heiligkeitsgesetz (H) in die Verbindung von P und D eingearbeitet. Mit Dtn 34,10–12 sei dadurch ein Abschluss des Pentateuchs geschaffen und die Josuarolle abgetrennt worden. Diese Endredaktion versteht Achenbach als Formation eigenständiger größerer Textcorpora: D, P und H bleiben dabei positionell erkennbar. Der Redaktor stelle die Texte nicht nur zusammen, sondern greife bearbeitend und produktiv ein und bringe eigene Anliegen ein.

Darauf folgten nach Achenbach drei „Theokratische Bearbeitungen“ (ThB I–III), vor allem in Num 1–10 und Num 27–36. Sie datiert er in die erste Hälfte des 4. Jh. v. Chr. Sie begründeten das Modell einer durch die Tora des Mose eingeschränkten Priesterherrschaft, bezogen auf Ex 19,6; ein Programmtext sei Num 16–18. Außerdem sei durch diese Bearbeitungen ein Überschriftensystem entstanden, das den Pentateuch erstmals in fünf Buchrollen gliedert: Gen, Ex, Lev, Num und Dtn. Stand 2020 arbeitete Achenbach daran, dieses Modell auf alle Bücher des Pentateuchs anzuwenden. Er entwickelt zudem ein Modell für parallele redaktionelle Entwicklungen im Pentateuch und in den Hinteren Propheten.

Recht, soziale Schutzgruppen und Perserreich

Ein weiteres Arbeitsgebiet ist die alttestamentliche Sozialgesetzgebung. Achenbach befasst sich besonders mit Vorschriften für Witwen, Waisen und Fremde, die als Personae Miserae bezeichnet werden. Im Exzellenzcluster „Religion und Politik“ wirkte er am Projekt „Distinktion und Integration in der Gründungsurkunde Israels“ mit, das die Darstellung von Fremden in alttestamentlichen Texten erforschte. In diesem Zusammenhang legte er einen Entzifferungsvorschlag für ein Ostrakon aus Khirbet Qeiyafa vor. Dieser Text gehört zu den ältesten nordwestsemitischen Texten und thematisiert den Schutz von Witwen, Waisen und Fremden.

Sein aktuelles Projekt trägt den Titel „Religionspolitik im antiken Perserreich. Kulturvergleichende und rechtsgeschichtliche Studien zur Situation der Juden in der multireligiösen Gesellschaft der Achämenidenzeit“. Es soll die Religionspolitik der Achämeniden in Mesopotamien, besonders Babylon, in Kleinasien mit Halikarnassos, in Ägypten mit Elephantine sowie in Palästina mit Samaria und Jerusalem darstellen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf dem Umgang mit Lokalheiligtümern.

Lehre und Herausgebertätigkeit

In seiner Lehre will Achenbach alttestamentliche Texte durch genaue philologische Analyse, also die Untersuchung von Sprache und Textgestalt, sowie durch redaktionsgeschichtliche Einordnung erschließen. Zugleich möchte er die Aussageabsicht der Texte in gegenwärtige Diskussionen übertragen und für Unterricht und Predigt nutzbar machen. Er betont die Ergänzungsbeziehung von Altem und Neuem Testament und der dort entwickelten Gottesbilder.

Gemeinsam mit dem Münsteraner Altorientalisten Hans Neumann gibt Achenbach die von Eckart Otto 1995 begründete „Zeitschrift für Altorientalische und Biblische Rechtsgeschichte“ (ZAR) heraus. Zu seinen wichtigen Veröffentlichungen zählen die Dissertation „Israel zwischen Verheißung und Gebot. Literarkritische Untersuchungen zu Deuteronomium 5–11“ von 1991 und die Habilitationsschrift „Die Vollendung der Tora. Studien zur Redaktionsgeschichte des Numeribuches im Kontext von Hexateuch und Pentateuch“ von 2003.

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