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Region

Region bezeichnet in der Geographie und der Raumordnung ein anhand bestimmter Merkmale abgegrenztes Teilgebiet der Erdoberfläche.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Abgrenzung
  2. 2. Region, Territorium und Sprache
  3. 3. Naturräume, Geologie und Humanwissenschaften
  4. 4. Politische und administrative Regionen
  5. 5. Wirtschaft, Planung und Entwicklung
  6. 6. Ökologisch definierte Regionen

Grundidee und Abgrenzung

Eine Region ist in Geographie und Raumordnung ein Teilgebiet der Erdoberfläche, das anhand bestimmter Merkmale abgegrenzt wird. Sie kann außerdem eine Verwaltungseinheit zwischen Stadt bzw. Gemeinde und Staat sein.

Zwei Kriterien sind besonders wichtig:

  • Das Homogenitätskriterium fasst Gebiete zusammen, die bei bestimmten Merkmalen ähnlich sind, etwa bei Geologie, Klima oder Einkommensniveau.
  • Das Funktionalitätskriterium fasst Gebiete zusammen, die eng verbunden oder voneinander abhängig sind, etwa durch Pendlerbewegungen sowie sozioökonomische, politische oder ökologische Verflechtungen.

Welche Grenze gewählt wird, hängt immer von der Absicht ab. Naturräumliche, kulturhistorische, ökologische, soziale und wirtschaftliche Gesichtspunkte können unterschiedlich kombiniert und gewichtet werden. Wirtschaftsregionen werden beispielsweise vor allem abgegrenzt, um Wertschöpfungspotenziale besser zu nutzen.

Regionen liegen über der lokalen Ebene und reichen von Gebieten mittlerer Größe bis zu Weltregionen. Sie können innerhalb politischer Grenzen liegen oder diese überschreiten. Ihre Grenzen sind häufig nicht exakt: Ein Gebiet kann nach unterschiedlichen Kriterien mehreren Regionen zugleich angehören.

Region, Territorium und Sprache

Ein Territorium, etwa eine Gemeinde, ein Landkreis, ein Land oder ein Staat, besitzt im Westfälischen System festgelegte politische und rechtlich verbindliche Grenzen. Es wird von einer Gebietskörperschaft als juristischer Person des öffentlichen Rechts verwaltet. Kleinere Territorien gehören in der Regel jeweils nur zu einem größeren Territorium; Doppelzugehörigkeiten sind ausgeschlossen.

Eine Region ist dagegen, sofern sie nicht selbst ein Territorium bezeichnet, oft weniger scharf abgegrenzt. Der Begriff eignet sich deshalb auch für Zusammenarbeit oder Planung, bei denen eine genaue Trennung bewusst vermieden wird, zum Beispiel bei EUREGIO, INTERREG, dem Europa der Regionen, Modellregionen oder Planungsregionen.

In der physischen Geographie werden zwar Klassifikationen mit möglichst eindeutiger Regionszugehörigkeit gebildet. Dennoch können natürliche Ränder unscharf sein: Eine Wasserscheide kann zu zwei hydrographischen Einzugsgebieten gehören, und ein Geotop kann durch zwei geologische Zonen geprägt sein. In stark gegliederten Landschaften fallen landschaftliche, kulturelle und politische Regionen häufig zusammen; politische Grenzen orientieren sich oft an Flüssen und Wasserscheiden.

Im Sprachgebrauch meint „eine Region“ ein bestimmtes Gebiet mit absoluter Lage. „Regional“ beschreibt dagegen eine relative Lage, bezogen auf einen jeweiligen Standpunkt. „Regionale Einrichtungen“ können daher entweder Einrichtungen in einem relativen Umfeld oder Einrichtungen einer bestimmten Region sein. Das englische region und das italienische regione können stärker politische beziehungsweise verwaltungstechnische Bedeutungen haben und dadurch Übersetzungsmissverständnisse auslösen.

Naturräume, Geologie und Humanwissenschaften

Naturräumlich-geographische Regionen werden vor allem mit geomorphologischen, geologischen, hydrologischen und bodenkundlichen Kriterien abgegrenzt. Sie können grenzübergreifend sein. Sie sind unter anderem für die physische Geographie, die Siedlungs- und Verkehrsgeographie sowie für Naturschutz- und Tourismuskonzepte bedeutsam.

In der Geologie unterscheidet die Einteilung von Coffin und Eldholm (1992) geologische Provinzen: Schilde, Kontinentalplatten und -schilde, Orogene und Bergländer, Becken und kontinentale Erdkruste sowie Large Igneous Provinces (LIP). Weitere geologische Regionalisierungen beruhen beispielsweise auf der Untersuchung des Untergrunds, von Störungszonen oder von Gesteinsaufschlüssen.

Humanwissenschaftlich definierte Regionen dienen unter anderem dazu, Phasen der Menschheitsgeschichte räumlich einzuordnen. Für die Erforschung der neolithischen Revolution werden beispielsweise Levante und Fruchtbarer Halbmond verwendet. Auch Sprachen, Dialekte oder regionale Küche können soziokulturelle Regionen begründen.

Die Regionalgeschichte betont, dass viele Regionen nicht naturgegeben sind. Sie entstehen durch menschliche Vorstellungen und Handlungen, können sich verändern und besitzen daher einen konstruierten, prozesshaften Charakter. Ökologische, wirtschaftshistorische und soziologische Perspektiven untersuchen dabei etwa den Einfluss menschlicher Nutzung auf Natur und Landschaft, frühere Währungs- und Handelssysteme sowie politische Ordnung, Sprache, Kleidung und Zusammenleben alter Ethnien.

Politische und administrative Regionen

Staatliche Untergliederungen wie Regierungsbezirke sowie neue stadtregionale Gebietskörperschaften wie die Region Hannover oder die Städteregion Aachen werden politisch gebildet und abgegrenzt. In Demokratien werden Gebietsreformen in der Regel durch Parlamente oder durch Referenden der stimmberechtigten Bevölkerung entschieden. Die politische Geographie untersucht die innerstaatliche Verwaltungsgliederung.

Die Europäische Union hat auf Grundlage nationaler Territorialdefinitionen die NUTS-Regionen als System statistischer Regionen entwickelt. Entwicklungsregionen, etwa im LEADER-Programm, und Großverbände wie die Alpenkonvention verbinden Gemeinden oder Bezirke zu einer Region, ohne selbst die Merkmale eines Territoriums zu besitzen. INTERREG-Regionen dienen ausdrücklich der grenzüberschreitenden kommunalen Zusammenarbeit.

Auch Staaten können sich auf supranationaler Ebene innerhalb einer Großregion zu Interessensverbünden zusammenschließen. Beispiele sind ASEAN, der Verband Südostasiatischer Nationen, und NAFTA, die Nordamerikanische Freihandelszone.

Wirtschaft, Planung und Entwicklung

Wirtschaftsregionen werden angesichts weltwirtschaftlicher Herausforderungen definiert und wirtschaftsgeographisch im Zusammenhang mit weiteren geographischen Aspekten untersucht. Regionalökonomisch geht es entweder um die Förderung strukturschwacher Randregionen oder um wirtschaftliche Problemzonen, beispielsweise durch Strukturfonds.

Metropolregionen besitzen ein Ballungsgebiet als Kern. Dieser Kern strahlt wirtschaftlich in sein Umland aus und steht mit ihm in Verbindung. Deshalb überschreitet ihre Abgrenzung meist traditionelle politisch-administrative, landsmannschaftliche und physisch-geographische Grenzen. Die wirtschaftliche Globalisierung erhöht den Druck auf Staaten, sich entsprechend umzustrukturieren.

Europaregionen werden eher einer übergeordneten Wirtschaftspolitik zugeordnet. Das Europa der Regionen setzt dagegen stärker auf Eigenständigkeit. Erwartet werden dadurch eine effektivere und effizientere Verwaltung mit mehr Sachkompetenz und Bürgernähe, stärkere Wettbewerbsfähigkeit und Infrastruktur sowie die Umsetzung des Subsidiaritätsprinzips. Für eigenständige Regionalentwicklung werden auch Regionalwährungen erprobt und diskutiert. Tourismusregionen sind weitere wichtige Wirtschaftsregionen; sie richten sich auf gemeinsame Infrastruktur und Vermarktung aus.

Planungsregionen berücksichtigen vielfältige Ziele, auch zur Wirtschaftsförderung. Beispiele sind Verkehrsverbünde für gemeinsame Verkehrsinfrastruktur und das EU-LEADER-Programm zur Förderung strukturschwacher Gebiete. In Entwicklungsländern können Landesteile aus entwicklungspolitischen Gründen zu Entwicklungsregionen zusammengefasst werden.

Ökologisch definierte Regionen

Schutzgebiete des Natur- und Umweltschutzes sind typische ökologisch begründete Regionen. Der Gesetzgeber legt ihre Grenzen fest. Weil innerhalb und außerhalb eines Schutzgebiets unterschiedliche Regeln gelten, können sich diese Grenzen auch in der Natur verfestigen. Pufferzonen sollen diesen Nachteil ausgleichen.

Ökoregionen verfolgen mehrere Ziele zugleich: ökologische Landwirtschaft, regionale Wertschöpfungsketten und Tourismus, ausreichende Beschäftigung, sanfte Technik sowie die Bewahrung von Vielfalt und eine höhere Lebensqualität. Dazu zählen Biosphärenreservate der UNESCO und die Umsetzung lokaler Agendaprogramme der EU.

Gentechnikfreie Regionen sollen die Bevölkerung für Risiken gentechnisch veränderten Saatguts sensibilisieren. Sie zeigen das Spannungsfeld zwischen sozialen, ökologischen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten: Ernährungsphysiologische Fragen und die Sorge um biologische Vielfalt treffen auf wirtschaftspolitische und profitorientierte Interessen.

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