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Gottesbild
Unter Gottesbild (Gottesbegriff) versteht man ein (inneres) Bild, das Menschen mit dem Begriff Gott verbinden, ein Konglomerat von Vorstellungen, Gefühlen, …
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Bedeutung und geschichtliche Formen
Ein Gottesbild oder Gottesbegriff ist das innere Bild, das Menschen mit „Gott“ verbinden: ein Bündel aus Vorstellungen, Gefühlen und Assoziationen. Daneben kann es körperliche Darstellungen des Göttlichen geben, also Bildnisse.
Ursprünglich bezeichnete der Ausdruck vor allem plastische oder gemalte Darstellungen von Göttern. Sie sollten die Gottesvorstellung realistisch ausdrücken und wurden meist kultisch verehrt. Solche Darstellungen waren besonders in den antiken Religionen Mesopotamiens, Ägyptens, des Orients, Griechenlands und Roms verbreitet.
Die jüdische Religion lehrt in ihren Schriften bis heute, keine Gottesbilder anzufertigen. Ein Bilderverbot im Islam ist nicht im Koran belegt, aber seit dem 8. Jahrhundert in der Hadith-Literatur nachweisbar. Auch Zoroastrismus und Shintoismus beanspruchten zunächst, auf Gottesbilder zu verzichten, brachten später jedoch Götterdarstellungen hervor. Im Hinduismus und in einigen Formen des Buddhismus sind Götterdarstellungen üblich.
Bilderverbot und Ebenbild Gottes
In der jüdisch-christlichen Religion wird der Mensch einerseits als Ebenbild Gottes verstanden (1. Buch Mose 1,27f. EU). Andererseits enthalten die Zehn Gebote ein Bilderverbot (2. Buch Mose 20,4–5 EU). Angebetet werden sollen weder Menschen als Geschöpfe Gottes noch von Menschen hergestellte Abbilder, sondern Gott allein.
Der scheinbare Widerspruch beruht nach dem Artikel auf einem ungenauen Verständnis der Begriffe. Im hebräischen Originaltext bedeutet „zelem“ Abbild oder Ebenbild. Maimonides erklärte im Führer der Unschlüssigen, dieses Wort weise auf eine geistige Qualität, eine Essenz, hin. Das Ebenbild Gottes im Menschen sei daher nicht körperliche Gleichheit, sondern menschliche Vernunft.
Davon werden „tmuna“ für Bild sowie „pessel“ für ein dreidimensionales Standbild oder eine Statue unterschieden. Diese können im jüdischen Verständnis götzendienerischen Charakter haben und werden im Dekalog ausdrücklich verboten. Gemeint ist zunächst das künstlerische Abbild zur kultischen Verehrung als Götzenbild; das Verbot richtet sich gegen Fremdgötterverehrung. Spätere theologische Deutungen, etwa bei Philo, beziehen es auch auf zu konkrete, anthropomorphe, körperliche oder sonst unangemessene Vorstellungen von Gott.
Christliche Vorstellungen von Gott
Religionspsychologisch gilt es im Christentum als kaum möglich, an Gott zu glauben, ohne sich ein Bild von ihm zu machen. Christliche Theologie und Philosophie entwickelten deshalb Mittel, die Gefahren solcher Bilder zu verringern. Die Scholastik kannte die Triplex Via: Ein Begriff wird dreifach transformiert, bevor er auf Gott angewendet wird. Dies wird auch Analogie der Rede von Gott genannt.
Das rechte Gottesbild soll nach christlicher Überzeugung von Jesus Christus, dem „Ebenbild des unsichtbaren Gottes“ (Kolosser 1,15 EU), und vom Neuen Testament her gewonnen werden. Jesu Botschaft verkündet Gott als barmherzig, bedingungslos liebend, vergebungsbereit und gewaltfrei. Menschliches Fehlverhalten wird dabei nicht verharmlost, denn Gott wird zugleich zugeschrieben, menschliche Willensfreiheit zuzulassen.
Die biblische Überlieferung des Alten und Neuen Testaments prägt das christliche Gottesbild. Grundlegend sind Gott als Schöpfer und die Menschwerdung Gottes in Christus. Gott der Vater als Schöpfer und Jesus als Sohn Gottes offenbaren sich im heiligen Geist und sind dadurch geistig gegenwärtig; dies steht im Zusammenhang mit der Trinität.
Im Alten Testament erscheint Gott vor allem als Schöpfer (Gen. 1+2), als alles bestimmende Wirklichkeit, die in ihre Schöpfung handelt und Glaubende unterstützend begleitet. Er wird als Befreier (Exodus 3,14), Beschützer Israels (Exodus 20) und helfender Begleiter (Gen. 12,1–5) beschrieben. Im Neuen Testament wird die zuvor exklusive Bindung an Israel durch den Erlösungsgedanken für alle Menschen erweitert. Gott offenbart sich in Jesus Christus und gilt als Gott aller Menschen: „Gott ist Liebe“ (1. Joh 4,16 EU / Joh. 3,16 EU).
Unter Christen bestehen unterschiedliche Auffassungen, etwa zwischen einem strafenden Buchhalter- oder Richter-Gott und dem liebenden, barmherzigen „Abba“, der alle Sünden verzeiht. Nach Kreuzigung, Auferstehung und der Ausgießung des heiligen Geistes zu Pfingsten ist Jesus im heiligen Geist gegenwärtig, entsprechend seiner Zusage in Matthäus 28,20 EU. Kunstwerke zu biblischen Szenen sind in der Regel nicht zur Anbetung geschaffen.
Andere Religionen und Philosophie
Der Hinduismus kennt viele verschiedene Götter und entsprechend unterschiedliche Gottesbilder. Der Buddhismus verzichtete ursprünglich auf Gottesbilder; bisweilen tritt jedoch ein vergöttlichter Buddha an ihre Stelle.
Im Liber viginti quattor philosophorum, dem Buch der 24 Philosophen aus dem späten 12. Jahrhundert, stehen verschiedene abstrakte Gottesdefinitionen nebeneinander. Eine davon beschreibt Gott als Kugel, deren Zentrum überall und deren Peripherie nirgends sei. Dieser Gedanke wurde über Nicolaus Cusanus bis zu Blaise Pascal in dessen Pensées weiterentwickelt, dabei aber stärker auf Naturphilosophie und Kosmologie als auf Gotteslehre bezogen.
Religionskritik und moderne Theologie
Ludwig Feuerbach deutete Gottesbilder als Projektionen menschlicher Wünsche und Träume, Sigmund Freud als Bildungen der menschlichen Psyche. Friedrich Nietzsche sagte, der Mensch habe Gott durch Wissenschaft, Zweifel und Geschmack getötet. Albert Camus und andere Philosophen bezeichneten den Glauben an Gott als überflüssig bis unmöglich.
Diese Kritik beeinflusste die moderne Theologie. Besonders in den USA entstand die „Gott-ist-tot“-Theologie, die Dorothee Sölle in Deutschland aufgriff und mit der ein Christentum ohne Gott versucht wurde. Karl Barth und andere Theologen hielten dagegen menschliche Gottesbilder grundsätzlich für zwecklos. Nur das Gottesbild, das Gott selbst in seiner Offenbarung durch Jesus Christus gezeichnet habe, sei wahr und nicht von der Religionskritik betroffen.
Wolfhart Pannenberg betonte dagegen, dass die religiöse Dimension zum Menschen gehöre. Menschen seien gewissermaßen dazu verdammt, über das Transzendente nachzudenken und sich deshalb auch Gott vorzustellen, also Gottesbilder zu bilden.
Persönliche Gottesvorstellungen
Ende des 19. Jahrhunderts untersuchte der Soziologe Edwin D. Starbuck durch eine Befragung das persönliche Gottesbild weißer protestantischer Gläubiger in den USA. Ein Drittel bis ein Viertel der Befragten berichtete von der Erfahrung einer persönlichen Gemeinschaft mit Gott. Starbuck deutete dies als Ausdruck eines universellen Bedürfnisses nach Gemeinschaft und Freundschaft.
Der Psychologe William James führte diese Arbeit fort. Er unterschied verschiedene Frömmigkeitstypen und die dazugehörigen Vorstellungen von einem wahrnehmbaren oder nicht wahrnehmbaren Gott. Dazu zählten unter anderem Vorstellungen gesunder und kranker, glücklicher und unglücklicher, bekehrter oder in mystischer Versenkung vertiefter Menschen sowie Angehöriger verschiedener Religionen.