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Reform (Religion)
Beispiele religiöser Reformen · Die Buddhistischen Konzilien zur Abklärung der Lehre des Buddha. · Das Konzil von Nicäa zur Klarstellung der Trinitätslehre, 325 …
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Grundidee religiöser Reformen
Eine religiöse Reform richtet sich auf die Reform der Glaubenslehre. Damit ist gemeint, dass zentrale religiöse Lehren überprüft, neu formuliert oder von als falsch angesehenen Vorstellungen getrennt werden. Davon zu unterscheiden ist eine Reform der Organisation einer Religionsgemeinschaft. Eine organisatorische Reform kann zwar aus einer Reform der Glaubenslehre folgen, ist aber nicht dasselbe.
Religiöse Reformen entstehen, wenn eine Glaubensgemeinschaft oder ein Teil von ihr meint, vom in ihren Augen wahren Glauben abgewichen zu sein. Meist beginnen einige Mitglieder einer Religionsgemeinschaft mit der Reform. Andere Mitglieder derselben Gemeinschaft leisten oft Widerstand. Im Verlauf solcher Reformen werden die Lehren, die als wahr gelten, neu bestimmt; Lehren, die als irrig gelten, werden verurteilt und abgelehnt.
Anlass und Arbeitsweise
Der Anlass für eine religiöse Reform ist häufig eine Abweichung vom angenommenen wahren Glauben, die sich über längere Zeit entwickelt hat, manchmal über Jahrhunderte. Eine Reform bedeutet deshalb eine Neuorientierung an den Anfängen der Religion. Dabei wird die religiöse Überlieferung aber aus der Perspektive der Gegenwart und mit dem Wissen der Gegenwart betrachtet.
Ein typischer Anlass sind soziale Veränderungen. Sie können dazu führen, dass überlieferte ethische Vorschriften ihren ursprünglichen Sinn verlieren. Dann können veränderte ethische Vorschriften nötig werden, um den zugrunde liegenden Wert weiterhin zu schützen. Ein anderer Anlass ist die faktische Widerlegung überlieferter Vorstellungen, zum Beispiel durch bessere Einsichten in geschichtliche Vorgänge oder naturwissenschaftliche Zusammenhänge. Wenn überliefertes Wissen dadurch als falsch erwiesen wird, kann eine Reform erforderlich werden.
Warum Reformen wiederkehren
Nach dem Artikel kann es keine endgültige Reform einer Glaubenslehre geben. Der Grund ist, dass sich Gesellschaften ständig verändern und das menschliche Wissen fortschreitet. Deshalb müsse eine Glaubenslehre immer wieder reformiert werden.
Diese Einsicht wurde 1947 von Karl Barth mit der Formel Ecclesia semper reformanda est zusammengefasst. Übersetzt bedeutet sie: die Kirche muss immer reformiert werden. Die Aussage bezieht sich im Artikel auf die grundsätzliche Notwendigkeit wiederkehrender Reformen, weil religiöse Lehre immer neu im Licht der Gegenwart und des aktuellen Wissens geprüft wird.
Abgrenzung zum Zeitgeist
Religiöse Reformen zielen nach dem Artikel nicht zuerst darauf, sich dem Zeitgeist der Gegenwart anzupassen. Sie bringen aber zwangsläufig gewisse Anpassungen mit sich, weil religiöse Überlieferung aus heutiger Perspektive und mit heutigem Wissen betrachtet wird.
Eine vollständige Anpassung an den Zeitgeist gilt im Artikel nicht als glaubwürdige religiöse Reform. Reformen, die nur auf Anpassung an die Gegenwart zielen und keine Rücksicht auf einen angenommenen wahren Glauben nehmen, seien keine religiösen Reformen im eigentlichen Sinn. Ihre Zweckmäßigkeit wird als fragwürdig bezeichnet, weil sie nicht auf dem Glauben der Gläubigen aufbauen. Solche Reformen beruhen häufig auf Zwang, sind meist nicht sehr langlebig und werden nach wenigen Generationen wieder rückgängig gemacht. Als Beispiel nennt der Artikel die Reformen des römischen Kaisers Julian Apostata zur Stärkung des Heidentums gegenüber dem Christentum.
Traditionalismus und Modernismus
Der Artikel unterscheidet zwei gegensätzliche Haltungen gegenüber religiösen Reformen. Gegner berechtigter religiöser Reformen werden Traditionalisten genannt; ihre Ideologie heißt Traditionalismus. Gemeint ist eine Haltung, die an überlieferten Formen festhält und Reformen ablehnt.
Anhänger von Reformen, die vor allem der Anpassung an den Zeitgeist dienen und dabei einen angenommenen wahren Glauben nicht berücksichtigen, werden Modernisten genannt; ihre Ideologie heißt Modernismus. Beide Begriffe wurden zuerst im christlich-katholischen Umfeld geprägt, werden heute aber auf alle Religionen angewandt.
Beispiele
Der Artikel nennt mehrere Beispiele religiöser Reformen aus verschiedenen Religionen. Dazu gehören die Buddhistischen Konzilien, die der Abklärung der Lehre des Buddha dienten, sowie das Konzil von Nicäa zur Klarstellung der Trinitätslehre im Jahr 325 n. Chr.
Weitere Beispiele sind die muslimische Muʿtazila, die im 9.–11. Jahrhundert falsche Traditionen ablehnte, die Reformation von 1517 durch Martin Luther, Johannes Calvin und andere, die schrittweise Durchsetzung der Historisch-Kritischen Methode im Christentum im 19. und 20. Jahrhundert sowie das Zweite Vatikanische Konzil der Katholischen Kirche von 1962–1965. Außerdem nennt der Artikel liberale Bewegungen im Islam und das Liberale Judentum.